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Full text of "Briefe von und an Michael Bernays"

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SRit rinem »ilbniS. 




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8. fBt^x'i SSerlog. 

^^1907/ 







DEC 171919*^ 



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Tr^ 



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Jfttjiolt 



eeite 

Sortoort IX 

I. SStiefe van S^enta^s 1 

1. Hud IBrtefen an ^ermann Ul^be unb gftau 3 

2. 9(n Safob 8aed^toIb 85 

3. m Dtto ©itbcmciftcr 93 

4. «n gfrau Suife fiotflncr 102 

5. ^n Sofe))]^ SemtndlQ 105 

6. 9[n 9{o(^tt9 Don Siliencron 110 

7. Sin ^eintit^ bon Stein 113 

8. S[n ^cinri^ bon ^rcitfd^fc 118 

n. SSriefe an SSerüa^s 123 

1. Söttöi bon S)öntngcr 125 

2. Henriette 2fcuerba(^ 126 

3. Äonrab Sficblcr 168 

4. Otto ©Ubcmctftcr 171 

6. ^aul ^c^fc 176 

6. Sofert ficjoln»!^ : 182 

7. gio(^u« bon fiillencron 184 

8. SKoj SWüHcr 189 

9. gricbri(^ fRa^el 191 



10. 2Lhom 64^11 19S( 

11. ^tnrU^ bon @tein . . . '. 195 

12. ^nrid^ t>on @96el 200 

13. $eintt(6 Don 2:reitfd»(e 201 

14. tCnmertungen 204 

16. a^eglfter 216 



\ 



Portport 



0m 26. Sfebruat 1907 toerben ^el^n Saläre bal§ingegangen 
feUi, feitbem md^aü SBemo^S, bet a^ünc^ener Untoerfitätö« 
le^t, bei J^arlSru^r ©d^riftfteller, bei umfaffenbe Kenner 
ber SBeltlitteratur unb il^rer fTitif(l^»))]§iIoIog{fd^en SBead^tung, 
au^ beut Seben gefc^ieben ift. IBon ber inbibibueHen S3egabung 
unb htm ^iffendumfange beS ^anned, ben einet feiner 
treueften @<l^üler treffenb afö Un legten grogen ^ol^l^iftor 
ber beutfd^en Sitteraturgefd^id^te be^eid^net l^at, lurj )u fprec^en, 
bie maäitooUt ißerfi^nlid^f eit unb il^re (Simoirhtng auf gfreunbe 
imb ®^üler in fnopptt $(ttdfü^rung ^u fd^ilbern, fteHt 
frenge unb eigenartige $(nforberungen, beren nad^ aEen ©eiten 
ffin befriebigenbe (SrfüEung tatfädiHc^ nic^t möglich ift. S)arum 
fei für benjenigen, ber über bie n^iffenfd^aftli^e 6te0ung, 
über bie SRet^obe unh ©tiüfiif bon mä^aü ^tmatß ein« 
gel^nbe Iiebet)oE gegebene Sluffc^Iüffe fud^t, ^ingen^iefen auf 
bie einleitenben SBorte ®eorg Sßitfomdlid k)or bem britten 
Sonbe ber ©d^riften gur firitif unb Sitteraturgefd^id^te (Berlin, 
8. 8e^ IBerlag. 1899). 

^m fd^on feit mel^reren 3al§ren ftänbig fid^ tt^ieber» 
^olenben SBunfd^e, aud ben ^a^Ireid^n t^orl^anbenen unb fomeit 



X SottDOtt. 

enei^bat forgfam gefammdten Oriefen, beren aUgemeinen, 
über bett SttM bcr ))(üolofl{f(^Ittterat]^{ftorif<^n S^f^ 
genoffen ^oitSgel^nbett Sett (JHti^ne gelegentU^ ^u rühmen 
tDu|ten, eine Sftet^ erlefener lBeif)>ieIe ^u erbalten, biefem 
fBunfi^ ttirb nunntel^r ein ^abrjebnt nacfe Bernaus' ^be 
nachgegeben, ^ben hoä^ bie Dier Bftnbe ber ®4riften gerabe 
bier eine fül^Ibare, menn aaäi bamalS, ^ur ^i if^xt& (Sx» 
fdbcinenS au8 ))erfbttli(ben (S^rilnben unt)ermeiblid^e Sude ge^^ 
laffen ! SRit ber Hnblidb«! naü»gütigen ))atbetif(!^ ©elbfi« 
ironie, bie nabe S^eunbe atö trefflid^e (Sigenf^ft an 93ema^ 
gern er!annten nnb rühmten, niftl^tenb fte ]^ftmifcb't)erfifinbs 
niSlofe ftembe 8eoba(!6ter toobi M ))rablfü(4tige ^iteßeit 
auszulegen toagten, bat ^maifi gar oft mit Iftd^ber aiihene 
bie groben engbefcbriebenen Ouartbogen toom <S(bxeibtif(!^ 
aufgeboben mit ben fBorten: ^^fBer \diuif>i am dnht bed neun« 
gebnten Sabrbunbertd no(b foltbe SBriefel" Unb gan) gekoib, 
{eine (S))ifte(n erinnern ttieit el^er an bie inl^ItSreicben ©einreiben, 
n^elibe bie grands 6criTainB na(b langer Überlegung jn t)ers 
fenben ))f(egten, l^inber einer Qi^t, bie nod) für bie 9lbfaffung 
bebft(btigstbeoreti{(ber ober geiftreid^-friboler tlbl^nblungen 
an einen beliebigen greunb (Sinn unb ^Dtnit befab, al9 an 
bie f(ü(btigen Slitteilungen, an toelcbe bie bequemen $oftt>ers 
binbungen einer in biefer ßinficbt ftd^erlii^ firmeren ®egen? 
mart und getobbut l^ben. Siro^bem ein gewaltiger, ein ent- 
fd^eibenber Unterfcbieb. Mt bie ^Briefe, bie 9li(bael ^emo^ 
niebergefcbrteben l§at, ftnb mit bem untrüg(i(ben &tmptl 
feiner $erfönli(bfeit, im rein menfcbli^en ©inne gebadet, ber« 
feben. ®ie ftnb bei aOer SBiffenfcbaftlicbleit, bei aller ftUiftifdben 
(Sjraftbeit niibtS anbered alS ftarl ))erfbnli4 gefärbte (tc^u^^^ 
ttiffe bon Stimmungen, meldte ba(b bie 3)urd^nabme eineS 
fibtoer ftdb gufammenfaffenben (Stoffed für bad groge l^olleg, 
balb bie S3ef(baftigung mit ben politifcben dreigniffen beS 
^aged, benen S3ema^ atö aufmerffamer S3eobacbter folgte, 



SSortDort. XI 

Balb bet Setfel^t mit hm grteunben ober ber ^dt im 9ltdiet 
unb auf ben S3tettent auSIdfen tnugten. aerobe biefe fub« 
idtiDe IBetrad^tungdmetfe aUed beffen, toaS einem SU^enfcl^en 
itnb dklel^rten, )oie SRid^ael SBerna^S ed loat, betta^tend^ unb 
anmerfendoürbigerfd^ien, gibt biefen ^Briefen i^re, man barf 
cd ol§ne 3U übertreiben fd^on ie|t fagen, etl^ifd^e unb fultur? 
^iftorifd^ ^erte Dereinigenbe Sebeutung. 



9lu8 bem überreid^ k)orl§anbenen ^aitxial bie rii^tige 
SludbKil^I ^u treffen voax nid^t leidet. @rft nad^ längerer 
tbberlegung unb @id(tung lonnten bie ®mnbfft|e aufgefteUt 
toerben, toeld^ für bie Verausgabe maggebenb fein foEten. 
S)er (Siebonfe, auf ®runb ber fotool^I an 8^^^ ^^^ ^n 
©d^dnl^eit unb allgemein anregenbem ^nl^alt überragenben 
S3riefe nid^t ftreng fa(6tt)iffenfd^aftli(6er 9lrt eine Samm- 
lung 3U erl^alten, toeld^e aud^ augerl^alb beS ftrengen 
^äufleinS ber litterarl^iftorifd^en gfreunbe unb @d)üler ju 
mirf en toermdd^te, gett^ann fid^ enblid^ bie entfd^eibenbe SRad^. 
& foü babei gletd^ gefagt toerben, hai augerbem ptc^ 
fdnlid^ 9lüdftd^t, bad ®ebot fd^onungdboüer STd^tung Dor 
Sebenben bie Serdffentlid^ung t>on ©d^riftftüden polemifd^en 
Sn^Ited, fei er nun bered^tigt ober nid^t, ))rinai^iell auSge« 
fd^loffen l^aben. @o reifte nac^ unb nadb ber enbgültige dnU 
fd^Iui alle IBriefe mit rein fad^miffenfd^aftlid^en S3etra(6tungen 
fort^ulaffen, unb il^re 9(u8nu(ung für eine nod^ in »weiter 
3ufunft liegenbe groge $ubIiIation einem tüd^tigen, im (Sinne 
toon äitid^el Bernaus n^irlenben litterar^iftorifd^en Sforfd)er 
ber fommenben Generation ju bemalten. 9lu8 biefem (S^runbe 
blieb ber umfangreid^e Sdrieftoed^fd mit @rid^ ©d^mibt toon 
tooml^in auger SBetrac^t unb gleid^ biefem mugten aud^ 
bie aihtteilungen an Sdaed^tolb — mit einer einzigen 9(ui^ 
nal^me — , an Oranbl, Softer, @auer, <Su))]^an, SitfowSftunb fo 



Xn SortDOtt. 

manche anbete loie an bie ^al^Ireid^en ©Aüler aui^efd^Ioffen 
toerben. %ai l^ingegen bei IBtief an 81. t>on Stitencron 
megen Ubemal^me bed Hrtiteld „(Botifft"" für bie allgemeine 
beutff^e S3iogra))]§ie unb bie Hnttoort, bann übetl6aut)t IBriefe 
aud frül^eren 3a:§ren, fotoeit eS möglid^ )oar il^ter (abl^ft 
ju tuerben, aud^ toegen il^rer biogra))]^ifd^en SSebeutung 
jum 3)rude gelangen, toirb l^offentlid^ mit befonberer Zt}U 
nal^me bead^tet toerben. IBei bem emftgen SBemül^en, ben k)ors 
l^anbenen immer nod^ umfangrei^en 9left mit (Srfolg )u er^ 
ganzen, mugte leiber bie (Srfal^nmg gemai^t toerben, ba| ge:: 
rabe bie fd^önften unb toid^tigften ©^reiben einer Don S3ema^ 
über ein Sßierteljal^rl^ttnbert geführten ftorref))onben} oernid^tet 
unb bag anc^ bie oon Sdetna^d an SlUd^arb Sagner genieteten 
Briefe in Sßal^nfrieb nid^t anfbetoal^rt morben toaren. ^ro^ 
bem lonnte bie entf))red^enbe Sln^a^I t)on @tüdEen ^ufammen? 
gebrad^t toerben. 3m ^al^re 1873 tonrbe ^tmatft nad^ 
äJiünd^en berufen, 1890 trat er t)on feinem Sel^ramt ^urüdf. SBei 
toeitem bie griJgte ^Alfte ber l§ier gebrudten ^Briefe entftammt 
biefer Beit, bie für Bernaus' SBirfen bie ^öl^e bebeutet. @ine 
ganj befonbere ^ufmerffamleit tourbe tool^I mit di^i auf aEe 
bieienigen @tüde Oertoenbet, toelc^e im 6tanbe ftnb, geugniS 
abzulegen für ben flaren SBIidE, mit toeld^em aßi^ael Sdematid 
bie (Srfd^einung unb bad Sßirfen bed @kniu8, toie er in Sii^arb 
SBagner, in Slnfelm gfeuerbadft ficb offenbarte, Oor anberen 
)U erlennen t)ermod^t l§at unb ber il^m freubiger 9(nlag toarb, 
im))uirtt) unb f raftt^oU jugleid^ [xd^ ftetd atö feinen begeifterten 
IBermittler p betätigen. 

SßaS bie Briefe an SJli^ael Bernaus betrifft, fo galten 
l^ier entf))red6enb ben Sünfd^en ber Berlagdbud^l^anblung, bie 
{id^ mit ben ^bftd^ten bed Herausgebers berül^rten, ebenfaSd 
bie bereits angebeuteten allgemeinen @(runbfä^e. Über bie 
Bestellungen ber einzelnen $erfdnli(6feiten ^u Bernaus ift 
in Un Slnmerlungen, bereu ^bfaffung beS treuen greunbeS 



Sllfrebßolber Unterftü^ung toieberl^olt )u gute fam, hai 
^Mglftt gefagt. SRan tM> l^ier mit SBebauem eine Steige 
bon SRftnnem t>etmiffen, bereit grteunbfd^aft unb Um« 
gang ^enm^d ftetS Bejonberd f4ä|te, loie (S^uftcU) ^e^tag 
obet a^drife. ^(er Sdemo^d toar fein ©ammler. @r l§at — 
toie {t(^ anä^ av& ben Tagebüchern ergibt — bie meiften ber 
an i^n gelangenben %tttogra))l§en freigebig berfd^enlt, erft an 
^emfen, \p&ttx an ^ermann Set)i unb anbere. $emfen9 
%a$Iag ift ^etftreut, unb tDaS bie Sebtfd^e $(utograt)]^en« 
fammlung betrifft, auS toeld^er ber SBeft^er in feinen legten 
Sebendjal^ten gerne toegfd^enüe, fo ift na^ SRitteUung t>on 
gfrau ©eneralmufilbireltor 2ek)i in ^artenürd^en nid^t ein 
einziger an ^ema^d gerid^teter ^rief me^r in il^rem Sdeftl. 
gfür Süden ober Snttftttfd^ungen mni fiö^ alfo ber ^eraud^: 
geber audbrüdflid^ ald unDeranttoortlid^ be^eii^nen. @r l^at 
getan toaS in feineu ^ftften ftanb. 

%(a gan^e Untemel^men ift, feitbem fein S'>^^ be!annt 
tmtrbe, mit rül^renber, mal^rl^aft erl^ebenber aUfeitiger %t\U 
no^mt ber ^eunbe unterftü^t unb geförbert n^orben. Sl^en 
aUen gebührt t>erbienter S)anf für il^re Sreue. $ a u I $ e ^ f e , 
ber ial^r^el^ntelange ^reunb unh täglid^e ®aft bed SBema^f d^ 
^ufe8, beffen 92ame auf ben f olgenben Sdlftttem f o oft mit 8e« 
tmtnberung genannt toirb, geioftl^rte gerne bie Erlaubnis ni^t 
nur )ttm ^bbrud eined Ökbid^teS unb eined SBriefed, fonbem 
femer nod^ )ur Oeigabe fetner S^^^nung, bie als emfte 
(Erinnerung banibar aufgenommen toerben toirb. ^rau 
Senator ®ilbemeifter in Renten l^at bem Sdriefmaterial 
befonberS toertk)oIIen S^tDaä^S gegeben, Fräulein bon 
Xreitfd^fe auSnal^dtoetfe ben Slbbrmf eined S^riefeS il^red 
Saterd geftattet. d^ceEena bon Siliencro n, Dberft gfrei^» 
l^err toon (Stein (für bie IBriefe feinei» SBruberS), %t(m 
(Skneralmufübireftor Sebi (für bie IBriefe (Sonrab g^eblerd) 
SBgerten nic^t, il^re (Eintoiüigung ^ur ^ublication )U er« 



XIV Sortoort 

teilen. 3n legtet 6tttnbe langte ein umfangieid^er ^d 
an, hta gl^re i>ntd^Iaui^t bie Sftan gfürflin ^auUne 
Donailettetnid^^'^änbor gnftbigft )ttr likrfügung ffceSte. 
^ baS 9)>{anu(fri))t fd^on abgefd^Ioffen mar, mirb ber fa>9 
lyaxd eined ^ileS biefer Briefe gefonbert erfolgen. Über bie 
Bestellungen toon 8ema^ $tt 9Hd^rb Wagner unb über feine 
Sftügfeit für baS Seftf))iel in Sa^reut)^ benfe i(^ (unter ^eU 
fügung ber k)or]^anbenen S^efe an ^rmann Se))i vatb ^nS 
t)on ^ol^ogen) im Saufe bed 6onimerd lurje 92ad^ri$t in 
ben ^^(Sübbentfd^en Slonatdl^ften'' ^u geben, ber 9Ründ6ener 
Seitf d^rift, »el(^e bereite einige groben aud biefem Oonbe 
%nm tlbbrud gelangen lieg, um an ber ©tfttte, tt)o 9Rid^aeI 
SSerna^d fo lange erfolgreid^ gemirlt l§at, fein Hnbenfen )um 
^el^njäl^rigen 24)bedtage bef onberd feierli(]^ unb freunbfd^aftlic^ 
toad^urufen. 

ailünd^en, am 25. ganuar 1907. 



I. §t\tft von ptdraei ^ernaijs. 



SB er na)}«. Oriefc. 



I. ^ns ißnefen m ^tmam Kl|be nnb Itan. ' 

SBic fettfom fügen fid^ ioä) oft, im ©roßcn »ic int 

kleinen, bie ntenfd^Iid^en 2)inge, fo bag man t)erfn(l^t 

loirb, ben S^föH o^ ^it^ toid^tige ^ofitiöc SJiad^t im 

SeBen gelten jn laffenl 9lm geftrigen Slbenb, afö id^ 

nad^ lödid^em ^erfommen, tranlid^ an ber (Seite ber 

grou t). ^B^ierfd^ ® fi^enb, bag ©ef^Jtäd^ onf bie claffifd^e 

Sergongenl^eit beS Ktterarifd^en S)eutfd^Ianbi5 lenlte, 

xoaxb oföbdb S^rer, öerel^rter $err nnb grennb, 

leBl^aft nnb tl^eilnel^menb gebadet, ^x 93rief l^atte 

gran ö. ©droben, bie trefffid^e lod^ter ber l^errlid^en 

Ältcrmntter, bie feffift fd^on in grogmfittertid^en SBfirben 

ptwxQt, fogleid^ t)eranlaj3t, an^ bem reid^en @d^a^e ber 

S(nnilien))a))iere einige ©tüdEe für @ie ^eran^gnl^eben, 

bie Sie ttnt)er}üglid^ empfangen foQten. @d^on langft 

l^atte id^ gen^ünfd^t, mein nnfrein^iQigeiS nur bnrd^ ben 

mSd^tigen 2)rang ber täglid^en Slrbeit entfd^ulbbared 

1* 



4 9(n Ermann Ul^be unb ^avu 

SSerfätttnniB hiebet gut }tt mad^en unb Sonett ein SSSort 
ht& 2)QnIei^ unb btr freunbltd^m Zl^etlna^me }tt fenbett. 
Sin einem biefer gerientage foHte e8 gefd^e^en. 3htn 
lomtnt mir eben, t)on Sinnen gefanbt, bad 91&it(i^en 
in bie ^änbe, auf bem @ie meinen Flamen erglfinjen 
liegen; unb i^ }5gete nid^t, bad gebrudEte SEBort mit 
einem fd^riftlid^en }u ertoibem. 

Um ben jungen (SotÜ^t ffait iä) gerabe fo t)iel 
unb nid^t mel^r SSerbienft, ate auf @. LXn ber @in^ 
leitung angegeben ift. 8lm liebften ff&ttt id^ meinen 
9tamen nid^t auf ba^ Xitelblatt unb nur unter bie 
Einleitung gefegt. 2)enn biefe freilid^ gel^ört nid^t nur 
mir allein, fonbem il^r gnl^oft ift aud^ einiJ mit 
meinen innerften Ueberjeugungen. Sßenigfteni^ enti^ölt 
fie einen Xl^eil meineiS Srebo über ®oet^e, toie t^ fid^ 
im Saufe ber ^df^xt, bei immer erweitertem ©tubium 
ber euro:päifd^en Sitteratur unb im ununterbrochenen 
©eifteiJberlel^r mit bem ©etoaltigen, bei mir feftgefeftt 
l^at. Tlanäft^ t)on bem, toa^ l^ier balb au^fül^rlid^ 
begrünbet, balb nur leife angebeutet toxth, ift gnoijs 
fc^on t)on bieten mel^r ober minber fiar em|)funben, 
l^ie unb ba aud^ öffentlid^ aui^gef^rod^en tt)orben; fo 
jufammenl^angenb unb folgerid^tig tt)ie l^ier toarb es 
iebod^ — loenn anberiJ bie Sorfiebe fär bie eigene 



9ln ^ermann Ul^be unb gfrau. 5 

ÄrBcit mid^ nid^t töufd^t — nod^ ntd^t bargelcgt 
3(i^ IcBc ber fidleren ©opung, baß in jel^n bfe fünf^: 
i<l^n ^af)xtn bie (Srunbanfd^auuttg, bie ntid^ leitete, 
bie l^errfd^enbe fein toixi, ©d^on je^t erfreue id^ mid^ 
ber Seiftimntung öteler, bereu Urtl^etl mir öorjügtid^ 
lüertl^ fein muß. 216er gerabe biefe Urtl^eitöfäl^igften 
fittb feiten Bereit, il^re föritil im gebrudEten SBorte 
öerlottten ju loffen. — Unb toa^ ift öon ben jünftigen 
Sritilem be3 lageiJ ju ertoorten? ©old^en ift ein 
felbftänbigeg ®enlen, tt)ie e3 biefe Slbl^anbtung t)on 
il^rcn Scfem öerlongt, bie befd^toerlid^fte oHer Slufgoben, 
benen ftd^ ein SDlenfd^ nur immer nnterjiel^en fann. 
©ogar ein onfmerIfomeiJ Sefen bfirfen fie fid^ nid^t 
jumutl^en; unb bie niebrigfte $ßarteigefinnung öerleil^t 
il^nen bie n^enig beneiben^mertl^e ^l^nl^eit, ba^ ju 
üerfd^reien, toa^ il^nen nnücrftanben geblieben, 

Snt öerfloffenen orbeitreid^en SBinterfemefter, ba^ 
auf einen gleid^faQ^ fel^r arbeiti^fd^n^eren Sommer 
folgte, l^obe ic^ mid^ mit ber großen äßaffe ber Sitteratur 
beg ad^tjel^nten Sö^rl^unbert« befaffen müjfcn. ^m 
lommenben Sommer gebenle id^ über ßeffing, im 
näd^ftfotgenben SBinter über bie ^af)xt 1794—1805 
}tt lefen. liefen ©an^töorlefungen jur Seite gelten bie 
njcrbenben Übungen eines Ktterorl^iftorifc^en Seminars, 



6 9n ^ermann U§be unb fjrau. 

unb Keinere ßoHegien fl(er @]^alef:peare uttb üBer bie 
Sratijofen be^ 17*«« ^a^xfjunhtxt^, aRctnc Sc^r^^ 
tl^ättgfeit ift eine fcl^r anftrengenbe, aber ber ßol^n um 
fo ertoüttfd^ter unb tottß)t>oUtt. 9Ud^t nur, bag meine 
SSorlefungen ben jal^Ireid^ften 93efud^ unb bie regfte 
innere Xl^eilnal^me bauemb ftnben; bie l^errlid^e 2)if ci)?Iin 
ber ))]^iIoIogif^ bel^anbelten Sitteraturgefd^id^te toirb 
l^offentlid^ l^ier für bie SMhiwft feft Begrfinbet fein. 
@ie, ber @ie fo beutli^ erfennen, toa^ auf biefem 
(Gebiete t)or aUent 3lot!) tl^ut, n^erben bad nid^t ol^ne 
Slntl^eil t)eme]^men. "S^a^ Setougtfein, fo ani) an 
meinem Xl^eile in^ ®roge nnb ©anje ber t)aterlanbifd^en 
geiftigen ©nttoidlung einzugreifen, l^ebt mid^ freubig 
em:por über ia^ (Setriebe bed Xagei^, unb bie täglid^ 
fid^ emeuernbe X^ätigleit giebt meinem inneren Seben 
Sroft unb Slal^rung. 

8lud^ Sie, Serel^rtefter, muffen @id^ S^rer fd^öncn, 
bel^arrlid^ folgered^ten unb rafd^ um fid^ greifenben 
Il^ätigleit mit ungeft^mölertem ®enuffe erfreuen, toenn 
aud^ ber ^bxptx bem ®eifte mand^mal @tillftanb 
gebieten fottte. SBie gern möd^te id^ mic^ IJ^nen ein* 
mal auf ©c^meijer 93oben ^erfönlid^ näl^ern unb 
münblid^ über mand^ed mit Ig^nen t)er]^anbeln, toad 
un§ S3eiben im niiffenfc^aftlid^en ®inne gleid^ toid^tig 



9n ^ermann Uf^ht unb gftau. 7 

ip. Sttjtoifd^cn erl^altcn Sic mir 3^rc frcutibfc^ofts! 
Keinen ©eflnnungen unb laffen mid^ balb ein fd^riftlid^tö 
Seichen berfclben feigen 1 

^x toal^rl^aft ergebener 
mä)ad Serna^g. 
aiflttd^en 20. SJidrj 1876. 



©d^on, mein tl^eurer greunb, ift ber umfongreid^e 
fü|e ®mg, ben Sie ntir gefanbt, gänjlid^ aufgejel^rt, 
unb no^ ^abe id^ il^n burd^ fein SEBort be^ 2)anle^ 
ertt)ibem lönnen. 2)ie arbeitdt)oQen Xage br&ngen ftd^ 
ffott an einanber; fie laffen leine Wtviit ju erfreulichem 
StfldblidE auf bie iüngfte SSergangen^eit, noc^ n^eniger 
}tt fd^riftüc^er gortfe^ung beg geiftigen SSerlcl^riJ. Seit 
: bem t)ier}e]^nten Dctober bin id^ täglich t)on neun bid 
fieben Xl^r an ben Jftid^tertifc^ O^fffrft, an bem mir 
gegenüber ängftlid^e (Sanbibaten erfd^einen, bereu Sßiffen 
ober 9lid^ttt)if[en i^ burd^ toeife Prüfung ani^ Sid^t 
bringen mujs. 3taä) äSeenbigung einer fold^en töglid^en 
Sorfd^ungi^arbeit, bereu Ertrag oft red^t lärglic^ aui^^ 
fallt, finb ®eift unb ^ör:per jur 9{ul^e ge}n)ungen. 
9Ran begiebt ftd^ auf einen bequemen $(a^ im $arfet 
bed ^oftl^eaterd, l^ärt gute ober mittelmäjsige SDtufil, 
fielet alte ober neue 3)ramen, beult über bie ®efd^id^te 



8 ^n ^ermann Ul^be unb gftau. 

bei^ beutfd^en Xl^eateri^ naä) unb bebauert, ben grünb« 
lid^ften Senner berfetten nid^t an ber Seite ju l^aben. 
„3)eg äJieereS unb ber Siebe SBeHen" * roufd^ten öor 
einigen Slbenben an uniS t)oräber, id^ fag iufammen 
ntit bem ^e^fef^en ^f^tpaax am gefd^ü^ten Ufer. ^t\)\t 
unb id^ gel^ören ju ben entfd^iebenften 93en)unberern 
bei^ ntit bem 9{eije feelenDoQer S^ril fo manigfad^ qu^:? 
geftatteten ®ebi^tei5; gräulein Slonb l^atte ©clegenl^eit, 
il^re innere ?ßoefie an ben lag ju geben unb barju^ 
tl^un, bag id^ nid^t umfonft fo mand^e ©tunbe il^r 
getoibmet, unb bod^ trat in ber 3)arfteIIung — eben 
baburd^ toaxi fic mir tel^rreid^ — fo mand^e Knbtfc^c 
3nt]^at, fo mand^e gejtDungene Xänbelei, befonberS in 
ben beiben erften Slcten l^erüor, bafe mon an bie Sie^ 
gion, in n^eld^e bai^ @d^idEfaI ben ^id^ter nun einmal 
getoiefen, nur aHju beutlid^ erinnert toaxb. 

S)en Seginn ber SSorlefungen fel^e id^ nun nal^e 
öor mir, frül^er no^ beginnen bie forgföltig öorbe^ 
reiteten 3)arfteIIungcn ©d^itterfd^cr SBerle; an burd^*: 
reifenben grcmben ift lein SKangel, unb mand^e erfreu^ 
Kd^e ©rfd^cinung jcigt fid^ unter il^nen; ber SSerlel^r 
mit ^e^fe unb ben anbern greunben ift crquidCIic^ 
tt)ie immer — lurj, id^ bin au§ ber l^olben ©infamicit, 
bie id^ mit 3^ncn tl^eilte, in bie regfte SSeiuegung beg 



An ^ctmotttt Vifjibt unb fjrau. 9 

inncrtt unb äußern SeBenS tjerfefet iDorbeit. StBer ben^^ 
nod^ IcBc i(^ mit S^ncn au§ bcr gerue fort, unb bcr 
fd^önc SrbtDtnIcI, tt)o unfcre Sreunbfc^aft ftc^ Begrün^ 
bete, jtel^t oft genug meine ®eban!en unb ©rinnerungen 
Ott fic^. SWöd^te fic^ atteS fo fügen unb fd^iden, baß 
i^ iu SBeil^nac^ten Bei ^l^nen fein lann, toenu ber 
9Ronb Wieber üBer ben SBetten beg Oenfer @ee§ leuchtet. 

tjur immer, meine tl^euren Sreunbe, ^x getreuer 

äRid^ael Seruo^^. 

SRüttd^ett, 26. DctoBer 1876. 



Su attererft, meine tl^euren greunbe, muß id^ S^nen 
banlen für bie fo l^erjUd^ au^gef))rocl^etten ©efinnungen, 
mit benen Sie bie SBieberfel^r eineg Jageg Begrüßten, 
ber toenigftenS mir felBft nid^t ganj gleid^giltig fein 
fanu. DB ic^ ettoad getl^an, um il^u axL(S) anbem 
einigermaßen loertl^ ju mad^en, barüBer ^f(ege id^ 
gerabe on eben bem Jage am toenigften nad^jubenlen. 
3um Slac^benlen toav an(S) toenig SDluße gegönnt. 
Sie taglid^en $f(id^ten be$ Hmteg mußten auc^ an 
biefem Jage geüBt toerben, unb jjebe einjelne SSor*^ 
lefuug ift in biefem ©emefter eine Beftimmte unb neue 
Aufgabe. STn ?leußerungen freunbfd^aftßd&er XfjtiU 
na^mt f)at e0 nid^t gefel^It, aud^ ein ^irjelfd^er ©ruß ^ 



10 Wn ^eniiaiin Wjibt wah gnm. 

erfreute mid^. 3)er monigfad^ Beloegte Xag toarb erft 
um aRitteniQ^t bef^Ioflen unb jiDor mit einem ber 
er^obenfteu Quartette Seet^oüend, bod Sfreunb 2tt>i 
t>on ben erflen ßünfttent nnfereiS Or^efterd bei fiif 
Qup^ren lieg. 

lieber aOeiS, kood ft^ ettoa no^ fd^reiben liege, 
tuirb ft^ Diel erge^Ii^er unb erbonli^er reben lajfen. 
3^ fe^e mit $eiterldt ben Xagen entgegen, bie und 
gemeinfam befd^ieben fein toerben, unb ^offe, bag Sie 
biefe l^eitere Srmartung mit mir t^eilen. 

SSon ganjem ^erjen ber 3^rige 
aRid^ael Semo^d. 

aRfind^en 4. »ecbr. 1876. 



gfteitag SRorgen. 
3nbem ic^ ben lieben greunben, t)on benen i^ fo 
ungern fd^ieb, meine glücflic^e ^eimlel^r melbe, lann 
i^ jugleid^ über ben glüdttc^en SBieberbeginn meiner 
amtlid^en !£]^dtiglett berid^ten. 3^re guten SBünfd^e 
für mi^ muffen bieSmal in bie Seme getoirft ^aben. 
9[fö id^ meinen fc^ön gefüllten ipörfaal betrat unb bad 
9[uge über bie (Kommilitonen fd^meifen lieg, bie fid^ 
fo balb nac^ bem %^it fd^on toieber fo jal^Ireid^ 
öerfammelt l^atten, ba fd^toanb jcbe Srmübung, bie 



$Cn ^ermann yXfßt unb gfxau. 11 

nod^ tttoa t)on ber Steife jurüdgedieben toar, ic^ fül^Ite 
mtd^ auf ba§ frtfc^efte angeregt uttb begab mid^ gleid^ 
mit ftoljem SSel^agen auf bie l^o^e @ee ber SBelt^ 
litteraturgefd^id^te. 2)ied lül^ne SBort ift ipol^l erlaubt 
ba, tt)o eis fid^ um ^ermann unb Sorotl^ea i^anbelt.^ 
9Reiuer äRetl^obe gemag lel^ute ic^ bie eigentlich aeftl^e^ 
tif Ae 93etrad^tung ab unb fud^te nur ju erKören, luie ba^ 
fertige S3SerI auf bie erften ber S^tgenoffen, tjor aßen auf 
©dritter, ben befugteften unb ftrengften aiid^ter, tüirlteunb 
iDirlen mugte. 'Daxnaä) begann id^, ba§ SBerl Dor ben 
Sul^örern entftei^en jU laffen, inbem id^ bie gcfd^id^tlic^en 
Sebingungen t^orfill^rte, unter benen e§ fid^ bilbete . . . 

S)iefer ©rief mag S^nen, lieber greunb, auf baS beut^ 
Rd^fte beurfunben, baß id^ in ber gerne mit S^nen toeiter 
lebe unb unfere ©efprad^e im ©eifte fortführe. 

gftr immer ber S^rige 
S3emaQiS. 

SRünd^en 5. 3anr. 1877. 



3n bunller SRorgenfrul^e erl^afd^e id^ mir bie Seit 
JU einem fd^riftfid^en ©rufee an bie tl^euren greunbe, 
JU benen bie unaufgefd^riebenen ©ebanlen fo oft fic^ 
toenben. S)er fd^öne 83erid^t über ^^x l^du^Iid^eg ©ein 
unb Seben giebt mir bie SSerfid^erung, baß bie Stad^^^ 



12 9[n ^ermann U^be unb gftau. 

iDtrIung meinet SCufentl^alted 6et g^nen eine freutib^ 
Itd^e ift, unb fo lann iä) aui) Don mir fagen, bag 
unfer S3eifammenfetn fid^ mir nod^ in ber Sfotge aU 
n)0]^lt]^ätig erioeifi 

@eit x6) Qfl^ncn fd^ricb, 6KeBen $crmonn unb 
S)orot]^ea, famt il^rcm ©d^öpfcr, ber lebenbige, mid^ 
unb bie 3^^^^^ gleid^mö^ig belebenbe äRittelpunct 
ber SSorlefungen. Sieben ©tunben l^abe ic^ im ©onjen 
biefem SBunbertoerl getoibmet, ba3 bei jeber erneuter 
Betrachtung ungeal^nte Slbgrünbe ber ßunft eröffnet 
2)0(^ l^abe id^ bie eigentlid^ aeftetl^ifc^e 93etrad^tung$tt)eife 
ftanbl^aft abgelelgnt unb mid^ überall entfd^ieben nur 
afö barflettenber unb enttoidtelnber ^iftoriler tjerJ^aften. 
S)ag SBefen ber l^omcrifd^en ®<)il, bie öon ben Steueren 
gepflegte S^^ttc, SSoffenS Suife, ber ®^ara!ter bc^ 
beutfd^en ^e^ameterd, ®oeti^e§ e))ifd^e ©prad^e, bie 
nic^t burd^ ©lanj unb SSud^t ber einjelnen SBörter 
tüirlt, fonbem burd^ bie fd^einbar einfädle, in SBal^r:? 
l^eit aber n^unberbar fül^ne unb nur Don ber an^ 
fd^auenben 5ß]^antafie beftimmte ©afebilbung il^r bid^te^f 
rifd^eg ©epräge empfangt — ba§ atteS ttJarb im regen 
gtuffe l^iftorifd^er SarfteDung öorgefül^rt unb burd^ 
eine reid^e gülle öon 83eifpielen bem ®eifte gleid^fom 
in finnlid^cr SBirIfamleit entgegengcbrad^t. 3)ann toarb 



Stn ^ermann U^be unb Sftau. 13 

nod^ bte %rt unterfud^t, tote ber S)td^ter, ol^ne irgenb^ 
too itt fd^ilbern, feine ®efialten ju unt)erlennbarer 
t^Iaftifd^er S)etttlid^leit audbilbet, fo bog luir fte ganj 
eigentltd^ mit Slugen feigen. 

9(m ©omtabenb l^aben bie @tubten @l^alef|)eare^ 
gteid^faHd tDteber begonnen; int @entinar befc^&ftigen nn^ 
ie^t bie in freien Stl^^tl^men gel^altenen l^ugenbgebid^te 
&oztfft^. ^m großen (SoQeg laffe id^ nnn bent ^ermann 
bie SSaOaben ©oetJ^eiS nnb ©d^iOerd au^ bent Saläre 97 
folgen; bann rfifte id^ ntid^ jur Sntftel^ungSgefd^id^te 
SBaHenfteind, ^ä) ntng meinen ©eift in fortni&l^renber 
!(nf))annnng l^alten, nm ben 9[nforbemngen, bie ber 
%aq bringt, einigermaßen jn genügen; babei erl^ebt 
mid^ iebo^ immer ton nenem bie @m))finbnng bed 
&lixd9, bie ic^ too^ fd^on einmal gegen @ie m^\pxaä), 
— beS &IM^, ia^ meine 5ßfIid^terfüHnng iugleid^ 
bie 83efriebignng meiner innerften, nntoiberftel^Iid^en 
Sleignngen ift. äReine 5ßfli(^t legt mir nnr ia^ anf, toa^ 
iä) auä) Ü)Vin mürbe, tooQte id^ einjig nnb allein bem 
gebieterifd^en S)range meiner Slatnr folgen. Slllerbingg 
l^obe id^ biefeiS @Iüä mit bem Dp^tx eine^ l^alben 
Sebend nnb burc^ äJeriid^tleiftnng anf fo mand^eiS, 
»orin attbere bad ®tädE bed S)afeind fe^en, erl&m|)fen 
muffen. S)aburd^ fommt nun aber aud^ ie|t eine &n^ 



14 ^n ^ermann U^be unb ^rau. 

I^eit unb ®anjl^eit in mein SBefen unb Zl^un, bie fo 
tjicic »citrcid^er angelegte Staturen entbel^ren mfijfen — 

Sie SReid^dtagdipal^Ien i^aben un^ aufgeregt unb 
bie ernfteften SBetrad^tungen n^ac^gemfen, bie in leb^ 
l^aften ®ef|)rdd^en auiSgetaufd^t werben. S>er SameDal 
i^at Begonnen unb aUt^ tanjt. @elbft $e^fe, ber morgen 
ben näd^ften Sreunben feine neue Xragöbie t)ortragen 
h)oIIte, muß, toxt er mir eben fd^reibt, a;an}öater fein. 
3^ l^abe für biefen SBinter Satte unb gramere ®efell=: 
f^aften ein^ für affemal befeitigt, aber bennod^ ift baS 
Seben betoegt unb manigfaltig genug 

Sringenb h)erbe id^ jum ©d^Iuß gemai^nt. ©er 
lag ift fc^on h)eit tjorgefd^ritten unb mad^t mir ein 
ernfteS ®efid^t. Saffen @ie mein Änbenlen bei @id^ 
frifc^ bleiben, lieber fjreunb, bis toir un§ toieber bei? 
fammen pnben unb toenben Sie gl^re Oebanlen fo 
oft }u mir, toxt i^ bie meinigen ju S^nen. 

SRid^ael SSerna^d. 

STOünd^en, 16. Januar 1877. 



®eftern njar ber ganje ZaQ fo in S3ffd^Iag qt^ 
nommen, ia^ xi) auc^ nid^t bie S^ber ausuferen t>ttf 
mod^te, um an bie tl^euren St^eunbe ein SEBort in bie 
^eme ju rid^ten, unb auä) l^eute finbet fid^ foum 



%x ^ermann Ui^be unb ^xan. 15 

aßuge ju einigen geilen. (Segen ben ©d^Iug be$ 
SentefteriS baut fic^ immer fo mand^ed ®efd^dftlid^e 
jufammen, unb biedmal fc^etnen fid^ nod^ Slb^altungen 
befonberer Uxi bajmifd^en brängen ju tooUtn. ^ä) 
lebe in biefem SBinter, befonberS in bicfer jtoeitcn ipdifte 
beffelben, jurüdEgejogener als i^ ed feit langer 3^t 
mod^te. 93on aQem, toa^ ©efefffd^aft genannt nierben 
lann, l^alte id^ mid^ burd^auS fern, nur l^ie unb \>a 
^erbringe ic^ einige SRittagS^ ober Slbenbftunben im 
Keinen Greife folc^er, benen id^ toirHic^ nöl^er be^ 
freunbet bin. ®o l^atten tt)ir geftern einen fd^önen unb 
anregenben äRittag unb 9lad^mittag beim ^a^eQmeifter 
SBüHner. • $e^fe toax ju geiftreid^em ©d^erj aufgelegt, 
SBüHner fpielte opus 90 tjon öeetl^otjen (bie Heine, 
aber bei aller Slnmutl^ gen)id^tige Sonate in 3n)ei 
@ö|en) unb Stau t). £nigge, bie el^emalige ®op^xt 
Stel^Ie, fang Sieber t)on Sd^umann, unb, auf meine 
befonbere Sitte, baS tief fd^mcr jlid^e unb bod^ fd^merj^ 
öerflärenbc Sieb öon Srol^mS : „äJhiß ^ eine a;rennung 
geben?" au« ber SKagelone. 3Rir toirb bie 3Rufif 
immer mel^r Sebürfniß. S)ie löne umfpülen mir ben 
®eift lote fänftigenbe SEBeOen; er lägt fid^ gelinb t)on 
tl^nen forttragen, unb boc^ ift eS leineghjeg« nur ein 
n^ollüftigei^ ^lid^tstl^un, itm er ftd^ l^ingiebt. Senn 



16 9Cn ^ermamt Ul^be itnb gftau. 

id^ t^erfte^e Don ber 9Ruft( gerobe fo üiel, um ber 
(SntnntKung ber muftlalifd^en^ebaitlen folgen ju Idnnen, 
aber nid^t genug, nm mit überall t>on ben SDätteln 
ber Sudfft^rung SRed^enfd^aft ju geben. @o finbe x(S) 
erqutdenbe Sefd^toid^tigung unb jugleid^ eine Anregung, 
bie ben ®ei{t befc^ftftigt, ol^ne tl^n ju eigentßd^er X^&ttg^ 
lett jtt f|)annen. ^ner fhtnft gegenüber ift mein 
Urtl^eil, ober t^ielmel^r meine Sm|)ftnbung, fo ftreng 
afö bei biefer. 2)iefe Strenge gilt aber nid^t bem 
SSortrag, fonbem bem (Bt^alit bed SSorgetragenen. 
(Sbtn tt)eil id^ oon ber Xed^nil ber mufilalifd^en S9e^ 
l^anblung, bie ja bem Kenner fd^on an unb für fid^ 
ein S^tereffe abgewinnen lann, ju »enig öerftei^e, fo 
lann aud^ nur ber lebenbige ©ebanfens^ unb ®m})fin^ 
bunggge^It, ber bie formen erfüllt, berül^ren unb 
ergreifen, ipier l^abe id^ ia^ Siedet, »irflid^ nur mit 
bem S^reffüd^ften t)orIieb ju nel^men. Unb in toeld^er 
Äunft ift ba^ Xrcfftid^c fo rcic^Iid^ auggeföet, \oxt in 
biefer ? $ier läßt fid^ gar lein ®runb erbenlen, toarum 

man ba^ äRittelm&gige foHte gelten laffen 

S)ie einfad^en SBorte meltgefd^id^tlid^en Snl^alti^, 
bie unfer Saifer f))rad^ ^, l^aben aud| mid^ beioegt unb 
erfreut, ^n feiner gangen ^ßerfönfid^Ieit, in aUcm 
feinem 2:]^un unb Sieben t)txtbxpttt fid^ ber (Seift, ber 



Zn ^ertncinn Ul§be uttb Statt. 17 

feit iWet Sal^Yl^unberten in ben (eften (SIetttenten 
^reu^end toaltet, ber 3)eutfd^Ianb erftatikn, nni, toettig^ 
ftend in öugerer SSerbinbung, einig nierben lieg. 
SBtd^tiger aU bie orientalifd^e Srage, bie aUerbingd 
bcn 83rennftoff ju einem SBcItfriege enthält, ift für 
itn0 in ber nöd^ften geit bie SntlDidlung ber fociaten 
SSeftrebungen ; biefe ttJül^Ien ben innerften ®rnnb ber 
(Kefenfd^aft anf. S)ie f$rage mä) SRec^t unb S3eft^ 
nimmt eine greifbare, furd^tbar brol^enbe ©eftalt an. 
Sod^ t)ertraue iäf feft auf ben enbßc^en @ieg ber er^ 
l^aftettben Gräfte; benn in ben SWoffen ber ®egner ift 
offenbar nur ein finnßd^ed SSerlangen, aber leine leben^ 
gebenbe 3^ee mäd^tig. 

83alb bebarf e^ nun leinet gefd^riebenen SBorteg 
mel^ jn^ifc^en und. SSenn id^ ben Xag ber {Reife 
genau beftimmen lann, erfal^ren @ie ed unt)erjfigUd^. 

3R. 83. 
aRünd^cn 27. gebrnor 1877. 



®eftem, in ber Sacultötdfi^ung , in n)etd^er toxi 
meinen lieben SBfiQner jum Sl^renboctor creirten, 
mad^te mid^ College Karriere auf ben Snfang eineiS 
offenbar grog angelegten Slrtilefö aufmerifam, in 
loeld^em mein f^reunb Ul^be über 93eiounberer unb 



18 9n l^ennonn Ui^be unb 9ratt. 

@egner SBagnerd ein ftrengei» &tnä^t f)altt. ^ SEBirKtd^ 
fiberjeugte id^ mi^ einige @tunben l^ernad^, bag &otU 
\ä)aU mit bem Sbbrud biefed n)unberfamen Stjeng^ 
nijfed begonnen ^at. S>iefer etfte Sbfd^nitt reid^t bis 
jtt bem erften größeren Sitat an^ @(6Ietterer (über 
bad ,,®eio^Ic" ber SBallüren). So öiel id^ ttjol^r* 
nel^men lonnte, ift im S)m(i nur ber lurje $af[ud 
über Sa äWaro gemilbert (Senauc SSergfeid^ung lann 
i(^ iefet nid^t anftettcn ; benn Seöi, ber fid^ einer freubess 
lofen Sur in SHe^anberSbob unterjirl^t, erbat ftd^ bad 
SRanufcript jur ®eifte«^ unb ^erjenSftörlung. glagrante 
iBerle^ungen bed Xe^ed jtnb mir nic^t aufgeftogen; 
felbft bie SBorte über grenjel finben fic^ unöer&nbert, 
unb ani) bie fonftigen Spieen finb unabgeftumpft ge^ 
blieben. SBir tooHen nun feigen, ob $err ©ottfd^aH 
|t(^ femer einer fo löblid^en Haltung befleißigt. 3^ 
lann nid^t leugnen, bag ic^ bad ©anje mit einigem 
93e^agen überblicfte. 2)ie @tunben Dergegenn)artigten 
fic^ mir, ba iä), in S^ren Sxmmttn auf«? unb ob«? 
fd^reitenb, bieg complicirte SBerllein erft im Stillen, 
bann laut in SBorten au^bilbete. S^^merl^in ift e8 
bod^ in ndd^fter geiftiger SBerü^rung mit S^nen ent^ 
ftanben. 3^re frif^ ermuntembc Xl^eilnal^me, bie fid^ 
in fo mand^er triftigen S3emerlung äußerte, l^ielt mic^ 



9ln ^ttnattn Ul^be unb gfrau. 19 

Bei ber Arbeit feft, unb fo borf ber Äuffal too^I für 
ein getneinfamed (Srieugntg gelten. . . . 

@ein @ie mit ben Sl^rigen innig gegrügt t)on bent, 
ber ftd^ anä) ju ben 3^rigen j&l^It. 

SKünd^en 17. guli 1877. 3R. ». 



S^re in fd^önfter gefunbefter ©li^rift erglönjenben 
SBorte, öerel^rter greunb, toarcn mir afö Ueberbringer 
guter Sunit im l^öd^ften äRage toiUIommen. @§ gel^t 
ein l^eQer Xon burd^ fie l^inburd^, ber mir ®emüt]^ 
unb @inn n^ol^It^uenb berül^rt, unb fo erfföre id^ mid^ 
benn freunbfd^afttid^ befriebigt burc^ ba^ ®efamt* 
ergebniB S^reS 83erid^te8. 

83ei I&ngerer 3Ruge unb fräftigerer Ä8r})ert)erfaffung 

toütit id| !3!l^nen audfül^rlic^ft erjol^Ien, mit iDeld^em 

®enu| id^ mic^, gleid^fam um ben lang ani^altenben 

mittelalterlid^en SinbrfidEen ein ®egengen)id^t ju er^^ 

tl^eilen, toöl^renb biefer Jage in ba^ ©tubium beg 

^oratiui^, aber nid^t bei^ Dbenbid^terS , fonbem be§ 

(g^jiftelfd^reiberS öerfenit l^abe. gür eine fold^e ironifd^^ 

emfte SBelttüei^l^eit, ber nur ein burd^ftd^tigeg ^Joetifd^eS 

(Sztoanb mit nad^Iäfftger ©ra^ie ubergetoorfen ift, be^ 

lommt ber moberne 3Renfd| bod^ erft mit niad^fenben 

^aifxtn ein frifd^eg unb unmittelbare^ SJerftänbui^. 

2* 



20 tln l^rmonn U^be mib ^ratt. 

3m nft^ften 6einefter toerbe t^ mit meinen Sor« 
lefungen bad Sltertl^um Helfa^ fhreifen. Slenaiffance, 
^umantj^mud, {Reformation toerben im 9Rittel))ttncte 
berfelben ftel^en, unb überoQ greift l^ier bie alte 9BeIt 
unb SSunft mit mäd^tiger $anb emeuemb ein. kennen 
Sie, lieber greunb, Surf^arbtÄ Cultur ber Äenaiff ance ? 
3^ fange an, ed »lieber burt^jufe^en. Sn einem 
folc^en SBerfe lann man boc^ ben ganjen Sortfc^ritt 
mejfen, ben nnfer l^iftorif^cg ®en!en nnb Änf^auen 
to&^xtni ber ifingften Secennien l^at mad^en lönnen. 
^o(S), xä) tt)o]Ite S^nen j[a garnid^t fd^reiben. 9tttr 
nod^ einen ^erjendgrujs Sinnen unb ben l^ren. 

3n Irenen 

an. 9. 

SRfind^en 5. «nguft 1877. 



S3eim erften Stuflen^ten bed 9Rorgend t^erlieg id^ 
geftern ia^ laum betretene aRfind^en. (Ein »armer 
^ommerfonnenglanj, fo ^errlid^, toie er eigentlid^ nur 
über ben Oenfer See, unb }h)ar ba, »o biefer bei ber 
maison Ourtin tJorflbertoaUt, fd^tmmcm foHte, beglei^ 
tete mic^ n)o^It]^&tig Mijxtnh ber nngebül^Iic^ langen 
Sfal^rt. S« SWirnberg, too mir leine SRinne^ unb 
äReifterfinger n)o]^I aber mand^e aHju mobeme Quoa^ 



Zn ^rmann Vi^bt \inh Sftau. 31 

Begegneten, günnte ii) mir ben SlnUid ber Sorenjlircl^e, 
bed 3ugenb6runnend unb bed $Ia|ed t)or @t. ®tiaU 
bn^f tDo ba^ ^nftiDunber bt^ fd^ünen S3runnend bie 
alte beutfd^e reid^dft&btifd^e ^errlid^Ieit al^nen lägt. 
Sie ®tabt erfd^ien mie in @onnenIicl^t eingetand^t, bie 
emften ober }ierlid^en formen an Xl^ümten unb S3ogen 
ber Sirene ober an ben (Sriern ber ^öufer toaxtn int 
jttgenblid^en unb ))erjüngenben ©onnenglanje toxt oer:? 
Ilärt. S)ad ©efamtbilb in feiner äRorgenfd^Snl^eit bleibt 
oor ber $l^antafie beftel^en, nad^bem ed bem 9[uge ftd^ 
entjogen. Z)ann l^abe id^ nod^ bai^ alte 9lürnberg in 
feinen gemunbenen @)affen na^ allen Stic^tungen jn^edE^ 
lod unb grünbßd^ burd^ftreift. SSor bem lärmenben 
Xagedtreiben, bad fid^ l^ier oiel anmaglid^er ben^egt aU 
in SRfind^end ©tragen n^oQen bie ®eftatten ber fßtx^ 
gangenl^eit laum avL\tau(S)^n, botS) rief id^ fie im ®eifte 
nic^t erfolglos ^ertor unb belebte mit il^nen bie @tötten, 
too fie einft bieber unb tüd^tig gel^auft. $and @ad^feniS 
SEBol^nung l^at je|t ein gar näd^teme^ Slnfel^en, man 
ntug bad 3<^Berge)oebe aud bem jmeiten Slot ber 
SDleifterftnger barüber toerfen, bamit bie Himmerlid^e 
SBirHid^Ieit in ber l^dl^eren etoigen SBal^ri^eit aufgelle. 
Sie @tattte bei^ Sid^terd in ber 3l&fft giebt aud^ ber 
$^nta{ie nur menig ^(nregung, unmittelbar baneben 



as t(n ^ermann U|be unb %xavu 

brftut bie Synagoge, in frechem @(^itntner ))rttnlettb, 
gani baju geeignet, ba| Sbra^amd @d^ne ^ter i^ren 
®t\i>^ unb Slugl^ett fpenbenben ®ott ber^errlic^en. 
Tlan begreift SSagnerd SSut^ t)oDIommen. 

^ier toaxh xäf t)on äRunderS * mit rül^renber ^et}^ 
lid^Ieit emt)f angen ; bann tnar id^ gleich bon ac^t bid nad^ 
elf Ul^r in SBal^nfrieb. 3^^ ^^^^ i>ort eigentßd^ afö 
@aft beS ^aufe^ be^anbett, l^eute SDtittag bin ic^ bort 
unb tottit anä) an ben übrigen S^agen, befonberd je^ 
bod^ in ben Stbenbftunben, fo oft unb fo lang koie 
möglich int großen ©aale SBal^nfriebd bem)eilen, too 
®efpräd^e geful^rt n^erben, toxt ftd^erli^ an feinem 
anbern Drte in (Suropa. 3d^ n^ar geftem mit i^m 
unb il^r allein, ober bielmel^r, n)ir fprad^en aQein, benn 
bie ältefte Xod^ter 3)aniela unb $and Don SBoIiogen 
bitbeten nur ein fd^toeigenbed ^bxttpaax, 3)er SD^eifier 
ift f^jjrfli^cnber, leben^boHer, emfter, l^eitercr, leibenfd^aft^ 
lieber, boQer bon n^eifen unb l^albmeifen SEBorten afö 
ie unb gegen mid^ f o i^er jlid^ n)ie nod^ nie. @ i e bleibt 
mir bie freunbft^aftlid^e 5ßrotectrice ; jte fprid&t mit 
mir nic^t anberd, afö ob tt)ir und auf allen ©ebieten 
toxt in einem natfirlid^en geiftigen @int)erftanbniffe 
begegnen müßten. S)ie Untergattung richtete jid^ in 
SBa^rl^eit na^ allen $e^en unb Ziefen. SBagner lieg 



Hn ^ertnotin llfjlbt utib f$rau. 23 

gor ntc^t ah mit (Srjäl^Iungen oud feinem SeBen, mit 
&udf))rü(^en über ben getftigen SSerfaÜ ber S^xi, über 
bad $ert)ortreten etttjelner groger Srfc^einungen, bie 
t)on folc^en, bem Untergang gemetl^ten guftänben l^inipeg 
bie SJienfd^l^eit ju neuen Sielen fortreißen njoHen. (£r 
^pxai) t)on feiner länftigen ©c^ule, t)on ber jammere 
DoQen Slnpl^rung feiner SBerle, t)on bem Statine unb 
ber inneren SBcfriebignng bed föünftlerd, ber, alled 
Äeußeren öergeffenb, nur in feinen SBerlen unb mit 
il^nen lebt. (£r erj&^Ite mir audfül^rlid^ bie Sntftebung^^ 
gefd^id^te bed $arjit)al, unb fii^Iieglic^ t)ern)eilten toir 
bei SSoIfram Don Sfc^enbac^ unb ®ottfrieb Don ©trag^ 
bürg. 2)ad S ü n ft I e r i f ^ e in äBagne rd SSef en l^at ftd^ 
mir gegenüber im ©efpra^e noc^ nie fo ftarl ausgeprägt. 
(Sine SüQe ber lüftlid^ften SBorte entfpringt babei toxt t)on 
felbft, unb in jebem biefer SBorte lebt ber ganje SRenfc^. 

S)iefer 93eri(^t fott ben t^euren greunben nur ein 
S^ugnig fein, bag ic^ an aQen @t&tten i^rer gebenfe 
unb mit il^nen fortlebe. 2)ie toaxmtn Süfte biefed 
unerwarteten 9lac^fommerd erfreuten mid^ beSl^alb Dor 
aQem, n^eil fte Sinnen, lieber Sfreunb, n)oi^U]^&tig jutoel^en. 

SRit ®eift unb ^erjen getreu 1 
aR. ». 

»a^reut^ 16, Dctbr. 1877. 



24 9(n ^ermann Ufjltt ttnb tSrtau. 

Sttd^ nur ein furjer SBerid^t aber ben gefhrigen 
Xag lönnte ben 9Reifter in feiner gonjen (Sigen^ 
tpntlid^Ieit jeigen. S)iefer SBerid^t tt)irb ober münb^^ 
lid^ uiel beffer, einbntdEdboQer unb belebter abjuftatten 
fein, ii) berf^are il^n alfo bid auf SEBeil^nad^ten. ^tnit 
follen @ie nur etood fiber ben augem äSerlauf be^ 
Xaged Igoren. 

SBagner arbeitet in ben SRorgenftunben je^t regele 
m&^ig am $arjibal; gegen feine Setoo^nl^eit (er ift 
fonft ber ^ünftli^fte ber 9Renfd^en) Heg er und bal^er 
einige äRinuten märten, na^bent ber 3)iener bad SRittag^ 
effen afö fertig augefünbigt ^atte. ^6) fül^rte @:ofima, 
l^atte aber ba§ UnglüdE, toäl^renb unb na^ ber Xifd^^^ 
jeit in einige Heine ®ef^ro(^dreibereien mit il^r gu 
geratl^en, bie iebod^ burd^ l^olben SSiQen unb gute 
Slbfid^t auf beiben Seiten anmutl^ig toieber befc^njid^tigt 
n)urben. Sie l^atte f^on am erften SObenb ben SEBunfd^ 
auSgeff)rod^en, i^ möd^te il^nen bieiSmal etn)ad bor^ 
f^red^en. S)a id^ n)ieber]^oIt fragte, n)ie fte }u biefem 
feltfamen SSerlongen gelommen fei, fo glaubte fte, 
einigermaßen berieft, i^ tooUt mi^ il^rer Sitte ent^ 
jiel^n; um fte bom ®egent]^etl ju äbergeugen, mujste 
id^ alfo tuol^I oi^ne toeiterelS tttoa^ l^ören laffen; id^ 
f))rad^ alfo bie 9narienbaber Siegte, baS (Sebidgt an 



2in ^ermann Ul^be unb grrau. 25 

SBertl^er, bie @cene mit ber @orge aitö bent jtDeiten 
Sauft unb „^n t)oIleu SSilf^elstueigen" au§ beut 3)ibQn. 
S)er äReifter, ber f^on (ei Xif^ feine f^rül^enbe Saune 
l^atte f))ielen laffen, — man ff)ra^ unter anberm aud^ 
Aber bie Swftänbe ber beutfd^en Snbuftrie — forberte 
mid^ ium @))a)iergang auf, ber mit einem mel^r afö 
^albftfinbigen Sermeilen bei Singermann f^Ioi Sei 
fold^en Sniaffen nimmt bad ®ef^rö^ bur^ alle SSi^e 
unb SBi^Ieien l^inbur^ bod^ glei^ immer bie emftefte 
unb bebeutenbfte SEBenbung. SBir rebeten t)on bem 
jnieiten 9lct beiS Xriftan, über ben britten bt& @ieg^ 
frieb, er lieg unauf^5rli(& bie feinften Semerlungen 
fiber Suffaffung, )Sortragdn)eife, SuiSf^rad^e, Sel^anb? 
lung beiS XoneiS unb ber SBorte fallen. SJenn er aud^ 
nur über ted^nifd^e Siniet^eiten rebet, beutet er immer 
auf ben ®efamtd^aralter bed SBerled, um bad eis fid^ 
l^nbelt. 2)ann erj&l^fte er t)on $Iutard^, ben er in 
Sonbon gelefen, t)erglid^ ^ö^ft (uftig Sa^reutl^ mit 
Q^&ronea, unb bie bum^ftge niebrige SBirtl^i^ftuBe, in 
ber toir uni^ befanben, mit ben feftlid^en Serfammlungd^ 
orten ber ^eUenen. hierauf lam meine Xl^ätigleit jur 
&pxadie, unb er biQigte meine Slnftd^ten über SBefen 
unb Sotm bed afabemifc^en Se]^rt)ortragd. Son ein 
Uffv bid gegen fleben toaren toir beifammen gen)efen, 



26 Kn ^ennaiitt tt^be utib Sfrou. 

unb jitr getDol^nteit Stttnbe um ac^t toax id^ tuieber 
in SBa^nfrieb. ^ ftnne ))er8e(eniS barüber nai), 
tote ed gefc^te^t, bog auf bie Iric^tefle Sri bad ®efpra(^ 
ft(^ gleid^ getDtd^tigen S)ingen ittkoetibet; tc^ ffaht bie 
(Sm))finbttng , ali ob meine eigene nnterl^altungdgabe 
fiäf unter biefen Anregungen ))ielfeitiger entoidelt. 
$5(^ft (^oralterifKfd^ — andf in Sejug auf fein eigened 
ZBirfen — toor eine Sleugerung SBagnerS fiber ben 
unerbittli^en Smft, mit toelc^em ©d^iKer unb ©oetl^e 
ber romantifc^en Sd^ule gegenüber i^re Slufgabe faxten. 
Seim Zn^^pT^tn folc^er ®runbmQ£imen gel^t mit 
SEBagnerd Seugerem eine ret)oIution&re Ser&nberung 
t)or fi^ : bod Suge glänjt bie Stimme erl^ebt fic^ n)ie 
in einem leibenfd^aftlid^en @turm, afö ob fie bie Sf^nbe 
jurfidfd^Iagen tooOte, unb t>ov allem bie ®eberbe xoxxb 
ungemein \pxti)tnb. 2)er Slbenb toar burd^ }n)eierlei 
auiSge^eid^net : Kuf meine Sitte lad ber SReifter einen 
löngeren Sbf^nitt aud feinen SRemoiren, bie 3^^^^ tu 
toüiftt Xannl^äufer juerft aufgefül^rt unb Sol^engrin 
enttoorfcn toarb. S)inge unb ?ßerfonen — föftlid^ 
tt)irb lic^atfc^ed gejcic^net — treten in öoDfter ©e^ 
ftimmtl^eit l^eroor; in ber 2)arftellung ^errfd^t eine 
Dffenl^eit, bie burd^ bie t)6Ilige Sinfad^l^eit in SSort 
unb @a^ baS ®epr&ge beiS SBal^ren erl^ält. Sß&^renb 



9(n ^ermann Ul^be unb gftau. 37 

bei» ®ef))r&(l^d über baiS ®tf)Mt fe^te fid^ bann ber 
äReifter, ungebeten t)on mir, an ben S^figel nnb lieg 
bad 93orff)ieI }um $ar}ibal bernel^nten. (Sr lann ja 
nic^t f^ielen, unb an eine ©teile im rafd^en Xem))o 
barf er fid^ nid^t magen, aber bod^ n)irb ber Xon 
unter feinen Sfingem unglaublid^ n)ei(i^ unb gefangreid^ 
unb fibt eine rül^renbe @ttoQit; auf Sofimad 93itte 
fang er bann no^ — er lonnte nie fingen, unb jefet 
ift bie Stimme t)oIIftanbig gebrod^en, aber bie innere 
SRad^t bei^ SluSbrudd erfe^t alled — fang er bie 
äRotibe bed ®ratö unb bed Sbenbmal^tö. 2)iefe aRuftI 
ift bie Sn^iOingiSf^toefter ber $oefie, tok fie in ber 
äSernärung bei^ Sauft fid^ offenbart. SSenn id^ nid^t 
ben @f)ott ber lieben Steunbe fürd^tete, fo toürbe id^ 
erjäl^Ien, ba§ (Eofima unb 2)aniela toeinten, unb ba% 
aud^ id^ fel^r erregt toar. SBagner zeigte fid^ überaui^ 
^erjlid^, toir umarmten un§, afö toxi und gegen 
SKittemad^t trennten. — Iro^ ber bebenltid^en An? 
fbrengung, bie ed il^n loftet, l^at er {td^ bo^ entf^Ioffen, 
mir ben $argit)al Dorjulefen, id^ emf^fange eben einige 
Seilen öon (Joflma, bie mid^ auf fieben Ul^r be? 
fd^eiben. 

©offentttd^, lieber greunb, finb Sie ettoaS ge? 



26 9(n ^ennantt U^ lutb flfrou. 

rül^rt über bie Xreue, mit ber ic^ Seiten Seric^t 
ctftattc. 

3tt Ircucn 
»a^rcut^ 17. Dctob. 1877. SR. ». 



9{ad^bem i^ geftem Stad^mittag erft ein furjed ®e^ 
ft)r&^ mit bem äReifter, bann ein I&ngered mit (Siofima 
gel^abt, (aber ^erfSnlid^en V&tttf) nnb (Sinftng ber \o^ 
genannten SSagnerianer) lamen toxi um fieben Ui^r 
ium Kbenbeffen jufammen, nnb tro^ einiger Srmübung 
begann SBagner um l^alb neun bie Sorlefung. SBie 
er lieft, lann unb barf nur er lefen, eis ift an unb 
ffir ftd^ bag feffeinbfte @^auf^iel. äRan merft ol^ne 
SBeitered, bag bie SBorte bestimmt {tnb, erft burd^ bie 
äRufil ben DoQen feelifd^en !lui^brudE ju em))fangen; 
er erfe^t biefen bal^er burd^ eine intenfit)e fSfälle, nid^t 
\otoofjil bed Zon^ aU ber (Betonung, h)el(^e fonft beim 
Vortrage reiner $oefie g&njlid^ unftattl^aft to&xt. @eine 
munberbar fd^auf^ielerifd^e (Begabung n)irb in jebem 
SSerfe offenbar. 3m (SinHang mit bem m^tl^ifd^en 
Sinne bed ©anjen lieg er einen t)erfd^Ieierten, l^ie unb 
ba gar ju leif en Xon t)orn)aIten ; aUt^ aber, toal^ bem 
IBereid^e bed erregten @m|^nbungi$Iebeni^ angel^drt, 
©d^merj, Sammer, Xrauer, SBerjtoeiflung, Sad^en unb 



I 



%n {^rmann Ul^be unb ^cax. 29 

SBeitten brad^te er mit einer 9tt Don erfd^fittember 
9tQturgett)Qlt l^erbor ; bie Stimme tiinte greQ, ober rollte 
bonnemb burd^ ben ^aQenben ©aal, nnb n?ie er über^ 
ffanpt mit ®eberben nid^t f^arfam roaXf fo geriet)^ in 
fold^en 9Romenten ber ganje Mxpn U^ auf bie gfü^e 
in Setoegung. SBer i^m nad^al^men tooQte, gäbe fid^ 
felbil ber S&d^erlic^Ieit t^reid; bei i^m at^met aU^ 
innere unb fingere SBa^rl^eit; eine gel^eime 9ReIobie 
begleitet aQe SBenbnngen bed Xoned; toenn man il^n 
l^ihrt, begreift man, toad er Don feinen ®^Quft)ieIem 
verlangt unb verlangen mn^ 

2)ie 2)id^tung nennt er ein Sü^nenmeil^f eftf^iel ; 
er freut fid^ jje^t fd^on auf bie geiftreid^en SBi^e, ju 
benen biei» SBort toieber Slnlag geben toirb. S)ie ^anb^ 
lung ift n)ieber, etn^a mie im Xriftan, )e nad^ ben 
Steten, in brei groge, ber ^l^antafie comf^act {id^ bar^ 
fteDenbe SRaffen überfic^tßd^ georbnet. Sie le^nt fid^ 
lanm öugerlid^ an SBolframd 2)arfteIIung, nur toenige 
(Sinjel^eiten finb oud biefer l^erfibergenommen, bie aber 
gleich ganj umgebilbet unb ju neuen Srotdtn f elbftanbig 
Dermenbet n?erben. 2)er (Begriff ber tl^atlraftigen (Er^ 
Idfung and SDlitleib ift in ben SRittetpunct bei^ ®an}en 
gerfidt. Slmfortai», ber ®ratölönig, unl^eilbar fied^ ge^ 
morben, meil er in SBiberft^rud^ mit feinem Smte ber 



30 9(n ^ermann U$be unb S^au. 

SBeltluft t)erfiel, empfdngt bie einjig tndgltd^e Teilung 
t)on ^atiioal, ber erft feine l^o^e Senbnng ntc^t (e^ 
griff, fie aber pUißi), ha audf i^n bie t)ttlodtnbt 
äBeltluft vergebend berufen toill, erfaffen lernt nnb fo 
t)on felbft junt $riefterlönig bed &xaU toirb. Sunbrie, 
eine Krt t)on etoiger 3fibin (fie erinnert laum t)on 
ferne an SBoIframd Condrie la sorziere ; SBogner l^&tt 
mit Siedet bie @rfinbnng biefer ®eftQlt für bie glüd^ 
lid^fte int ganjen SEBerle) Sunbrie alfo, bie ladete, afö 
fie ben ^eilanb am ^euje fa^, ift ju en^igent Sad^en 
Derbamntt, n)trb Don bent 3<iuberer fölingiSol^r afö SBerl^ 
jeng ber äSerfü^rung gebrandet unb ftnbet toeinenb ben 
erfel^nten Xob, ba ^arjioal il^r burd^ bie Xaufe ben 
®Iattben an ben Srföfer giebt. Siel entf^iebener afö 
bei SBoIfrant ift bie d^riftßd^e SEBeltibee bie ben^egenbe 
^aft bed ©anjen; toa^ man ntenfc^Iid^e Seibenfd^aft 
ju nennen ^jflegt, ift auiJgefd^Ioffen — leine Siebe — 
Sunbrie ift bie einzige toeiblid^e Srfd^einung — lein 
n^eltlid^ed Streben tritt l^ert^or, unb bod^ toerben n)ir 
öon einem übermad^tigen guge ctl^ifd^sreligiöfer Scibeu:? 
fd^aft mit fortgeriffen. 3)ie ©prad^e tt)ec^felt in)ifd^en 
bem Stabreim unb bem fel^r glüdKid^ bel^anbelten 9leime, 
ber befonberi in ben religiöfen ^bvm ftd^ t)oII )Dtt^ 
nel^men (ä§t. „@rI6fung tourbe bem SriOfer'' ift ht^ 



1 



9(n ^ermann Ul^be isnb grau. 81 

Sd^Iu^toort bed @]§ored. SBad bad ©onje in feiner 
äSoQenbung toerben lonn, bod lieg bie (Einleitung al^nen, 
bie SBagner n)ieber \pkltt, nnb bie id^ nun mit Ilarerer 
Snt))ftnbung anl^örte. 

Slud biefen bürftigen Slnbeutungen entnel^men Sie 
toenigfteni^ fo t)iel, bog bied SBexI in ftrengfter (Sigen^ 
tpmlid^Ieit allen frfil^eren SBerlen entgegenftel^t, unb 
ben aSorl^erfagungen ber eriaud^ten ^itil („^ßrinci^)," 
le^tc« SBort) ouf bie erfreulid^fte SBeife »iberf^jrid^t. 

hiermit fd^Iiege xä) bie SSerid^te aud SSo^reutl^, 
tool^rfd^einlid^ ge^e iä) morgen nai) 9lfirnberg, um 
übermorgen gegen äRiltag in 9Ränd^en anjulangen. 
^eute merbe id^ t)om SRittag an nod^ fo Diel toxt mög^ 
Ii(^ in SBol^nfrieb fein. 

Irene ©erjenSgrfifee ben Sreunbenl 

m. 85. 

©o^reutl^ 18. Dctober 1877. 



®eftem Slad^mittag leierte id^ l^eim, unb alfobalb 
begrüßten mid^ bie öielfältigen 3^^^^ 3^^^^ freunb«^ 
fd^aftKc^en Sorgfalt. SBal^rlid^, id^ lann mid^ aud^ 
in ber gerne nid^t öon S^nen getrennt ffil^Ien, 
meine t^euren greunbe; ein SBieberfel^en ift eigentlid^ 
nur eine er^öl^te gortfefeung be8 ©eifammenfein«. 



39 B[ii ^man» tt^be unb gfrau. 

Ueber ben Zag, ber bieiSmoI meinen So^tenfi^er 
8(ufent]^Qtt abfc^Iog, Iie|e ftd^ nod^ biet berichten. (£d 
toatb nid^tö Sefonbered oorgenonnnen, aber boS ®e^ 
ft^räd^ enthielt genug bed 93efonberen unb Srlefenen. 
SBagner toax faft noc^ f))rubelnber unb ergiebiger ate 
an ben tjorl^erge^enben Xagen. S3ei Xifd^ enÜDidelte 
er feine Sluffaffung ber Adur Sinfonie, man !ann 
fagen: er birigierte fie; man ent^fanb bie Slic^tigleit 
ber Xem^i. ©el^r lebl^aft f^rad^ er fein äSerlongen 
aud, bie aRojartf^en Sinfonien unb Dut)erlüren afö 
Z)irigent nad) feinem @inne ju beleben; er l^offt, bie 
fid^ bilbenbe @d^ule tt)erbe im lommenben ^ol^re il^m 
äRittel unb ^öfte baju gen)&^ren. ^ ^ Slod^mittagd ful^rte 
xä) Sofima burd^ bie Stobt, Slbenbi» erlieft fid^ bad 
faft fünfftänbige ®ef^räd^ immer in glei^er Sru^t:' 
barleit unb Sebenbigleit. SBit^elm SReifter, bie 9Saf)U 
bertoanbtfd^aften, unb ber jtoeite Sauft (bie beiben le^t^ 
genannten SBerle finb üfm bad erl^abenfte S^^gnig 
für ®oet]^ed Xl^un unb SßoQen in ber f^&teren Sebend^ 
jeit), ^tlla im SBaHenftcin, ©l^alefpeared Stellung 
gegenüber ber Eigenart bed englifd^en SoKei^ — ei$ 
ift nid^t mäglid^, allrd, toai leidet gefhreift ober tiefer 
erörtert toaxh, mir ind ®eb&d^tni§ )urüdE }u rufen, 
gefd^meige Don ber $]^9fiognomie folc^er aQumfaffenber 



I 
1 



^n ^ermann Ul^be unb ^au, 33 

(Sef^r&d^e eine äSorfteUung ntttjutl^etten. Vüt^, toai 
SBagner im lebenbigett SBort ergreift, toirb il^tn jum 
Wala% fein eigenei» SBefen mit (eifpiellofer llnbefangen^ 
l^eit ju entl^üllen. @r rid^tet feinen Süd oft nur 
auf eine @eite bei^ ®egenftanbed, auf biej[enige, burd^ 
n^elc^e berfelbe gu i 1^ m in irgenb eine Sejiel^ung tritt, 
aBer biefer SlidE ift Don fold^er Sd^ärfe, ba^ er t)on 
biefer einen ©eite au3 in baä innere beiJ ©egenftonbeä 
bringt, il^n burd^ bringt unb fo (ein gen^agtei^ 93ilb) 
auf ber anbem Seite toititx l^eraudlommt. SBie Sßag^ 
ncrS ©Triften, fo oud^ fein ®eft)räd^ : felbft feine öer^s 
meffenften (SstraDagonjen rä^ren an bad SBal^re. S3ei 
aQer Sludgelaffenl^eit gel^t ein großer unerbittlicher 
Smffc afö ®runbjug burd^ fein äBefen; toa^ er un 
anbem fd^&^t, ift aud^ Domel^mlid^ ber (Smft, mit 
ttJcW^cm biefe il^re SebenÄaufgobe erfaffen. — Slm 
Sreitag 9Rorgen Dor meiner 9(breife l^atte id^ nod^ 
eine angenel^me @tunbe mit Sofima, ein SBieberfel^en um 
Oflem tDQxh, toenn aud^ nid^t f eft Derabrebet, f bod^ erl^offt. 

Xreuen ^erienSgru^l 

SR. 8. 
Son meinen fonnigen 3^ini>tem in äJlfind^en. 

21. Dctober 1877. 



Oftnal)«. Oriefe. 



34 9[n ^ermann U^ unb ^tau. 

93te gern l^öre td^, bag meine Sendete and 
SSa^rentl^ i^ren Sto^^ erretd^t, bod l^eigt: S^nen 
einige anregenbe llnterl^altung Qttoäfyct nvb bad Silb 
bei^ QU^erorbentlic^en SRannei^ unb feiner Umgebung 
S^nen na^e gebrad^t ^aben. lieber bie obfc^Iiegenben 
@tunben toiffen @ie nun aud^ fc^on bal^ 9ldtl^ige, bod^ 
t)ergag ic^ jn ern^&l^nen, ba§ am 3)onnerftag 9lad^^ 
mittag bie (Su^l^rof^ne gef^rod^en toorb. Sie gelang 
beffer afö bie (SIegie. 3n SBal^nfrieb fü^U man ftd^ 
bem alten ®oetl^e befonberd nal^e, unb fo toar ed 
natürlid^, bag bie 3nf äffen gerobe bied ©ebid^t t)on 
mir forberten. 3d^ uieig nid^t, ob id^ ^l^nen fd^on 
einmal gefagt, ba6 bie (^egie p itntti Sebendgebi^ten 
gel^ört, bie mir in beftimmten äRomenten metner 
Soften} t)on befonberer SBebeutung getoorben; t^ %t» 
lingt mir be^l^alb feiten, fie in !ünftlerifd^er Slarl^eit 
aui» mir l^eraudiufteQen , unb aud^ biedmal n)oIIte 
^ mir ni(6t gtüden. 

3)er übernommenen Ser))f(id^tung, bie (Sntftel^ungd^ 
gefd^ic^te bei^ SBaOenftein borjutragen, lann id^ mi^ 
bod^ tool^I nid^t entjiel^en. greili^ mu§ {tc^ ber afa^ 
bemif^e Seigrer biei^mal red^t grftnblid^ {ufammen^ 
nel^men, tovxn er mit Sl^ren beftel^en toiQ. 



Hn ^ermann Ul§be unb Srtatt. 35 

S)ie trmeften Segendtofinfd^e. aRtt immer gleid^en 
®eftnnungen 

ERfinc^ctt, 24. Dctobcr 1877. SR. ». 



(Eine iotiit SSorlefitngdtood^e ift boräber, itnb Jd^ 
lann bie guten Slad^ri^ten, bie id^ toS^xtnh ber 
lungften Xage über mid^ gegeben, im ®rogen unb 
(Sonjen nur beftätigen. 

Sifjt mar am @onntag l^ier, auf Sßunfd^ ber Srau 

SBagner ging id^ ju i^m unb verlebte mit il^m einen 

reid^ auiSgefüIUen l^alben Zaq. Z)ie $erfönlid^leit 

bleibt eine ber anjiel^enbften ber Stil (£r l^at ba^ 

SSirtuDfentl^um über fid^ felbft l^inauSgel^oben unb ba^ 

burd^ fär immer abgefd^Ioffen. 3lai) iS)m giebt es 

feinen äSirtuofen mel^r in ber alten Sebeutung beS 

SSortd. äSir 'ipxa^tn t)iel über frauiöftfd^e Sitteratur, 

aOeiS an il^m toax ®eift unb Seben. Ueber fein Ser^ 

^ältnig jum äReifter rebete er in ber n)ärbigften äSeife, 

afö id^ an bad erfte $arifer 3ufammentreffen beiber 

erinnerte. SSeim offen — Senbad^ unb id^ »arcn 

feine ®&fte — ma^te er ben SBirtl^ mit n^al^rl^aft 

oomel^mer ©eluanbtl^eit. 

Sieben ben 8ttten ift aRufi! in biefen lagen öor^ 

3* 



36 9n ^ermaim U^be uitb fiiavL 

nel^tnli^ an ber Drbnmig. 3n meinen Qbnmtcn 
n)tmntelt ed ))on St^etntdc^tem nnb Spornen, id^ fnngire 
ttJtrlli^ afö xoQoii^(fxaXog. ^^ SDtit nnerbittlic^er $art^ 
nädigtett fe|e id^ boc^ n)enig{len§ bnr^, bog orbent^ 
Itd^ audgefprod^en nnrb unb lerne bie nmfüalifd^e 
2)ecIantation bed 9Reifterd immer tiefer bett^unbem. 
f^eilid^, @eele !ann man biefen Xl^eatergefd^öpfen nid^t 
geben, ba ®ott ber $err fie il^nen t^erfagt ^ai 

S)eS SReifteri^ 9l^eingoIb i)at in SBien, n)ie mir 
geftern ®raf äSilcjel in Senba^d Steuer erjol^Ite, 
einen tiefen (SinbrudE l^erDorgebrad^t. ^andIidE§ Se^ 
rid^t in ber Slenen freien ?ßreffe toar bod^ toirllid^ 
eine geiftige ^nfolbenjerüärung. 

®eftem um fed^d toav 3)iner beim @eneral t)on 
ber Xann, nur eine üeine (Sefellfd^aft, id^ unb Senbad^ 
tDaren bie einzigen SBürgerlid^en. ^ä) l^atte XannS 
f d^mäl^ßd^ Demad^Iäfftgt, unb mid^ bei mel^reren freubigen 
unb traurigen gamifienereigniffen ber legten S^it ganj 
fem gel^alten, um fo freunblid^er toax bad @inlabung§:^ 
briefd^en ber ®eneralin. 2)ie Unterl^altung toav Idhi^ 
üä), bie Kebfte ?ßerfönUd^frit beg ganjen Sreife« ift 
mir ber General felbft, mit bem id) lange unb lebl^aft 
ft^rad^; er ^at einen umfaffenben, burd^ bie t)ielfad^fte 
(Erfal^rung gefd^ärften SBUdE; feine ganje geiftige (Soften} 



%n ^ermann Ul^be unb grau. 37 

Betitlet auf bem ®runbe einer fel^r täd^ttgen ^rotefton^ 
tifd^en Silbung. 

ailed @ute ben Sreunbenl 
SWüttd^cn, 12. Januar 1878. SR. JB. 



^ientit !ünbige id^ an, bog geftem ^uttend Seben 
unb 2^un jutn @d^Iu§ gebtod^t n)orben unb toir un^ 
ie^t beut tl^euren äRann ®otted, Sutl^er gutoenben. 

^Qdmud l^Qt t)ter, $utten fed^§ ganje Stunben 
in Snfprud^ genommen. äRond^e tooUtn in ®tc^mvi^ 
ben Uröoter eine^ gefinnungSlofen unb ertoerbffid^tigen 
Sitteratentl^umd erblitfen, in il^m nur einen l^ol^Ien 
SBortlünftler feigen. (Sin SSoItairefd^er 3ug gel^t burd^ 
feine Slatur. ©ein ©lidf toax totittt unb umfaffenber 
ate ber Sutl^erd, aber nid^t fo tiefbringenb, unb ed 
tnar il^m leidet, umfaffenb ju fein, toeil feine Il^atlraft 
ftd^ immer nur im Gebiete beg Xl^eoretifd^en l^ielt. 
93om ^raltifd^en $elbent]|um Sutl^erS l^atte er leine 
Aber, 10, er begriff eä nid^t. @o l^ätte SSoItaire bie 
9iet)oIution fidler nid^t gen^ollt, obgleid^ er fie, mie 
lein anberer, t)orbereitet l^atte. 2)en SBi^ be^ SraSmud 
mn% man fid^ förmlid^ ind Sranjöfifd^e äberfe^en, um 
i^n ganj ju faffen. (SradmuS n^ugte nid^td t)on ben 
SWor! unb Sein bur^fd^üttemben Äamt)fen, in benen 



38 9(n ^rmann Ui^be imb gfratt. 

Sutl^er feinem ^tlonb bie Serl^eigung ber 9U^U 
ferttgung burd^ ben (SHauben abgerungen l^atte. (£t 
tottgte nid^tö t)on bent natoen (Semfitl^doerfel^r, in 
todSftm Sutl^er mit bem lebenbigen @o]^n ®otte§ 
ftanb. (Sradmud Silbung rul^t naturgemäß auf bem 
frfil^eren ^umanii^mui^, in bem ber @d^ein fo oft bad 
SBefen t)ertreten mn^it Sutl^er fleigt in bie Xiefe 
ber aRenfd^ennatur, nad^ SBefen unb SBal^rl^eit fuc^enb. 
SSoUer ®egenfa^ jum ^umanii^mud, Sfled^tfertigung 
burd^ ben @(auBen. 3)ort bie SSirKi^feit in @d^ein 
aufgelaft, l^ier Stealitat ht^ ©laubeniS. 3n Sroi^mui» 
finben n)ir bie für ganj @uro^a gleid^ geltenbe $u^ 
maniftenbilbung, toeld^e aud^ auf bie X^eologie reini^ 
genb toirlen foU unb n)irlt, in ^utten ben mit bem 
ritterlid^en @tanbeiS(en?ußtfein vereinigten ^umanidmud, 
ber t)on einem l^elbenmagigen f^atriotifd^en @inn ge^ 
tragen mirb : bief er ^elbenfinn toenbet ftd^ gegen Slom, 
nid^t fon^ol^I n)ei( 9lom eine falfd^e Seigre t)erl&nbigt, 
fonbem todl ber romanifd^e ®eift ben germanifc^en 
in fd^mal^Iid^em Sänne l^SIt. 3n Sutl^er brid^t nun 
bie fBtaä)t be§ beutfd^en religiofen ®en?iffend ungejügelt 
l^ert)or; bie l^öd^fte geiftige Xl^atlraft t>tttxni fid^ mit bem 
rei^ften fd^riftfteüerifc^en Vermögen, nm bie SSelt in 
fd^üttembe Sen^egung }U bringen. @d ^ift fd^toer, 



9(n ^ermann Ul^be unb gfrau. 39 

tofirbtg üBer Sutl^er t)or Sold^en ju rebett, bte tttd^t 
montttclbar mit tl^m ücrlcl^rt l^aBcn. 3^ tocrbc in 
bctt SSorfefungcn natürltd^ mctft nur bcit ©d^riftftcHer 
l^ouStretcn (äffen; toenigftcnS foß bcr ©turmtoinb 
feines SBorteiJ mäd^tig einl^erfal^ren. 

3d^ l^offe, bag bie Xage ben S^eunben leiblid^ 
bal^ingel^en. ^ ffoüt mid^ fort unb fort in ftrengfter 
3urüdgesogenl^eit, bie mir in iebem @inne n^ol^Itl^ut. 
3tad) eingel^enber Sotfd^ung meinet Salenberd ergiebt 
fid^, bag id^ am 3)ienftag, ben 26. m&xi, W>tnU }ur 
l^erlommfid^en ©tunbe Bei ^l^nen eintreffen toerbe. 
Slm Xage Smanuel toürbe id^ @ie bann nad^ (Sottet 
Sffigung toieber Begrüben, unb ber erfte ber loieber 
gemeinfam gefeierten @onntage n)ürbe ber (Sonntag 
Satare fein. Unb fo fomme id^ benn aud^ n^irUid^ 
mit greuben. 

SBo^I l^at man Urfad^e, in biefen Xagen feinet 
$roteftantigmu8 frol^ ju fein. 3m Saläre 1520 fprad^ 
Sut^er fein bie SBelt burd^fd^fitternbeä SBort an ben 
d^riftlid^en Abel beutfd^er SRation. S)iefe 
@(^rift BleiBt ein tounberbareS 3^fl«i6 fä^ ^^^ Oeloalt 
bei} Sutl^erfd^en SBorteS. @ie gel^ört aber nid^t t)or^ 
nel^mlid^ in ben @d^riften, n^eld^e bie ganje Xiefe bed 
Stttl^erfd^en (Sinnd offenbaren unb il^n in feinem 



40 9bi ^ermann U§be unb grtou. 

reltgiofen ^errentl^um jeigen. @r ]^o( l^ier ben 
characier indelebilis ber ^rieftet auf, ri^ bte Sc^eibes^ 
tDonb nieber jtotfd^en geiftfid^em unb tDeItIi(!^em @tanb 
unb Brad^te fo bte ®runbfeften in^ SSanfen, bte bent 
®e(äube ber rSmif(!^en ^terard^ie untergelegt tooren. 
3lo(§ immer fefet fid^ ber römifd^e ©ifd^of, afö ^err 
aQer Ferren, bie bretfad^e foone auf; bad bebtet ber 
romtfd^en ^rc^e bel^nt ftd^ \iM tueiter über ben @rb^ 
Boben — unb bod^ ift feit Sutl^eriJ Il^aten bic $err^ 
fd^aft bei» ®eifted, ber enblid^ auc^ bie äRaterie jtt)ingt, 
t)on 9iom getuid^en. 

2)ie Beften äßfinfd^e fär aOei» ®utel 

SR. ». 
SKünd^en, 1. SRarj 1878 «Benb«. 



SSerel^rte Sreunbin, tuie id^ t>erf^rad^ geBe id^ lurje 
Slad^rid^t t)on mir unb im ©anjen eine gute. Sßare 
id^ nur üBer bei» Sreunbed ©efunbl^eit einigermaßen 
Beruhigt 1 

Wit (Sebanfen unb Sm^finbungen tottbm Der« 
fd^Iungen burd^ ben SinbrudE, mit bem bie namenlofe 
©räueltl^at in ©erlin unS üBertoöItigt. ^* SJerfte^en 
@ie je^t, toa^ iä) neuKd^ fagte, bie ©efe^geBung muffe 
reformiert merben? HBer malere ^ilfe !ann Bei ber 



9[n ^etmann Ul^be unb f^rau. 41 

entfe^Iic^en SSerkoirrung ber SSorfteQungen nur ein 
gcifKg totcbcr geborene^ ©l^riftcntl^uni Bringen. Sic 
lennen mi(!^ genug, um ju n^iffen, bag id^ biefe Zl^at 
unb il^re 93etoeggränbe nur im ßuf^ntmenl^ange mit 
bem ganzen ^olitifd^s^fodden Buftonbe bei^ ^oi^x^ 
l^unbertd betrad^ten !ann. @in n)eftgefd^id^tlid^er 
®egenfd^Iag gegen bie franiöftfd^e 9let)oIution unb 
il^re $rincipien, ober eine gen^altfame Soi^iO^ung 
berfelben bereitet fid^ t)or. 

Saffen (Sie mi(!^ balb l^ören, ba| @ie unb bie 
3^ren auf bem ^ämerftein glädKid^ angelangt finb. 

Sreunbfd^aft unb Xreuel 

3». ». 

SRftnd^en 4. 3uni 1878. 



(5g ift fd^toer, mein tl^eurer greunb, in biefen 
7agen etn^ad ju beulen ober ju reben, toad nid^t auf 
bie Daterlänbifd^en Si^ftänbe 93ejug l^ätte. (Gegenüber 
ben großen Slngelegenl^eiten , bie jeben befd^äftigen 
mfiffen, ber fid^ bem Saterlanbe öerbunben fül^ft, tt^ 
fc^eint aQed Ileinßd^, toa^ fonft afö (Segenftanb unb 
3tel eined ernften (Strebend bem @injelnen n^ürbig 
unb bebeutenb erfd^ien. 3d^ tozx% iä) äußere biefed 
®efü]^I gegen einen Sreunb, ber ed mit mir tl^eilt 



i 



43 tln ^etmanti U^be unb gfrau. 

@te l^aBen in itnmtttelBarer 3lSXft bie ^egiStl^aten 
gefd^aut, toeld^e bie 8egränbung bed neuen 8iei(!^ed mdg^? 
lid^ mad^ten. ^&tten @ie bantald geahnt, bag man f c^on 
nad^ fieben Salären an bem, unter beut guBel ber Station 
errid^teten ®ebäube fo üerbred^erifd^ rfitteln tufitbe? 

Dl^ne mir baiS }tDeifeI^afte Siedet eineiS t^olitifd^en 
^xopffzitn anmaßen }u »oQen, ff)red^e id^ bie Ueber^ 
ieugung aud, bag toir an einen )DeItgefd^i(^tftd^en 
XBenbepunct gelangt finb. (Sd mu§ fid^ in ben n&d^ften 
Salären entfd^eiben, ob Suro^a nod^ im (Staube ift, 
ftd^ t)on ber bum))fen 3)ef^otie }u befreien, mit toeld^er 
feit ber franjOfifd^en 8iet)oIution ber Sobe^ bei^ Sibera^ 
IxMvi^ t^ bel^errfd^t l^at, unb gtoar fd^amlofer unb 
rädCftd^t^ofer ei$ bel^errfd^t l^at, aü t^ irgenb eine 
anbere X^rannei, bie ber römifd^en fiird^e aui^genommen, 
|e t)ermod^te. %üx S)eutfd^lanb indbefonbere fd^eint 
mir bie Sluf^cbung ber Oefe^e öon 1869 eine uner^^ 
bittlid^e ^iotl^menbigfeit. 

3)ie beiben Untl^aten, bie uniS rafc^ nad^ einanber 
erfd^ätterten, gäl^Ien ju bem ®rauent)oIIften, toa^ bie an 
Saaten bed ®raueng fo reid^e SBeftgefd^id^te aufju^ 
toeifen l^at. @id^erKd^ mürben fie und aber nid^t fo 
maglod erfd^üttem, menn toix nid^t aQe me^r ober 
weniger beutlid^ em))fänben, bag fie im unlösbaren 



Kn ^ermann U^be unh ^rau. 43 

3uf ammenl^attge ftel^en mit ben gefeUfd^aftßd^en SSerl^It^ 
Ttifj[ett, bie fid^, }ur @(^anbe bed iungett 3)eutfd^Ianbd, 
toaifxtnb biefed S^^l^rjel^ntö enüoicfelt l^aBen. Dl^ne 
®^tVL burfte man t)or ben fel^enben Singen bed Staaten 
bie ®mnbfeften ht^ (Staatei^ untergraben, bie beutfd^e 
SBiffenfd^aft, ber ei5 l^ier einmal toieber an bem ein^ 
fachen gefunben äßenfd^enfinn gefehlt, l^at fid^ in l^orm:? 
lofer S)nmm]^eit an biefem Serbred^en Betl^eiligt (x^ 
f enne bie ftatl^eberf ociaKften) ; bie üon ber geigl^eit ber 
liberalen Partei bem @taate anfgebrängte felbftmdrbes^ 
rifd^e 9lad^fid^t ftraft fid^ furd^tbor: ®efe|e, bie man 
an^ ml^iger (Srfenntnig bed Siedeten nnb ^iotl^menbigen 
mit 9ht]^e längft l^atte geben foHen, mu^ man fid^ 
ie^t burd^ bie gfurd^t t)or SBieberl^oIung ber fd^auber^ 
t)oIIften ®reuel getoaftfam entreißen laffen. 

3)ie Stimmung, bie und ie|t umf&ngt, n^irb \>ox^ 
übergel^en, toenn aud^ bie Solgen bed eben (Sriebten 
in unabfel^bare S^tnen reid^en. 93id jje^t l^abe id^ 
biefe Stimmung nod^ nid^t bemetfiem fdnnen. @elbft 
auf bem ßatl^eber, too iäf mid^ fonft über aUt^ 2)rudEenbe 
bed SCugenblidEd l^intoegl^ebe , Dermag id^ fie nid^t ju 
f^eud^en. 

@d toar fc^ön, lieber gfteunb, bag @ie mir toieber 
einmal unmittelbar ein äSort fagten. SBenn nur bie 



44 titi ^nnatm U^ unb fjxan, 

aRu^fal bed Untiusi» f(!^on üorfiBer »äre SDleine 

imnier gletd^ j^etilid^en Sreunbedkoünfd^e fittb, @te 

koiffen ed, ieberseit bei Sitten. 

3(i^ umarme (Sie, mein X^eurer, in Srennbf(!^aft 

unb SiXAt. 

SR. 8. 
SDWlttd^en, 8. Snni 1878. 



Sin toaf)Xi& Serlangen trage i^, ju erfahren, toxt 
fid^ bie tl^euren ^reunbe in il^rem neuen 93o]^nfi|)e 
^eimifd^ Belagen. (Sinb bie Slad^toe^en ber Überfteb^ 
lung überlDunben ? 3^i9t ft^ ber SSierttialbftätter @ee 
red^t freunbli^ mitfamt bem ^immel, ber {td^ in il^m 
f))iegeft? Drt unb Umgebung, bie id^ nid^t !enne, 
toerben mir bod^ gleic^fam geiftig vertraut, tuenn id^ 
mir bie Steunbe in i^nen n^onbelnb unb ru^enb benfe. 

(Sie n^erben mid^ nad^ bem @iegfrieb fragen, ^ä) 
toav feft entfd^Ioffen, il^n nid^t gu ]^5ren. ®erabe in 
biefer Sdi, in ttjcld^er neben ber amtüd^en 5ßffid^t nur 
nod^ bie äStrtlid^Ieit ber Daterlönbifd^en Suftänbe und 
befd^äftigen follte, ift mein Seift aQem Xl^eaterma^igen 
nod^ mel^r afö fonft abgen^anbt. Slber Set)i »oUte 
fid^ burd^aud nid^t an ben Sebanfen gen^öl^nen, mid^ 
unter ben S^f^ciuern ju öermiffen, er Brod^te mir fettft 
am Xage ber Sluffäl^rung ein 93iIIet. 34 »ar alfo 



9[n ^rmaitn Ul^be unb gf^au. 45 

förmlid^ l^tneingestoungen. Unb iä) Bereue ntd^t, bag id^ 
bem freunbfd^aftlid^en StoaiXQt nad^gaB. SSad in Sa^reutl^ 
bad S3efte mar, ber 3ßtme — bad l^atten totr m6) 
^ter, bem S<tfner aber gab ^nbermann eine S3eben^ 
iung, bie il^m bort abging. 3)em SSoglfd^en $aare 
fann nton freilid^ feine Rünftlerfeelcn einblafen. Seöi 
^atte jebod^ feine ganje öielfeitige ®irigentenlraft auf:j 
gemanbt, er lieg bie einzelnen UnDoQfonimen^eiten 
t>erf(^n)inben in ber Sinl^eit, n^eld^e fein leitenber (Seift 
ber gefomten 2)arfteanng auf))rägte. 3)ad SSSerl felbft, 
bag id^ ja Bis in jebe 5Rote lenne, erfd^ien mir in feiner 
ftrengen Srl^aBenl^eit unb tro^igen ^l^nl^eit fo gro^ 
toie je. 

Wit treuen ^erjeni^n^ünf d^e I 

3». ». 
SKfind^en, 16. 3uni 1878. 



SBeld^ ein fd^öner lieber ©erid^t, tl^eurer gteunbl 
Sr gelangte am ©onntag um bie äRittagi^ieit ju mir ; 
er erl^eiterte mir ben ftißen SRad^mittag, unb gern l^ötte 
id^ fc^on ein SBort freubigen 3)anled bafür gefagt. 
StBer mand^erlei 9lrBeit l^äuft fid^ in biefen Xagen 
iufammen. 

99elennen muj^ id^ äBrigend, ba^ ti mir nur auf 



46 tln itvmaxm U^be itnb Sfcou. 

bem Sat^ebet mib int ftreife memer @<j^&ler gelingt, 
ben 2)ttt(I, mit bem mid^ bad Seib biefer, bem Sater^ 
lanb fo fnr(!^tbaren Xage belaftet, einigermaßen ju 
übertoinben. (Sie l^oben Steii^t nnb brflden gonj nnb 
gor mein (Em^ftnben auj^. Sie nichtig lommt vM 
aQeiS t)or, toad nnf^ felbft angelet, toenn bie ^^(i^flen 
Sntereffen, Dor benen bie eigenen ))erf(!^n)inben mäffen, 
gefol^bet erfd^einenl Unb toie obgrunbtief ift bie 
®efa]^I & ift toitKni^ nid^t allein bad ©d^redlid^e 
bed «ugenbUcfd, »od mid^ fo tief bebtfidEt. ^ iliit 
todttt. ®$ mag einer, gu il^rem unb unferm ^eil 
energifd^ eingreifenben Regierung gelingen, bie SDlod^te 
bed SSerberbeni^ abguföel^ren, unb bai$ @t\&f)i äußerer 
@id^erl^eit n^ieber ^erguftellen. W>tt bem SerberBen 
im Snnem unmittelbar gu fteuem, bai^ überfteigt baS 
Sermdgen aud^ ber IraftooDften unb loeifeften Stegierung. 
Unb gerabe im gnuem mud^ert bad SSerberben. S)ie 
$]^rafe bed lanblaufigen Siberalii^mud l^at allein an^ 
gefreffen. 3R(m mag fid^ ie|t \>ox ber auj^fd^toeifenben 
2)emo!ratie fürd^ten; aber ber 9Rann, ber f&r liberal 
gelten toiU, loirb nod^ auf lange SAi ^inaud glauben, 
er muffe biefen feinen eblen Qil^aralter baburd^ be^^ 
tl^ätigen, baß er im Flamen beiS fogenannten SSoßeiS 
ber ategierung afö fold^er — bad l^eißt, aber nur 



9ln ^ermann Ul^be utib grrau. 47 

toeil ed bie ategterung ift — l^inbemb entgegen 
tritt. SBtr feigen ed ie|t fd^on. Saunt bringt eg bie 
Regierung ben Svi6)Üß\m jnm S3etouBtfein, ba§ ed 
tu)(i^ eine ftaatlic^e Drbnung giebt, an ber nid^t lebet 
(Sinjelne nad^ 93elieben mit äSort unb 2$at fred^ l^er^ 
umserren barf, fo n^itb ond^ fd^on iai erträumte 
@d^redEbiIb einer SFleaction herauf Befd^moren, unb ber 
el^rfame 93ürger, ber eben noc^ 9Rorb unb Säronb Don 
ber focialbemolratifd^en 9fa)tte fürd^tete, beginnt fär 
feine „greil^eiten" liberal ju jittem. 3m Oefül^Ie ber 
eigenen Untl^ätigfeit verlangt man t)on ber Stegierung, 
fte foD nur ©id^erl^eit gem&^ren, ruftet fte fld^ aber 
baju, unb n^iD in bie redeten ^aSjxitn einlen!en, fo 
fönt man il^r in bie 3ügel. 

Unb felbft bad, vorauf id^ l^ier beute, ift nod^ 
nid^t bai$ ©d^Iimmfte. SEBir finb ha^ genuBfüd^tigfte 
Uiott (Snxopa^. gm @ffen unb Xrinlen, ober üielmel^r 
im langen Sertoeilen bei biefen ®enüffen tl^un toir t^ 
aUm anbem SSöHem gm)or. 3)ad Don Staud^ unb 
aSierbuft angefüllte SBirtl^dl^aud ift für bie nieberen 
Slaffen unfered SSoHe^, unb leiber nid^t aQein für biefe, 
bie eigentlid^e ^eimatl^dftätte geworben. S)al^er ber 
fd^&l^Hd^e Serfall unferer gnbuftrie. 9lber biei^ ift 
ein alted Slationallafter, toit toerben e^ nie audrotten. 



48 ^n ^ermann Ul^be unb gfrau. 

toxi mfiffen mit i^m, afö einem befW^enben Ue&el 
red^nen. 9leu l^ingegen ift bie (Entfernung t>on aUtm, 
toa^ bem SeBen religidfe SBeil^e Derleil^en lann. SEEKe 
furchtbar bied Uebel an ben lauterften Sräften bei^ 
beutfd^en (Beiftei» fc^on gejel^rt l^at, I&|t fic^ nid^t be^ 
red^nen. 3e ebler biefer ®eift feiner Art nad^ ifk, nm 
f e n t artenber toirlt anf il^n bie SRif d^ung mit bief en 
giftigften Elementen. 9hd^t nur bie jnstitia ebenfo 

fidler bie religio bitbet bad fandamentum regnorom. 

S)aj$ SSerberben unb ia^ Serbre(!^en gel^t ^ier t>on 
einer, biefed Stamend untofirbigen SEBiffenfd^aft au^, bie 
mit n^al^rl^aft jelotifd^em S)ogmatii$mui$ gegen bie 
ebelftcn ©efül^Ie einer, il^rer l^öl^ercn Seftimmung bc:^ 
n^ugten äRenfd^l^eit ben abfd^eulid^ften aQer ^ege, 
leiber nid^t fieglod, gefül^rt l^at. 

SBie innig man mit bem SSaterlanbe Derbunben ift, 
fül^It man in fold^en Xagen bod^ am fiberieugenbften. 
SReifi ganje« S)afein ift mit aßen Sibem in bag 
beutfd^e ©eifte^Iebcn öertooben. ^ rcbe j[e|t l^äufiger 
afö fonft aud^ mit lungern Seuten über bie beutf^en 
3uftänbe* 9Kan lann bei fold^en Slnläffen erfal^ren, 
toie toeit unb tief bie Slnftedhing burd^ bie liberale 
^l^rafe greift. Sielet man bann »ieber eine ^ro# 
jeffton, toie fte fid^ je^t eben üor meinen t^enftem 



9n ^ermann U^be uitb gftau. 49 

üorfiBerBetoegt , fo erBIidt man bie äu^erften ®egen^ 
fä|e, itDtfd^en benen bie S^it fd^tDanlt. 

S^re lieben äEBorte t)om 9Rontag unterBred^en ntid^ 
in biefen 93etrad^tungen. gd^ mag mir gern benlen, 
bag QQe jnr (Sinrid^tung beg löfilid^en SSSol^nfi^ei^ 
ndtl^igen SIrBeiten nun aBgetl^an finb. 

®ruB unb treue Steunbf d^aft 1 
SR. ». 
19. 3uni 1878. 



(Sd »irb fd^toer, meine Semegung jurüdEjul^alten, 
ba id^ eben t)on bem (SrgeBniB ber SSal^Ien 9lad^rid^t 
em))fange. (SiS mirb in Beiben Sejirfen äRünd^eniS 
eine neue SBal^I nötl^ig. (StauffenBerg ift nid^t burd^^^ 
gebmngen, bie Ultramontanen treten Diel IraftDoHer 
l^eröör, afö e« il^nen feit bem franjöfifd^en Kriege 
toenigftenil^ im erften SSegirle, mögtid^ gemefen ; bie @o^ 
riaG)emo!raten oBer erfd^einen in erfd^redenber SEBeife 
Dermel^rt; biefe Partei ift t)on SEBal^I gu SEBal^I in 
ununterBrod^ener Qmaffmt Begriffen. 

©olc^en Srfc^einungen gegenüBer Bebarf ed einej^ 
feften (SlauBend an bie innere SeBendfeaft bei^ Steid^iS, 
an bie ftttlid^e Xl^atlraft ber S)eutfd^en unb an il^ren 
»erftanb. 

9ernal^S. »tiefe. 4 



50 ^n ^ermann U^be unb S^au. 

(Beftent Igotte id^ nod^ ein Ifingerei^ ©efpräd^ mit 
^oI|enborff. „SHefe SBal^Iett toerben t)iele Ueber^ 
rafd^ungen Bringen" * fagte er „felBft Sai^fer btnn 
unterliegen.'' 9ber eine 9tieberlage @tattffen(ergi$ koarb 
gamid^t in Setrac^t gejogen. 

(Sind n^erben biefe SBa^Ien leieren: 2)er t)ulg&re, 
bef))ottfd^e, aQer tieferen SeBeni^auffaffung aBgeföanbte 
SiBeraßi^ntud t>erbient nic^t nur feit langem ben Unter:? 
gang; er ift j[e|t aud^ üoDIommen unf&l^ig, il^n oB^ 
iutoel^ren. 

SO'lit äSonne lefe i^ ^omer unb SSirgit @d mad^t 
mid^ jebedmal jung im ®eifte, n^enn ic^ tuieber einige 
Xage mit ben Sitten t>erf eieren fann; ic^ !omme mir 
in biefer ®efeßfd^aft fel^r öomel^m t)or. S)ie Jttten 
geleiten ben ®eift aud bem neBIid^ten SBimoarr bed 
mobernen S3iIbungdIeBend ju ben l^eiteren ^dl^en, tDo 
allein in Beftimmten lid^tumffoffenen Sormen erfd^eint. 
©ainte »euoeg »ud^ üBerSBirgil,^» ba8 id^ juml^eit 
fd^on in ben funfjiger Igal^ren, ba id^ ed in einjelnen 
Sruc^ftüden lennen lernte, aufmerifam unb nid^t o^ne 
fruc^tBare Stnregung ftubirte, l^at mir jefet Bei rafd^cr 
Seitüre aBermafö einen red^t gefälligen (Sinbrudt ge:? 
mac^t. Son ben Srangofen mu^ man lernen, tote 
man bie ^of^ unb Slationalbid^tung aufjufaffen l^at, 



tCn ^ermann fX^ht unb gfrau. 51 

bit in SHrgtl tl^ren Xriutn))]^ feiert. 3ft j[q boc^ 
Sirgtl eigentlich fc^on ein mobemer romanifd^er $oet; 
hnx^^ ganje äRittelalter l^inburd^ ift er ber eingige, 
ber lel&enbig bleibt, ber nie auf^drt, gelefen jn werben 
unb afö pd^fted SRufter gu gelten, ^bt» SEBort bei^ 
SSirgil l^at in ber $oefte ber Komanen fein l^unbert^ 
fältigei^ (Sd^o gefunben. ®erabe}u gefe^geBenb n)irft 
er burd^ feine Sluffaffung ber n^eiblid^en Statur. (Seine 
3)ibo Bleibt bai» Urbilb ))afftonirter Stauen für aQe 
SHc^ter, bie fid^ an ber römifd^en $oefie inf))irtren. 
^ glaube, baj^ ic^ einen rid^tigen @inn für SSirgil 
befi^e. ^m SlQgenteinen tuirb t^ ie^t bem S)eutfd^en 
fel^t fd^mer, il^n ju genießen. SEBir l^aben tUrt lein 
siöcle Louis XIV gel^abt, baS uniJ Sid^t über biefe 
Wci t)on fhtnftpoefte geben fönnte. 

%m ^omer l^abe id^ mein grünbKd^eiS (Sntjüden, 
toann unb n)0 id^ il^n auf fc^Iage ; er ift noc^ immer 
meine alte unb neue SEBonne. 

SlDed (Bute, ^erjlic^e, @d^öne t)on bem getreuen 

äR. 99. 

aRünd^en 3. Sluguft 1878. 



S)er Sieg ber bereinigten Parteien, ber Ultra^s 
montanen unb ber ©ocialbemolraten, ift geftem für 

4« 



62 ^n ^ermann U^be unb Sfrou. 

äRfind^en entfd^ieben toorben. 2)ie @iabt fenbet alfo 
jtoei Vertreter bed mobentr^dmifd^en S^eutfd^Ianbi^ in 
ben beutfc^en Ketd^iStag. @ie l^oBen bie Sfal^re 70 
unb 71 nid^t untl^&ttg mit burd^IeBt, t^eurer Sreunb; 
toenn @ie aud^ mit 8ie(^t aDer ^o^Ieti ))oIittf(!^en 
Steberei aBl^oIb finb, fo mug bod^ ber ^roceg ber 
@eIBftierf(eifd^ttng, in n^eld^em bad Soß (Boetl^ed unb 
Santd einmal »ieber begriffen ift, ^xt fd^merjlid^e 
S^eilnal^me erregen. S)ie SRäd^te, bie biefem ^oceg 
(StiQftanb gebieten fdnnten, jeigen fid^ nod^ nid^t. 
9K(^t bie ©efal^r, fo furd^tbor emß fie oud^ erf(^eint, 
ift ba^ eigentlid^ ©efäl^rlid^e ; bag man unf äl^ig ift, il^re 
ganje fd^redEßd^e 93ebeutung ju erlennen, bad ift bad 
entfd^eibenbe Unheil. 

S)er t)ulg&re Siberatii^muiS n^irb t)on bem Sol^n 
feiner ©finben frül^er l^eimgefud^t afö er fettjl, unb 
n)ir mit il^m, eru^arten lonnten ; aber unter ben Sfolgen 
biefcr ©ufee leibet bie ganje Station. 

SBenn id^ j[emafö ben S)rang nad^ t^olitifd^em 
äSirfen unb (Sinmirlen geff)ürt l^abe, fo ift ed j[e^t. 
9htr bie fefte Ueberjeugung, für bied Gebiet nid^t be^ 
ftimmt ju fein, l^äft mid^ jurfidt. ©onft — toer follte 
ftd^ nid^t aufgerufen füllten, gegen bie n^ieberbeginnenbe 
@elbft}erf(eifd^ung 2)eutfd^Ianbd ju reben ober )u 



%n ^rmann Wjibt unb fjrrau. 53 

l^onbelnl fßdäft 3^f<^^^^^^t ^^^ ©efinnungen 1 
9SeI(!^e Utnnad^tung ber ®etfter I 2)ad tft nod^ immer 
baffelie Soß, bad ben bretgigiäl^rigen firieg erjeugtel 
SCber ein SSoIf, ha^ fid^ aui» bem @Ienb biefed ]ttb^U 
mdrberifd^en ^eged tuieber ]|en)orgearBeitet, tuirb 
bo(^ nod^ bie &xa\t (efi^en unb Beü^ätigen, bie in 
ben Xiefen Ant^ entarteten Seben^ tuül^Ienben 3R&äftt 
bed Serberbeni^ gu übertoinben , t^ tuirb gegen il^ren 
t>er6re(^erifd^ freien Slnfturm bie ®üter fidler fteQen, 
bnrd^ bie unfer S)afein erft SBertl^ erlangt. 

3d^ mv% mid^ orbentUd^ in eine geiftige (Sm 
nel^men, um bie @inbrädEe bed Xaged ju fibertoinben. 
äßiffen (Sie, totn xä), au^er ben Elften, nod^ l^erbei^ 
gerufen l^abe? Seinen geringeren afö ben 9Reifter. 
^ nol^m ein (Siox>m in meine SSSol^nung; ein un^ 
Dergleid^Kc^er &pitUx, ber mit Bebauerlid^er Sinfeitig«: 
feit audfd^Iie|enb in unb t)on XBagner lebt, fommt, fo 
oft td^ toiUf itt mir unb tragt mir bie großen SBerfe 
fo treu unb großartig t)or, bag feine nod^ fo oft 
toieberl^olte 2)arftell[ung fte mit gleid^em Slad^brudE mir 
einprägen Idnnte. !(uf biefe SBeife l^aBe id^ Xriftan, 
9t^eingoIb, SSallttre, (Siegfrieb fd^on ganj gel^ört. 
^eute 9lad^mittag tooUm toit mit ber (Sötterb&mmerung 



54 t(n fyxmtam U$be ttnb %tqxl 

beginnen. Xriftan nnb ber britte 9ct bed @tegfrieb 
bleibt bad QktDaltigfte Don aQem. 

^ier ^aben toir obtoed^felnb Sonnenglutl^ unb 
Remitier. SRdd^ten 3^nen nur l^eilf ante Sfifte tt^el^en 1 

m, ». 

äRfind^en 9. Sing. 1878. 



aReine @(ebanfen treffen l^offentlid^ mit ber SBirt 
lid^Ieit jufantnten, toenn id^ annel^me, ha% bie S^^ 
ft&nbe bei 3^nen ftd^ mit jebem Xage beffem. Shtl^t 
ber Sonnenfd^ein auf bem @ee? ttnb lommt ber 
©onnenfd^ein aud^ in bie ®emtltl^er? 

©onntag Rotten toir bie SBoHüre. S)ie ®efamt^ 
^errlid^bit bed SBerIed unb bie reid^e SfüHe bed Sin^ 
jelnen lam mir toieber jum Sett^u^tfein unb jur Sdt^ 
fc^auung. Sie Kufffil^rung iebod^ fiberjeugte mi^ 
obermafö, ha% ed eigentlid^ ein SSergel^en gegen ben 
aReifter ift, feine SSerle auf eine W^nt, toie auf ein 
Schaff ot, ju \ijilepptn, @ie verlangen unter aEen 
ttmftänben il§ren eigenen @(l^au))Ia|. ttnb bod^ n^ar 
biefe SorfteDung mal^rfc^einlid^ bie befte, bie bem SBerte 
ie^t in S)eutfd^Ianb ju Xl^eil merben lann. 

SHe SBerl^anblungen bei» Steic^i^tagd breiten fid^ int 
engften ftreife. Sud bem magifd^en ttnglüdElScirfel ber 



9Cn ^ermann Ul^be unb grrau. 55 

$attet t)ermQg lein einjtger l^eraudjutreten. 9iur für 
Stömard gtebt t^ ein Steid^ unb ein ä^aterlanb. Sin 
ouffQQenbed S^^^ti ift aud^ bie ®emeinl§eit bei^ Xoned, 
in toel^en mand^e SRebner fo leidet unb fo gern t>ttf 
finlen. 

^aben @ie eigentlid^ in iüngfter ßeit ®otÜ)t^ ®e^ 
fpräd^e mit @d(emtann einmal aufmerlfamer burd^^s 
genommen ? 3lai) ber 93ibel mdd^te ed toenige Sudler 
geBen, bie uni^ fo für jebe Stimmung bad SRid^tige 
unb (£rtt)änfd^te, bad !(uf]^ellenbe unb Srl^ebenbe bar^ 
bieten. Sd ift eben bei^l^alb unerfd^il|)flid^ mie alle 
Sudler, bie nid^t litterarifd^en Urfprungd finb, fonbem 
unmittelbar aud bem Seben l^eroorgel^en unb bai^felbe 
in feinen unenbßc^en a^anifeftationen jum $(udbrud( 
bringen. 

®eftem nal^m gfiebler^^ t>on mir !lbfd^ieb. (Er 
bleibt ben größten Zl^eil bed äBinter^ in S^alim, (Sin 
bebeutenber SRenfd^I 

Smei^ ®ttte aui^ treuem ^erjenl 

aw. ö. 

äRünd^en 17. Dctbr. 1878. 



S)er loiffenfd^aftlid^e ftreii^Iauf l^at alfo n^ieber begon«; 
nen, tl^eurer Sfreunbi ^x^ guten äBünfd^e l^oben mid^ aufd 



56 t(n ^etmanit Ul^be unb gfrait 

ßat^eber geleitet. Km SRorgen begrflBten miä) ^xt 
etgenl^änbigen SBorte, in jebem @inne ein erfreuenber 
®rug, bie mir bedl^alb fo toertl^ toaxm, loeil fie mir 
afö ein Seichen galten, hai träBeXage toieberfiberftanben 
jtnb. SBenn eis in 3^rer SRac^t ftünbe, mfirbe id^ 
fagen: mad^en ®ie uni^ KQen bie Sfreube, {te nid^t 
n^ieberfel^ren ju Iaf[en. 

Sur Sinmeil^ung bed ®emefterd l^örte id^ Sonntag 
ben Sibelio, nad^l^er toar id^ mit bem Sa))enmeifter 
auf beffen Sitte jufammen unb fagte noc^ — benfen 
@ie 1 — fpät in ber 9lad^t VkjAd unb 3)ora unb bie 
(£u))]^rof^ne l^intereinanber. @o oft id^ ben Sibelio 
l^öre, immer brdngt ed mid^ t)on neuem, ben tmpf 
fangenen SinbrudC in SBorten toieberjugeben. 3ft bie 
©teile in Fdur „D @ott, toelc^ ein «ugenMidfl" 
dfl^nen aud^ fo Heb ? S)a bttdt uniS Seet]^ot)end @eele 
toie aui^ fttal^Ienben ®i)tteraugen an. ®efül§I, t)on finn^ 
Ud^er Säfladt befreit, ift tool^I in ber Sunft nie lauterer 
}um Slui^brudC gelommen. 

Sie iBerid^te ber aui^tD&rtigen Sldtter aber bed 
ßanigd t^eatralifc^e ®enfl{fe lieft man in aRünc^en 
felbft mit ganj abfonberlid^em Säd^eln. SCKed, toai 
t)om Sönig öffentlich erjä^tt mirb, bilbet immer ein 
abgefd^madCtei^ ®emifd^ t)om SBa^ren unb gfalfd^en. 



9Cit ^cnnoim IQbe ttnb ^can. 57 

2)ie ffir il^n toal^rl^aft d^arafterifüfti^eit 3äge erf&^rt 
natfirlid^ ein Settungdfd^tetber nie. 

3n ber beginnenben SBod^e toirb ben atänti^enem 
SBagnerd 9tibeIungenloerI t)oaftanbig t)orgefa^rt. Unb 
xä) — übe ®roBntut]| — o))fere nteinen $Ia| unb bleibe 
toeg. Km SRitttDod^ l^otte id^ ben Sigoro, nm ntit!^ 
t)on neuem ju überseugen, bag bie Sol^igfeit, äRojartö 
(Sdttertl^um lieber jugeben , fflrd erfte aud ber SSelt 
oerfd^tDunben ifi 

fßa^ xi) mir ju Sßeil^nac^ten mfinfc^e? S)aiS ift 
fd^toer iu f agen : @ined Xl^eil^ toünfd^e id^ mir jierlid^en 
^u^xati), 2)enle td^ aber red^t barüber nad^, fo loünfd^e 
id^ mir toofjil noä) entfd^iebener Sudler. Unb toarum 
aud^ nid^t ? Sßarum f oQ id^ meiner Sreube an SBäd^em 
nid^t nad^geben, ba fo mand^e anbere Sreube mir t>txf 
fagt bleibt. (Eigentlid^ foQte man, j[e länger man lebt, 
immer {ufriebener toerben, inbem man bai^ ßmige unb 
9Kd^tige in aQem ©ein unb Xl^ün unterfd^eiben lernt. 

Sendetet ber SRonb je^t fiber ben @ee ? a^ir fie^t 
er ind Siwmer. 

S)anl unb ^erjeni^gru^. 

3». ». 

SBünd^en 6. Sloöbr. 1878 QVa U^r «benbd. 



58 9(n ^ermann U^be rxnh grau. 

9uf irgtnb etoad, bad einem Sriefe al^nelt, bflrfen 
®te toSSfxtnb ber Sauer bed ©emefterd (id^ bettle bii^ 
)um 15. aRärj ju lefen) grunbfa^Iid^ itid^t red^nen. 
SBad je^t ungefd^rieben bleibt, lann ja l^ernad^ um fo 
erfd^d))fenber im münblid^en SBort bel^anbelt toerben. 
3c^ traue barauf bag aud^ meine fpärUc^jten Sln^ 
beutungen bei j^l^nen einem pl^ilologifd^ jut^erlaffigen 
aDumfaf[enben SJerftanbniB begegnen. 

3)ie S)inge in S^^anlreid^ begleite ic^ mit ge^ 
fpannter Xl^eilnal^me. Kn eine bauembe 93egrünbung 
ber atepublil lann id^ nid^t glauben, aber bai^ rul^ige 
SJerl^alten ber SRaffe jeigt toenigftend einen augen^ 
bßdlid^en Sortfd^ritt bei^ gefe^Iic^en @inned. 

Wt bem SSerfal^ren beiS t)reugifd^en Sultui^minifte^ 
riumi^ in @ad^en ber l^öl^eren @d^ule unb ber Son^ 
feffion bin id^ fd^on feit längerer Stit nid^t eint)er^ 
ftanben. S)ie Sleugerungen über ben claffifd^en Untere 
rid^t ffahm mir fogar im l^öd^ften ®rabe migfaüen, 
fie ftel^en mit ber gefunben preu^ifc^en Xrabition in 
fd^neibenbem Smief))alt. 3)er ßam)}f mit Sftom ift 
nad^ meinen Slnfd^auungen geioig ebenfo l^eilfam toie 
unt)ermeiblid^, aber id^ mdd^te bod^ {toeifeln, ob er in 
einem l^inl&nglid^ großen ®inne gefül^rt toirb. S)er 



^n ^ermann U^be uttb Sftau. 69 

romifc^en SBeltl^errfd^aft fann man nur mit ben ebelften 
äJiKtteln (eüommeit. 

Sßdkn @te boc^ in ber Snigemeinen Seitung auf 
(£nä) ©c^ntibtö SlrtUel Aber ^e^fed @Ifriebel (Er 
fd^eint mir fel^r gelungen, ^e^fe nennt bie @Ifriebe 
mein ^atl^enünb, totxl xä) iai 2)rama juerft bei il^m 
anfi bem SRanufcrif^t t)orgeIefen. @i^ ift mir bo))f)eIt 
lieb, loenn ba^ Sßerl, an bem id^ befonber^ bie beiben 
erfien Slcte grünblid^ betounbere, fid^ Slnerfennung bei 
bcn S9efferen erringt. 

ISben ]|at fid^ bai^ Silb 2)anted ^'^ bei mir einge^ 
funben. 2)er 93fifte (Boetl^ed gegenüber, jtDifc^en ben 
florentinifd^en ®eftatten ^iä)ü Sngeloi^ erl^dlt t^ 
feinen $Ia^. SBal^rlic^, ein ebler unb erl^ebenber 
SimmergenogI gc^ lann fd^toer meine Sugen t)on 
ben Sm^ loenben, auf benen bie @d^auer ber @rbe 
unb ber Stbglanj bei^ ^immefö rul^en. 2)ad aSilb 
feffelt immer mächtiger, je langer man t^ t)or Singen 
l^at. SBie unenblid^ t)iel ffai biei^ 9Jlenfd^enantIi^ ju 
fagen unb ju t^erratl^en. 3)ie ©el^eimniffe ber brei 
SSSelten, bie ber Srl^abene burd^toanberte, bßdCen uni^ 
auiS biefem Kuge fc^merjlid^ unb feiig an. S93ad biefe 
Sippen in Siebe unb Som, in glfll^enber ä^erel^rung 
unb in güil^enbem ^af[e au^fprad^en, ift nod^ niemafö 



60 ^n ^rtnattn U^be uitb gfrau. 

auf (Erben gefprod^en toorben, in biefen SBorten er^ 
Hingt bie @timnte eined ^ol^rtaufenbi^ ber SRenfc^^ 
^eitögefc^id^te, unb bie @(ebanlenlaft einer SSelt birgt 
^^ l^inter biefer Stirn. SBer ben Sinn biefe« Kttt:= 
li^ed fagt, lernt gering benfen t)on irbifc^em Srreub 
unb Seib. 

@o l^abe id^ nun in meinem Bintmer bie toürbigen 
SSilber ber beiben größten Sid^ter, bie feit ben ^ro^^ 
pfftitn bed aiivx Xeftamentd unb feit Sefd^^Iui^ auf 
(Erben erfd^ienen. 3!n bem einen erl^SIt bad äRittel« 
alter feine bid^terifd^e @Uorie, in bem anbem fammelt 
fic^ boiS (Sfeifte^Ieben ber neueren SBelt jur Sinl^eii 
Xreuen ®ruB unb befte SBünfc^el 

SR. ». 

3». 3. m&xi 1879. 



a^ünd^en 14. aRär^ 1879. 
92ein; tl^eurer Sreunb, id^ loerbe gerabeju bebrüdFt 
t)on ber $rad^tlaft biefer SBunbergabe. ^® Sebrüdt unb 
befd^&mt SCber auc^ fel^r erfreut SSor aQem freue 
id^ mid^ in 3!^re Sm^finbung l^inein, ba% @ie unter 
SSerl^dltniffen, toeld^e bie Xl^atigfeit einer jeben minber 
energifd^en 9iatur I&l^men loärben, eine folc^e Seiftung 
üoKbrad^t l^oben. ^ freue mid^, bag bieS SSerl in 



%n ^mtann Ul^be uitb gfi^AU. 61 

einer fo graitbtoi^ tyoxnt^mtn ®eftalt mir nun ange^ 
l^ort. 3^ freue mid^ enblid^ jumeift, bag ein foId^eiS 
fbuä) ba ift. mbäjU boäf jeber Sud^ftabe barin 
lebenbig loerben unb ju lebenbiger SBirlung gelangen 1 
Unter aDen nteinen S^eunben, fernen unb n&l^eren 89e^ 
lonnten ift nientanb, ntit bem id^ in ber Ittnftlerifd^^ 
fittlic^en Knfid^t bes' Xl^eatermefeni^ fo t>oU unb ganj 
übereinftimme, mie mit 3^nen. 

S)ie $rad^terfd^einung !am geftem 9lad^mittag ju^ 
erft t)or mein Sluge, afö ic^ mit @rid^ @d^mibt and 
bem SoDeg l^eimfel^rte. Sluc^ er ftaunte gu il^r tmpox. 
Dbgleid^ id^ bie Stbenbftunben mit il^m bei ^e^fe ju^ 
brad^te, lonnte id^ mid^ bod^ nid^t entl^alten, mand^e 
umfaffenbe 831idfe in boi^ ©anje ju tl^un. Seite 404 
heimelte mid^ liebUd^ an, fo fd^5n merbe id^ nie loieber 
gebrudt merben. @ie l^aben bie SBorte iiberaui^ ge^ 
fd^idEt in bie lebenbig fortgel^enbe S)arfteIIung gefügt, 
©ie finb ber @rfte, ber eine tl^eatergefd^id^tlid^e 2)ar^ 
fteOung Iftnftlerifd^en unb fittlic^en S^^^^t l^t ^ 
barf fagen, ben Stotdtn ber nationalen Sol^Ifal^rt 
bienftbar mad^t. STKed, toa^ über ben SReifter t)or^ 
lommt, ift l^dd^ft feffelnb unb belel^renb. 

®ru6 unb Xreuel 

«. 



62 9(n ^rmann Ul^be unb f^au. 

2)a Sinnen, tl^ettrer Sreunb, ungel^etnmte Setoegimg 
tiod^ immer Derfagt Bleibt, fo tft ed ja in getoiffem 
®itiTie gut, ba^ id^ fp&ter lomme. 3<^ bleibe bedl^alb 
bod^ fo lange, afö urf))rfingli(l^ beftimmt mar, benn 
auf SBunfd^ unb Sitten einiger meiner 8uf)6xtt loerbe 
id^ mit ben Sorlefungen erft am 28ften Slpril be« 
ginnen. 

3ebedmal, menn id^ fomme, l^errfd^t ein anberer 
ber großen SBeltpoeten, ol^ne bag bie frfil^eren baburd^ 
t)erbrängt loürben. @ie bleiben ade meine erl^abenen 
Sreunbe. SBie arm loare mein Seben, toenn nid^t 
geiftige 3nteref[en ed aui^füDten. 2)er ununterbrod^ene 
Serlel^r mit il^nen ift neben meiner Sel^rtl^&tigleit aDein 
fällig, meinem ®eifte einige grifd^e §u erl^alten. S)ie8s= 
mal toixh tpol^l 2)ante t)or]^errfd^en. ^ toiD @ie 
aber nid^t mit feinen ^oQenfd^redCen quälen, n)ir tooUtn 
t)on Segefeuer unb $arabied reben. SRacauIa^ ff tid^t 
einmal föftlid^ über ben SSerlel^r mit ben etoig lebenben 

Xobten — with the highest of human intellects 
Plato is never sullen. Cervantes is never petulant 
Dante never stays too long. ^' — Sicero U^ürbe id^ in 

biefer ©efeUfd^aft ber Jltterl^öd^ften nid^t nennen, fo 
lieb er mir aud^ toar unb ift. S)aS ift bie toirflid^e 



tCn ^ermann U^be uttb gfrau. 63 

![rifto!ratie, in bereit ^taSft man t)omel§m toirb, ol^tie 
ej^ jtt tnerlen. 

SDKd^ 3fl^rer Sreunbyd^aft tmp^fjUnb, 

«. 

2R. 28. 3KSrs 1879, 



(Sitten l^etilid^en äRorgengmg; t)erel^rte Steunbinl 
Sagen @te bod^ bent lieben Ul^be toie fel^r id^ um 
feinetttnQen ben SBittemngdgroQ beil^ ^intmefö Beilage. 
^ ffaltt immer nod^ an ber Hoffnung feft, ba% l^eDere 
unb milbere Xage il^m aud^ tvieber @t&rlung bringen 
toerben. 

SBenn td^ aud^ ju einem „^latfd^brief" Seit l^ätte, 
toai^ foQte id^ Katfd^en? 3^ toAi nid^t^ ju fagen, 
uneingeloben gel^e id^ nirgenbd l^in. ®eftern 3laä)^ 
mittag toar ©e^fe Bei mir in ^Begleitung feiner grau, 
biefe Brad^te mir eingemad^ten S^gtoer. 93ei Set)i, 
ber beiJ JReifter« ®eBurtWag in Sa^reutl^ mitfeiern 
unb bann $arii^ unb Sonbon Befud^en toirb, toar id^ 
geftem SCBenb mit SenBad^ unb SQge^er. @d toarb 
gut gefprod^en unb gute aituftl gemad^t. SRit Be^ 
fonberer Setvegung l^drte id^ tvieber einiget an^ bem 
britten Acte beiJ ©iegfrieb; neben bem Sriftan BleiBt 
bied bie l^dd^fte Offenbarung bed 9Jleifterd. . . 



» • • 



64 Hn (^ermann Vi^bt mtb Srtau. 

^ienftag SRorgen tta(]^ ber Sorlefung. 

@o ffoxmloi fd^rieB id^ nodf geftem, unb ie|t fommt 
bie Xrouertunbe. ^^ 3^ barf nid^t fagen, bag fte uner^ 
toartet lomtnt unb bod^ tote tief erfd^ättemb 1 Stauben 
@ie mir, liebe Sreunbin, id^ dauere mit S^nen ; mir 
fteQen fid^ ade bie eblen unb liebendmürbigen (Sigen^ 
fd^aften eined SRanned bar, beffen geiftige ^eiterleit 
unb geiftige Xl^atbaft burd^ bie beutlid^ em|)funbene 
3l&fft bed XobeiS nur nod^ einen gefteigerten @d^n)ung 
}tt erl^alten fd^ienen. Unb — obgefel^en t)on allem 
^erfönlid&en — bießitteratur crleibetburd^ feinSd^eibcn 
feinen geringen Serluft. Stegfame Smpf&nglid^Ieit bed 
©eifteiJ, SBiffen unb ftrengfte ®ett)iffen^aftiglcit, @püx^ 
Iraft fär bad (Sinjelne unb ein offner 93Iid( für bie 9e^ 
beutung bed &anitn, gefunber fyii gegen aQei^ ^albe 
unb Uned^te unb freubige Sfnerlennung bed neibloiS 
angefd^auten SBal^ren unb ^öl^eren — baneben eine 
unt)erlennbare unb immer reiner fid^ enttt)tdklnbe 
göl^igleit aujiel^enbcr unb getoinnenber S)arftenung — 
bad aQed toirb fid^ nid^t fo batb toieber in einer 
?ßerföntid^Ieit Dereinigen. 

@d gel^ört fär mid^ loirUid^ ein ftorled $f[id^tge:: 
f&fjH baju, l^eute 9lad^mittag aufiS SSat^eber }tt ge^en. 
^ä) toiO im Seginn ber Sorlefung bei^ l^ingefd^iebenen 



9[n ^ermann U^be unb grtau. 65 

Sreuttbed gebenfen. 2)er Xob bel^SIt bod^ tmtner etoad 

gel^eintttigboa IXebettDältigenbed. SBte oft l^at IX^be 

felbft fein nal^ed (£nbe beff)ro(l^eit, toit oft toaren toir 

gejtmtngen, unS mit bent ®ebQti!en cm eine unber^ 

nteiblid^ nol^e Sluflöfung ju befd^äftigen. 9htn tritt 

bad @reigniB felbft imntet noc^ etfd^redenb unb nieber^ 

fd^Iagenb auf. S)ie täumlid^e mf)t bei» Xobed bel^ält 

tmnter oud^ für ben an bai Ilarfte unb rul^igfte S)enten 

gett)öl§nten SRenfd^en ettoad ©dgredf^aftei». ^(^ beule 

l^ier nod^ gamid^t an ben Xob, ber ein und tl^eured 

SBcfen l^tntoegrafft unb fomit einen Il^eil unfereiJ 

eigenen @elbft oemid^tet; nein, ber Xob an unb fär 

fid^, bad Sterben, bleibt bad bunlelfte itntv ©el^eim^ 

niffe, bie und umgeben, unb fiber bie toir und nur 

bedl^alb mit einem getoiffen ©leid^mutl^e l^intoegfe^en, 

loeil il^nen gegenfiber bie f)^9ftfd^e D^nmad^t bed 

äRenfd^en aEju beutlid^ offenbar toirb. 9htr burd^ hm 

gottlid^en Xl^eil in und lä^t fic^ ber Xob, toenn nid^t 

fibertoinben, fo bod^ ertragen. 

Xreue unb Sreunbfd^aft in l^eQer loie in buuHer Seitl 

». 
SRünd^en, 27. aRai 1879. 



fdttnatii, Xhfiefe. 



66 ^n ^nnann U^be unb ^rau. 

Sonntag 92a4mittag. 

Xnd unfäglic^er ^t^e l^eraud ber t>tttffttttt Sreunbin 
toenigftettd einen ®rug. 2)te @tubirenben ^aben ftc^ 
meift fd^on fortgetoanbt, bennod^ gab ed ^eute SRorgen 
allerlei Sefuc^, fo bai idf bon 9 bid 1 Ul^r ttid^t 
einen Slugenblid oDetn toax. Xro^bem fälble id^ tni^ 
nic^t angegriffen unb trage mid^ fogar mit bent bor^ 
barifc^ eblen @(ebattlen, l^eut Kbenb, bei biefer t^anni«' 
fd^en ®Iut^getoaIt, ben Siegfrieb ju Igoren. 

SJi^ontag 3){orgen. 

3n ber Xl^at, baiS mar eine umarme ^ulbigung, 
bie id^ bent SReifter aQein unter aQen lebenben Sünftlem 
barjubringen geneigt bin, unb felbft unter ben großen 
Xobten bürften nur SRojart unb Seetl^otien ein ®Iei(^ed 
t)erlangen. S)0(j^ maii^te fid^ mir eigentlid^ nur tna^renb 
bei^ erften 9(cted ber 3)rud( ber Sltmofpl^&re fd^tuer 
fühlbar. Siefem erften Slct nämlid^ muB man bie 
@timmung entgegenbringen, um feiner eigenartigen 
Xrefflid^feit ganj frol§ ju toerben. 3)ie beiben folgen^ 
ben ergmingen ftc^ bie @timmung. Sie Srmecfung 
93rün^ilbeni^ , bie baiS (Sanje frönt, ift Qttoi% bad 
fragte, toa^ feit bem gtoeiten Xl^eil bed fSfauft in 
3)eutfd^Ianb an Sunft uberl^aupt gefc^affen toorben. 
Dbgleid^ ic^ mid^ fonft burd^toeg ber fUta^xl ge9enüber 



Hn ^ermann Ul^be unb t^rau. 67 

nait) t)tti)alitf — baiS J^eigt, mic^ t)ertraueni^k)oII ol^ne 
toeitered 5ßrüfen ntcincr Sm^)finbunfl fibcrlaffc — fo 
l^obe id^ mid^ bei btefon größten Tlommi ber Xrilogte 
bod^ fd^on mel^rfad^ unterfud^t, ob ftd^ irgenb etoad 
grcmbarttflcÄ, Unbcred^tigtc« in bcn (Stnbrudf mifd^c, 
itnb td^ f)ait biefen ftetö ganj rein erfunben. 3)ad 
einfad^ STlenfd^Iid^e fommt l^ier int t)erg5ttlid^enben 
aR^tl^ud sunt l^öd^ften Slu^brudf, bad @Ientent ber 3Rxi[x% 
in bent bad @(an}e fd^loebt, oergeiftigt nnb berbentlid^t 
jugleid^ ben Sorgang int ^nnem bed ®entüt^dlebend. 
Sie SBerle bc3 SReifter« finb nid^t nur fettft ouger^ 
orbentßd^, fie oeranlaffen aud^ ba$ Slngerorbentlid^e. 

Diefer läge fant ein S9rief öon ®eßu§, jucrft ent^ 
jifferte id^ tok getoül^nlid^ nid^tö afö ,,Sieber 93ema^i^ 1" 
unb ^offte, ba% ®ott jur ^trätl^felung bed Uebrigen 
allnta]|lid^ Srleud^tung fenben toerbe. S)iefe blieb benn 
aud^ nid^t and. ^d^ entbedKe ju meiner l^erjCid^en 
Srreube, bag er [\ä) mir für bie Stit um ben itoanjigfien 
Sluguft anlänbigte 

2)ie ^nftauiSftellung entl^alt ju meiner Srreube ben 

ganjen Sunftiammer ber 3^t. @ie tDiffen, bag für 

ben n^ol^ren Mnftler, fo balb er fd^Qfft, lein ®egenfa^ 

itox'i^tn 3beaIiiSmud unb SlealiiSmud tiorl^anben ift. 

($9 gtebt fein ed^ted ^nftoerl, in bem fic^ beibe nid^t 

5* 



68 Vit ^rmann Ul^be unb ^jxaxL 

bntd^bringen. (Betabe bie am meijlen t)ergetfttgten 
ftunftn>erle ru^eit am ftd^erften auf bem Soben bet 
Statut ober entffmngen m^ ben Xtefen ber etoigen 
SBa^rl^eit. Setbe SBörter mit bm ^alBbegriffen, bie 
fid^ baran htfi^fen, Unntn bad fd^Iimmfle Unl^eil ftifteit, 
tDenu fie t)ott ungeBilbeten ftünjtlem p ^arteibeieic^^ 
ttungen emtebrigt toetben. @o beftrebt {Id^ benn bie 
ie^ige Sunft, bie j|ebe Sl^uung t)om Urfprung unb 
SBefen aOer Shxuft eingebaut l^at, auf bod einftd^tigfte 
ober — id^ toiQ bad redete SBort braud^en — auf 
bad fred^fte, reatiftifd^ ju fein. @ie tjerfd^toiftert fid^ 
gleid^fam mit aQen, bie äRenfc^ennatur unb t)or allem 
bie beutfd^e ®eiftedart l^erabtoärbigenben 93eftrebungen. 
SBer t)on bem Xreiben unb bem SBUbung^iuftanbe ber 
meiften fogenannten ftünftler einige Senntnig l§at, borf 
fid^ freiftd^ nid^t k)enounbem über bie antoibembe (Sr^ 
Bdrmlid^Ieit bejfen, toad nun av& fold^en SSpfen unb 
$]^antaften l^eraud and Xagedlid^t tritt. Siefe äRaler 
l^oben feine SJorfteOung t)on bem, toa^ im beften 
Xl^eile ber Station ftd^ regt unb lebenbig ift. 3)ie 
ed^te Sbxti^ mug neben aDem anbem, toa^ fie ift, 
aud^ bie aiet)rafentantin il^rer 3«t fein, aber nad^ 
biefer ^nft unfere Seit ju beurtl^eilen, bai^ n>&re 
eben fo tl^drid^t, ate ettoa nad^ ben &uftff)ielen t>tm 



^n ^tmann Ul^be unb gtau. 69 

Slofen unb 9Rofer bad 93tfi) unfered gefeUfd^aftltd^en 
Seiend entiDerfen ju tooQen. 2)er Sinbrud, ben 
biefe Sammlung neuefter ^nfterjeugniffe Bei SSielen 
l^eiDorbtingt, tft glfidflid^er SBeife ein fold^er, bajs man 
l^offen barf, t)on biefer Slui^ftellung Idnne eine SBenbung 
ium 93ef[eren Beginnen, menn anä) nid^t in ber $robuc^ 
tion, fo bod^ im Urtl^eil. Sefen @ie boä) in ber Sdlget? 
meinen Seitung bie 9(uffä|e t)on ^ed^t. Siefer ^itiler, 
ber feine Uril^eile fonft nid^i eben au§ ben reinflen 
OueHen }u fd^öpfen pflegt, f^^rid^i l^ier mit einer frei^ 
mfiil^igen (Snifd^iebenl^eit, bie ifjm um fo l^öl^er an}U:i: 
red^nen ift, ba feine ^^erfönlid^en ä^erl^&ttniffe il^n in 
n&d^fte SSejiel^ung ju ben ^nftlerlreifen bringen. (S^ 
gieBi bod^ in 2)eutfd^Ianb eine SCri t)on äffenilid^er 
@eftnnung, bie fid^ bem Gemeinen miberfe^i. äRög^ 
liit, bag Seuerbad^d ebler ®eniud ie|t }u einer W^^ 
ertennung gelangt, auf bie man biiSl^er nid^i l^offen 
burfte. 3d^ ^jflege immer ju fd^erjen, „toenn er nur 
©ebulb f)atf fo alt ju toerben, toie ber SKeifter, fo 
fann er feinen fftafjm noä) erleben.'' 

9htn mujs aber biefer bud^artige S3rief }u Sinnen 
eilen unb l^l^nen meine ®rüBe fiberbringen. 9(Qeieit 
getreu unb ergeben 

SRünd^en, 7. «ugufl 1879. 39. 



70 9n ^ermann U^be unb tjrau. 

Sin treuer (ShntB ber toerel^rten gfreunbtnl 
.... äßüttc^en Vji in biefen SBod^en t)on ^rentben 
flberflut^ei, aber ber B^toaU ftröntt nur burc^. 93on 
einem ?ßrofeffor tt)irb öorauSgefefet, ba§ er bic ©tabt 
mit bem Seginn ber gerien öerlaffen, unb fo tottbt 
iä) im (Srunbe nur n)enig bel^eHigt. 2)iefer Xage lernte 
id^ ben Silbl^auer Slbolf ^itbebranb aui^ Slorenj lennen. 
(£d ift eine toa^re ftünfßematur, unb er ftrebt naä) 
bem SBal^ren, toie bie großen Äfinftler ber SRenaiffance. 
@r ftel^t in feinem ®eBiete ba, toit Seuerbad^ in ber 
SRaleret, ift aber öiel jünger atö biefer. SBaS er öon 
allgemeiner, unb BefonberS litterarifd^er S3ilbung befi|t, 
öerbanft er feiner grau. SSon ^ilbebranb lommcn 
jttei Süften in bie Slu^fteHung : grau ©d^duffelen unb 
grau Siebter. @^ toar pbfd^ ju l^ören, toit ein 
fold^er äRann, ber nur in ^unftanfd^auungen lebt 
unb ber $oefie ganj naiü gegenfibertritt, fid^ in ben 
jn^eiten Sauft, befonber^ in bie ctaffifd^e SSalpurgii^^ 
nad^t eingelebt l^at. 

8tm Sonntag l^örte id^ bie ®ötterbämmcrung. 
@ie gilt neben ber SSallüre afö bad ))Pt)uIdrfte @tädt 
ber Irilogie. Sie ^anblung Betoegt fid^ im Greife 
menfd^Iid^er 3#^ttbe, bie äRotiüe finb meift aHöer^: 
ftönblid^, ben ©rfd^ütterungen beiJ britten Slcte^ lann 



^n ^ermann Ul^be unb gftau. 71 

Tiicmatib ftd^ cntjicl^cn, utib ber S)o|)<jdtob ©tcgfricbiS 
uttb aSrün^ilbeni^ tft getotjs fo großartig tote bie (£r^ 
tociung ber legieren am ©d^tug be§ ©tegfrieb. Irofes^ 
bent ^at mid^ bieg SBerl nietnafö, unb anä) je^t tttd^i, 
fo im Snnerften Berfil^rt tote bie übrigen be§ äRcifter«. 
S)er crftc 8lct freilid^ f)at mxä) bieiJntal fd^on tiefer 
ergriffen aö frfil^er. 3^ lenne bie ®ötterbäntmerung 
nid^i fo (id ini^ Sin^elfie genau, n)ie id^ bie anbern 
Il^eile ber Irilogie lenne, möglid^, bafe, je tiefer id^ 
einbringe, mein ©enufe um fo gröger ttjirb. Sid jefet 
fd^eint mir immer nod^ ber mufifalifd^e ®t^ait ge^ 
ringer atö in ben übrigen @d^ö|)fungen, ber britte 8lct 
beS ©iegfrieb Bleibt mir — toenn man überl^aupt ein^ 
mal fo tl^örid^t fein n)ill, l^ier eine Sflangorbnung auf^ 
jufteHen — neben ben äReifterfingern unb Iriftan ba« 
®rdj3te. 

@inb Sie fd^on lieber in Hamburg? SUleine 
SBünfd^e finb treulid^ bei Igl^nen. 

3R. ». 
SRünd^en, lö.Stug. 1879. 



72 9[tt ^ettnann Ul^be unb Srtau. 

Screl^rtc grcimbtn, fo »eit id^ cS jcftt bered^nett 
latm, bcnfe ic^ tttoa am ©onnerftag ben 26^^ ab^ 
jttteifen unb nad^ eittt&gigem Slufetttl^att in Sranifurt 
am 27. äRorgenl^ in ber SSaterftobt einzutreffen. 

^emfen ^* ift noc^ bei mir, ber Serfel^r mit il^m ift 
mir erfrifc^enb. (Sin t^ieljal^riged gemeinfamed Seben 
unb (Srieben giebt einem Sreunbfd^aftdber^&Itniffe bo<^ 
einen unerfd^fitterlid^en ©runb 

^ vermag ed leiber nid^t ju ^inbem, baß ber (Soetl^e 
in befonberem 9(bbrud erfd^eint S)undter unb ^umblot 
l^aben il^ren SEBunfd^ bringenb toiebcrl^olt, fie beriefen 
fid^ barauf, bag in einem äl^nlid^en SaQe ^err t). 9lan!e 
feine guftimmung ol^ne »eitereiJ gegeben, ©in längerer 
SBieberftanb meinerfeitg l^atte ettoa« ^ßretiöfe« gehabt. 

Siebler ift nod^ l^ier, am SRontag Slbenb mar id^ 
mit il^m bei ©d^&uffeleng, geftem Slod^mittog »ar er 
ettoa }tt)ei ©tunben bei mir. 3m ®ef<jröd^ mit il^m 
n)eiJ3 man bod^, tooiu man bie Sip^^en ben^egt. Sr 
ift tt)irllid^ ein bebeutenber unb felbftanbiger S)en!er, 
e« ift auffaßenb, tt)ie öielfad^ »ir übereinftimmen, ob:? 
gleid^ ber 93ilbung§gang eine§ Seben fid^ nad^ \>tt^ 
fd^iebener SRid^tung l^injog. 3n ber Äuffaffung beS 
Slltertl^um«, in ber Äuffaffung ©oetl^eg begegnen »ir 
uns boUftänbig. 3m Dctoberl^eft ber Slunbfd^au tt)irb 



fin ^ermann Ul^be utiiy f^tau. 73 

öon il^m ein 8tuffa| ftcl^cn, ber bic 8ttpä»b« t>«^ 
öffctittt^cn ßunföcbetig, fo tt)ctt ber Staat e« Iritet 
unb Befd^ü^t, einer einbringenben Äritil nntertoirft. 
SBog er je^t ^juBIicirt, finb nur ^inbentungen cnf eine 
umfaffenbe 9(rBeit, bie eigentlid^ ganj bem ))]^tIofo^ 
))]^ifd^en (gebiete unb itoox ber (Srlenntnigtl^eorie an^ 
gel^drt. 

Slud^ ©el^eimratl^ t)on äBinbfd^eib aud Sei))iig mar 
mit feiner Satnilie l^ier. (£r ift njal^rlid^ nid^t Blod 
eins ber erften ^du^Jter ber Quri^^jrubenj, fonbem iu^ 
gleich eine öon jenen, int beften Sinne ibealen Slaturen, 
beren bie beutfd^e @ele]^rtenn)eft immer mel^r bebarf 
unb immer n)eniger befi^t. 2)ie Srau ift t)on loftlid^er 
Stegfamleit be^ ®eifted unb (Semütl^d unb t)on einer 
— tt)ic foß id^ eg fagen — rul^igen liefe ber ®mp^ 
finbung, aud^ ber religiöfen. Sie altefte lod^ter fd^eint 
fel^r begebt. SBinbfd^eib toar eine ber erften gierben 
beg ßreife^, ben SRaj n l^ier gefd^affen. ^e^fe öers^ 
el^rt tt)enige äRenfd^en fo toxt xf)n. 

SBie fd^ön toirb eS fein, »enn tt)ir lieber münb^ 
lid^ mit einonber f^^red^en lönnenl 

3R. ©. 

SRünd^en, 18. ©eptbr. 1879. 



74 ^n ^ermatm Ul^be vmh ghrau. 

@ett jtoei unb ein ffaVb Xogen alfo n^teber in 
meinen Wäunien, öerel^rte gftennbin — 

mntoodi borgen. 
2)a n^orb id^ geftem nnterbrod^en unb int SSer^? 
laufe bed Xage§ moDte fid^ bie fOta^t }u fort^ 
gefegtem @^pxSiä)t nid^t ftnben. Ueber ben Sufent^ 
f)alt in Sranifurt I&gt ftd^ nur in SSaufdg unb Sogen 
berid^ten, bag er für (Seift unb ®tmütfj gteid^ anregenb 
unb ergiebig toax. 3d^ t)erle]^rie junteifi unb ^tt^ar 
auf bad intimfte mit S)et)rient9, @todE^aufend, meinem 
lieben (Sl^IeriS *® unb fal^ aufeerbem nod^ öierjig bii^ fünf* 
jig SDtenfd^en, obgleid^ id^ ieber größeren (SefeQfd^aft 
au^toid^ unb fettft bie S3efud^e bei ben alten gtant 
furter gamilien unterliefe, in bereu Greifen id^ frfil^er 
fo l^eimifd^ gen)efen. 3d^ fal^ unb beobachtete üiel unb 
tl^at mand^erlei 93Iidte in bai^ ft&btifd^e Seben bed mo^ 
beruften granifurt. Slnjiel^enb toax befonber« ein 3««^ 
fammenfein mit ben öomel^men IBertretem beiJ alten 
reid^iJftabtift^en aber beutfd^ geflnnten granffurt; fie 
finb gleid^fam bie legten ?ßfeilcr beg früheren ftäbtifc^en 
@emeintt)efen§, fie belennen fid^ mit einer 8trt öon 
öomel^mem ©tolj jur einflufelofen SRinorität. Sei 
Srau @d^umann n^ar id^ einen SCbenb. SSeld^ ein 
iugenblid^er ®eift lebt nod^ in biefer mel^r afö fed^jig^ 



9[n ^ermann Ul^be unb Sf^au. 75 

i&l^Ttgen Srau, auf beten ^aitpte bod^ bie ^anb beiS 
©d^idfafö oft fo fd^toer gerul^t. SRit ber l^eitem 9laU 
üitßt etnei^ jluttgen 9Räb(^en^ freut fte fid^ auf jebe 
X]^eatert)orfteIIung. Unb toAäft eble Somel^ml^eit tft 
baBei fiber il^r ganjed SEBefen ergoffen, äßte unt^erle^t 
l^at fie ftd^ burd^ bie Xrübfal bed Sebend l^inburd^ bie 
einfad^ ibeale (Sefinnung betoal^rt, t)on toeld^er ia^ 
Seben erft feinen SBertl^ enq)f&ngt. 

©tocf^aufen nal^nt ntid^ mit offenen Wmtn unb 
feine grau mit offenem ©emütl^e auf. Äud^ bort traf 
id^ auf eine ßrifiiJ. 3n ber %f)ai, totnn id^ in fo 
t)ielen Reifen bel^ SebeniS beobad^te, tt)ie fd^toer t^ 
fettft ben t)ortreffIid^ften äRcnfd^en toirb, einen $Iafe 
}u gen)innen, ben fie bauemb bel^aupten lönnen unb 
toollen, fo getoinnt meine alabemifd^e (Stellung in mei^ 
nm 9(ugen einen bop^^elten Sßertl^, unb id^ föl^ne mid^ 
gern mit aQem att^, \oa^ in il^r unb an il^r minber 
befriebigenb fein mag. SEBie (StodE^aufen ben 9(uiSfaII 
feines ©el^aftg erfefecn toill, baS vermögen feine 
greunbe nod^ nid^t abjufel^en; unb aud^ er toü^t 
toofjl laum Sted^enfd^aft bat^on ju geben, gür jle^t 
erfreut er fid^ nur an ber SluiSftd^t auf bie tt)ieber }u 
erlangenbe greil^eit unb fo fanb id^ il^n in ber tmp^ 
fanglid^ften unb mittl^eilfamften Stimmung, gum erften^ 



76 9[n ^ermann H^be mtb gfrau. 

mal feit foft brei SBod^ett brang toteber SRuftl an Df)x 
unb ^erg. 3^^ ©d^filerittnen fangen ; and^ 'üfyn f elbfi 
mnBie iä) jum @tngen gn Belegen. Son fetner Stimme 
ifl freiließ launt nod^ ein t^oller filang fibrig geblieben; 
mon t^emimmt nnr 9 n Sänge; aber felbft mit biefen 
Xrümmem bed loftbaren SRateriald bemeifi er, ba^ 
er ber erfie, ja ber eingige @&nger unter ben Sebenben 
ifi 2)en inneren Sufammenl^ong unb ben duBeren 
Sufammenllang öon Ion unb SBort — bieiJ ©el^eim* 
nig l^at 9hentanb fo ergrünbet mie er ; bie Sefeelung 
beg SBortftoffe« ift l^ier tooHbrad&t. Srgefeli^ ift fein »cr^ 
l^&ttnil^ gu SBagner, tl^eoretifierenb l^at er mancherlei an 
il^m auiSgufe^en ; j[a, er fud^t an ben (Srunbf efien ber SBag^ 
nerf d^en ^nfi gu rüttetn ; fobalb er aber gn)ei Bitten 
t)on il^m gefungen l^at, IS^t er nur Sudrufe be§ @nt^ 
gfidtend l^dren: ,,bai^ ift n^irllid^ eingigl munberbarT' 
®erabe an ben fd^einbar trodfenften Stellen, g. 93. 
an ber Srg&l^tung SBotaniS im gtt)eiten Stet ber SSal^ 
füre ittoSf)xt er feine ftunft unb fein Serft&nbig. 
93rad^te er ed n)irllid^ bagu, eine groge Sd^ule gu tx^ 
rid^ten, bie etti^a ein gal^rgel^nt l^inburd^ ununterbrod^en 
beftanbe, fo Idnnten aud il^r bie S&nger l^ert^orgel^en, 
bie ber SReifter bidl^er öergebenS gef ud^t ; er felbft gicbt 
gu, baB SBagnerifd^e SSSerfe im SBagnerifd^en Sinne 



9n ^ermann Ul^be unb gfrau. 77 

üorgefftl^rt, cmf 3ebett ol^ne ^u^nafjvxt ilfiertoSItigenb 
nnrien mügien. 

2)er !l6enb 6ei Stod^aufen toor ber le^te in %vanh 
fürt, am anbem SRorgen geleitete mid^ Seörient 
treultd^ jur SSal^tt; bie Bei fd^Iimtnem SBetter l^öd^ft 
unbel^oglid^e Steife toarb leiblid^ überftanben. S8&l§renb 
ber lurjen Qüt meiner ![6n)efen]^eit l^atte flc^ boc^ 
t)iel angefommett, bad iä) erft in ben fotgenben Xagen 
mit aRuBe burc^fa^. 9}on Siebter fanb {t(^ ein Srief 
üBer meinen „Seinen ®oetl|e". fOtan fielet baraud, 
toa^ er für ein S)enler ift. ä)lit t^oQIommener ftlor^ 
l^eit fprid^t er aui^, nmi^ j[eber SSiogro))]^ einei^ 2)id^terd 
ober ÄünftleriJ, j|a, eine« fd^ö^ferifd^en SWenfd^en, mag 
biefer ber Runft, ber SBiffenfd^aft ober bem ^jraftifd^en 
Seben angel^Sren, ftd^ jur Aufgabe fe|en mix^. igebeiS 
aSort biefed Sriefed f)at mxif tDol^Itl^nenb beräl^rt ; id^ 
fel^e aber nnb abermalig, ba^ id^ bei meinem ganjen 
Zl^un nnb !(rbeiten immer nnr an bie Seften benlen 

®m& in Xrenen 

8. 
SRfind^en, 26. Dctbr. 1879. 



78 9ln ^rmann U^be unb grrau. 

®ottIoB, bie erfte ä^orlefung ü6erftanbenl Unb 
mif für meine Qnfjixtt gilt \>a^ „fiBetftanben", nnb 
itoax }unt Xl^eil im eigentlid^ften @inn. S)enn ben 
gonjen ^drfaal l^inburd^ nnb ju Beiben Seiten beS 
ßaü^eberd ftonben fte bid^tgebrangi. 2)ie Sorlefung 
n)ar toeber gut no6) fd^Iec^t, fte erfd^ien mir farbloi^ 
nnb nnbebentenb, fte toax nid^t t)om ^oetl^efd^en ®eifte 
bnrd^tt)e]^t. (Srfte SSorlefungen geßngen mir faft nie, 
id^ bin immer nngefd^idt in ber SSe^anblung bed 911^ 
gemeinen, id^ lann nur t)om Sinjelnen itm WU 
gemeinen auffteigen, unb bad Befte berartige, ba§ id^ 
geben lann, finb gett)ig lurje allgemeine iufammen^ 
faffenbe 93etrad^tungen, bie mir untt)illlftrlid^ unb un^ 
mittelbar aud ber 3)arfteQung bed Sinjelnen l^erüorgel^en. 

9lad^ ber SSorlefung mar id^ etti^a anbertl^alB ©tun^^ 
ben Bei ^e^fe. @r l^atte mid^ geBeten, ben norbifd^en 
^id^ter Sjömfon Bei il^m }u feigen. 2)ie (Srfd^einung 
— ein IraftöoHer Sfinfjiger mit Breit enttoidcitem 
Übtxtöxptx, mit t)oIIem lid^ten ^aar unb fd^arf ge^ 
fd^nittenem ®eftd^t t)on einem faft unl^eimlid^ üBer^^ 
rafd^enben SBed^fel beg SluÄbrudf« — bie ©rfd^einung 
alfo entfprad^ }iemKd^ ber SorfteHung, bie id^ mir 
k)on biefem großangelegten 3)id^tergeifte gemad^t l^atte. 
(^ toax t)on feiner grau unb einer jiungen S)ame U^ 



^n ^ermann U§be unb grtau. 79 

gleitet, bie Bei einem fattften Slu^brudf ber 9(ugen eine 
gar ju berbe ^od^enntaffe in il^rem 9(ntli^e geigte. 
£eiber Derlieg er äRünd^en fd^on geftern Slbenb, id^ 
l^atte mid^ gern il^m titoa^ genal^ert, er ntad^t einen 
Diel geminnenberen Sinbrud afö 3bfen, fein 3lAtn^ 
hufjlltx unb ®egner. 

(Sine groge Sreube toax\> mir t^orgeftem Befd^ieben. 
Sluf ber SlüdEreife t)on 9tom tarn ^einric^ t)on ®tßtl 
mit feiner ©emal^Iin l^ier burd^ unb erfd^ien ))I6^Iid^ 
mit ausgebreiteten Armen in meinem 3tomer. SBenn 
8lan!e ber crfte ber ^iftorifer ift, fo ift S^bel getoife 
ber geiftüoQfte. Einige Xage üorl^er fal^ id^ erft üon 
il^m in ber Stunbfd^au einen Slrtilel über Xainei^ 
gro^ei^ SBerl. @o toax mir fein ®eift red^t gegen? 
toartig, ate er leiBl^aftig öor mid^ l^intrai ®r ift ein 
»al^rl^after greunb, ber för meine Slatur einen Maren 
unb babei nad^fid^tigen S3Kdt l^at. 9(ud^ bie t^tau, bie 
toenig gealtert, jeigte fid^ fel^r l^erjüd^. Seibe toaren 
fo freunblid^, mid^ nad^ Serlin ju toünfd^en. 

Saffen Sie mid^ bod^ ^ören, toie SRubinfteinS SBer! 
fid^ bei ben äSieberl^oIungen f)alt (SS n)irb mir fd^n)er, 
mir eine einl^eitlid^e grojse @)om))ofttipn t)on il^m }u 
benlen. 2)ie äRaccabaer toaxtn jerfal^ren unb inl^alt? 
loiJ JuflWd^. ©etoijs ift Sral^mg ^^ ber tiefere, ftrengere 



imb fd^ßfinUgcce Setß. 6te mit Bagner jtt Der^ 
gbtAeii — boft foQle man 6riben erftxtrenl 

S)te Set^nblmtgai btr S^nobe geben eine oft 
trourige Oel^nrng Aber bie guilfinbe mifered $ro« 
tefhmtidntitd. Hbet tvie üiele borttefflid^e aRfinner ftnb 
biK^ in i^n niMl^ ^fitig. 

0rn^ nnb tteue Sftennbfd^oftl 

SR. ». 
aRänc^en, 6. Stoübr. 1879. 



Setc^rte Stennbin, 81fo and^ anf @ie brücft bie 
fiftlie? 6ie übt in ber Z^ot dne brüdenbe unb be^ 
)Uiingenbe Qkmatt, tvie fte fonfl nnr Don ber ^dd^ften 
6onnner^i|e andge^t. 

3n Serlin freilid^ tonnten meine ®ebanlen Sie 
nid^t auffttd^en. ^aben Sie nid^t (Belegen^t, bie 
®rfifin Sd^Ieinil )tt (Seft^t jn bebmmen nnb toirb 
ftd^ eine Serfil^mng mit Sieblerd ergeben ? Sr ge^Srt 
einer ber reid^flen bentfd^en gomilien an. 9Kema£^ 
liegte er bie Sbftd^t, irgenb eine amtliche SteCnng 
einjnne^men. Slo^bem er otf umfaffenben Steifen bie 
Seit ber ihtn^ nnb ber SBirfii^Itit fennen gelernt, 
bereitet er ein gro^ Ittnfl)}^i(ofo))]^if4ed SBerl t)or. 
S)ie @(^rift, bie bor tttoa iloei Solaren bei ^irjel 
erfd^ien, nnb t)on mand^en }. 0. bon ^iUebronb fo 



^n ^ermann U^be nnh grtau. 81 

überaus l^od^tdnig ge^^riefen toaxh, beutet auf bie 
Icttcttben ®ebanlen beffetten l^in. ©eine grau fel^nte 
fid^ immer }urädE naä) i^xtm l^eimatl^Kd^en äRänc^en, 
er l^at leinen ®runb, biefem äSerlangen ju tPtbers; 
ftrcben; benn gerobe il^m, ber bie ganje SBeft lennt, 
bietet SSerlin nur toenig ; er tt)ünf d^t fid^ geiftige SRul^e 
unb etn^a noä) ben ä^erlel^r mit einigen ^leid^gefinnten. 
(Sr ift eine burd^ unb burd^ t)orne^me Statur, bie fid^ 
anbem ettoaS fc^toer mitt^eift. ®egen Sanftler übt 
er, ganj im ©tiHen, eine oft grojsartige SBol^Itl^&tigleit. 
grcilid^ finb feine Slnfd^auungen öom SBefen unb öon 
ben Aufgaben ber Sunft benen, bie je^t officieD gelten, 
fd^nurftradtg entgegen gefegt. Slber bad @d^te mug ja, 
einem großen 9laturgefe|e jufolge, ftctg in ber äRino«- 
ritdt fein, giebler gel^örte ju ber Keinen, ganj Keinen 
@d^ar berer, bie f^euerbad^ nad^ bem ganjen SOlage 
feiner 93ebeutung anerlannten. @r Befi^t üon feinen 
großen SBerlen bie S^Jl^igenie, über bie id^ öor öielen 
^a^ttn im SRorgenblatte eine Slll^a^jfobie brudten liefe. ^^ 
lieber S^uerbad^^ Xob fd^rieb id^ nid^t, tt)eil mid^ 
ba^ Sreignig ju mäd^tig erfd^ütterte. äRir erfd^eint 
es aU eine 9lrt Don $f[id^t gegen mid^ unb mein 9lmt, 
ben trfiben nieberbrüdtenben Sntpfinbungen, bie auf mid^ 
einbringen, fo toenig wie möglich ©errfd^aft über mic^ 

)aernai)8. latiefe. ß 



82 9n ^ermatm U^be unb Srou. 

}u Dergöntten. 3d^ l^obe }u fd^toer mein Se6en bur^^ 
gelftm^ft, mir ift ju toenig t)on bem getoorben, toa^ 
man Steube nennt, ici^ mujs j[e|t, n^enn meine ^äfte 
nid^t all}tt frül^ erlal^men foHen, emftßd^ barauf Be^ 
bad^i fein, aUed 3^io^^i>^ unb Seltemmenbe oB^ 
jutoel^ren, ja, id^ mujs nm fo mel^r borouf Bebad^t 
fein, ie tiefer mein ®emüt]^ t)on ©d^merj unb äßit^ 
gefüllt getroffen tt)irb. Sber and^ gegen @ie, liebe 
Sfreunbin, enudl^ne id^ fo ungern etti^ai^ (Sd^merjlid^ei^. 
Unb in biefem SaHe n^ugte id^ felbfi gar nic^t einmal, 
ob ber Sünftler, t)on bem man ja laum mel^r aU ben 
Flamen fennt, !3^nen X^eilna^me unb 9en)unberung 
obgenionnen l^abe. ^6) erinnerte mid^ mtr, ba^ Ul^be 
il^n nad^ SSerbienft ju fd^afcen n^ufete. — ®iefer Xob 
ift einer t)on jenen @(^idtfaföfc^I&gen, über bie nad^« 
jubenfen gefdl^rlid^ tottim lann. Slngefeinbet ober 
öerl^öl&nt öon ber SWaffe berjenigen, bie fid^ für feine 
Sunftgenoffen l^ielten, öon ber tanbl&uflgen ^til fo 
lange toie irgenb möglid^ Derfannt, Don ben reid^en 
Siebl^abem, bie nur nad^ Flamen laufen, faft gänjlic^ 
unbeachtet — fo ging er mül^felig burt^g ©afein, ha^ 
SK^ftcrium l^eifiger ßunft in feinem ®eijte bergenb; 
unb öerborgen blieb eS ber SKoffe aud^ bann, »enn 
er ciJ in feinen SBerfcn glorreich öerlünbete. ?ln i^m 



%n ^mumst IQbc mib fitaxL 83 



iffc einmal Urieber bte ^emetn^ bۤ getool 

9Renf(^entretBeni^ offenbar gdootben. Si^cailofe %t^ 

ntftr ober einfeitige Sirhtofen, bereu 9^>eal nic^t ober 

bad Sbeal ber SD^en l^iiumdreti^ SRämter toie SRirfort 

ober ^attd, toerben mit einem (Solbregen nberfc^üttet; 

Senerbac^ ermangelte oft be§ nötigen (SkD>t§ fnr bie 

Seintoanb, bie feine erhobenen (Sebilbe aufnehmen foDte. 

3^ f agte oft fd^erjenb jn SHIge^er, ber nnr fitr i^ 

nnb in i^m lebte: „^at geuerbad^ nnr (Skbnib fo alt 

)u toerben toie SEBagner, fo torirb er feinet Znamp^t^ 

üBer bad (Bemeine nod^ fro^ toerben.'* 9ber er mod^te 

nid^t fo lange toarten nnb t)ersi(l^tete auf ben fd^ndben 

S)anf ber SSelt: t)ier ^aJ^ alter afö Schiller, fo ift er 

l^ingegangen. 

3)ad eigentßd^ SSetrübenbe aber bleibt, bag bie 

äSeft and bem Seben nnb Sterben biefed ^nfbnäri? 

t^rerd, ben man ie^t mit SSorliebe ben „genialen" 

nennt, nid^tiS, aber and^ gamid^td lernen tt)irb. SRag 

nnr ein oom (Seifte toal^rer ftunft erfüllter SReifter 

toieber auferftel^en, ber, unbelfimmert um bie gemeine 

Xagedmobe, feinem getoeil^ten 3i^I^ entgegentoanbelt I 

(Er mirb ed gleid^faHd erleben, bag bie Sunftgenoffen 

i^n befeite brängen, baB bie Jhitil il^n l^ai^nenb ju^ 

red^hoeift, bag ber erbarmlid^e 9leic^e, ber t)or Sunft^ 

6» 



84 9ln ^rmann U^be imb gftou. 

toerlen nur t)erbauen tmQ, feinen @d^dt)fttngett mit 
Sd^feljuden t)orflBerge]^t. 

Unter ben Surften S)eutfd^IanbiS loar unfer Sdnig 
ber einjige, ber tl^ätig beloied, ba% er S^erbad^d ®etft 
anerlannte. (Er l^at aud^ t)or furjem bie äRebea, bie 
t)oQe jel^n ^al^re lang unterlauft geblieben, ber l^iefigen 
neuen $inaIot]^eI gefd^enlt. SBie burd^ feine Snerlennung 
SBagneriS l^at er aud^ l^ier beloiefen, bag iffm ber @inn 
für ba9 @(roge angeboren ift. — 

2)er Sameüal gel^t t)oräber, ol^ne ntid^ aud^ nur im 
minbeften ju berfil^ren. ^ bin fro6, loenn id^ in biefer 
fd^Iimmen S^t meine SSorlefungen nid^t ju unterbred^en 
braud^e. Unter ben ßoüegen l^errfd^t ^anl^eit bie f$ülle. 

^t $e^fe gel^tjS frifd^er unb beffer. Se^tl^in afö 
er bei mir loar, l^atten loir eine lange lebl^afte Untere 
rebung über meinen §omer, *' ber mir natfirlid^ burd^ 
bie SluiSgabe ber Db^ffee ^* toieber fel^r nal^e gerüdCt ift. 
$e^fe l^at eine ganj anbere SSorfteQung üon bem 
S3ud^e aU id^. @r meint, ed müf[e l^ei^en : ^omer in 
ber SBeltlitteratur. "S^a^ Hingt mir aber gar ju 
gen)altig üomel^m. 3nbeg, n)ie aud^ 9lame unb Se^ 
fd^affcnl^eit beS ®ud^e^ fein mag, fo üiel ift fidler : id^ 
lann eS nid^t fd^reiben, totnn id^ in ber bii^l^erigen 
SBeife }u bociren fortfal^re. 



^n Salob Saed^tolb. 85 

Sletn ©eignen uttb Srad^ten gel^t einjig bamad^, 
ttüd^ ettoad Drbentftd^tö au^ mir ju ma^tn. 3d^ 
tDtll tn einen SBeg gelten, loeber um So6 nod^ um 
@d^eltrebe mid^ litmmem unb meine (Eigenart l^erau^^ 
bilben. 2)enn nur n)er fid^ feKft nad^ ben ®efe^en 
feiner 9latur frei unb ftreng au^gebilbet ffai, oermag 
auf anbere bilbenb ju ttiirlen. 

9lid^ 3^nen in Xreuen em^fel^Ienb 

SRflnd^en, 28. Januar 1880. 



26 



n. Hn Jakob ßat^toii. 

„$at benn ®aed^toIb Iraner" ? — fragte meine 
Srau, inbem fie mir ben fd^tDarj geränberten 93rief 
überreid^te, auf bem fie bie niol^Ibelannten Qüqt S^rer 
$anb nial^rgenommen. ^6) erfd^radC; ber erfte 89Iid( 
<>itf 3^^ IxAm Stiltn beftötigte bie bange SSoral^nung. 
(Sd ift l^art, ben S3mber t)on ber @eite geriffen ju 
feigen, ben man ju einem Ifinftigen Seben^genof[en 
neben fid^ l^eranload^fen fal^ ; aberunerträglid^ fd^merjen^i:: 
üoQ ftnb bie erften Seiten, in benen man fid^ mutter^ 
loiJ fü^It. ^* 3lad^ meinen inneren (Srfal^rungen muB 
id^ fagen: ^ ift eine ®d^mer}endn)unbe, bie eigentlid^ 



86 9n SaloB 8ae4toIb. 

nie t)emarbt. Songe, nod^bem mid ber Sertuft ge^ 
troffen, lann mtd nod^ in ge^iffen ©timmuttgen f'Iöl^ 
lid^ ein (Seffil^I bed Slleinfeind fiberlomnten, fo tief^^ 
greifenb, fo fted^enb, afö ob toir t)on neuem }u einem 
üereinfamten S)afein t)emrtl^eilt n^ürben. 3n bem SSer^ 
]^&ItniB beiS enoad^fenen Sol^ned jur aRutter liegt ein 
(Sefül^Idjauber geborgen, t)on bem lein anbered SSer^ 
l^öltnig, felbft nid^t bad }u bem geliebteften SBeibe, Der^ 
n&rt fein lonn. 9htr ber SRutter gegenüber l^oben 
ttiir aud^ in l^dl^eren 3<^ren nod^ bad föftli^e 9led^t, 
Sinb ju fein. (£d ergreift mid^ immer, loenn id^ in 
ber ®enefi8 lefe: „2)a füret fie 3faac in bie l^ütten 
feiner mutter @ara. Unb nam bie 9leBeca unb fie 
toaxi fein loeib unb geb)an fie lieb. SUfo toarb 3l\aac 
getröftet über feiner SWutter." 3n ber I^at, too 
giebt ed anbem Xroft? Unb bod^ ift aud^ biefer nid^t 
DoOIommen. 

Stber ))reifen Sie @id^ bennod^ glüdKid^l ^m 
reifen äRonnedalter l^aben @ie 3^rer SRutter nod^ fo 
mand^eiS gal^r }ur Seite bleiben lönnen. 3d^ t)erIor 
bie meinige, afö id^ eben oud bem dfünglingl^alter 
l^erouiSgetreten toar. ^6) öerlor fie ju einer S^itr ^<^ 
id^, auf einem felbftgebal^nten SSege mül^eüoQ üorto&rtd 
fd^reitenb, jum ftam))fe mit ben mid^ umgebenben Ser^ 



^n 3a!ob SBacd^toIb. 87 

l^&Itniffen geitouttgen, il^ter jörtlid^en unb bod^ ein^ 
fid^tööoUcn Siebe tnel^r afö je Beburfte. a)enn fic toar 
in meiner gamiüe bie eitijige, bie mein SBoHen unb 
Streben üerftanb unb Billigte. @d Hingt n)ie ein 
Wläxd^ttif n)enn id^ S^nen fage, bag id^ in meinem 
öierjel^nten Qal^r in ein (Sefd^öft^l^anS eintreten foHte, 
ein $Ia| im Siontor toax fd^on für mid^ Beftimmt. 
Unb bod^ toax Bereite in meinen ßinberjal^ren bie 
SfKd^tung meinet ganjen äBefen^ fel^r entfd^ieben l^er« 
vorgetreten. äRir ttiarb f))ater oft erjöl^It, bag meine 
alteren @d^loeftem fd^on t)or bem nennjäl^rigen ^aBen 
bcn SSofjtfd^en §omer terftedfen mußten, ton bem id^ 
mid^ oft nod^ in ft)äten SlBenbftunben nid^t lodreigen 
fonnte. SJlii tinbifd^em Xro^e fe^te id^ ei^ benn and^ 
burd^, baß man abftanb üon bem nod^ finbifd^eren 
93eginnen, einen gelberloerBenben Sanfmann and mir 
l^erau^juBilben. 9lfö id^, nad^ glänjenbem S^amen, 
auf bie nnioerfität jog, mugte id^ oBermald in ben 
Santpf, um bie Siedete meiner ^nbioibnalität ju 
toa^xtn. 2)em mittellofen 3^ngling n)oIIte man nid^t 
geftatten, fid^ ©tubien ju n)ibmen, bie ein fo färglid^ed 
SBrot tcrl^ießen. ®er 3urig|)mbenj foHte id^ mid^ er^^ 
geben. 3^ Braud^e e^ nid^t ju Bereuen, bag id^ Bei 
SddKng nod^ ^nftitutionen gel^ört, aBer bamit n^ollte 



88 «n SaTob Sacc^tolb. 

t^ mid^ bod^ ber Sbüocatengilbe um fernen @d^ritt 
genöl^ert l^oben. Wlt äRdd^te ber Stbe l^&tten mid^ 
nid^t jur Äbtrüimiflfcit üon mir fcC6ft herleiten lörnicn. — 

3n biefen emften Sfäl^rlid^feiten nun blieb meine 
SKtttter mir ftetö treue SännbeSgenoffin. @ie befa§ 
eine gefunbe litterarifd^e SBilbung, ober üielmel^r einen 
feinen Sinn für ba2 ®id^terif d^e; lebe Utterarifd^e ?ßrötcn^ 
fion toax il^rem einfad^en SSefen fremb, j|a, il^r üerbanfe 
id^ ium Xl^eil meinen unüberloinblid^en 93ibem)illen 
gegen ©d^riftfieUerinnen. %tBf) f^aitt fie in mir bie 
greube an ?ßoefie getoedt. ®er SSKdf ber mfitterlid^en 
Siebe toax aui) l^ier ber SBIidC bed SSerftänbniffed. @ie 
tpngte, n)o]^in id^ mit meinem Xl^nn jielte, unb il^r 
SSertrouen auf mid^ benal^m il^r aud^ jebe emftere 
Säangigleit, bie fonft ein SSKdt in meine ungetoiffe gu^ 
fünft l^ätte l^erüorrufen Idnnen. ®ie mugte üon Irinnen, 
el^e fie erlebt l^atte, mad tielteid^t il^r Seben toüxbt 
üerlängert l^aben: bie greube, mid^ in einer SteDung 
iu feigen, in ber id^ nad^ ben 83ebingungen meiner 
9latur toirfen lann. 

SBenn id^ mid^ biefen ©rinnerungen überlaffc, 
tl^eurer greunb, fo erfennen @ie baraug, toic lebl^aft 
bie ^nbe \>on ^i^rem SSerluft mein äßitgefül^I erloedft 
l^at. 2)aj3 bie täglid^e $flid^tarbeit S^nen oft red^t 



^n 3alo5 93ae(^toIb. 89 

\äftoet auflag, Begreife tc^ tiur ju tool^I; unb boc^ 
bietet bie regelmögig tDieberlel^renbe S(rbett bad eittjige 
toitifame (Segenmittel bei @(j^mer}en, bie, auf unabtoenb:? 
bare ©d^icffatöfd^Wge folgenb, ben innerften SRenfc^en 
treffen. 

3d& l^öre gern, baß ^^x KoHeg ginnen toiffeu^ 
fd^aftlid^ed SBel^agen geloäl^rt, bag Sie fd^on emftlid^ 
an bie große Slufgabe ber f^toeijerifd^en Sitteraturge^ 
fd^ic^te beulen, unb baß Sie junäd^ft ntut $ubli^ 
cationen öorbereiten §aBen Sie bie einjelnen 2)ranien 
fd^on enbgültig auiSgetDSl^ft ? 

^^ ifdbt to&l^renb biefed ©emefteriS bidl^er ba^ 
SDWttelalter in toeiteren Untriffen mel^r angebeutet ote 
bargefteHt. ^oä) trug id^ fiberall baffir @orge, baß 
avi& ber brängenben Sfille ber ^d^einungen bie &t'^ 
ftalten berer, bie aö Sel^errfd^er ober Vertreter il^rer 
Seit gelten muffen, fid^ Irciftig beleud^tet l^eraud^oben. 
äRein Sitl ift biedntal bai^ fed^jel^nte 3!a]^rl^unbert 
ober eigentlich Sutl^er. S)enn mit ber eingel^enben 
@^ilberung biefeiS geloattigften Slutord beutfd^er Station 
toxU xä) fd^Iießen, nad^bem (Sra^mu^ unb ^utten gleid^s^ 
foQd in auiSffil^rKd^er SSel^anblung torl^ergegangen. 
So beule id^ in meiner SEBeife ben SRann ju feiern, 
bem fein gebfll^renber $Ia| in ber beutfd^en Sitteratur^ 



90 9tt 3d!ob «ae^tolb. 

gefd^td^te nod^ immer nic^t ertl^ettt tDOtben. SBer lennt 
Stttl^er? ®egen SöQinger ftugerte x^ mid^ über ben 
gekoaltigen äRatm. (Er fol^ mic^ cot unb fagte noc^^ 
benllid^ uttb nad^brfidHtd^ : ,,Sut^er ift ber aRittelpunct 
bcr neueren SBeltgefd^id^te." — SRir Bleibt eö immer 
eine erl^ebenbe (Erinnerung, baB id^ fc^on im @ommer 
75 l^ier im (SoQeg fiber bad fed^jel^nte 3<^r]^unbert 
il^m eüoa fed^jel^n @tunben gennbmet l^abe. 

äReine befd^eibene gfeier auf bem fiatl^eber toirb 
t)on mir um fo l^erjlid^er begangen h^erben, ba id^ 
mit Sd^merjen barauf t)erjid^ten mu^te, am ^el^nten 
Sloüember felbft&nbig l^erüorjutreten. Ser erfte ®eift^ 
lid^e unferer (Semeinbe forberte mid^ auf, in einem 
für bie toeiteften ßreife bered^neten Sortrage Sutl^er 
afö ©d^riftfteHer }u fd^ilbern. SRan mujs ben ^ieftgen 
SSerl^ftltniffen fel^r nal^e ftel^en, um ju begreifen, ba§ 
id^, ber fonft mit bem 83elenntnig feiner (Beftnnungen 
offen l^erauiSjugel^en ^f(egt, biedmal im ^inblidC auf 
meine Stellung unb bie bamit t)erbunbene ungel^emmte 
SBirIfamleit einer fo lodCenben Slufforbemng toiberr^ 
ftanb. Sber id^ »iberftanb mit fd^toerem ^erjen. 

Siefeen Sie benn gi^r Äuge fd^on auf bem erften 
83anbe ber neuen Sludgabe Sutl^eri^ rul^en? S)er 
b e u t f d^ e Sut^er Ufet fid^ in bief em ftattlid^en ISoIumen 



^n SaloB SSaei^toIb. 91 

no^ nid^t mit feinen üoQ ouiSgebilbeten Xönen \)ttf 
nel^men. SlBer auä) aud bent Satein mag man ben 
toerbenben unb immer mäd^tiger anniad^fenben Sutl^er 
erfcnnen. Slnd^ in feinem Satein rebet Sutl^er beutfd^ 
mit feinen S^tgenoffen nnb ben nad^Iommenben &tf 
fd^Ied^tem. !lud^ feine l^eroifd^e 9lait)etöt (etoal^rt er 
in ber @^rad^e SatiumiS nnb ber ^rd^e. 2)nrd^muftem 
@ie einmal ben ßommentar jnr (Seneftd, bie @d^oKen 
jnm S^foto^f i^öiJ SBerl über ben ©alaterbrief! ©r^? 
ftaunen loerben ®ie über bie allerorten l^ier au^Qt^ 
breitete SebeniS^ nnb (Sntpfinbnng^fftlle. ©teQt man 
Sntl^erä Satein neben bag in feiner Slrt nntergleid^^ 
lid^e beiS (Sxa^mu^, fo erlennt man, toa^ bie alte 
@t)rad^e unter ben ^änben, ober tielmel^r anf ben 
&\pptn einej^ nnbejttiinglid^en bentfd^en $eroiS nierben 
lann. @d^n)ingt er nid^t bie SBaffe beiS lateinifd^en 
SBorteiJ and^ ba, too er bie emftl^afteften Mmp^t be< 
ftel^en unb feinen innerften Sinn an ben Sag geben 

toiH? SBer bie ©d^rift de captivitate babylonica 

ober ben eisernen Iractat de servo arbitrio nid^t lennt 
ber l^at nod^ nid^t in baiS tiefe, bie SBelt unb fid^ felbft 
bejtoingenbe ^elbengemfitl^ Sutl^er^ geblidCt. 

Sin9 SeHeriS neu unb reid^ eröffnetem 2)id^tungi^ 
queQ f(^d^fte id^ mit ®enuB unb 83ebad^t. 3^ber 



99 9n 9alob fßat^iolh. 

Ztop^t, ben man fd^türft, »tll grüttbltd^ ouiSgelofitei 
fein. ^ bin no^ lange nid^t fertig. Unb niantt 
»irb man l^ier fertig? fteQer gel^drt mir }n ben 
reinflen nnb nrf))rfingli(^ften S)id^tematuren, bie id^ 
übtt^avipt lenne, manche fetner ®eftaften finb mir 
geiftige SebeniSbegleiter geworben. 

S)er Seffing nnfered (Srid^ l^at and^ mid^ nid^t lod«? 
gelaffen.*' ®en Wei}, mit bem er, »enigftcng anf un«, 
toixltn mn% l^aben @ie fel^r treffenb be}ei(^net. (Sine 
tüal^re SebeniSinft, bie nad^ aQen Seiten l^in erfrifd^enb 
nnb oerifingenb loirlt, gel^t nnb mel^t bnr^ bal^ 83nd^, 
in meld^em eine nngelodl^nlid^e, fd^riftftellerifd^e S9e^ 
gabung jum l^elfen SlniSbmd lommt. 

3d^ f^reibe Sinnen in ber legten ©tunbe be« 

fd^eibenben ^al^rei^. Sben flammt, fd^immert nnb 

gli^ert ed nod^ einmal oon ben grojsen nnb Keinen 

Xannenbönmen, bie to&l^renb biefer Xage unfere ßimiuer 

fd^müdten nnb füllten. äRdge ein l^eiterer (BlüdCei^f d^tmmer 

Sl^ren Seben^^fab belend^ten im lommenben l^al^re unb 

in aQen n a d^ lommenben. bleiben @ie mein Steunb 1 

Ireu unb l^erjüd^ Sl^r 

83ema^d. 
äRünd&en gürftenftr. 13, 

31. 2)ecbr. 1883 elf U^r. 



9n Otto ®ilbemeifter. 93 



ni. ;Xn ^üo (KUbeweiper« 



28 



SBonn 18. @cj)tcmbcr 70. 
^od^oerel^rter $err utib greunb! 

(5rft gcftem Bin id^ üon meiner Steife l^eimgefel^rt; 
bie mid^ ben fR^ein bii^ nai) äRaitt} l^inauf gefäl^rt 
l^at. 3^re lieben unb gnten SBorte toaren mir ein 
l^erjerfrenenber ®mg jum SBiUIommen. 

S)aB @ie nnfered 3uf<tinmenIebeniS gern nnb 
frennblic^ gebenlen, baiS ift mir toaifxtxäi eine gar 
angenehme Snnbe. SBaS mit jene Xage getoefen ftnb, 
bad braud^e id^ ^l^nen nid^t t)on nenem jn betl^enem ; 
fte l^oben nic^t nnr meinem SBremer Sufentl^alt bie 
ge^altreu^fte Sebeutung gegeben, fte l^aben mir aud^ 
ben fd^onften Slod^genug jnrüdtgelaffen. SBad mir an 
jenen nnDergleic^Iid^en Xagen jn X^eil getporben, 
rei^ ü^ Sbtt^anpt jn bem SBert^üoQften nnb (Sr^ 
fienlt^ftat, toa^ mir bai^ Seben, bad fid^ nur aHju 
feiten fo freigebig ^eigt, bi^l^er befd^ieben l^at. 2)od^ 
6ie bnnen meine (Beftnnnng, nnb ed bebarf jnrifd^en 
nnd feiner Sorte. 

Srretlii^ Hüft man in jene Xage, ba bad Stnbinm 
bei ^ßocfte nnd eine fo emfte Sngelegenl^eit n^or, mie 



94 ^n OHo dlUbemeifier. 

in eine Stxi jurüd, bie man anf nun t)erfunlenen 
feiigen unfein ml^ig l^inlebte. 9[ber n^er ntdd^te j[ette 
glüdlid^e fRul^e eintaufd^en für bie genialtig erfd^üttembe 
!lufregung, bie unl^ nun feit ntel^r afö jtüei aRonateit 
bel^errfd^t I Unb loie übermöBig ®xoj^t^ ^at ftd^ nid^t 
toieber begeben, feitbem Sie gl^re getoid^tigen SBortc 
an mid^ rid^tetenl 2)ie enblid^ aufleud^tenbe @onne 
beutfd^er ^errlid^feit blenbet faft ju fel^r. 

SSor ber (Srlenntnii^, bag burd^ bie Xanten unfered 
SSoIIed, baiS feine lange oerl^üOte ®roge t)or aller 
SBelt Singen offenbart, t>on nun an ber @(efd^i(^te 
Suro))al^ neue SSal^nen üorgefd^rieben toerben, bajs bie 
euro))&ifd^en ®efd^id(e ton je^t an i^ren ©d^loer^unct 
in SJeutfd^Ionb finben — üor biefer ©rfcnntnig 
fd^toinbet jebe anbere SBetrad^tung. SSer aber t)ott 
ben SBunbem biefer Seit in feinem gnnerften ers? 
griffen toirb, toie tcmtag ber feinen (Seift abjutoenben 
t)on beut 9lugenBIid(, ber bie Seime einer fo großen 
Sulunft in fic^ trögt? 

@ie Italien, öerel^rter greunb, bei mir einen 
©leid^mutl^ für moglid^, auf ben id^ nid^t ben ge^ 
ringften 9lnf))rud^ erl^eben lann. @eit ben erften 
lagen bel^ Suli — benn ®rammontl^ Siebe, bie l^ier 
allgemein aU rl^etorifd^e Spielerei aufgefajst toixb, 



^n Otto (i^Ubemeifiet. 95 

Dcrfftttbijtcmirbenutiücrmcibfid^enftricg — fciticnettücr:« 
l^angnil^f d^tperen Zagen ift aud^ bei mir an ein juf ammen^ 
l^&ngenbeiS, folgerid^tigei^ Slrbeiten nid^t ntel^r ju benlen 
gctoefen. ^d) toax nid^t gerabe mügig, toeil bie Stii, 
bie man nid^t ben franjöfifd^en unb englifd^en Sl&ttern 
toibmet, bod^ aufgefüllt fein loill; — mid^ befd^äftigen 
eben einige nid^t fe^r anlodCenbe Partien ber Sitteratur^s 
gefd^i^te au« ber erften §ölfte be« üorigen $iQf)x^ 
l^nnbertd; aber aud^ beim bammeln unb @£cer))ieren 
tDoIIte fid^ bie 9(ufmerffamleit nid^t erjuiingen laffen; 
ber ®eift fträuBte ftd^ ungeberbig; unfere l^eilige 
3Kutter ®ermania — jefet ift e§ bod^ ettoa« mel^r 
afö ein SSort — reigt aQe ®ebanlen gar ju gen^att:; 
fam an ftd^* 

SSie ©ie loiffen, l^abe id^ mid^ ton jel^er beftrebt, 
bie beutfd^e Sitteraturgefc^id^te im engften Qu^ammtn^ 
l^ange mit ber ^ttt)idC[ungl^gefd^id^te 2)eutfd^IanbiS auf^ 
jufaffen unb fo mujs fär mid^, aud^ im ^inblidC auf 
meine ©tubien, bie Sebeutung biefer tounberreid^en Sdi 
eine unermefelid^e fein. Unfer Qal^rl^unbert öoHbringt auf 
^olitifd^em (Gebiet bai^felbe, toa^ bad t)orige burd^ feine 
geiftigen @d^ö))fungen geleiftet. ^a^ beutfd^e S3oH 
verliert ben jmeibeutigen Zitel ber 2)id^ter unb S)enler ; 
inbem unfere Sitteratur aufhört, bad t)omel§mfte 



96 9n Otto QHIbemeifier. 

Shtl^tnei^bocutnent ober t)teltnel^r ber ein}tge Xroft 
unfertö SSoIIeiS ju fein, feigen loir il^re gefd^id^tlic^e 
Sebeutung tn&d^ttg toad^fen. S)entt mtcb bem 83Iöb^ 
fid^tigen tnug ei^ einleuchten, bag an nnferer Sitteratur, 
beten (Snin^idHung gleid^jeitig ift mit ber fteigenben 
®r0ge ^reugeniS, fid^ bad SRationalgefül^I n^ieber ouf^ 
gebaut l^at. ^e^t liege fid^ n>ieber l^übfd^ Aber mop^ 
ftodC f))red^en. S(ui^ ber ftral^Ienben ®egenn)art fallt 
bad £i^t jurfidC auf eine l^errlic^e SSergangenl^eit, bie 
ftd^ un^ fd^on ju öerbunWn brol^te. ®iefe Seit giebt 
bad SSort ber Söfung fflr bai^ biiS^er fo bunfle 9tät^fel 
ber beutf^en ©efd^ic^te. 

3d^ glaube in ber SSeferjeitung oft ^l^re SBorte 
erlannt ju l^aben, unb @ie bürfen nid^t fagen, bag 
@ie bei bem großen f^am^fe müßiger S^^ijcaitt ge^ 
n)efen. 3^ loünfd^te fel^nlid^ft, auf irgenb einen 
Soften gefteüt ju loerben, auf bem id^ tixoa^, unb 
tottm antS) nod^ fo toenig, mit meiner Seber l^atte 
nü^en lönnen. S(Ber ungead^tet meiner eifrigen ^t^ 
mül^ungen unb beiS guten SSiQend einiger l^od^ftel^enber 
Sreunbe lieg fid^ lein $(a^ für mi(^ au^ftnbig mad^en. 

Stuf meiner gal^rt ben fR^ein l^inauf l^atte id^ 
auger bem $omer nur 3RiIton unb ©l^alef^eore bei 
mir. 9lur bie grögten unb mad^tt^oOften ^oeten 



^n Otto mbemd^tx. 97 

Unnen ber SBirllic^leit biefer Xoge gegettfiber Stottb 
l^atten. 9)2tt grojser Slufmerlfamlett mtb einer eigenen 
Wct t)on Srge^en lai iä) Xroilnd nnb Srefftba — 
biefe trogifd^^ txirobifd^e UmBilbnng bed Sntilen ind 
aRittelalterfid^e nnb 9fltttemtd|ige. Serf(!^)üenberif(!^er 
^at fidb ®]^afeft)eared (Seift nirgenbd ergoffen. Xief^? 
finnige, aber itotä^ nnb erfoTglofe SBei^l^eit ptnntt 
l^ier neben einem glanjreic^en, aber innerlid^ l^ol^Ien 
Slittertl^nnt, nnb jloifd^en bie ffi|en nnb n^ilben Xdne 
ber Seibenfd^aft ^inbnrd^ üemintntt man bie greQen 
Sante eined rädfid^tdloS l^erben, mit granfamer Snft 
t)emid^tenben ®otted. SBenn einmal in ml^iger Qdt 
bie SKnfe ginnen toiebcr nal^e tritt, mnß fie S^nen 
ben gnten @(ebanlen eingeben, and^ bie9 äBerl bentfd^ 
jn mad^en. 

3n äRoinj üerlel^rte id^ täglid^ mit bem (Sonoer^ 
nent ber Sefhtng, bem $rinjen SBalbemar ^olftein, 
ber mid^ feit S^l^ren lennt, nnb ber mid^ mand^e 
»lidCe in bie militarifd^en SSer^ältniffe t^un lieg, fö 
ift geto)iB nid^t }n t)iel itifarüpttt, tpenn man fagt, 
bag biefen SSerpItniffen bnrd^anS ber Sil^aralter bed 
aSrif^iellofen anfgeprögt ift. äRainj toax fdrmlid^ 
eingenommen Don franjJflfd^en Zvupptn. ®ie Dffijiere 
^al^tten meift mit einer fo ftum^ffinnigen Unbefangen^ 

Qernat)9. JOriefe. 7 



98 ^n Otto @^ilbemetfter. 

f)tii, baB vxan glauBen tnujste, fie ftänben in bem 
SBal^ne, bie SBeltgef^i^te fei nod^ um 8 SBod^en 
jünger. S)agegen oerrietl^en bie ^öl^eren Sontmanbeuri^ 
ein beutli^ered SBelongtfein il^rer Sage. SQd ber ®ene^ 
tat be @ai\Ü) pt^ bem ^rinjen öorfteHte, rang er titx^ 
gebend nad^ Saffung ; feine SBorte n)urben üon contulU 
fiöifd^em ©d^Ind^jen unterbrod^en. — ^d) lönnte 
mand^eiS Stnjiel^enbe berieten, loal^ fld^ aber nur 
münblid^ tüiebergeben läßt. 

aSie bringt gi^re l^olbe Sijf^ bie förieggjeit l^in? 
^l^rer @(ema]^Iin, ber id^ ha^ banibarfte ^erj benial^re, 
tofinfd^e id^ ben fd^önften befriebigenbften ©rfolg il^rcr 
fegeniJreid^en 2^ötigleit; Ql^nen bleibe id^ für alle 3«it«t 
in ®anlbarleit unb treuer SSerel^rung ergeben. 

äßid^ael ^mt<ü)i, 

seid bie 9tad^rid^t t)on ber $rot(amation ber 
fUtpuilxl auf SBit^elmiSI^SI^e anlangte, n>anbte ftd^ 3la^ 
püUon an ben @eneral t)on 83o^en mit ben SBorten: 

Eh bien, ä präsent nous avons rennemi en commun. 

@o erjal^Ite mir ber ®eneral ton 83o^en. 



©od^öerel^rter ©err unb greunb! 

Saffen Sie fid^ meinen ©erjenSgruß unb ®Iü(fe 
mn^ä) }um glorreid^ erftrittenen ?Jrieben gefallen I 



?ln Otto ©ilbemciftcr. 99 

^ijt, nad^bent bad Ungel^eure afö ein SSoQenbeteiS t)or 
uttS Hegt, tDtrb man t)teneid^t aHmal^Kd^ bte Stulpe 
unb SBette be^ SSfidd gewinnen, um bad, tuad getl^an 
unb erreid^t tDorben, einigermaßen abjufd^älen. gn^ 
jtoifd^en toirb bie SlrBeit im 3«««^/ We Arbeit an 
und felbft, nid^t rul^en bürfen. 3laä) n)eld^er Seite 
fte \)ütnti)mliä) ju rid^ten ift, barüber lann und, menig^ 
ftend im SRl^einlanb, bad @rgebnig ber SEBal^Ien be^ 
leieren. Qn ber Xl^at, bie (Srfal^rungen, bie uns l^ier 
bei ben legten SBal^Ien, jum Sanbtag unb jum ffttiä)^^ 
tag, aufgebrangt n)orben, finb t^ietleid^t geeignet, unfere 
©ieged^ unb gnebendfreube ettoad l^erabjuftimmen. 
®d ift afö ob fid^ in bem neu erftanbcnen Seutfd^Ianb 
gegen und eine büftere ^l^alan^ Bilbete, gegen bie n)ir 
leiber nid^t unmittelbar unfere ^elbenfd^aaren entfenben 
lonnen. 2)od^ Sutl^erd unb Sefftngd SSoß n)irb aud^ 
biefer bunHen ®ett)atten $err werben. 

@d ip eigentlich öermeffen, in biefen Xagen öon 
fid^ felbft ju ft)red^en ; Sie werben aber meine Äeugess 
rungen nid^t migbeuten. 3n S^rem testen 95riefe an 
mid^, nod^ unter bem frifd^en (SinbrudE bed Xaged t)on 
©eban gefd^rieben, ertoäl^ntcn Sie ©traßburgd. ©eit^^ 
bem tft aud^ mand^em Slnbem ber ®ebanle gelommen, 
id^ loftrbe bort t)iellei(^t am $Ia^e fein; unb nod^ 

7* 



100 tin Otto d^ilbemdpet. 

t)ot lurjem SpxaSf Stmtod fel^ leBl^aft bett SButifd^ 
ottd, mtd^ bortl^in t^erfe^t }tt feigen. Sd^ loetB nun 
toüfjH, bai @ie nntnitteI6ar fftr eine berarttge Snftellung 
ntc^t mttlen fdnnen; tft fa bod^ bad Serl^&Itntg be^ 
(Slfag sunt S)eutf(^en Ketc^ noc^ nic^i einniol feft be^ 
fttntmtl 3i<be| mollte id^ ed boc^ ntc^t unterlauf en, 
3^nen bie Sngelegenl^eit toiebet in (Erinnerung }u 
bringen. 911er SBal^rfd^einlid^Ieit noc^ luirb man bie 
9leuBiIbung ber ©tragburger llnit)erfttftt nid^i lange 
öerjögem ; unb öieüeic^t finbet ftd^, bei S^^rem Äufent^ 
^ait in iBerliU; fe^t ober \päitt ein gftnftiger finla^ 
einige Iraftige SEBorte fflr ntic^ ober üielmel^r für bie 
@ad^e iu f))re(^en. 

SReine ptx^änli^m SBünfd^e mfirben fic^ nic^t eben 
nac^ ©tragburg rid^ten. f$är bie auf ftreng ))]^iIo:? 
Togifd^em Sunbament begrünbete, mirUic^ gefd^id^t:; 
I i d^ e Sitteraturgef (^id^te, toie ic^ {te ju lehren üorl^abe, 
loirb bort füriJ erfte tool^I laum ber ©oben ju finben 
fein. Slber id^ glaube in ber X^at, ba| bort ein tyain^ 
lanbifc^ed SBerl ju DoHbringen ift, bem id^ ntic^ mit 
(Sifer unb Steube l^ingebenb toibmen Mrbe. S)er @t^ 
banle an eine bortige SEBirIfamleit ift mir gerabe in 
ben legten SEBod^en toieber näl^er unb lebl^after geluorben. 
Obgleid^ id^ für biefen SSinter ben dffentlid^en SBor^ 



5ln Otto ©Übcmcifter. 101 

tragen g&n}K^ entfagt l^atte, fo fc^ien z^ mir bod^ 
nid^t angemeffen, einige bringenbe Slufforberungen aud 
3)üffeIborf, ffiöln u. f. to. objulel^nen; unb ba lonnte 
id^ mit^ toieber j[eben 8C6enb oufg neue öon ber tief 
einbringenben 9J2a(j^t beS lebenbigen SBorte^ übett? 
jeugen. 

SSon Sl^rem SBintermärd^en ift mir bigl^er nur bie 
^nlunbigung Belannt getoorben. SBie tDäre es, tuenn 
©ie einmal Slaiä^fud^nng l^ielten, ob fid^ öon S^ren 
@]^aIeft)eorei!UeBerfeftungen öielleid^t ein überfd^üffigcg 
(S^ttaplax öorfinbet? SSon ben Histories fel^It mir 
nnr Kid^arb ber britte ; e^ tDäre gar pbfd^, tuenn id^ 
bie übrigen ©tüdte unmittelbar öon ginnen atö eine 
®abe gi^rer $anb eml)finge. 

Ql^rer öerel^rten grau, in beren Slnbenlen id^ l^offent^ 
lid^ no(^ ein befd^eibeneS Pä^dgen inne l^abe, ift nun 
bo(^ aud^ enblid^ t)on il^ren unabläffigen t)ater(änbifd^en 
SRfil^en ju rul^en öergdnnt. ^at Siff^ benn aud& mit^ 
l^elfen lönnen? ®erabe in biefen lagen fd^Ioß fid^ 
im öorigen Qal^re mein JKufentl^aft Bei Sinnen ab, ber 
mir einen befonber^ fd^önen ScbeniJabfd^nitt bittet. 
SBie oft toax iä) feitbem, unb gerabe an ben bctüegtcften 
lagen biefeä fibergetoaltigen S^^re^, in ©ebanlen bei 



102 Vn gtoit Snife 2atpiier. 

Sonett! 3i!^ bin jn alkit Q^ku in 2iä>t mtb Sn^ 

l^ängltd^ftit 

3^r trener 

»onn, 5. aRarj 71. 



IV. ^n ira« £mft £ai^. 



S9 



^od^Derel^rte Sftmtl 

Sangffc ^&tten @ie ein l^erjlid^tö SBort Don mir 
tKtntffmm foQen. S)a| ic^ S^nen ffatmm geblieBen, 
mag S^nen benieifen, toie fd^mer ed mir getoorben, 
für mein fc^merilid^eS SRitgeffil^I einen mic^ felbfi U^ 
friebigenben Slu^brudC ju ftnben. aSein (Stmütf^ ge^ 
rötl^ in f(^mer}li(j^fte Setoegung, menn iä) mir Der^ 
gegentDärtige , toa^ 3^nen geronbt, toa^ ber Dater^ 
länbifd^en ^nft unb äSiffenfd^aft bnrd^ baS frfi^e 
i^infd^eiben 3^re^ (Semo^fö entzogen n^orben. 

SEBad Saiftner bid^terifd^ gefc^affen, f)at in tueiteren 
Greifen Dielleid^t niemals bie gebül^renbe äSfirbignng 
gefunben. ®oS lüeij^felnbe ®elarm be§ Kttcrorifd^en 
Xage^morltd äberf(j^rte ben fräftigen eblen ®mnbion 
feiner SRnfe; unb boä) glaube xä), baß fic in aUer 



sin grrau Suifc Saiftncr. 103 

@ttlle ftd^ ben SEBeg jum Ignneren manäjtx $er}en qt^ 
ha^ni ^at SBer aber möd^te t)erfennen, bag fein 
btd^tcrtfd^ciJ SScrmögcn feiner ftreng unb folgereiä^t ge^? 
übten loif[enfd^aftK(j^en Xl^ätigleit aufd l^errlid^fte ju 
Statten gelomnten ? 3)ie betDunbern^tDertl^e ©id^erl^eit 
feiner nmfaffenben t)]^iIoIogif(j^4iiiorifd^en iBilbung ge^^ 
ftattete iffm, in bent unttberfel^bar toeit fid^ erftreden^ 
ben Sereid^e ber ©agens^ unb SK^tl^enforft^ung, in bent 
felbft bie getoonbten $fabfinber ftt^ fo leidet öerirren, 
ober, toie ouf einem fd&HH)frigen iBoben, ausgleiten, 
in öoHer @elbftänbig!eit feften ©d^ritteS einl^erjugel^en, 
fo bag bie ins Huge gefaxten St^^t^i^cte aui) toirSid^ 
erreid^t tourben. ©ein geiftDoQer ©d^arfbüdE getoal^rte 
in ber bit^teften Uml^üDung ben urft)rfingli(^en SebenS^? 
leim, toie unter bem unfd^einboren ©innbilbe ben 
loal^ren SebenSgel^oIt. 3^if(^^ ^^it t)on einanber 
abgelegenen ®eifteSloeIten entbedte er tief t)erborgene 
aber unleugbare iBejiel^ungen. ©eine fd^affenbe unb 
nac^fd^affenbe SinbilbungSlroft, bie boc^ t)on bem er^^ 
loagenben SSerftonbe meift im 3ügel gel^alten toarb, 
tytxiit^ aud^ bem Ungreifbaren eine anfd^aulid^e ®e^ 
ftalt unb übertrug bie Sform lul^n in baS Gebiet bed 
gormlofen. 

3d& bin gar nid^t im ©taube, ben SBertl^ feiner 



104 9[n Srrau Suife Saiftner. 

großen Seiftungen im (Einjelnen a^jufd^a^en. 2)er 
SSejirl feiner BieBUngi^ftubien blieb mir immer jnni 
Xl^eil t)erf(I^Iof[en. S)ad ober barf id^ audf))recl^en; ba§ 
unter ben toetteifemben gorft^cm unferer geit leincr 
erftanben ift, beffen arbeiten öon bem l^errKd^en 8unbc 
in)ifcl^en SEBiffenfd^aft unb ^^antafie ein fo unn)iber^ 
f^rec^Iid^ed Seugnig ablegen. Unb aber allem, toa^ 
er unternimmt unb giebt, fd^mebt ber geiftige ^el 
frineg SBefeng. 

3Kit toeld^er ©ic^erl^eit ergriff er bie neuen ffiuf^ 
gaben, bie il^m in Stuttgart gefteüt n^arenl @g ift 
fd^mer}Ii(j^ ju beitagen, bag unfern großen Slutoren, 
bereu SBerle er in feine £)i^ni genommen, feine eblen 
S)ienfte fortan entjogen bleiben, ©ein t)rofaif(i^er ©til 
l^at mid^ ftet^ befonberS angemutl^et. (Sebiegen, fd^mieg« 
fam unb l^etttönenb — fo mal^nt feine ^rofa jutoeilen 
an ^e^fefd^en S(^vX>tt, ol^ne bod^ irgenbtoie il^re @igen« 
art JU öerläugnen. — 

2)od^ toa^ braud^e id^ S^nen ju fd^ilbern, toad il^n 
unter ben SRitlebenben au§ jeid^nete ? Qd^ tooHte ^l^nen 
nur anbeuten, toit id^ bie ©cfamterfd^einung feineä 
SBefen« aufgefaßt. @o toirb er mir aud^ in ffinftigen 
Sagen geiftig nod^ bleiben. SRit SBel^mut rufe id^ mir 



^n 3ofe))]^ Setoindf^. 105 

inxM, totltfyt it^altooUtn @tunben mir gerabe t)or 
brei Salären mit cinonbcr öerlebten. 

SlttfS ©crotl^ctool^I fenbc id^ biefc S^ltn l^inoug, 
ungeioig, ob unb tt)o fie ju 3^nen gelangen. 

SKit ben frettnbfd^oftlid^ften ©efinnungen 

^x öerel^runggöoH ergeJener 

iBema^^. 
ftarförul^e, 25. Dctober 1896. 



®eIieBter Steunb, 2)u l^oft anä) naä) 2)einer @nt^ 
fcmung nnter nn§ fortgelebt. 3)n lannft fortan meinem 
l^andlid^en ^eife nid^t mel^r fremb toerben. 2)etn 
Seben mit un^, ber täglid^e unbefangene SSerlel^r toar 
mir fo erquidlid^, bag feitbem immer mieber ber SBnnfd^ 
bei mir auftaud^t, tt)ir müd^ten un^ für j[ebe^ gal^r 
eine getoiffe Seit bc^ SBeifammenfeiniJ fid^ern. 

S)u gcfättft ®ir barin, unfer SSerl^ättnife ju meinen 
®nnpen gar ju einfeitig aufjufaffen. 3eber öon un^ 
beiben giebt unb em))fängt gleid^mägig. 9lut an^ 
fold^er lebenbigen SSed^feltoirtung lann ein toal^rl^aft 
frud^tbared SSerl^&Itnig entf))ringen ; toeld^ed bad innere 



106 Kn 3ofe))( SekDindt^. 

Seien bereid^ert itnb bad &uBere üermanigfattigt. S)ted 
tft oitd^ bie Signatur nnfered Serl^ältniffed. 3)ad 
Seben geto&l^rt boc^ eigentltd^ nic^tö ©el^altoollered 
ald ben Serlel^r mit einem in (Seift nnb ®emut^ vm^ 
üerbnnbenen nnb bod^ in üoOer geiftiger @e(bft&nbigleit 
un^ gegenüber ftel^enben gfrennbeiS. Wlt Suft an bem, 
toa^ fonffc genn|rei(^ fd^eint, ftirbt ab mit ben ^üal^xta, 
biefe Snft aber n)&d^ft, nnb an biefem ®enu| erfattigt 
man jtc^ nie. ^ n^iQ 2)ir nid^t bartegen, toa^ iäf 
3)ir, bem gfreunbe nnb bem ftünftler, üerbanle. 3d^ 
nnK ed ®ir »eber barlegen, nod^ für mid^ felbft 
barüber nad^benlen. ®enn l^ier ift bie Stefle^ion nid^t 
am $Ia^e. SBad mid^ fo lebenbig berül^rt, ba^ loiO 
id^ nnr em))ftnben nnb unbefangen genießen. 

9Bie fd^n^er aud^ ber SmdE ber S(tmi)f))^re auf 
mir laftete, id^ fuc^te bennod^ auf bem ßatl^eber meine 
geiftige Sfreil^eit nnb Srifd^e }u bel^au^ten. SBarum 
fonnte id^ 2)id^ nid^t mel^r unter meinen gul^örem 
erbßdCen ? ^n mand^en @tunben l^abe id^ 2)id^ l^erbei^ 
getDünfd^t. 3)ad S3onde))oi^ tuarb noc^ red^t grünblid^ 
bel^anbelt. 3d^ lieg bie einjelnen ^axaltttt l^eranS^ 
mac^fen aud ber mit ber ®efd^id^te bei^ Solfö ftd^ 
toanbeinben epifd^en Ueberüefemng. Slber fel^r be^ 
ftimmt tDit& iäf aud^ auf bie ^nft ber üergegen^ 



^n 3ofe))]§ SetoittSI^. 107 

toattigenben S)arfteQttng l^itt, an todä)t ber 2)id^ter 
citittfirter Seiten fo feiten unb eigentlid^ nur bann 
l^tnanreid^t, totm fein (Seift in gel^eimer S3ern)anbtf(i^aft 
mit beni in nnerforfd^ten liefen fd^affenben SSoItögeifte 
ftel^t. Sd^ möd^te ^xäf tool^I einmal an ben 9lanb 
biefer liefe filieren, fo toeit id^ feC6ft il^n ju befd^reiten 
t)ermag. 9leben ber SSel^anblung ber 9liBeInngen tl^at 
fid^ no(^ bie andfül^rlid^e ©d^ilbemng SBoIfram^ 
]^ert)or. SBei il^r öertoeilte id^ mit Befonberer Suft. 
®er $ariit)al gel^ört ju ben 2)id^tungen, in benen 
ein großes SSoIl einen beftimmten SRoment feiner 
®eiftedgefd^id^te feftl^ält. 

Oerabe an biefen mittelatterlid^en Stoffen tooHte 
id^ einmal n^ieber erproben, n)ad ii) afö 2)ocent titoa 
t)ermag. (Einiget l^at mid^ mel^r befriebigt, afö id^ ju 
l^offen geioagt, bei mand^em Slnbern empfanb id^ mein 
llnt)ermögen. SSielleid^t ffll^Ie id^ bie äRängel, bie mit 
meiner ganjen 93e]^anblungdn)eife notl^menbig t)erfnä^ft 
ftnb, JU ffcarf. S(ber eins ift mir Kar: toa^ id^ aU 
Seigrer mit bem münblic^en SSorte toitttn lann, baS 
l^abe id^ gett)irlt. (£g ift nun an ber Seit, meine 
))]^Qftfd^en unb geiftigen ^öfte ju einigen größeren 
arbeiten jufammen ju nel^men. SSon ben Srüd^ten 
umfaffenber unb geloiffenl^after ®tubien foKen bod^ 



108 9[n 3ofet>( SetoinSt^. 

niift blod bieienigen i^ren, bie ftd^ t)or meinem 
fiaü^eber üerfatmneln. 3d^ mSd^te aud^ nid^t, ba§ 
mein Stnbenten erlifd^t in bem Sugenblidk, ha mein 
äRunb fid^ fd^Ke^t. S)er ®ebanfe, nad^ jmei bid brei 
Salären bem ßatl^eber }tt entfagen, gewinnt bei mir 
ftetö gr5|ere SefHgleit. Sod^ nnr Sir fei e^ unb 
itoQx im engften ®e^eimni| anvertraut I SSie mand^ 
l^fitte id^ nod^ jn fagen, l)or allem auc^ über bad, 
tDad 3)u mir l^ier atö ftünftler geboten. S)od^ über bie 
legten unb l^dd^ften Sorberungen ber fönnft benfen toir 
ia gleid^, unb toa^ ber eine fagt, lönnte bie SCnfc^anung 
bed anbem nnr beftatigen. ^ä) bin überjeugt, ba^ 
eine ^unft ergrünbenber äJ^enfc^enbarfteCung tuie 3^n 
fie meifterlid^ andgebilbet, jiene SBunber toirlen mü|te, 
bie man t)on ber Sd^auf^ielfunft meift t)ergeblid^ 
ertDartet. 

3d^ nmarme 2)id^ mit brüberlid^en (Seftnnungen 

3)ein getreuer ^ttnat)^, 

SRün^en, 10. Sluguft 1881. 



$ier, tl^eurer t)erel^rter Steunb, ein oratorifd^ei^ 
SSageftüdf; ^^ bai^ id^ Sir nid^t ol^ne einiget Sangen t)or 
Singen bringe l — S)u toirft mir glauben^ bafe id^ 
niematö lebl^aftere Slnmutl^ungen f))ärte, in bem @^effel^ 



Hn 9o\tpi SetoinSf^. 109 

f^en Si(^tungd6erei(i^e I&nger p tytttoütm, S)te {Rebe 
toarb mir mit fteunblid^er @ttociÜ ganj eigentlid^ aB^ 
flejttmngen. ^ jöflerte beitn aud^ brtttel^att Sö^re, 
beüor id^ mic^ etttfc^Iog, fie enbltd^ bem S)ru(Ie ju 
fiBerlaffen. Sliemanb laitn jtc^erer afö 3)tt bie @(l^tt)ierig« 
feit ber tmbertDillig übernommenen Aufgabe tDürbigen 
rnib ermef[en. S)er Orunbton be§ 6loge rm^tt fefti? 
gel^olten merben, unb hoä) bnrfte mir lein SEBort ent:s 
fol^ren, bad meiner inneren Ueberjengnng n)iberf))rod^en 
unb mein lünftlerifd^eiS (Sen^iffen berieft ober befd^toert 
l^atte. 

3)u toirft feigen, eS ift eine toirHid^e SRebe. Sie 
n^iQ gel^drt fein. HQed, bid auf einjelne lang gebel^nte, 
tioll audroQenbe @ä^e, ift für ben lebenbigen SSortrag 
Bered^net. S)u, ber SReifter, foHteft biefen SBorten ba§ 
n^ol^rl^afte Seben fd^d))ferifd^ üerleil^enl Ign SBien ge^ 
biel^ ia einffc bie SSerel^rung @(^effefö jnr l^öd^ften 
Slfttl^e. Unb loal^rlic^, ber S)id^ter bleibt ber ben^un^ 
bemben Unerfennnng in fo mand^er i&infld^t für 
immer mertl^. 

2)ein löftlic^er Srief bleibt mir ein unfd^ö^bared 
deugnil 3)einer Steunbfd^aft, ein n)id^ttgeS Senimal 
2)einer Sinfid^t. 3n unübertreffßd^er ßlarl^eit l^aft 
S)n mir t)or 9ugen gef&l^rt, toonad^ id^ bei ber {^einj^ 



110 Hn 9to4tt8 toon SUiencron. 

Kd^en Sudbilbung meinet Stild juerft unb jutneiß 
trad^te. S)a| eiS errrid^t koerbe, fonn nur 3)etn freunb^ 
fd^aftlid^er @tnn bel^au^ten. S)o(^ tDtll td^ bte ^off^ 
nung nid^t aufgeben, bag ei$ mit nod^ gelinge, bie 
3)arfteIIung bei» tt)if[enfd^aftlid^ (Srforfd^ten ju größerer 
Stnfd^aulic^leit ju erl^eben. ®ru| unb Untomtung 
t)on S)einem etoig getreuen 

Semo^i». 
ßarftrul^e, 30. SRärj 1895. 



VI. Hn ^i^uB wn fütcntrim* 



83 



$od^t)ere]^rter ^errl 

Sl^re el^renüoQe Sufforberung fann id^ nid^t anberd 
atö mit einem entfd^iebenen 3a Beanttoorten. *^ Wltti: 
bingd l^abe id^ mid^ bidl^er grunbf&^ßd^ Don aQen 
Untemel^mungen fem gel^alten, bie nur burd^ gemein^ 
fame Xl^ötigleit einer grdBeren Slnjal^I t)on W.U 
tüirfenben geförbcrt »erben Mnnen, in biefem gaUe 
fc^eint ei$ mir aber geboten, mid^ ber X^eilnal^me an 
bem nationalen SBerle nid^t ju entjiel^en. 3»toiefem 
t^ mir gelingen fott, ben Sertauf unb bie ©rgebniffe 
be^ reit^ften SebeniS unb ©d^affen^ au(| nur anbeutenb 



%n 9lo(^u9 bon Silienctoti. 111 

auf fed^jel^n Srucffeiten ju umf äffen, bad i^ermag id^ 
freilid^ feinei^tDegei» abjufel^en; inbeg toiO id^ erf^roben, 
mie tDett Sel^anlid^Ieii, emfter äSÜQe itnb ftrenged 
Stad^beiilen jut Se^mingung ber etgentl^fiinltd^en 9Iuf^ 
gäbe l^inreid^en toerben. 

3)er Sritfel fiber SSettina foQ bid sunt Sloüentber 
in 3^ren ^ftnben fein; ntel^t afö eine, l^dd^ftend ein 
unb ein triertel Seite ift i^r mol^I nid^t jn gdnnen? 
SBäte ed aber nid^t ttioa n)finf d^endnierfl^ , ^emton 
(Srinnn um Uebemal^nte biefer Srbeit jn erfud^en? 
Salb nad^ bent ^infd^eiben SettinaiS erfd^ien in ber 
Sofftfc^en 3ritung ein JRelroIog bon feiner ^anb. 

Son ben ^erfonen, bie in (S^oetl^ed Seben bebent^: 
fant eingegriffen, ober burd^ il^re Sejie^ungen jn il^nt 
und mertl^ geworben — üon biefen flnb j[a bie nteiften 
fd^on bnrd^ i^r eigenei^ Serbienft einer Stelle in ber 
SQIg. bentfd^en Siogro^jl^ie fidler. S3on ben littei^ 
rorifd^en Sngenbgenoffen an bid l^erob ju Soiffer^e 
unb $einri(^ SRe^er ift toofjH faum einer mal^rjunel^nten, 
ber nid^t fftr fld^ felbft frinen Pa^ bel^au^tete; bie^ 
gilt bod^ felbft t)on aR&nnem toit ben (Srafen Keinl^arb 
nnb Stemberg. Son ben aRitgliebem beiS um &ott^t 
vereinigten Stouenlreifed bürften biejenigen, bie nid^t 
)pie Bettina ober Q^aroKne \>t>n 993oI}ogen mit fd^rift^ 



112 9Cn 1Rod^tt9 bon Siliencron. 

fteOertfc^en Vrbriten fettft&nbig l^eiDorgetreten ftnb, 
nur in ber SebendBefd^reibung bed 3)t(^terd Smäl^nnttg 
finbcn. Stt'rif^I fönntcn alfo tool^I nnr über bic Auf:? 
nal^nte berjenigen ^erfonen entßel^en, bie allein burd^ 
Dorfibetgel^enbe SSegiel^ungen ju ®oetl^e 9nf))rud^ auf 
X^eilnal^me nnb (Erinnerung l^aben. ®a begegneten 
und int fireife bed iB. junt S3eif))iel: Satfc^, 93eireid, 
9ättner, Sur^, in ®. ber ^oliaeiraf^ ®rftner, in ^. 
bie SRufifer firan} unb ßa^fer, ber ^ofratl^ ^mtS, 
in 91. Sl^riftiane 9leumann (Su^l^rof^ne). S)ag folc^en 
$erfonen Slrtilel t)on toenigen 3^^^ getoibntet knerben, 
erfd^eint gett)i^ burd^aud gered^tfertigt, l^aben fte ftd^ 
aber beftimntten tDiffenfd^aftlid^en ober filnftlerifd^en 
Sfad^em gen^ibntet, fo mähten bie S(rttlel bod^ mol^I 
benen übergeben tt)erben, n^eld^e bie Bearbeitung ber 
betreff enben Sf&d^er übemontnten l^aben: 93atfd^ nvb 
SBeireid müßten alfo Dom 9laturf orf d^er , SBur^ t>om 
Sunftl^iftoriler bel^anbeft »erben. 

Serjeil^en @ie, $od^t)ere]^rter , bie Sflüd^tigleit 
biefer S^^^- 3^ tnoQte Sie fo balb mie ntdglid^ 
meiner B^f^S^ t)erfid^em, unb id^ tl^ue bied in angft^ 
lid^ jufammen gegeijten äRinuten : benn gerabe in biefen 
SSod^en unb 9J2onaten ift meine d^t übermäßig in 
$(nf))ru(^ genommen, unb eben }e^t br&ngt eine mül^^ 



%x $einri4 )}on (Stetn. 113 

feltge SCBl^anblung („8vix @ntfte]^ung^gef(j^i(^te beS 

©c^legclft^cn &)aU\ptaxt") gctDoItfam jum ©(j^Iug. 

fiaffen ®ie mxä) Igl^nen aber bo(| nod^ fogett; ba| 

feit nteinen @tubienj[a]^ren, ba i(j^ juerft ^xt VS^anb^ 

lung Aber Sttetbl^ort lag, J^r 5Romc mir öcrcl^rt unb 

tl^cuer gctocfcn, unb laffcn Sic inid^ juglcid^ ®anl 

unb 95etounbcmng für Qfl^rc SSoIfölicber '* auSft)rc(3^cn. 

993ie gern l^atte id^ bem SSerl, etoa in ben $reu|ifd^en 

iga^rbäd^em, eine an^fül^rlic^ere Slnjeige getüibmet, 

toenn ber, übrigen^ mir })erfönli(3^ belannte SSerleger 

e§ nur in meine ^änbe l^ätte bringen tt)onen. 

SSerel^rungdüoQ 

3Jtxä)ad 93ernaQg. 
Sei^jjig, 13. Suli 1872. 



i^od^geel^rter $errl 

.... SBiffen Sie, bafe gl^re lieben geilen miiä^ gerobe 
an meinem ®eburt§tage begrüßten? ®g gelte mir 
afö ein l^eiberlünbenbe^ Dmen, ba| iä) an ber ©d^tueHe 
eines neuen SebenSjal^reg einen ©rufe aus bem ^aufe 
^ntpJtttS/ iVL bem fajt tägli^ mein fel^nfüd^ttgeS ®e^ 

9tTnat)i. lOriefe. 8 



114 ^n ^iitrid^ t>m ®tetn. 

benlen fid^ l^intoenbet. fUttffx afö jtoei ^af)xt ftnb 
ba^tn gegangen, feitbem i^ bed SRetfterd Stimme tytt^ 
na^m, aber ber Sla^IIang feiner SBorte lann mir 
nic^t Der^aUen. 2)ie mit Jffial^nfriebd ^erm verlebten 
Stunben bleiben ein SBefi^t^um für immer, ein Krflfia 
ig iel, @e^e id^ )e^t bie S^rifttage l^erantommen, 
fo nriberftel^e id^ nur fd^tuer bem Serlangen, il^nen 
bur^ einen Sefuc^ in SBa^nfrieb bie em)ünfd^te SBeiJ^e 
ju geben. 96er ic^ tueig ja, bag ber SReifter fid^ ju 
einer %af)xi nad^ bem Süben rfiftet. 

@eit unferer nur aUju f(üd^tigen SSegegnnng l^oBe 
i^ oft unb lebhaft 3^rer gebac^t. ^ barf n^ol^I 
l^injuf&gen, bag ber eble Sinn, ber gl^r ganjeiS X^un 
unb SBoQen ju bur^bringen fc^eint, meinen Sinn auf 
bad lebenbigfte angefproc^en l^at. 34 tDünfd^te, in 
einem längeren Seifammenfein ju erfal^ren, n^ie nal^ 
unfere 2)enk unb ©efül^fötueifen ftc^ berül^ren unb 
berül^ren Unnen. 93ii^ mir bieiS vergönnt toixb, laffen 
Sie uni^ n^enigfteni^ in freunblid^en ®efinnungen eiu:^ 
anber nal^e fein. 

SKeine Sorlefungcn fd^einen toal^renb biefe« Se* 
mefterd noc^ in n^eitere Sheife afö fonft }tt toitttn. 
Sreitid^ bleibt t^ immer fd^tDer, [a unmdglid§, bad 
eigentlid^e fOla^ fold^er äSirlung abjufd^ä^en. 



?ttt ^cltttl(^ ton Stein. 115 

3tt« ©affer toirf 3)elne Äudften! 
SBer toeiß, »er fle genlejt. — 

3)ad mujs ber SBa^r^? unb Xrofifptud^ bei^ ed^ten 
alobemtfd^en Sel^rerd ober Dielmel^r eined jeben fein, 
ber über ben Xag l^inaud toxxltn tniQ. 

©ein Sie l^oc^a(i^tungdt)oII gegrämt t)on 3^rent 
ergebenen 

Sema^d. 

aRänd^en, 8. 2iecBr. 1879. 



^od^geel^rter ^err SoQegel 

S5ei meiner ^eimfel^r öon einer fleinen SReife, bie 
id^ auf SBunf^ bed Slrjtei^ nod^ lurj t)or bent S3eginn 
beiJ SemefteriJ untemol^m, finbe id^ ^l^ren lieben«^ 
toürbigen SBrief juglei^ mit ber Sarte, bie il^m gefolgt . . . 

^ möd^te 9f]^ncn ein reines @d^o Qfl^rer freunb^ 
lid^en SleuBerungen jurüd geben. Unfer SSeifammen:? 
fein ift mir nod^ in ber Srinnerung erquidlid^. (Sine 
l^dufiger tnieberl^olte perfönlid^e SSerül^mng tnärbe ge^ 
tox% aaä) ju einer innigeren geiftigen Slnnäl^erung 
ffil^ren. Saffen ®ie @id^ red^t oft an meinem Xif^ 
}u gebeil^Iid^er Slrbeit nieberl 

^offentlid^ geben @ie mir Don bem gortfd^ritte 

3^rer arbeiten unb ©tubien, on benen id^ fo regen 

8* 



] 



116 ^n ^einrtc^ bon @tein. 

anil^eil nel^men vm% ertofinfd^te Sunbe. 9Hd^t mtnber 
ertoünfd^t läme mir bie 9lad^rtd^t, bag @te im ^Berliner 
Sebeni»^ unb SBiffenfd^aftdlreife @id^ l^etmifd^ füllen 
unb mit tuirifam entfalteter iCl^fttigfeit ju eigenem 
t$rommen unb ju ^eil anberer in benfelben eingreifen. 
®Iau6en Sie an bie l^erjlid^ften ®eftnnungen 

ap^re« 

toal^rl^aft ergebenen 

aWünd^en, gürftenftraße 13, 

1. 3loöember 1884. 
SBie geftalteten ftd^ bie Sejiel^ungen jn 9he|fd^e? 



^od^geel^rter ^errl 
Sl^re freunblid^en SEBorte begrüjsen mid^ l^ier in 
93aben^S3aben. 2)er liebliche Drt gen^&l^rte mir caii^ 
in biefem ^erBft einige SBod^en erquicfenber tRul^e; 
nun ruft mi^ bie alabemifd^e $f(id^t jurüd. ^ 
freue mi^ barouf, Sl^re ©d^rift in SDlfin^ett üors^ 
jufinben ; fie toirb mir boppelt toertl^ fein, ba fie mir 
afö gl^re ©aBe jugleid^ afö ein SEBal^rjeid^en S^rer 
freunbfd^aftlid^en ©efinnungen gelten lann. Sie bfirfcn 
auf mid^, tjerel^rter ©oHege, nid^t nur afö auf einen Ui^ 
l^aft tl^eilnel^menben ^ fonbern n^al^rfd^einli^ aud^ aU 



^n ©cintl^ öon @tein. 117 

auf einen iuftimmenben Sefer rennen. SEBenigftend 
emecfen 3^re Snbeutungen in mir bie Hoffnung , bag 
tDir in ben ®mnbanfd^auungen un^ Begegnen tuerben, 
unb biefe ©opnng BeftStigt jtd^, toenn \6) mir fo 
ntand^eiS iurüdhmfe, toa^ tDir el^ebem mfinblid^ t^er:' 
l^anbelten. Um fo gefpannter Bin xä) nun auf bie 
Slu^f&l^rung bei^ ©injelnen. SSon ginnen lann id^ mir 
auf aQe %&Ut Sötberung beiS eigenen 2)enlen§, alfo 
bie n^al^re SSelel^rung t)erf))red^en. 

SBie geftaltet fi^ S^rc SBirffamIrit in »erlin? 
Sd^ ^atte gel^offt, erfreulid^e ßunbe bar&Ber n^äl^renb 
ber Serien öon Sfl^nen felBft ju öemel^men. SBaren 
Sic, ttjie in frfil^eren Solaren, Bei mir eingetreten, f o l^fitten 
fie mid^ im innigften ®eiftedt)erlel§r mit ben 2)id^tungd^ 
meiftern beiS Cinquecento angetroffen. 3laä) bem namens 
lod Sntfe^Ii(^en, toa^ in WmtSftti toäl^renb bed @ommer§ 
auf ieben Sntpfinbenben eingeftfirmt, regte ftd^ in mir 
bad unaBn^eii^tid^e SSebürfnig, meinen @eift in Wa^ 
fd^auung einer anbem SBelt erl^eiternb ju BeleBen. 
3d^ toanbte mi^ an ben eigentlid^en fiinftlerifd^en 
SEBunbermann ber Slenaiff ance : ic^ burd^Iad mit ftrenger 
Äufmcrffamleit in einem Sugc ben ganjen Orlando 
FurioBo, ber Inamorato BlieB baBei immer jur Seite. 
2)ann lie^ id^ Xaffod Qerusalemme unb bie tounber^ 



118 9ii $eind(^ t>oii Xteitf^fe. 

lieblid^ Aminta folgen. S)er gattse ungeheure (Segen^^ 
fo^ jiinfd^en ber etftett unb ber jioettett ^olfte bed 
fed^jel^nten 3al^l^itnbertd offenbart ftd^ an bem (Segens 
fo^, ber jtoifc^en Wcxo\io nnb Xaffo »attet. Seibe 
ftnb gan) eigentlich bnrd^ eine SEBett getrennt. 

Saffen @ie mi^ S^nen ^er}K(^ em))fo^Ien fein ciü 
3^ren treugeftnnten 

Semo^d. 
»aben^»aben, 27. Dctbr. 1886. 



^od^geel^rter ^err, 

3d^ toage }tt l^offen, ba§ ber ^vi^alt ber beiliegenben 
Schrift ^^ Sinnen einiged S^tereffe obgetoinnen totrb. 
993emgftend ^alte i^ ndäf uberjeugt, ba§ @ie ben 
@tttbien, beren Srgebniffe ^ier ^am %dl niebergelegt 
ftnb, il^re Sebeutung nic^t Qb\pxt6)m nnb bie Sloede, 
bie id^ bei ber SSeröffentlid^ung biefer Arbeit im !(uge 
^aitf billigen toerben. ^ n^ollte t)or aQent ond^ bar^ 
tl^nn, toie oiel ftc^ bnrd^ folgerechte Sntoenbnng ber 
ftreng fritifd^en SRetl^obe, bie US^ ma in ber S3e« 



3(n ©cinridi tjon Sreltfd^fc. 119 

l^anbtung ber alten gegolten f)at, Bei einem neuen 
Sitttor ebenfalls gewinnen unb leiften läjst. 

yioä) bin iäf 3$nen nteinen 2)anl fc^ulbig für bte 
frcunblid^en, ja toal^rl^aft erfrenenben SBorte, bie Sic 
t)or einigen äRonaten an mid^ gerid^tet l^aben. 2)er 
cl^renben Äufforberwng , bie fie entl^iclten, »erbe ic^ 
in aQernäd^fter Sdt enbli^ nad^Ioninteu bärfen. 2)ie 
fd^toere Slrbeit^Iaft, bie nti(^ n^äl^renb biefei^ ganjen 
Sal^red nieberbrüdfte, ift jum guten Xl^eil abgen^älgt, 
meine fc^n^er angegriffene ®efunbl^eit l^at ft^ in ben 
legten SBoc^en n)ieber etrna^ geftärlt, unb ic^ barf nun 
juDerlaffig hoffen, mid^ an ben $reuBifd^en 3^^^bfld^ern 
tl^Stig betl^eißgen ju lönnen. 2)ag @ie meinen 9(r« 
Betten einige Sufmerifamleit gefd^enft, ^atte id^ in ber 
Xl^at nic^t gel^offt; baB Sie i^nen SSeifaQ geben, ift 
mir ft&rlenb unb ermutl^igenb. SBürben Sie eiS angemeffen 
finben, toenn id^ bie Ärtilel rein Iritifd^en^n^altS Don ben 
übrigen fonberte unb fie tttoa im Saufe bed näc^ften $iaffxt^ 
in einer Sammlung fetBftänbig erfd^einen Kejse? 

äRit miä)n leBenbigen Xl^eilnal^me id^ Sl^rem 
SBirlen gefolgt Bin unb folge, bai^ möd^te id^ S^nen 
einmal münblid^ au^ t^oQem ^erjen audf:|}rec^en. SBie 
fel^r l^oBe id^ Bebauert, bag Bei gl^rem legten Slufeni^ 
^alte in SBonn mir eine 93egegnung mit 3^nen nid^t 



120 ^n ^fitfc^ t»on ^Ireitft^fe. 

ju Xl^etl getuorben. aRSge allem, toad @te in SBort 
unb Zfjai untemel^men, ber gtfltflid^fie Srfolg Befd^teben 
fein. (Blauben @ie ntir, bag auc^ id^ ganj erfüllt 
Bin t)on ber (Broge ber 3^t, in ber n^ir ftel^en, bat 
aud^ mid^ bie t)aterlänbif^en ^opungen Beleben, an 
beren Sertoirllic^ung Sie mit eingreifenber Il^ätigleit 
fo fräftig mitorBeiten I 

3n aufrichtiger ^o^ad^tung 3^r 

SRid^aet ^tcnati^. 

»onn, l^inter bem SRünfter 97 
2. J)ecBr. 1866. 



2)arf id^ Sie Bitten, l^od^t^erel^rter SRann, biefe 
in frif^ t)erifingter ®eftalt erfc^einenbe filtefte SSofftfd^e 
Db^ffee afö einen Steujal^rdgru^ Don mir anjunel^men ? 
iDlöd^ten @ie SRujse ftnben, bod^ auc^ ber Einleitung 
einen aufmerifamen S3Iid( ju gönnen I @c^on feit 
langem Befd^äftigt mid^ ber ®ebanle an eine S^arfteQung 
beS aSerl^oItniffe« , in toelc^em $omer, afö Vertreter 
beS l^eQenifd^en ®eniu§, ju ben leitenben Sitteraturen 
(Suxopa^ ftel^t.** äRand^e Vorarbeit ift fc^on getl^an, 
mein Sel^ramt aBer nimmt mid^ fo in ?lnf^)rud^, bat 
füri^ erfte an bie Slui^fül^rung eineiS folc^en Untemel^mend 
nid^t )u beulen ift. S33ie in meiner Sntftel^ungiS^ 



«n ©ctnrid^ öon 3:rcttWfc. 121 

gefd^i(^te bed ©d^Iegelfd^en Sl^alefpeare ntfiBte aud^ 
bort bte genauefie ))]^tIoIogtfd^e Sinjelforfd^ung mit 
umfoffcnber littcrarl^iftorifdöer SarfteHung öcrBunben 
»erben, ©ein Sie öerfic^ert, l^od^öercl^rter äRann, bog 
i^ 31^rem grojsortigen^El^un unb SBirlen mit SSctounberung 
folge, ffig tofirbe mid^ begtüdfcn, ju erfol^ren, bag meine 
?ßcrfon Qfl^rer Erinnerung nid^t gänjlid^ entfd^tounben ift. 
3n ftet§ gleid^er Serel^rung 

^x treuK^ ergebener 

SSema^«. 

aWlnd^en, Subtoigftr. 29, 
30. J)ecbr. 1880. 



n. $t\t(t m pt^oti §ttm^ 



»lEa Hrco, Scßcmfcc 19. Slug. 81. 

SSerel^rter ^err SoQegel 

®cftottcn Sie mir, Qfl^nen ju bcm freubigcn gamHien^s 
creignife unb ju Qfl^rer SJaterfi^aft öon ®runb meinet 
$erjend ®iM itnb bleibenben Segen t)on @ott ju 
tvfinf^en. Dbgletd^ mir ©leid^ed nie }u 2^eil ge^ 
tvorben, t^ermag id^ bod^ fel^r n^ol^I, mid^ in ^xt 
Sage l^inein ju benlen unb bie ©eligleit bed neuen 
©efül^fö, les entrailles de pere, ttjie unfere Slad^Bam 
fagen, leBl^aft mit )u empfinben. (Sntpfel^Ien ®ie mid^ 
befteni^ S^rer lieben tixan unb fagen Sie il^r, bag, 
totnn i6) nad^ SR. jurfidRel^re, ber erfte S3efud^, ben 
idf oBftotte, in gi^rer SBol^nung fein toerbe. 

3n freunbfd^aftlid^er SJerel^rung ^f)x 

3. ö. S)öIIinger. 



136 Sott Triette g^erba^. 



n. jQendette üentrlia(|.' 

9nliegenbed 8ilb meined ebten entf d^Iafetten ' 
greunbed toollte id^ ^ntti, lieber Kttnatfi, geftem SCbenb 
geben ium 9nbenlen an ben Xag, an toeld^em ber le^te 
apollobogen burd^ ^l^re $&nbe ging. 3)a n^ir aber 
ntd^t allein toaren, foll el^ S^nen jum freunblid^en 
Sonntag äRorgen julommen. (£mf)fangen Sie ed afö 
brfidtte S^nen Seuerbad^ fetbft bie ^anb jum 2)anle, 
bajs @ie @id^ feined tl^euren Sd^merjeni^bud^ed fo lieber 
DoQ angenommen l^aben. 

äRit bem freunblid^ften ©uten SRorgen 

Henriette g. 

Sonntag 1. Qtpibx. 55. 



»afcl 25. ober 26. Koöbr. 1855. 
gl^r ©rief, mein lieber greunb, war mir geftem 
SIbenb eine n^al^re Srqnidhtng. SSieÜeid^t !5nnte i^, 
um mid^ fd^ön an§}nbrfid(en, fagen, n^ie einft eine be^ 
lannte S)ame an geuerbad^ fd^rieb, „toie ein D^au^ 
tropfen in ben fill^Ien lagen". Sie tooHte aber fagen 
„fd^ttül". S)ie art gl^rer ®ef orgung, Sel^anblung 
unb SRelbung aU ber fd^toierigen Slngelegenl^eiten ift 



Son ^nriette gfeuerbac^. 127 

üBer alled So6 erl^aben, unb id^ bin tueit entfernt, 
S^nen ben SoU meiner tiefft gefäl^ften SBetDunbemng 
unb 2)anI6arIeit ju üerfagen. 

Snt Smfte — id^ l^oBe Qflönen für Siefeg ju banicn. 
2)ied SSielerlei lägt fid^ oBer leidet in @ind iufantmen^ 
f äffen: bag ed nel^mlid^ fel^r lieB nnb fel^r fein t)on 
Sf^nen ift, einer alten Srou fo treu anpngßd^ ju 
fein, bie gar nid^t§ t)on aU bem Befi^t, toa^ fonft bie 
Sugenb anjiel^t. 2)aj3 id^ bied ju fd^&|en totx% toerben 
Sie n?ol§I längft gefül^It l^aBen, benn n?er mit grauen 
umgel^t, lernt jtoifd^en ben geilen lefen. SlBer Sie 
follen t^ )e|t aud^ in ben S^^^^ ^^f^f bag Sie eine 
tool^re unb ed^te greunbin an mir l^aBen — unb fonft 
n)ünfd^e id^ ginnen aQed &lüä unb dum @egen, nad^ 
bem ein ftreBfamer ®eift unb ein j[ugenbKd^ ©emfltl^ 
verlangen mag . . . 

3)od^ nun miQ id^ Igl^nen t)on mir erjal^Ien, unb 
baß iä) in tteffter SIrBeit ftcie. 3)a3 ©efd^&ft ift nid^t 
fd^n^er, aBer langn^eilig. 2)ie $a)}iere fanb ic^ t)on 
ber ^anb eineg tool^Itl^ätigen SleffengeniuÄ georbnet. 
@ie finb lein Sßeer, bad $erlen auf feinem @runbe 
Birgt, n)ie $eine fingt unb aud^ ©mannet ©eiBel — 
oud^ lein @trom, ber feine äBellen bem äReere jutragt, 
toit DieQei^t ein anberer 2)ic^ter gefagt l^at ober fagen 



128 Bon Triette geuerBad^. 

ff&ttt Idnnen — fonbent ein fet(^ted flel^enbed SBaffer, 

an^ bem einige SBafferbtnmen unb SReerbinfen ju et^ 

beuten {tnb, unb bie fd^tuimmen Don felbß luftig oben 

auf. (Siner faft übennenfd^Iic^en ®ebuQ) aber bebarf 

id^, toeil ba^ Setounbemi^tofirbigfte geleiftet toirb, mi^ 

ju ftören. 2)ie 3tttriguen, bie ic^ indgel^eim f))iele, 

um mid^ iu retten, finb Don ber brolligften 9rt mtb 

mein $rit)atDergnügen bei biefer @a^e, toa^ aber, 

ber ^immel toeig, ti^euer erlauft ift. 2)od^ gel^t ed 

tro| bem SHIen rafd^ üormdrtd, tooju ein orbentlid^er 

©c^reiber, ein Sonbibatui^ Xl^eologid bad SBefte beitragt 

@rnft^aft pdnliä) toaren bie erften }toei Xage burd^ 

einen SBrief bed ^erm ©c^irmer, ^ toel^en id^ am erften 

ÜKorgen meiner Slnlunft erhielt, unb ber fo abfd^eulid^ 

ift, ba^ id^ lein Sigenfd^aft^toort für i^n aufjutreiben 

toeig. gd^ mujste nur überlegen, ob i^n bie l^öc^fte 

SSoSl^eit ober 2)umntl^eit eingegeben l^atte. ©pdterl^in 

ergab fid^ bad le^tere, benn nad^bem i^ nur ein ))aar 

geilen ertoiebert, bie freilid^ eben fo fein loarcn ate 

bie feinigen rol^, erhielt id^ umgel^enb einen jtoeiten 

S3rtef, in bem er aQe unb j[ebe S3eleibigung jurüdE 

nimmt, unb mi^ auf meine Slnttoort l^in feiner „tiefen 

Slnl^&nglid^Ieit" öerfid^ert. — ^ä) f)abt unter biefcm 

gtoifd^enfaH fel^r gelitten unb mein fc^merjli(^ci5 @r^ 



S^ott Henriette gfeuerbad^. 129 

fiaunen, ba| jemanb toagt, fo mit mir urnjugel^en, 
l^at mid^ feKft beleiht, bag id^ in ber 2)emutl^ nod^ 
nid^t fel^r tpeit gelommen Bin. 

2)iei$ nntet nnd. 

8ln (Smilie^ fd^reibe id^ erft, toenn id^ erfal^ren, 
bag fie lin SRannl^eim jurädC ift. 3d^ felbft eile 
getoi^ fo t)iel id^ nur immer lann, um nid^t aber 
meinen Xermin mt^subleiben. 3d^ l^offe aud^, bag t^ 
gelten tpirb. 

2)ie freunblid^ften ®rüge unb SEBfinfd^e ton S^xtt 

Henriette Sfeuerbad^. 



4. Sunt 56. 

9ßein lieber freunbßd^er @o]^n unb 
fol^nlid^er Sfreunbl 
. . . gi^reg 8lufent]^aftei5 in Sonn , ber fo l^eiter 
unb erf))rieglid^ ift, freue id^ mid^ t)on i^erjen. (Sd 
mxi% ein gau} anmutl^iged unb regfameS Seben bort 
fein — bod^ ganj anberl^ ald l^ier, n)o man fo gar 
aQein ift. @eit @ie n)eg finb, lann id^ bie SSorte, 
bie id^ gerebet ober gel^ört nid^t jol^Ien, eben n^eil t» 
gar leine finb. 3d^ rebe fd^koeigenb unb fd^toeige 
rebenb unb bie äRenfd^en, bie mid^ umgeben, tl^un 
leiber nur bad Se^te unb nid^t bad Srfte. @ie l^aben 

9ttna^i. etiefe. 9 



130 Bon Henriette gfeuerbacig, 

fo fd^öne SBorte gefd^rieBen, id^ folle ftar! fein im 
2)enlen unb SBoQen unb m mein eigene^ (SDangelinm 
glauben, ^a^ toill id^ nun aud^ toeriftnben. ^ ^äbt 
für bad SBiffen eine }kDeifad^e ^od^ad^iung. Sinntal, 
für ben ftiOen anf))rud^dIofen @amntlerf[eig in feiner 
rül^renben ))ebantifd^en $oefie unb bann für bie ®e^ 
lel^rfamfeit, koeld^e einem fünftlerifd^en (Seift afö formst 
famei^ SDlaterial bient. SB&r^ id^ ein SDlann unb ein 
(geleierter, fo l^atte id^ t^ieUeid^t ^u bem festeren bie 
^aft, fo oBer lann ber innerlid^e ^nftlergeift nid^td 
tl^un ald ftd^ am Seben felbft toerfud^en, unb bie lurje 
3eit, bie il^m auf @rben gegeben ift, }u einem ftiOen 
Keinen, föenn aud^ ungefel^enen Jhtnfttoerf mad^en. 
3n biefem @inne lommt mir mand^ed, toad anbere 
l^od^toid^tig bünit, Hein, unb umgelel^rt, mand^ei^, toa^ 
anbere für geringfügig l^alten, grog unb bebeutenb 
t)0Xf toeil id^, um bie Harmonie nid^t ju ftören, aSe 
2)inge nur im SSerl^SItnig ju ben anberen nnb nid^t 
loi^getöft unb einjeln anfaffen borf. ^tSf)aVb fd^abet 
mir aud^ bie (Sinfomleit unb SSerlaffenl^eit nid^t, unb 
bie ©eiftedarmutl^, in ber id^ lebe, benn toai mir am 
aSerftanb abgel^t, fommt bem ffiiHen ju gute. — SB&re 
id^ nid^t bie ))erfoniftcirte SSemunft unb Ergebung, fo 
tofirbe id^ aud^ l^^re Entfernung f^toerer tragen atö 



^on Henriette fjfeuerbad^. 131 

id^ ed tl^ue, fo oBer l^ilft (Sinjtd^t unb guter SSille 

über t>itiz§ l^tntoeg, unb S^re 93rtefe tnad^en mir 

Sreube unb lommen n)ie ein tool^IbelabeneS @d^iffd^en 

fidler bei mir and Sanb. IBon grau 9litfd^I^ n^oHten 

Sie mir erj&I^Ien — öergeffen Sic eg nid^t — unb 

auf bai^ t)emänftige SEBort über bal^ Kölner 2)ombiIb 

loarte id^ aud^, benn id^ lenne bad 93ilb nic^t. ^ 

benfe bie aRenfd^en l^aben bie fd^önen ßird^en gebaut 

nid^t aud ®eltungdbeftreben , fonbem in bemfitl^iger 

Srrdmmigfeit um ®ott ju eieren, aber es liegt noc^ 

ettoad Xieferei^ bal^inter, nel^mlid^, bag bie ßunft atö 

baS äßenfd^Kd^:^ ^öd^fte fid^ il^rem SSefen nad^ nur an 

bie l^öd^ften unb l^eiligften fiberfinnlid^en Sbeen an^ 

fc^üegen lann. — S)er Sünftler aber, ber fein SBerf 

jur (Sf)xt ®otteS aud SrOmmigleit fd^afft, ift fein 

Huftier. 2)ie IBermittlungSglieber jtoifd^en biefen 

®egenfa|en mug ^t lulturl^iftorifd^ed ®en)iffen felber 

finben — 3Mir ttirb^S ju lang — öon mir barf man 

nid^t fagen — „lange Siebe fpannft ®u" 1 — nit^t 

einmal auf bem gebulbigen $a))ier. 

)8on unferm Seben ift äuBerlic^ faft nid^td ju U^ 

rid^ten. Si$ gel^t ein Xag n)ie ber anbere ftill unb 

einförmig, aber boc^ innerlich gefegnet unb erquidflid^ 

)pie bad tool^Itl^atige eintönige ®rün ber ^l^eutoanb. 

9* 



132 Son Henriette gfeuerbad^. 

Snfelm f)at fid^ tuieber anberd befonnen unb bleibt 
nod^ in Slorenj. Sfir (Smilie bringt jeber Xag eine 
neue Unrul^e. 3)ad ift nun einmal nid^t }u anbem, 
unb iä) forge nur immer, bag fie Uxpttlidi gefunb 
bleibt bei il^rer {leten ©emiltl^d^ unb ®eifteiSerregung 
unb leibenfd^aftlid^en @))rad^n)ä]^Ierei. Unfer SSer^ 
l^&Itnig ift natürlid^ koie immer t)oIIfommen lieb unb 
rein, ja felbft mel^r afö je . . . 

. . . 9ßit Sefen gel^t ed nid^t fo red^t, id^ l^atte 
S^ren ©ibbon fo gerne, bag eS mir einen föal^ren 
^antpf foftet, in einem anberen 99ud^e fortjufol^ren. 
^üä) gel^t ed j[e^t fd^on etn^ad beffer. ^ä) lann ju 
h)enig englifd^ unb mug fo t)iel auffd^Iagen, ba^ ftört 
natürlich ben ®enug, bod^ ber ®en)inn föirb aud^ 
balb f ommen I 93ud^ @amuel ift aud^, ober mit red^ter 
innerlicher ftroft genoffen toorben. 3^^ l^abe grenjens^ 
lofe ©Qmpatl^ie mit ^önig ®aul, ber mid^ faft immer 
}u Xl^ränen rül^rte. (Sin tiefered menfc^tid^ei^ Sitb 
ift nie gejeid^net Sorben. Slud^ l^erjlid^ gelad^t l^abe 
iä), furj, oHe Heinftcn Sleinigfeiten begriffen in @t^ 
banlen unb (Sprad^e. @d^reiben ®ie mir immer, toa^ 
(Sie für unfer (Sined Swoönglid^ed lefen. Slm ©loöier 
bin id^ fleißig an gugen unb ©onaten. ®eftem ?lbenb 
l^at ed mid^ toel^mütl^ig berül^rt, afö id^ l^örte, baj^ 



»on Henriette fjfcucrbad^. 133 

3oad^tnt ben ganzen @otnmer l^ier jufirtngt unb faft 
t&glid^ mit SftanciiS SSunfen, bie ganj mittelmäßig 
unb feelenloS fpielt, ))rit)atim muficirt. 9Bad tDöre ei^ 
ffir mid^, meinen langjöl^rtgen f$Ieiß einmal einem 
lool^ren fffinftler gegenüber ju er|)roben — ober toer 
benft l^ier on bie arme grau geuerbod^? Slbgefel^cn 
t)on aller %n\pxviäi^ t>dU^ unb lofigfeit ift boi^ hoä) 
toirllid^ mer!n)ärbig . . . 

. . . Sinn follcn Sie aud^ red^t tool^I leben. 3)er 
SBinb rauftet über mir in ben »lottern bc^ Sluß* 
baumö — (Smiüe übt brinnen im gimmcr Kramcrfd^e 
(Stäben, unb ein Keiner SSogel pie))ft in ber (Spl^eu^ 
toanb. Sieben mir liegt ber junge Defer, ' on ben id^ 
gelten mu% ttenn ber 33rief fertig ift. @o l^oben Sie 
ein gaujelS 33ilb ber ©egenUJart. Slun guten SKorgen 
unb glouben Sie mir, baß id^ 3^re Irene atö einen 
Xroji meinet lommenbcn Seben^abenbg in treuer 
@eele l^alte unb ben^al^re. 

i^enriette %. 



SJatttoo*, 18. 3uni 56. 

Sieber Serna^^l 
. » . 3»an l^at Sie „in Ql^rer S^^Ö^wb" ju öicl 
bekDunbert, unb ®ie niaren nid^t Ung genug einjufel^en 



134 %on Henriette ^rnttbaä^. 

bag bie getool^nlid^e Settmnbentng auä) getoöl^nltc^ 
f)aVbex Unt^erftanb unb f)aVbt uttBetougte ©robl^ett ift. 
@ie ftanben nid^t auf bem 93oben ber SEBal^rl^eit, unb 
ba§ rad^t fid^ jie^t. 2)enn bie SSal^rl^ett ift unerbittftd^ 
nid^t nur gegen abfolute Sügen, fonbem fte ge^t mit 
nod^ empfinbtid^eren unb feineren SBaffen ben ^uftonen 
ju Seibe, t>ort benen ©entimentalitSt unb (SiteHeit bie 
bcl^agüd^ften unb geföl^rlid^ften finb — il^ren greunbcn 
aber giebt fte ^aft unb 9ßarf unb „bie SBal^rl^eit 
tüxxb @ud^ frei mad^en" fprid^t unfer ^err unb ^eitanb. 

3Rid^ bünft, id^ bin abfonberlid^ toeife, unb fo tpill 
id^ @ie nod^ emtal^nen, l^l^rem f^reunbe SDlontgotner^ ^it^ 
greiflic^ }u mad^en, bag bie t)ielge))riefene ntenfd^Gd^e 
?lui5bilbung 1^ i n t e r bem Serge liegt unb — b u r c^ 
mug man, fei er %tU ober $fannfud^en id^ toiti bamit 
f agcn, SBiff enf d^aft ober ©d^mer jen, am beften Seibeg, benn 
@rlebniffe, bie grog genug toören für einen ^karttXf 
giebt e« nid^t in unferer Seit. 

Um nun ju meinem eigenen l^iftorifd^en ^inter^ 
grunb ju lommen, fo ift er eben aud^ nid^t glän^enb. 
älnfelm l^at gefd^rieben, toie mid^l^ nid^t freuen lann. 
(Sr n)ill ie^t gleich nad^ älom, toeil in Sfloren} bie 
guten Silber ocat))irt toaren, \pnä)t t)on $Iänen unb 
toenig ®clb u. f. to. Qd^ loiH mid^ nid^t in biefem 



IBon Henriette geuetba^. 135 

abriefe vertiefen, bie 3laä)tt finb lang unb bunlel genug 
baju. äßtin gintmer nefift SHtane ift gan} ffig tteB 
unb feterlid^, fc^imntemb t)or innerlid^er Steinzeit. 
SebeiS Keine Stüd ift burd^ meine $anb gegangen, 
id^ l^afie felbft bie ®atbinen aufgemad^t unb fogar ben 
SBoben gen^ic^ft, n)ot)on id^ nad^l^er Iranf gen^orben bin. 
(Benoffen aber l^abe ic^ meine frieblid^e äSel^aufung 
nur erft tt)enig. 9l&d^{le SSod^e toerbe i^ ganj auf 
unb unter meinen Sorbeeren rul^en unb aber 93üd^em 
unb 9bten meiner Sorgen }u t)ergef[en fud^en. 3n 
3ulnnft toaxtm @ie nid^t fo rafd^ auf Sntmort, id^ 
mag t)iel lieber eine freiere Stimmung benu^en. 

^xt Henriette Seuerbad^. 



10. ®et)t. [1856] 
(Eben erl^alte id^ S'^ren 93rief, ben id^ mit totf)^ 
mätl^igem ^er^en burd^Iefe. SBie fd^merjlid^ ift ed 
mit bem ganjen @(^a$ ber ßrfal^rung in ber @eele 
benen bie uni^ lieb ftnb, aud^ nid^t ein Sota bel^ 
ftummeriJ erfroren ju lönnen, ben toir felbft in fo 
reid^em Tta^t erbulbet. 3d^ toeig toof)l mt^, tüa^ 
Sie betoegt, mein lieber junger greunb — unb öielletd^t 
nod^ mel^r afö ha^, benn ein 3Rann lennt immer nod^ 
nid^t bie fd^redlid^ftc aller Iroftlojigleiten , bie ^ilf^^ 



136 Son Henriette gfeuetba^. 

loflglcit, bie bcr toeiblid^en fHatwc in il^rcr innerften 
liefe auferlegt ift. gfir il^n ifk ber ©t^merj fettft 
eine H^atigfett unb fontit Xroft — ober boä) Ouellc 
beg IroftciS. Set uniJ aber, toenn bie ©onne auSs: 
geUfd^i ift unb breite 2)unlel]^eit ftd^ auf ba§ SeBen 
tagert, giebt t^ rtiäftö mel^r atö bie Keine Sant^e 
ber $f(i(i^t. SBad mir bei ^l^nen am meiften leib 
tl^ut, ift, bag ^x ©d^merj fo t^ergeblid^ im SBinbe 
t)tttotf)t Sd lommt aber gen^ig nod^ eine SAi, n?o 
iä) gegen @ie aud^ äugerlid^ ganj fein lann n)ie gegen 
Hnfelm. ^nnttliä) bin id^ ei8 ja, toie Sie eg nur 
n)finfd^en mögen. SReine X^eilnal^me an ^l^rem ®ef d^id 
^aben @ie fid^ @elbft jujufd^reiben. Sie l^aben ®id^ 
bie aJlül^e gegeben, mid^ beffer }u öerftel^en afö Slnbere. 
S)a3 ift SltteS. 3a ci5 ift mir bieS fo feiten — faft 
garnid^t njtberfal^ren — fo öiel greunblid^Ieit id^ au^ 
empfangen l^abe unb nod^ em))fange — fo toax unb bin 
li) Sinnen befto l^erjlid^er banibar je mel^r id^ bad 
SWeinfein getool^nt bin. SBenn id^ einmal geftorben 
bin, bann mfiffen Sie auf ein Meineg Slättt^en fd^reiben 
toie id^ UJar, unb eg meinen ffiinbem jum SCnbenlen 
fd^enlen. 3m Sufammcnl^ange hjeife Sliemanb öon 
mir atö Sie. Sie l^aben mir gefagt, id^ möge Sie toie 
meinen ©ol^n l^aften, bag toill xä) tifurt, fo lange id^ tebe. 



^on Henriette fJeuerBad^. 137 

Sott Ättfdm guter SBricf. gum erftcnmale feit 
geraumer geit f)ai toieber ntein Stufelm gefd^ricBen 
unb nid^t ba$ bofe ®af[en{inb. @r gel^t in a6)t Xagen 
natS^ 3lom. ^ä) l^otte il^m öon ginnen gefd^rieben. 
3)0 l^ei^t es in feinem 93riefe : „Um Serna^d ^ai iä) 
gar feine @orge, ber beigt fid^ burd^ föie id^, nur 
glaube td^, ift ed nötl^ig, bag er nod^ t)iele bumme 
Streiche mod^t." 5Run gute Slod^t. SRein SJruber 
l^at in feiner S^riftcrfparungg^Sirtuofität einft ein 
fd^5ne§ SBort gefunben : 2)em ^tal^en nal^ auc^ in ber 
gerne. 

Stuf l^l^ren t)origen SEBal^If^^rud^ f)aV id^ nod^ ju 
antlDorten. „3mmer ber erfte fein, Slnbere übertreffen ?" 
3d5 l^obe einen bcffem „fid^ felbft erreid^en". S)er 
mod^t ben ^l^ren überflüffig. Sitte fiberfefeen Sie 
mir ben auf gried^ifd^. ^ä) l^abe nod^ fein orbentlid^eg 
äSarterbud^. (Sin jtDeiter SBal^Ifprud^ ift gteid^faüd 
gefunben : 

ei %oIq Iv oi-Mp xQ^iiaoL XeXel^fied'a 
^ d^edyeveia xal to ysvvaiov pthet 

Sd^ l^alte meine tdglid^e Slnbad^t je^t gried^ifc^ unb 
möchte t)on Sinnen tuiffen, föad id^ juerft griec^ifd^ 
Icf en f oH. 3id^ fiberf efee SucianlS lobtengefpröd^c langf om 
unb mit großer 9lot unb WX^t^ aber ic^ bringe ed 



138 Sott Triette Seuerbac^. 

bod^ }u ftotibe, 6tö ixümtm auf ettt}eltte SHeinigfeitm, 
bie td^ fragett ittu^. $err St, tttttttt, id^ foDe, toetitt 
id^ bottttt fertig bbi, att eittett ber teid^teren Slebtier 
gel^ett utib erft orbentlid^ attifd^e $rofa lefen lentett, 
el^e id^ ei^ tnit bett 2)id^tertt t)erfud^e. 3d^ tttuB mid^ 
fd^tedflid^ )>Iagett, aber ttad^beitt td^ idji ba^ Sergfte 
übertounbett l^abe, tpill id^ burd^aud t)ortoartd itttb 
fd^eue feine WtX)t ^ebettfaHd koill id^ tnit aS bem 
(Sigenftnn, ben mir bie gute SRutter 9latur gegeben, 
unb bad ift nid^t menig, orbentlid^ gried^ifc^ lernen. 
Wi^, toai ii) fiberl^au^t int Sinjelnen lerne, gel^t 
gleich ind 93Iut über nnb n)irb aUgenteine ääilbnng. 
9He aber l^at ntir &xoa§ fo gut getl^an afö bie Sugen 
unb bie gried^ifd^en S^ittoörter. ®egentoSrtig l^obe 
id^ aud^ SSifd^erd !Reife in ®ried^enlanb * t)or. S)ie 
Sd^ilberung ber 8l!rot)oIig ift gut — bef. beiS ?ßarj= 
tl^enon. SEBenn ®ott mir befd^ieben l^&tte, eine äRinute 
ba oben }u ftel^en, toollte id^ bie nSc^fte in t>oUtm 
3ubcl fterben. 

S)ie SEBal^feertüanbtfd^aften gelefen unb mit toeld^cr 
SBirfungl Sl^rfurt^t, ©touncn, ®nt}üdfen über allen 
fonftigen menfd^Iid^en (Sntpfinbungen tl^ronenb. @d 
ift gcfd^affen, ttie bie Slatur fd^offt, nod^ ctoigem 
©efefe ber SBeftorbnung, ber 3)i(^ter tritt an bie ©teile 



Son Triette gcucrba^. 139 

be$ ®i)iS\aU, ber IBorfel^ung, unb nun fptnnt ftd^ aUt^ 
fo ab, tt)te ciS eben in bcr ®efd^td^te gel^t — tote e8 
mu^ — lontmt nun nod^ bie Sd^önl^eit im @injelnen 
ba}u, unb ha^ ®rdBte int Meinften unb SIeinfte im 
@rö6ten. SBenn je ein t^oIHommened SSerl, fo ift ed 
bai$. 2)a fielet man, toie man bumm ift unb nad^ 
unb nad^ gefd^eibt toirb. 

3^ Ocftel^e 3^nen alfo ju S^rer Serul^iflung ein, 
bag meine aRufilliebe nid^t fo toeit gel^t afö id^ felbft 
badete. ^ fel^ne mic^ ftetö nad^ meinen Säd^ern, 
nad^ meinen füllen @tubien unb nad^ 2)enlru]^e unb 
Sfreil^eit. 

j4ido€g Ttaqa TtSaiv S^iog %ai] 

iav TtqGnov SQ^rjg aamdv alÖBlodiXi, 

9Rii allen guten SSänfd^en 3^re 

^. Seuerbad^. 



^cibelBcrg, 29. Octbr. 56. 
gi^r ©rief, lieber Serna^lS, lam red^t Keb unb tröft^ 
lid^ in meine (Sinfamfeit, unb fo follen ®ie aud^ ben 
freunblid^ften unb fd^önften S)anl bafür l^aben. Sd^ 
bin ein armer armer SRobinfon unter allen SRenfd^en. 
®Iauben Sie mir, \>c& „@elbft*ffirrei(^en" ift garnid^t 
fo mobem afö @ie benfen, ed ift orbentUd^ greifbar 



140 Son ^ntiette ^uttbadi. 

ttttb l^anbfeft. 9ud^ ber alte ^onter ^cA ed getou|t, 
bag ber aRenfd^ jutueilen ber Stulpe unb (Sinfamfeit 
Bebarf, um er fetter ju fein. 3W^ fel^e mit ©el^nfud^t 
in mit^ J^inein unb an mir l^erauf — id^ lann mxi) 
toxxtLiä) nid^t erreid^en, o6[d^on id^ mir fetter ba bin. 
S^te ^Darlegung jeid^net fid^ burd^ eine ganj merf:? 
n^firbige ^arl^eit, SBal^rl^eit unb Sinfad^lgeit aa^, @ie 
l^at bad @tpx&qt it^ (Sinfad^en bedl^att fo innerli^, 
tDeil man bal^ Unaudn^eid^Iid^e unb Unumftöglid^e ^ffii, 
unb alle SSal^rl^eit ift einfad^ unb leidet faBH4 fo 
bag man meint, bie ®ebanIenfoIge fettft erte&t ober 
gebadet ju ^aben. S(IIe ^auptt)unlte, auf tpeld^e eS 
anlommt, brüdfen Sie mit ber größten Strenge unb 
^larl^ett ol^ne aßen $runf aud, unb bad bejeid^nenbe 
SBort fel^ft 3^nen nie. Stter bie Uebergänge lieben 
Sie bann jutoeilcn mit einer Art öon Sll^etorif au^^ 
anfüllen, fo bag bad ©anje fid^ mel^r afö glan^enbe 
Släd^e ebnet, unb ber inneren 3nbiöibualit&t unb Dri^ 
ginalitat bei^ 2)enlend einigen Sttbrud^ ju tl^un fd^eint. 
— 3d^ nat^ meinem ®efft^I liebe bie Sogcnlinien 
mel^r, unb bie SSerinnerlid^ung bed SBortel^, unb id^ 
toeig ja aud^, baß S^nen toie mir bie rul^ige geifte^^ 
atl^menbe SEBogen^rad^t bed ©oetl^efd^en Ot^tö bad l^dd^fte 
maaj^ ift. 



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S5ott Henriette gcuerbad^. 141 

Snbeffen tnug id^ ^mn jur SSermel^rung meiner 
©d^mad^ belennen, bag t§> mir nad^ reiflid^fter Ueber^ 
legung ber Betüußtcn ©teile bo(^ nod^ nid^t beffer gel^t. ^® 
3)a fte t)on ©oetl^e ift, nel^me id^ nun natfirltd^ bie 
Sd^nlb auf mid^ unb fage : id^ t)erftel^e fie nid^t. SSiel^ 
leidet follte man aud^ jemanben, beffen SSerftänbniB 
gau} auf ©efül^föauffaffung unb Stimmung berul^t, 
nid^t xsAi fo abgeriffenen ®ebanlen in IBerfud^ung 
fül^ren. Slbgefel^en aber bat)on, ift z§> mir t^öKig un^ 
möglid^, ja meiner innerften Slatur mibertoörtig, ba§ 
®ebet afö ein äu^erlid^ jugelommene^ aRaterial unb 
fei§ nod^ fo öergeiftigt, ju faffcn, tt)ie ber SBei^raud^ 
ber ßol^Ie jugeftreut n)irb. Mit ift bad @)ebet nid^t 
©rfrifd^ung ber i^offnungen, fonbern Sefriebigung unb 
(Erfüllung ber @eele, 9(ufgeben bei^ SBünfd^end unb 
^offeniS, toeil öotttommen gefüllte^ Sertangen — ja 
bie Seele felbft ju freiem Icbenbigem Strömen gelöft, 
be^l^alb momentane Seligleit. S)en lird^Ud^en ©tauben, 
baB ber ^eilige @eift bie ^aft beg @ebetei» n)ittlür^ 
I i d^ im 9Renf(^en erjeugt, ben l^abe id^ nid^t, fotgtic^ 
bleibt mir bad ©teid^nig fremb, aud^ nienn eg lOmat 
t)on ©oetl^e ift. 2)a}u fommt, bag id^ eine ))l^#fd^e 
^biof^nlrafie t)or SSeil^raud^ l^abe, \Q0Sf id^ aber l^ier 
nur fd^erjtoeife anfüge. Sajenn nun biefe Stelle njirl^^ 



142 93on ^nriette SeuerBod^. 

lid^ fo tounberbar unb bortrefflid^ i% tm Sie fagen, 
unb Sie meiner ^aföftarrigleit toegen mein ))oetifd^eS 
93er{t&nbm| toerad^ten mfiffen, fo muB üf für mein 
Xl^eil ed tragen mit anberen Saften, obfd^on nid^t aU 
golbene Saft. SBegen bed alten ^iftorilerd mnl^ id^ 
gleid^faHd 3^r SRitleib in 9nf))m^ nel^men — id^ 
l^atte meinen Sofort in fto))f nnb ^erjen, t)on bem 
id^ feit feinen erften SüUn and Sflom nid^t ein SBort 
erl^ielt, unb id^ l^abe Bei il^m ffir fo t)ieled ju fftrd^ten, 
bag ed föirlli^ quafooQ ift, jeben SugenblidE eine 
anbere Sorge nnterbrfidten }u mfiffen, benn ber ®e^ 
banle an il^n toeid^t nie. 

2)er SSinter ift mir aud^ in einer anbern ^inft^t 
l^art. 3d^ l^abe bidl^er, feit etma 6 SSod^en, für ^erm 
SBeber^^ geogra|)]^ifd^e unb to))ogra))]^ifd^e Stubien ge^^ 
mad^t bel^ufd feiner allgemeinen neuen ®efd^id^te, t)on 
toeld^er Dftern ber erfte Sanb erfd^einen foff. 2)a 
bai^ Honorar ein bebeutenbed, unb id^ mid^ bemül^en 
lann, bie ganje Sad^e afö ^t)atftttbium anjufel^en; 
fo glaubte id^ mid^ nid^t bered^tigt, bie Snfforbemng 
abjuföeifen, fo l^art nnb fd^toer aud^ bai^ ©elbftgefül^t 
fid^ bagegen toel^rte. ^if l^abe alfo nic^t ®ibbon ge^ 
lefen, fonbem $aufaniag unb Strabo unb (SurtiuS 
unb Ulrid^d unb 9liebu^r unb @ott toA^ nod^ tocS 



Son Henriette gfeuetbad^. 143 

Wit^f um ^m. SEBe6er ben 93oben urbar ju tnad^en 
für bie eble ®aat feiner l^iftorifd^en Sorfd^ung. ^ai 
l^eigt Sronie bei» @d^i(!faföl 

Sd^ felbft ^abe bie le^te ftürmtfd^e 3eit etoag ^ö^e 
getoonnen an meinem fteilen Sebendberg, nxAt an 93er^ 
flanb unb Urtl^eil, toie @ie ju bemerlen (Selegenl^eit 
l^atten, aber an innerlid^er SlügeOraft, an 2)emut]^ 
unb an ©rfenntni^ beffcn, toag gro§ unb Hein ift — 
fd^n^erfte SBiffenfd^aft im Seben — unb bamit t)on 
^erjen ®ott befolgten 1 

®ie flnb unerbittlid^ mit meinem armen t)erun^ 
glfidttenffioniunctiö I'ü^— ^Q^IJS- ^^ — ^m nät^ftenSJrief 
toirb n^ieber gegried^t. — ^eute l^abe id^ genug auf 
beutfd^ mit mir ju tl^un. 



^eibelberg 1. ^ecbr. 1856. 
.... Dbgleid^ id^ nid^t l^eiter bin, fd^reibe id^ 
Spänen bod^ in meiner getuol^nten Umgebung unb ein 
l^alben gug l^od^ über ben l^arten 93oben ber Slltagd:^ 
qnal aufgel^oben, gerabe fo, föie id^ n^iO unb lann, 
benn in ben SSoHen fd^föeben ift meine @ad^e nid^t. 
fturj — id^ bin feit geftem toieber in mein ßimmer 
riugejogen ^* , , . , ^ l^abe aöe ^wwernDtl^ ber 



144 8on Henriette gfeuerbad^. 

lejften 8 SBod^en mit einem heftigen Z^r&nenftrotn 
afigekoafci^en, unb nun ift toieber aQed Beim Slten — 
meine Slumen, ber klaget, mein Keiner Sd^reibtifd^, 
mein ®<)innräbd^en — id^ Bin nie brausen getoefen. — 
Unb bod^ ift tttoaf^ k)eranbett, ne^mlid^ id^ felBft. (£j$ 
ift, toie toenn eine unBarml^er jige lalte $anb mir mit 
fd^arfem Griffet in einer 9lod^t über bod (Sefid^t ge::: 
fol^ren toäre — baöon ftnb jtoei tiefe gurd^en unter 
ben 3(ugen geblieben — tief genug fftr eine 60|ä]^rtge 
Srau, ba^ fielet fel^r l^agßd^f aber eigentfi^ aud^ 
rül^renb au^, unb ba ei^ nun mit bem legten 9left ber 
Sugenb t^orbei ift in ben fingeren SH^ti, toiU iä) ®ott 
um ^oft bitten, bo6 meine Seele fld^ rein unb frtfd^ 
erl^eben lann unb aQe Sfalten aul» il^r k)erfd^n)inben, 
je mel^r bie Stii unb ba^ Sllter il^r äSerl im Engeren 
förbern. ^ l^offe aud^ föirUid^, baß Sinn unb ®t^ 
fül^I nid^t altern fönnen bei einer 9latur unb einem 
Sd^idfal, \Dxt fie mir ju Xl^eil tourben, unb fo niäre 
aQei^ gut, td^ föäre glüdfelig in meiner ftiQen l^ar^ 
monifd^en ^eimatl^, n^enn geftern, unter bem Stäumen 
nid^t ein Srief k)on Slnfelm gefommen ni&re, ber mir 
einen troft^ unb l^offnungdlofen (Einbrud gemad^t l^ätte. 
(£r fd^reibt, foföol^I au^ äugerlid^en afö innerlid^en 
Urfad^en nid^t arbeiten }u Ipnnen, ift mittellos, niill 



SBon Henriette gfeuerbat^. 145 

minbeftend Btö Srül^Iing jurüd, toeil er ftd^ äugerlid^ 
ni^t glaubt fteQett ju !önnen, unb — nun fontmt 
baS ©d^toerftc für mid^ — tocil er bie Strenge ber 
romifd^en Sinbrüde nid^t ertragen fann. @r fafelt 
k)on Serlin, unb ber ganje 93rief trägt ben ®itmpd 
ber duBerften ^altlofigleit. SBie mit; babei ju 
SDtutl^e i% braud^e id^ Sinnen nid^t ju fagen. 3^ 
ntel^r t^ in mir felbft feft unb fidler getoorben bin, 
befto frember toirb mir biefeg <}lanIofe Umirren, bicfe 
|ammert)oIIe @d^eu k)or bem @mfte be^ ®eifte^. 8lb^ 
gefeiten t>on ber @orge, bie mir bie tiefe Siebe, n)eld^e 
id^ f&r meine ßinber l^ege, einflögt^ ift ed aud^ traurig 
f&r mid^, bag id^r tt^enn id^ fterbe, ganj \pvixlo^ t^er^ 
fd^toinben muß. — 

äReine topoffcapf). @tubien für $r. SB. koürben 

mid^ glüdKid^ mad^en, föenn id^ nid^t t>on Sdt }u 
3eit mit il^m barüber reben mügte, toa^ lebedmal 
einen gerabeju I&l^menben @inf(u6 auf mid^ aui^übt. 
@i^ tDirb aber jie^t beffer n^erben, inbem er mir, nad^^ 
bem id^ nun fd^on jiemli^ t^iel gearbeitet, ju toiffen 
tl^ut, baB er bie gried^ifd^e ©efd^id^te erft im in)eiten 
93anb lünftige^ ^al^r beginnt — ba l^at e^ natürßd^ 
aud^ mit bem Honorar gute SBege, toobei id^ ben 
armen Xroft l^abe, mir jie^t einbilben ju fönnen, bag 



146 Son ^nriette gfeuerba^. 

iäi ti ffir m\df felBft tl^ue. ^ ^obe ein gon} 
otbentU^ed geogra))]^tf4ed (£tnIeitungiSca))tteI ))erfertigt, 
bann to))ogra))^tfc^e Sefc^retbnngen t>on £>itfmpxa, äR^ 
lene, "X^dpffx, felbft Don Xiobona. ge^t bin iä) feit 
SBoc^en in Stilen unb muß ntic^ fe^r mit ben ge^ 
leierten Ferren quälen, ju n^elc^em Xl^or $aufaniad 
föirfli^ in bie ©tobt lam. SBon Xrodenl^eit unb 
Sangemeile fann bei foU^em ©egenftanb nie bie 9iebe 
fein. 3c^ bin auf gekoeil^tem Soben — auf ber 
unterften @tufe eined $ra(^tbaued fl^enb, l^abe iäf bie 
ganje ^errlid^Ieit im ©efül^I, bie fic^ über mir erl^ebt; 
id^ braud^e nur bie Slugen (m\iviffthtn, fo ift aOed mein, 
id^ tl^ue ed aber nid^t, bin jufrieben im 93etougtfein, 
unb ber @d^atten ber l^eiligen Wlmttn ift fd^ü^enb 
über mi(6 gebreitet. 3(IIei^ toad ®ie über unfer 
ebled, l^errlid^ed feliged ^eDad fagen, em^finbe id^ in 
tieffter @eele. 8luc^ bünit mic^, eine gefunbe 92atur 
lönnte l^ierin nie irre toerben. 

93on ben Q^alberonf ^en S)ramen l^abe id^ brei gelefen, 
anbackt j. ^euj, Stanbl^cfte ?ßrinj, SRarc^enbrüdtc. 
SSal^re SSunberblumen, aber gegen fiemid^ ju meieren l^atte 
ic^ nic^t nötl^ig. 2)aiS erfte liegt, obfd^on ic^ alle @d^ön^eit 
anerfenne, pf^d^ologifd^ außer meinem Sereid^, bad 
jmeite bünIt mic^ ein koal^red SBunbertuerl an !ünftle^ 



S8on Henriette Sreuerbac^. 147 

rifd^er Sd^on^ett unb Segetfterung, aber td^ fel^e e^ 

immer ettociS entfernt — faft möd^te id^ fogen in 

t>er)üngtein SRa^ftoB burd^ bie f^eme unb in n)unber^ 

dorfter SBeleud^tung mie im Bengalifd^en geuer Der^ 

Hart unb gefärbt. äRenfd^Iid^ nal^e tritt es mir 

tt)ettiger, obfd^on 93en)unberung unb f^eube nid^t qxöitt 

fettt lonnte. ©ie n)erben lad^en, toenn id^ ^mn 

fage, iai iäf eigentlid^ gerül^rt nur burd^ bie 

3R&rd^enbrä(!e föarb, bie fid^ auf unb jufc^IieBt unb 

ouffteigt, afö tt)äre fie fetter bie alte 8^it. SBie 

SierabraiS mit feinen Stiefen baft^t, mugte id^ faft 

n^einen, n^ogegen id^ bie ^iob^notl^ bed eblen gemanbo 

unb bie tiefe Sß^t^^t ber ^l^önij nur bett)unbernb 

genoffen ffäbt. 2)ad SBarum mi)gen @ie fettft l^eraud^ 

bringen, ba id^ leiber nic^t ben ISopf baju l^abe. 

^eimifd^ aber »erbe id^ nie in biefer rein lünftlerifc^en, 

bem inbiDibueQen unb allgemeinen Seben entfrembeten 

ategion, bereu ®(anj mid^ ebenfo fel^r dngftigen afö 

entjfiden lönnte. — Unb fo fegne ®ott bie ®ötter 

mit etoigem Seben in unferem ^erjen unb unfer 

^eibent^um, fo lange ei^ SSeidl^eit unb gefunben ftar!en 

SBitten au^ ber ©d^ön^eit '\ä)ö^^t Sie toiffen ia, 

baB id^ aud^ fromm bin, unb fogar mobem fromm, 

fo totit \xä) bied SBort l^ier antotnbtn lägt .... 

10* 



148 Bon Triette gfeuetbad^. 

Unb nun feien Sie junt SCbfd^ieb ]^er}Ud^ gegrüßt. 
Unfere Sefeobenbe ^obe id^ nid^t k)ergef[en, fie fd^einen 
mir nod^ ie^t in ber (Erinnerung eine freunbltd^e Dafe 
in meinem SeBen. gum erftenmal, Dielleic^t jum etn^ 
jigen Tlat, tourbe mir bod Sbelfte jum @enuffe ge^ 
boten, o^ne 3Mf)t unb o^ne Cual, fo bag id^ t& mit 
freier @eele oufnel^men fonnte. @onft toor id^ [a nur 
getDol^nt, bie Sfrud^t beiS @eiftei^ an^ ber ^ölle ber 
bitterften Sd^merjen ju Ufen unb |ej}t fd^eint ba§ 
Sd^idfal mid^ auf mein altt^ Slegime jurfidfä^ren ju 
kooQen. 

SSon $erjen 3^re $. S. 



^etbelbetg, 20. ^ec. 56 

$ier, mein lieber junger Sreunb, fd^idte id& S^nen 
^l^r fleined befd^eibenei^ Xl^eild^en am (S^ripaum. 
äf^öge es ^^nen ^erj unb ^änbe ko&rmen unb nebenl^er 
aud^ munben. S)ai^ Sonfelt ift au^ ber gemeinfamen 
Sabril ^euerbad^ unb 9ftou£, j[ebenfalld Don }arten 
Rauben bereitet — fd^maufen Sie es in gfriebenl 

S)enlen @ie äRitttooc^ SCbenb 6 U^r an nrid^, ba 
jünbe id^ ben SSeil^nad^tdbaum an. (SiS toirb mir 
eigen loel^mütl^ig ju Sinn fein. Seit greiburg ift 
meine Stube in biefer Stunbe bun!el getoefen, unb 



Sott ^ettriette ^uerbad^. 149 

nun ift mein ©ol^n fem — öicHcid^t ferner ott id^ 
fettft toeig. 

Slcl^men Sie l^ente mit bicfen eiligen 3^1^ öor^^ 
lieB. — 3^ ifdbt nod^ t^ielerlei ju tl^un unb bin auä) 
innerli^ Betrübt. 

Sllen Segen junt (Sl^riftfeft unb freunblid^e @rü§e. 



^clbclbcrg, 17. geb. 57. 

(&^ Qtijt mir bie legten SBod^en Diel beffer, 

unb id^ beule aud^ u^irRid^, ber Srfil^ßng toirb nod^ 
einmal IiebenStt)ürbig mit mir k^erfal^ren. S^beffen 
n)ill id^ bod^ aud^ einmal bie SBal^rl^eit fagen, bamit 
n)enigftend ein SDlenfd^ t^ toeig, bag id^ ein gau} 
eigentl^fimlid^eS (Sefttl^I mit mir herumtrage, afö l^ätte 
id^ nid^t t^iele Saläre ju leben, gau} ol^ne SReland^oIie 
unb @entimentalit&t, ber ®ebanfe ift toie ein milber 
Blauer ^immel fi(er mir, nur barf id^ babei nid^t an 
meine ftinber beulen — bod^ felbft bie« fann ben 
SgoiSmui^ biefer beml^igenben @m)}finbuug nid^t gau} 
trflben, unb fo tooHen toir feigen, toa^ bie näd^ften 
3—4 gal^re bringen. 

.... SBenn ®ie in ber n&d^ften Seit in ber Sei«: 
läge jur oQg. gt. einer Slnseige fiBer Sal^n« äRojart ^^ 



150 5Son Henriette grcucrbadft. 

2. S5b. begegnen, fo laffen Sie gl^re Äugen mit einiger 
Il^eilnal^nie barauf rul^en, »eil fie öon mir gefd^rieficn 
ift. ®g foH Syrern Sln^fprud^ überlaffen Bleiben, ob 
id^ nod^ l^ie unb ba einen fold^en SSerfud^ tuagen borf, 
toa^ in materieller Säejiel^ung n)ünf(i^eniSföert]^ fftr mici^ 
to&tt, fei es an6) nur burd^ bie SIRögtid&feit, mir ju^? 
teilen eine Ux^ttlxä)t Srl^olung burd^ eine Heine 
Weife ober burd^ einen Sabeoufentl^ott ju f^offcn. 
2)eg]^alb legen @ie nid^t ben eigentlid^en 9RaBftab 
an, fonbem nur einen überl^autJt anftonbigen. 3)a§ 
Sd^toeigen öerftel^t fid^ öon felbft. $err ^oS)n toitb 
fel^r böfe über bie Sritif »erben, obfd^on er nid^t Ur^ 
fad^e l^at, fo fel^r fd^onenb toax id^, aber er ^at fo 
ftarle fd^tt)ad^e Seiten, ba& e§ njirllid^ nic^t red^t ift, 
fie all ben lobenben JRejenfionen gegenüber, bie er* 
fd^ienen finb, ju öerfd^rteigen. ^ begreife nid^t red^t, 
n)ie @ie mit ^af^n ju einem erquidKid^en 93er^dltni§ 
fommen lönnen, ber in feinem 83ud^e fo n^enig fünft« 
lerifd^eS ®efü^I unb fo Diel trod(ene ^ebanterie unb 
gefd^tt)d^ige Dberf(äd^ßd^!eit jeigt. ©roger ®ott — 
über äRojart f d^reiben 1 — unb nid^tS baju l^aben ald 
bie gett)ö]^nlid^e l^iftorifd^e SRufifalienlenntnife — baju 
geprt Diel ©elbftbetrug. 

Jtteulic^ toor bei 5)uf^ " ein SMuftfobenb. 3d^ l^abe 



»on ^nriettc gcucrboi^. 151 

jum crftcttinol bicfcn SBintcr Dor SKcl^rcrctt flefjjtclt. 
Sin tDunberfd^öned Xrio Don Seetl^oDen in c moU 
mit SSioIin nnb Sello nnb eine Sonate t)on SRojart. 
Xro^ bem SDlongel an Uebnng ging eis gut unb toar 
befonberiJ innig, fo ba§ fettft ber Qltfmpxtt ©eröinuS *• 
t)on feinem Il^ron l^erabfKeg, um mir öiel freunblid^eiS 
ju fagen nnb mid^ eigenmünbig jn feinem ^ente auf«? 
jttfü^renben ©amfon einlub, »oranf id^ mid^ freue. . . . 
93on biefen Slbfd^toeifungen toiU ii) l^eimfel^ren ju 
aperen d^eruBinifd^en ©prfid^en, bie mid^ toie finbe 
l^eimif^e Süfte anmi)ttn. ^abe id^ 3^nen nie ge^ 
fttgt, bag Ängelug ©ileflug Sö^relang mein Xroft unb 
mein füfee» 8flttl|eliffen toar ? S^fet noc^ Bebarf eiJ nur 
eineiS leifen 2)ruded, unb id^ !ann mid^ in bie 
Stimmung k)erfe^en, obfd^on id^ in ber ®egenn)art 
auf J^Srterem »oben ftel^e. S)ie SBirfung ift für mid^ 
toie bie atte ftird^enmufif, bie nur in S)reiHongen auf 
unb abtoogt, rein unb unermeglid^ toie ber Slet^er. 
8Cae ^erjttd^en ©rfigel 



$)ctbclberg, 12. aRärj 67. 

2)er $immel l^at ftd^ tointerßd^ angetl^an, fd^Iiegt 
9fl^r lej)ter ©rief, unb Sie, lieber Serna^^, l^aben fid& 



163 Bon Triette gfuecbo^. 

in i^nt (an6f tuutterlu^ ottgt^on, vSf ntttttc ist l^ttiii 
Sriefe. ^tSIfyäb tiriQ i^ glei^ imige^eitb einen re^t 
lieben toarmen baranf fi^eiben, bantit id^ feine Sr^ 
I&Itnng baoontroge. 3^ ^abe ond^ nm Snfeint, ob^ 
glei^ er ttnebet inrüdgelonnnen , b. 1^. brieflid^, nnb 
ein jartlü^ @o^n ift, tiefe nnb gro^e ©orgen, ha 
ed mit ben &n|erlid^en Ser^oltninen gar ni^t jn ge^en 
fc^eint Heber oO f ob^e 3)inge lann man nnr f^nrec^en 
— ed fie^t glei^ alled fo l^b onf bem Rapier tos», 
fo baB i^ vAä) t)on meinen eigenen SBorten Derlej}t 
fü^Ie. Unfer 3iifannnraf^n ^^^ ^f^ friebli^ nnb ^erj« 
lii^ tovt immer, ba§ mir für meine eigenfte 9latnr ein 
Reiner fe^r enger Stanm bleibt, ^at an^ k^ieüeid^t fein 
(8nte§. 

3)0^ genug k)on biefen innerlid^en @ad^enl 34 
Derberbe o^ne^in immer burd^ 9id)en, toai id^ bnn!^ 
@d^koeigen anferbane. Serftel^en @ie mid^ nnr immer 
red^t, benn i^ Derbiene ed. Saffen @ie bie Srfil^ttngd^ 
luft @ei{l nnb @eelc burd^bringen, nnb dfl^nen broud^e 
id^ eis ja nid^t erft ju fagen, bag jkoei äSorte and ber 
Xiefe mir mel^r fagen aU ^mei^nnbert in ber Streite. 
^ ge^e meinen SBeg fKD nnb unbeirrt, nnb toer mir 
nal^e lommt, bem ift t^ jum @egen, bad mei§ ic^, fo 
bemttt^g id^ aud^ bin ober n^enigftend ju fein toänfd^e. 



IBon Henriette ^uetba^. 163 

Unb fo fei ber @egen ber etoigen götttid^en reinen 
H'^eia mit S^nen in biefen fd^önen ^[uferftel^ungi^^ 
tagen 1 S^re $. f$. 



18. ajfal 57, 

^eute nur ein paar S^fe«; K^^^ Scmö^iJ, benn 
id^ f)af>t Diel ju tl^un, ba id^ Subn^igd^^ t$tau unb 
Xod^ter übermorgen ju ent|)fangen l^abe, toa^ in meiner 
Keinen SBirtl^fd^oft fein geringeiJ ift. gflr gieren %i^^ 
fo^ banle id^ freunbfid^ft. 3d^ l^abe eS fo gerne, 
toenn tocl^renb beiS Sefeng jtt)ifd^en ben SdUn eine 
traftooQ gejügette 93egeifterung n^el^t unb n^ebt, ober 
bod^ eine feft concentrierte @ebanfentoärme. 93on 
aperen Äölner ^immelfol^rten l^öre id^ gar gerne unb 
finbe af^re lunftl^iftorifd^e Segeifterung im l^öd^ften 
@rab lobendtoürbig. @ie fd^Iiegt bad %ta> in fd^aner 
9htnbung ab, totlift^ ju bearbeiten Sie berufen finb. 
3d^ l^abe aud^ gamid^tiS gegen bie t^on Sfl^nen im 
allgemeinen aufgefteDte Slnfid^t — ad^, Slicmanb fül^It 
fd^merjlid^er afö id^, bafe unfcre Mnfte unb Äünftler 
ffi|)igonen finb. 3m übrigen mufe id^ abtoarten, big 
Sie mir 3^re ßieblinge einft felbft jeigen lönnen, 
n)eil aDe Xl^eorieen für mid^ nid^t allein grau, fons? 
bem Sd^atten finb, unb mein Gefallen ober 9Hd^t^ 



154 Von Henriette gfeuetbad^. 

gefoDen, id^ weiB nid^t, foD id^ leibet ober (Sott fei 
S)onf fagen, immer un^ttfammen^angenb unb bem 
augenblidlid^en ^nftinlt üBerIaf[en Bleiben koirb. 

.... ßoffen Sie mir meine anf 3latur, ©ntnbfcfe, 
Srfal^rung nnb 9leipng gegrfinbete Xoleranj, fte ift 
bad Sefle an mir. S)aB id^ me^r afö 3^^<tni^ tn^^ 
tolerant bin gegen SDed, toai niebrig nnb unma^r 
ift, nrif[en @ie üBerbied jnr ®enüge. @o toollen toix 
bied dapitü fd^fiegen, Befonberd ba ber ^immel fo 
Blon ift, unb bal» junge ®rün fo glänjenb unb bie 
Sfigel in ber ®p!f)tntDavb fingen, bag man nid^t^ ofö 
^rieben unb Harmonie in ber @eele l^aBen foD. 

SSon 3(nfelm etn^ai^ Beffere 83riefc. @r n^iH in 
8tom BleiBen. Unfer SSerl^ältni^ ift nie geftdrt, bai^ 
mfif[en @ie bod^ n^iffen. 

Sreunblid^fte ^rttgel ^. S. 



®teBen, ben 24. 9luguft 1857. 

SieBer Sema^I 

3(n einem ber t^erftedCteften unb fibeften SBinlel 
ber guten beutfd^en ^eimotl^ ift mir ^xt erfreulid^e 
®enbung jugelommen. SBarum id^ l^ie^er Derfd^Iagen 
Bin auf bie 3000 fjfu^ l^ol^e $od^eBene itt)if(^en bem 
gid^telgeBitg unb Z^firinger JBalb, ift leidet ju et^ 



$3on ^ntiette gfeuerbai^. 155 

tätigen. 3Ran fagtc mir, id^ toürbc bcn SBinter (Sxn^U 
lx6)t» ju beffird^ten l^abctt, toernt nid^t eine grfinblid^e 
(Sur Dorl^erginge. 9tod^ beinal^e 4 äSod^ctt ntug id^ 
l^ier Bleiben. 

S^rer Il^dtigleit freue id^ ntid^ mit gonjer Seele. 
^x Weifen unb ®etingen ift mir eine innerlid^e 
Sebengfrogc getoorben, fo toit eS mir »ebürfniß ift, 
Sie lieb unb nol^e im ©eifte ju »iffen. ©S bleibt 
g^nen bog SSerbienft, baß, toenn Sie mid^ aud^ oft 
im fönjelnen ju l^o^ gefteQt l^aben, bod^ im (Sanjen 
niemanb beffer ofö @ie mein innerfteS SBefen öers^ 
ftonben l^ot. Um gl^rc Äunftftubien möd^te id^ Sie 
beneiben. 2Rir l^ilft bie Äunftl^iftorie nur toenig — 
id^ fann aug il^r bie ftunft nid^t foffen. ^atte id^ 
ein poar 3ol|re meines Seben« mit proftifd^er ^fufd^erei 
üerloren, fo mürbe mir bied für baS SSerftänbniB Diel 
nüfelid^er fein ofö aUe SSorlefungen unb Sudler biefer 
aSeli SBenn id^ fonft nid^ts k)on @oet^e müßte, fo 
mürbe td^ xf)n menigftenS in feinem S)ilettantiSmul$ 
t^erftel^en. 

SRit Slnfelm fd^eint eg oufmärts ju gelten, ©eine 
öriefe flnb fo innig unb innerlich, baß fle tool^l »ol^ 
fam für fd^toerere» Ungemad^ fein fönnten , afö ic^ 
aui^geftanben l^abe. 



156 8on Triette gfcuer^d^. 

Stnit mein 9rief ein etmad jerfal^renei^ ®e))r&ge 
tr&gt, fo laffen Sie &^ niSft Ühnmern, bad ift nur 
Sifen mib Sol^Ienf&ure, bie meine ^anb ein toenig 
)ittem mad^en unb iuloeUen bie (Sebanfen k)erf(^Ieient. 
3m tiefen S^nem ^errfd^t bie tid^tige Stramnng. 
Kud^ Bin i^ nnbefotgt, toeil @te ja lefen fonnen, 
toa^ id^ ni^t fc^eibe nnb infammenffigen im (Seifte, 
tocA nid^t mtf bem ^apxtt fte^t. Unb f o bie trenften 
nnb freunblid^ften ^rfi^el 

Henriette Senerbad^. 



4pctbcI6erg, 8. ^ion. 58. 

9htr mit jtoei SBorten, lieber ^tcnatßf foge id^ 
3^nen S)anl ffir bie IBriefe, bie id^ bod^ nid^t beant^ 
toorten fann. Si^ tft 12 tll^r 9tad^ti^, morgen l^ab^ 
id^ leine 3^^ i^tm fd^reiben. Son Snfelm in fflom 
ftnb gute nnb l^offnnngdreid^e Slad^rid^ten ba. S)er 
Sleffe Slnfelm mod^t mir grenbe. ®t ift »unfenS ^* 
Siebling nnb f)at nebenbei and^ merltofirbigei^ ®\&d 
bei ben S)amen. S)er 9lame 3(nfelm fd^eint nnter 
biefem Stern jn ftel^cn. 

SBann Sie toieber einen orbentlid^en ©rief er^ 
l^olten toerben, toeife id^ nid^i ©eteiß nid^t frfil^er, 
als id^ anfge^ert l^abe, SRagb jn fein, toenn anc^ nur 



§Bon ^nriette fjeuerbad^. 157 

meine eigene. 3d^ ntad^e bie fd^ßmnte Srfal^rung an 
mir, bai grobe 3(rbeiten mid^ ou^ aller Q^ontenance 
bringen. 

©Ute 3tai)t unb freunblid^e ©rfig^. 

Sl^re Henriette geuerbad^. 



7. 2feb. 58. 

3d^ l^abe @ie I&nger, afö id^ kooQte, auf Sntn^ort 
toarten taffen, lieber 93ema^i^. 2)ai^ lommt k)on bem 
Bdfen l^ä^ßd^en SBinter. SBenn man red^t ©c^föered 
erlebt l^at unb in ftd^ felber auf fd^meriboDe SSeife 
einen tiefgel^enben Slbfd^IuB erfdl^rt, bann arbeitet bie 
@eele eine lange 3^^ nad^l^er in größeren fd^mereren 
®ebanlen afö gen)d]^nlid^, bie ungef&gig finb unb ftd^ 
junt 9udbrud( nid^t fo leidet geben kooDen. S)aju ift 
man feige, toeil jtt)ingen tot^t Ü)nt ^6) fann unb 
mag aud^ je^t no^ nid^t orbentlid^ fd^reiben. fUtan 
mug ntird ju @ute l^alten. SBenn id^ in ^eiterfeit 
an &tDa^ beulen föiQ, toad mir bie SSelt freunblid^ 
mad^t, fo ift eiS nur ganj natürlid^, bag id^ juerft an 
meinen Snfelm beule unb bann an @ie, unb id^ bin 
imi% hai bieg ^ntn Segen bringt. 

©mifie toax öiel Ironflid^ bicfen SBinter au3 Äuf^^ 
regung, Ueberanftrengung unb @rfältung. ^afür gel^t 



158 Sott {Henriette greuerbad^. 

Httfeltnd @tem itt SHont freuttblid^ mtb glfidber^eiBenb 
auf. ISr ^at jtd^ oBseKärt uttb geretttigt, unb ift Dott 
feiner milben UeberfftÜe auf bad ftrengfte äRag bei 
©d^dnl^eit jurädgegangen (fo ^öxtt id^ burd^ Snbere). 
(Sin groBed ^iftorienbilb, ber göttliche 2)ante, ^* fü^rt 
bie ganjc römifd^e ftunfhoelt in fein ätetier. S)aju 
ift er ber Siebling ber englifc^en Sriftofratie ge^ 
toorben, toa^ i^n oud^ ))ecuni&r forbem toirb, ba 
er fic^ in fester S^t BefonberiJ bem Porträt jugct^ 
menbet l^at. 

Slllei^ Keugerlid^e mag ic^ gerne l^eute bei Seite 
laffen. S)er Srief foD aud^ nur ein freunblid^er 
®mB fein unb ein Stxä^trtf bag ic^ Sinnen immer 
gleid^ gut bin. 

$. g. 

^err Starf *® lieft öor g e m i f ^ t e m $ublilum über 
SRop^acI unb feine Qeit. Ueber baiS „toie" ju reben, 
mfiffen Sie mir erloffen. 



©cibelbcrg, 14. Wlax 1860. 

Sieber Serna^dl 
Ss ift nid^t meine @d^ulb, bag @ie fo f))äte unb 
btrje Sntn^ort erl^alten. (Einftoeilen n)ill id^ Sinnen 
nur freunblic^ft für gieren Srief banlen unb ginnen 



Sott ^nriette gfeuerbad). 159 

treue SBänfd^e ani^pitä^tn \&t bie nal^e ßulunft 
@IaitBett @te tttir, itn ©d^affen liegt bad einjig fidlere 
®Iü(f, bie 8u!unft, bie SRu^e — Mt^l 

Um gleid^ ju etoad ^freuUd^em ju fotntnen, toiQ 
iäi Sitten fagett, bag feit 8 Xagen ttteitt SCnfelm l^ier 
ift, Bid jutn ^erbft Bleibt uttb bann toieber nad^ feiner 
romifd^en ^eimatl^ iurädfgel^en n^irb. SBad man aud 
^öüd)mi unb 9lad^benfen fid^ mä^fam au^ani, bad 
93etouBtfein unb SSerftänbniB beffen, tüa^ fd^ön ift, id^ 
lanu aud^ fogen, tlaffifd^, unb ju^ar im red^t alten 
unb guten ®inn, baiS ift Bei i^m jur freien Zffai Qt^ 
toorben. ®eit id^ feine Itiittn 3^i(^ttungen gefeiten, 
f^red^e id^ mit S^^^^t: „^rr, nun läffeft bu mid^ 
in ^rieben fahren." DB bie äuBem S3erpitnif[e fid^ 
ben innem gemäg geftalten, muB man ertoarten. ^ 
tDoQte ed freilid^ tool^I U)ünfd^en, am meiften, toeil fein 
@emüt]^ ber Slnerlennung nod^gerabe Bebarf. SBad 
ntid^ Betrifft, fo tod^ id^, bag er ber (Sinjige ift in 
feiner Stid^tung, unb bag bie Stid^tung bie Sinjige 
ift, bad tm^ id^ (Sott fei 2)an! aud^. ^i) Bin gar 
ju glfidüd^, meinen ©o^n ganj auf meinem eigenen 
(Brunb unb 99oben Begrülsen ju fönnen. Sd ift bad 
ettt^aiS, ti)ad id^ Bei feiner tounberlid^en 9latur nid^t 
gel^offt l^aBe. 



160 )Boii Henriette gfeuerl^. 

Son S^nen l^offe id^ nun aber mä), bafi @ie mix 
balb eine ebenfo groge Steube mad^en. SBenn id^ 
Inr) unb feiten fd^reibe, fo laffen Sie @i(^ baburd^ 
nid^t obwalten, mir ju fd^reiben, toenn @ie Suft l^oben. 
3d^ lann aber einfach nid^t. SRir greift bctö üiele 
Sefen bie Sugen an. 

äReine ^nber grillen I 3^re $. Senerbad^. 



^etbelberg, 11. Sunt 60. 

Sd toax vtä)t t)emfinftig t)on Igl^nen, lieber SSer^ 
naX)^, baB ®te ungebulbig gen^orben finb, benn ®ott 
n)eiB, n^ann id^ fonft baju gelommen to&tt, ^nm ju 
fd^reiben. ®eit t)ier SBod^en ift Slnfelm l^ter. @te 
Idnnen fid^ benfen, baB feine 8(nn)efen^eit mid^ gegen^ 
n^&rtig gan} ouiSfüHt. Sr ift grog gekoorben — id^ 
fage ed S^nen ^eute, bie Sßelt n^irb ed balb nad^^ 
fagen, bafe er ber (grfte, ber Sinjige ift. — @in 
rül^renbed, faft l^ersbeHemmenbed ®d^auf))iel, biefe 3la^ 
inXf Iraftig unb feurig n)ie ein Deiner SSuIfan unb 
jart unb tt)unberfam toie bie Sium^flanje, auiS ber 
emften fd^meren @d^ule gereinigt unb t)erB&rt jur 
lünftlerifd^en ©etbftanbigfeit ftd^ entfalten ju fe^en. 
S93ir ftel^en gut unb fd^ön iufammen. — SBai^ id^ 
n)eig unb f)ait, fann id^ il^m gegenüber toenig braud^en^ 



fßon Henriette gtuerba^. 161 

abtx lood iä) getoorben Bin, bient jitm üufnel^men 
unb SSerft&nbntg gan} neuer tonnberbaret SebeniSfeiten. 
^ lomnte ntir babei felbft fel^ unbebeutenb unb bod| 
felgr gf&Hxä) unb reid^ t)or. Slnftrengenb ober ift bad 
iBer^&ItntB burd^ bie nterhofirbig toe(i^feInben ^ä^attif 
rungen unb @timntungen biefer ganj üodommen 
andge))r&gten ^nftlematur. SBaiS id^ lerne unb ge^ 
loinne an $er} nnb ®etft, baiS n)eiB id^. SBad ic^ 
titoa geben lann, tt)etg td^ ntd^t. Z)er gute SBiDe 
nm| l^ier auiSl^elfen »ie flberall. 

Snfelm fielet am SBenbet)un!t feineiS Sebend, aud^ 
int Sleu^em. SBeimar unb 93aben ftreiten fid^ unt 
i^n, er felbft toxU \>on nid^tö uiiffen afö t)on feinem 
geliebten Stom. SRein Smifd^cnratl^ gel^t bol^in, einen 
äßittetoeg ju finben, mldftx V)m erlaubt, in gtalien 
ju bleiben unb alle jn^ei 3^1^^ <tttf einige 3^t in 
bQ& Saterlanb jurfidCinfel^ren. $in ben n&d^ften SBod^en 
tt)irb tootjH SQIed }ur Sntfd^eibung fommen. 3(^ fd^Kege 
in aSer (RU ober mit nid^t minber treuer (9eflnnung. 



^eibelberg, 11. DItober 1860. 

Sieber Oema^d, Sie fd^einen red^t l^artn&dKg auf 
SnttDort )U n)arten, ober ed gel^t ginnen nid^t tool^I. 

Sernat)«. »riefe. 11 



162 Sott ^tiriette g^uerba^. 

Sribed tl^ut mir leib, unt fo mel^r, afö id^ ni^t itti 
@tanbe Bin, Sitten einen vernünftigen 93rief jn fd^reiben. 
(Ed ge^t mir and^ nid^t fonberlid^ nad^ SBunfd^, b. 1^. 
meinem Snfelm, benn bai iä) fonft leine SBilnfd^e f&r 
mid^ beft^e, n)iffen @ie. 

3d^ mdd^te @ie fragen, ob in ftdin eine ptxmantnit 
Sndftelinng befielet nnb ob ®ie mir nid^t bie Sbreffe 
bed (Sefd^äftiSffll^reriS üerfd^affen Idnnten. Snfelm ^ai 
t)on feinen bier fd^önen Silbern nod^ feinei^ üerbtuft, 
meine Stnfgabe ift nnn, il^n toieber ftott }U mad^en, 
nm in ad^t Xagen nad^ 9lom jurüdlinkl^ren mitten in 
ben ftroter l^inein — fo ®ott toill, toirb ba^ gnte 
JHnb nid^t mit ^out nnb Qaax t)erfd^Inngen n^erben. 
SDtein SSBerl aber babei ift ein fd^n^ered, ba baS gottlid^e 
©d^affen and nid^td mir nid^t jnm ®nabenerBtl^eiI 
gefallen ift. ®ott tt)eiß e8, toarum e8 fo fein muß, 
ba% biejentgen, bie ed am beften jn benähen n)ügten, 
am n)enigften beft^en follen. 

Sefen Sie bod^ mal in ber @))enerifd^en 3^tung 
ben 83erid^t fiber bie 93erfiner SlniSftellnng nnb barin 
bie firitif fiber SInfelmd 83ilber. @ie n^ar mir ganj 
intereffant ttiegen bed inftinctit)en ©effil^fö nnb bed 
mangell^aften SSerftönbniff eS , bie ftd^ barin ftreiten. 
Sßir aber ift aud biefer »unberfamen ®pxa^^ nnb 



Sott ^ettriette gfeuerbac^. 163 

3beent)ertoirruttg bad ©efül^I t)on ^nfeltttS ed^ter 
Äünftlcrfd^oft tote ein Stent aufgeftiegen. SBerben ttt 
ftöln jutoeilcn Silber gelouft? 3d^ lotin ^l^nett foitft 
garnid^tö fagen afö eittett freunbßd^en ©rüg. ^(^ 
lebe aber ttid^t id), fottbertt beiB SebettiB Saft unb 3fiäf)t 
uttb bed @trebett§ uttt eitter liebevollen $lbu toiKen 
in mir. 

S^re Henriette geuerbad^. 



i&cibclbcrg, 9. 3uli 61. 

3« Äöln finb nun einige öon Slnfelmg Silbern. 

ffiie neue große 3<)]^igenie ift nid^t fertig getoorben. 

^ä) l^abe lange feine 9lad^rid^t unb bin in vieler ^t^ 

jiel^ttng forglid^» ^ l^abe STngft, baß Slnfelm — 

öerpel^en Sie bag bumme SBort red^t — überKaffifd^ 

loirb, baiJ l^eißt eben nid^t nt e 1^ r. ®§ ift tounberfatU; 

baß lein Seuerbad^ aßaß galten fann. Sluf jtoei 93riefe, 

bie nod^ baju toid^tig toaren, l^at Slnfelm nid^t ge^^ 

antwortet, fo mn^ xtSf fordeten, baß er franf ift. Sem 

römifd^en Slufent^alt bin id^ fel^r gram. 3n ber Stille 

beiS SBinterd ift mir erft aÜmal^Ud^ Kar getoorben, toie 

öiel er öerfd^ulbet l^at. 3)a8 Seben fte^t bort in ber 

®cgentoart ftill, ba« fann ein gefunber äRenfd^ nid^t 

auf bie Sauer t)ertragen ... . 

11* 



164 Son Henriette ^ntxbaäi, 

$elbcIBcrg, 12. «ug. 61. 

@te muffen mit einem Iut}en ®m% üorlieB nel^men, 
lieber SSema^iS. Sd finb üon Slnfelm itoei tounber^ 
fd^dne @tubien auiS Slom gelommen, t)on benen i^ 
nur Bebaure, bag id^ fte nid^t mel^r nad^ &ttn fd^idten 
fann. @ie »firben aDe§ Snbere, »ad bon tl^m ba ift, 
an Sinl^eit unb großer SBirlung fiBerBieten. SBenn 
ginnen in irgenb einer S^ihtng eine ßritif ju §anben 
fommen foQte, Bitte id^ barum. ®ott gebe, bag enb^^ 
lid^ ein totnxQ Stulpe fommt. 

©eit mel^rcren S^^ren l^örc id^ jcben Srül^Iing 
menn bie 9IItanentpr jum erftenmal aufgellt auf einem 
uralten ©pinett in ber 9lad^Barfd^aft jtt^ei StüdFd^en 
fpielen, mu^ i benn, muB i benn unb ben legten 
©ebanlen t)on SBeBer mit einem l^dd^ft finbifd^en SBag 
in Duinten gleid^ einem 2)ubelfad(. ^a^ rül^rt mid^ 
unBefc^reiBIid^, gel^ört ju @d^neeglödd^en unb SSeild^en. 
®Ben pre id^ eS feftfamertoeife toieber, unb ber ®^)ielcr 
l^at au bie griH^jal^re unb Sommer nid^t ben Heinfken 
gortfd^ritt gemad^t. SRit bem öotten Ocffil^I ber 
S)emut]^ unb Slnerfennung irbifd^er üeBenStofirbiger 
Slrmfeligleit fd^reiBe id^S l^ier nieber. S)ie freunb? 
Kd^ften ®rüge. 



^on ^nriette greuerbac^. X65 

^eibcIBcrg, 16. Suni 1862. 

Siebet 93ema^dl 

Sßarum id^ Sitten f o lange ntd^t gef d^rieben f)dbt ? 

SlttiS bemfelBen ®runbe, aud tDelc^em @ie eine lange 

$anfe eintreten tiefen. Unb toaxum iä) je^t fc^reibe ? 

^lid^t toeil ed beffer gel^t, fonbem fo fd^Iec^t aU möglid^, 

unb toeil tc^ au comble de misere bad ®t\&^i ^abt, 

aU fei ber Sgoidmud bed ßumnterS, ber fid^ in fic^ 
fetbft berfd^Iiegt unb ben gfreunben ben Wiätn feiert, 
ein }toeiteiS Ungifid jum erften. 

S)aB aOer Summer unb aQe @orge fid^ lebiglid^ auf 
meine Sinber begießt, fönnen @ie fic^ tl^eifö beulen, t^eifö 
finb Sie, tpenigftenS über meine SlnfelmSfümmcrniffe 
burd^ ben gütigen t^eifee^menben ^erm Dr. ^emfen ^^ 
öietteid^t unterrichtet, für beffen fd^rifttid^e Sefannt:^ 
fc^aft id§ aQe Urfad^e ^abe ^l^nen red^t banibar ju fein. 

S)urd§ Sntrigucn unb bögtoittige ©nflüffe aller 
Slrt ift baiS S3anb mit Sarförul^e in ber legten Qzxt 
bdOig getöft, toa^ id^ jebod^ nid^t unferm ©rogl^ersog 
afö @d^ulb beimeffen mäd^te. (£r fann aud^ nid^t 
SlOed, toa^ er uiill. 2)ie SSHrfung aber ift bie |)ein^ 
Kd^ftc, bie fid^ beulen lägt, ba bie ©offnung fo fidler 
fd^ien unb fo t)iel ungenüjte 3^^^ barflber t)erIoren 
ging. ®ott mag ed benen t)ergeben, bie ein fo eble^ 



166 Son Henriette gfeuerbad^. 

fd^öned Xalent im 9ttf6Ifil^en tjerläntment laffen toollett. 
Sie 3ta6)toAt »irb einft ein ftrcnge« Slid^tcramt ffil^reti, 
aber »oS l^ier im Äeim jerbrüdt »irb, bag ift bod^ 
für alle Seiten rettung^Iog öerloren. ®aju ift Slnfeta 
frani, leibet auf ber ©ruft, benlen Sie, »ie mir l^ier 
äu äRutl^e ift. 

(Smilie ift anä) leibenb, bod^ n)emgftend ju ^aufe, 
bag ift ein Siroft, ober ein Iroft, ber auc^ toieber 
allerlei untroftöolle Konfequengen l^at. ßurj — ic^ 
mug aQe ^äfte auf bai^ Sleu^erfte baranfe|en um 
unfere ®jiftenj über bem SBaffer ju erl^alten. @tunben 
geben, 3oumoIartifeI maä)tn, ^pattn, leine SRagb 
l^alten ufto. 

SSor einiger Qtit f)ai \iä) ©err SBronbftetter ^* toieber 
einmal gemetbet mit einer anfrage toegen ^jo^julören 
a5iogro|)]^ien an^ bem 18*«" ^al^rl^unbert , bie mit 
Seffing unb SBinfelmann beginnen unb aud^ tttoa 
3KufiIer unb Sünftter einfd&Kefeen fotten. ^ bin 
tt)egen ber SSebingungen nid^t einig getporben unb l^abe 
abgebrod^en, ba id^ um 10 %^x. ben Sogen ni^t 
arbeiten fann. 9lun fommt er aber toieber, unb 
mel^rere Selannte ratzen fel^r, aud^ o^ne S3ejug ouf 
Sranbftetter bie Arbeit ju öerfud^en. ®a6 biei^ ettoo^ 
ift, ttja^ einfad^ ein ganjeg ßeben auffüllen müßte, 



^m ^dtriette geiterba^. 167 

begreifeit @ie, uitb id^ borf ed nur afö ^Ubmaxlni 
Uttaä^itn, toüL ber taglt^e Seborf befc^afft koerben 
nmg. SnbeB tfiQ td^ nt^t eigetiftnnig fein unb loenig^ 
ftettS cineit Sttfud^ machen. 

& ift biefer »rief feit üielen SSod^en ba^ erfte 
geii^tn tum urieberfel^reitber X^atigfeit. ^ toax ttrie 
Mnri^et bitr^ bie legten Stfirme. @ott gebe, bog 
Xnfebt ni^t entfllid^ ©droben genoimnen ^at. SSBdre 
bied ber %aH, bann iß Xlied fertig, mtb ed bleibt 
ntil^S fibrig, afö mit leiblich ünftonb jn Snbe jn 
bnuuen. 

Sfn Sdln ift ein Keiner Stubienlo^f tion Stnfelm. 
3^ mp(^te iDol^I ttriffen, mit toeld^em Siedet ober lln^ 
rei^t i^ fo fe^ b(U)on entjftdt bin. 3)a^ grdgere 
Si(b ^at f[i^ meiner ©qmpatl^ie »weniger ju erfreuen. 

Beben @ie toti^l unb mdc^ten Sie t)on ft(^ beffere 
9Ioi$ri(^ten ju geben l^aben ol^ id^ Don mir. 

9lit nnDer&nberter (Seftnnnng 

Henriette gfeuerbad^. 



168 SSon Contab gHebler. 



(Exo^ittoii bei Seipgig b. 5. Kug. 1877. 

Serel^rter Sreuttb, 

S)a id^ iu benen gel^dre, bie in bad (Bel^tmttg 
ber Slutorfd^aft bed «rtilete Aber bad 3eflf)?tel in »oi^ 
rcut^ unb feine »ecenfenten in ben SSKttem für litte« 
rarifd^e Unterhaltung ^^ eingetoei^tfinb, fofanni^ meinen 
^läAounfd^ ju biefer energifd^en unb gtftdKid^en SleuBe« 
rung an bie rid^tige Sbreffe rid^ten. SiS loftet mid^ 
in ber Xl^at iun)eilen Uebertoinbnng, bad (Se^eimni^ 
nid^t ju t)erratl^en, aber id^ ilauit, bag Sie f&r bie, 
totUit S^re Snfid^ten unb 3^re 8(ui^bmd(iSn)eife lennen, 
nid^t verborgen bleiben n)erben. 3d^ n)ü§te nid^t, toxt 
man ben ®egen{a^ itoifd^en ber geiftigen ^öl^e, auf 
ber Sßagnerd SEBerf ober bent @treit ber Parteien fte^t, 
unb ber geiftigen liefe, in ber ftd^ biefe ?ßorteien felbft 
^erum belegen, Karer unb beffer l^&tte ind Sid^t ftellen 
toollen. 3)enn mag man Slnl^änger ober ®egner fein, 
man mn^ felbft auf einer gett)iffen geiftigen ^dl^e ftellen, 
nm ba§ Stecht ju l^aben, eine fold^e Srfd^einung ju 
ben)unbem ober ftd^ gegen biefelbe ju t)ertt)a^ren. 
Unb nid^tS lann ben UnmiQen fo fel^r, ia h\& jur 



^on (Sontab gfiebler. 169 

Seibenfd^aft fteigem, afö toenn man mit anfeilen tnuB 
lote gatt} untergeorbnete unb getoöl^nlid^e SKenfd^en 
ben fettenen unb Bebeutenben äRann fo gerobel^in afö 
Sl^redgleid^en Bel^anbeln ju fönnen meinen. 2)o(i^ too^ 
iu niieberl^ole id^ S^nen, n)ofür @ie felbft ben Befien 
Sudbrud gefunben l^aBen? 
äRit l^etittd^en ®rägen 

^f)x freunbfc^aftKc^ ergebener 

Q^onrab Siebter. 



»erlin b. 8. Sanuar 1880. 
SSerel^rter gteunb, 
Smmer l^aBe id^ mit ber 93eantn?ortung ^f)xti 
93riefed, ber nun, toie ic^ fel^e, Bereite fünf SSod^en 
in meinem 93efl^ iß, gejögert, n^eil id^ l^offte, 3^nen 
irgenb eine nfil^ere Slod^rid^t fiBer ©ittebranbi^ -* S3e^ 
ntü^ungen geben ju lönnen. 93id je^t l^aBe id^ aber 
nod^ feinerlei 9tad^rid^t t)on il^m, fo Balb id§ irgenb 
eine erhalte, merbe id^ ^l^nen biefelBe mittl^eilen; nur 
tDoOte id^ je^t S^ren 93rief nid^t ganj unBeantniortet 
(äffen, um fo mel^r, atö id^ mid^ bem Xermin meineiS 
©d^eibend bon SSerlin naivere; id^ gel^e jebenf aQiS nod^ 
tor äRitte SKärj t)on l^ier toeg, um ju bauembem 
8(ufent]^aft nid^t l^iel^er jurucljulel^ren. ^m Saufe 



170 Sott (Eottrab gftebler. 

btö Sfrfil^ia^rd lotttttte id^ jebettfaQiS aud^ ttad^ äRättd^ett, 
ttttb ed toirb tnid^ natfirUd^ fel^r freuett, ®ie bort ju 
trcffeti, tiur fürd^tc id^, Sie toerbcn in bcr Dftcrjcit 
gerabe abtt^efenb fein. äReinem 8(6fd^ieb t)on 93erfin 
fe^e id^ ol^ne jeglid^e SBe^mut entgegen, eg ift im ®runbe 
bod^ ein untoirt^Iid^er, unf^m^atl^ifd^er Drt nnb bie 
Unfä^igleit, SSBeltftabt ju fein, geigt ftd^ t)or allem barin, 
bag man geborener berliner fein m\i% um ed l^ier 
onf bie 3)atter angenel^m ju finben. Solange ober 
eine @tabt einen )?rot)iniiaIen Q^oratter bel^&It, ift fie, 
je gröger befto unangenehmer, ^^merl^in ift ed mir 
lel^rreic^ gen)efen, eine 3^it lang unb gerabe in ben 
legten 3^^^^^^ ^^ 9^I^^t ju f^aitaf bie Sigentl^fim:: 
lid^feit unferer beutfd^en Suftänbe tritt einem l^ier it^ 
fonberd nal^e, unb man lann oft genug nac^benflid^ 
merben, n^enn man toal^mimmt, totläftn ®attungen 
öon Seben^intereffen bie großen Qntpulfe gelten, bie 
l^ier gegeben toerben, l^ier mfiffen nod^ ötele ßebenä^ 
intereffen, unb gerabe bie niid^tigften jur ®Ieid^bered^^ 
tigung ^eranmad^fen, bamit man nur einigermaßen 
öon einer geiftigen SRe^jröfentation ber nationalen (Sin^ 
f)txi reben fönne. 

SBie l^aben ®ie bai neue ^al^r angetreten ? Wx 
ffai eg mit einem Irauerfatt in meiner göutilic be^ 



»on Otto ®ilbcmeifter. 171 

gönnen, ber miä) itoar ntd^t fe^r naf)t Berührt, bod^ 
aber tnond^erlet Setrad^tungen emftl^after Slotur anregt. 
9htn aber fommt bie 3laä)nä)t t)on gfeuerbad^S ))I0^^ 
tiefem Xobe, bie mtd^ gerabeju erfd^fittert ^ai. SBte 
l^art ntuB btefer @d^Iag aud^ SlKge^er treffen, uttb an 
bie arme SRntter mag id^ gamid^t benlen. 
SRit frennbfd^aftlid^em (Sm^e 

K. Siebter. 



IV. (Otto (5Ubewei|ter- 



26 



Bremen 28. SCuguft 70. 

SKein grau unb id^ finb fel^r erfreut, üon 

2)eKug iu l^ören, bag ed 3^nen gut gel^t. 3)aB toir feit 
unferer Trennung Syrern ©iege^juge nad^ föarförul^e mit 
ftctiger D^eilnal^me gefolgt finb, toiffen ©ie au^ ben 
aSriefcn meiner Stau, ebenfo roie oft unb gern toir beibe 
und ber fdödnen Qtxt erinnern, bie toir mit Sfl^nen 
unb ben SKufen gemeinfam öerlebt ^aben. 3e^t 
mfiffen bie guten SKabc^en freilid^ bad Qan^ meibenl 
SBeld^e Seiten 1 ®ie ©eburtgtoel^en 3)eutfd^Iaub8 finb 



172 Son Otto eübemeiftet. 

fafl )tt furd^iBor, mtb bo^ tote glorretd^, toit übte 
Wfv^t Hoffnung ^errlid^ iß bied erfte (Singreifm 
unfered geeinigten Solfed in bte SSeltgefc^td^te I Slod 
Sufd^ouer bed großen S)rainad }u fein ift faft ^n 
))eint)o]I. 3)ie fronen tonnen n)enigftend {tc^ un^ 
mittelbar nü^Iid^ mad^en, bie meinige ift Don frü^ 
m fpat befc^&ftigt afö äRitglieb bed teitenben «n^^ 
fd^nffed bed ^ilfdoereini^ für SSertonnbete. 3n unferem 
^anfe ift ein 3i^in^^ i^^i^ Slnfnal^me eined ober einiger 
SSenounbeter eingerid^tet, aber bid je^t ^at man und 
nod^ leinen 3Ugen)iefen. Unfer einer lann nnr toenig 
t^nn, bie Xage üergel^en mit QAtmi^Xt^m unb Un^ 
rul^e; an literarifd^eS Arbeiten vermag id^ nid^t jn 
benlen, bie nngel^euren @ntf(^eibungen, nm n^eld^e ge^ 
fäm))ft n)irb, nelgmen bie gange @eele in Sefd^Iag. 
1866 üermod^te @]^alef))eare menigfteniB auf @tunben 
ju feffeln, jefet öerfagt fettfk bcr. Statt feiner muffen 

Times unb Ind^pendance beige auiSl^elfen. ^ bin 

begierig ju l^ören, ob S^re Arbeiten nid^t attju fel^r 
leiben unter ber allgemeinen @rf d^fitterung ; idg beule 
mir, bajs @ie mel^r afö id^ Don jenem Slbftraction^^ 
Dermögen beg ©elel^rtcn befifeen, beffen SReifter ber 
alte S(rd^imebed toar. 9Reine Sirlel finb turbirt, aber 
id^ beHage eiS nid^t. S)ie Späteren merben und be$ 



Son Dito ©itbcmelftcr. 173 

nciben baß mir bog crIcBt l^aBcn. ^ grüße @tc in 
^crjfi^cr Ireue. 

©iftcjitcifter. 



SSerlin 10. 9Jlära 1871. 

SRcinc grott fd^tdt mir gieren »rief ö. 5. b., mein 
öcrel^rtefter ©err S)octor, bcnn »ie Sie au% ber So* 
tirung biefeg Sogen« feigen, beflnbe id^ ntic^ tt)teber 
cinmol in meinem BunbeSrotl^Ud^en Guortier im Hotel 
du Nord unter bcn ßinben, jel^n Schritte öom ?ßalaig 
be§ bentfd^en ^aiferS, on toeftl^iftorifd^er Stätte olfo. 
Sd§ l^obe bie ^ßrodomation beg SriebenS öon ber SRom^je 
be§ ^oIai§ l^erob mit ongefel^en unb ongel&ort, 
muß aber el^rlid^ geftel^en, baß bie äußere Sorm ber 
®rö6e beg SKoment« nid^t entfernt entfprod^. @in 
gattj Kein »enig öon bem Snfcenirungggcfd^icf ber 
gronjofen ttjore ung tool^I ju toünfd^en, aber e§ fd^eint 
foft, iai latente biefer 9lrt nie in befd^eibenen ®ofen 
öerliel^en werben, unb bann ift eS atterbingg beffer, 
il^rer ganj ju entbel^ren ofö fid^ öon il^nen fo be^err^^ 
fd^en jtt laffen toie bie gronjofen. 3d^ bin immer 
no(^ im Sa^anht l^öd^ften Srftouneng über ben boben* 
lofen SBonferott ber gallifd^en ®iöilif ation , ben toir 
mit Slugen gefeiten l^oben. „Le goüt th^atral et 



174 SSon Otto <8Ubemeifter. 

döclamatoire^ l^at boBei ol^ne StDeifel t^iel, toenn 
auä) nid^t oDed, t^erfd^ulbet; in legtet 3nftanj ift ber 
nun on^flant^fte ftrieg bod^ ein Qionjlict 3n)ifc^en 
^roteftantifd^er unb rentifd^er dnüwc gen)efen, unb id^ 
tl^eile ganj 31^re Slnftd^t, bag bie unterlegene $artei 
je^t bie Sfel^be auf unferent eignen 99oben mit paxla^ 
ntentorifd^en SBaffen fortjufe^en fud^en toxxh, 3^ 
tl^eile aud^ ^xt 3ut)er{td^t, bog bal» Soll Sut^erS 
unb Seffingi^ nid^t batum bie großen @d^Iod^ten t)on 
1870 gefd^Iogen ffai, um ben Igefuiten tributt)f(id^tig 
ju »erben: 

,,SBir, bie ben Sömen fd^Iugen, follen xoxx 
ben »ölfen ^ulbigen?" 

2)ie SSol^Iftege ber fd^morsen 99onbe am SRl^ein 
u. f. to. beirren mid^ nid^t in meiner QMex^ä^t 
SQerbingS n^erben n^ir eine ftarle clerilole Partei im 
SReid^^tage feigen, bie il^re Smian; bem ^öd^pietenben 
Derloufen nnb Dielleid^t mond^ed Unl^eil ftiften n)irb^ 
aber bie SO^larjU^al^Ien l^aben bafür auf ber anbem 
@eite bie beutfd^e $]^alan£ ftärler gemod^t, aü fte je 
toaXf ivixä) ben unertt)artet im))of unten Sujug t)on 
©üben* 

S^rer @tra§6urger 3been toüxit id^ aud^ ol^ne 
S^rc ©finnerung eingeben! geblieben fein, tjteifid^ 



Son Otto ®Ubemeifter. 175 

für ben 9(ttgenBItdE liegen btefe S^tnge xtoä) ganjltd^ 
unter bem ^orijonte, xä) begegne l^ter niemanbem, ber 
Don ber lünfttgen Drganifation ber neuern^orbenen 
Sanbe ntel^r toü^tt, afö toa^ bte S^tungen Bringen. 
3^ glaube feft, baB ntan ©tragburg junt @i^e einer 
beutfd^en ^od^fd^ule mirb ntod^en n^oQen, ob bieiS aber 
fo rafd^, toie @ie annel^nten, t)on Statten gelten n^irb, 
ip mir bod^ jtoeifet^aft. SfebenfaHi^ bebarf eS ber 
<S(eIbntitteI töegen ber äJ'littöirlung bei^ Steid^Stagd ; 
Bis ie^t ober ift t)on einer bol^in jielenben SSorlage 
nic^t bie 9flebe, oBn^ol^I anbere @Ifdf[ifd^e ©egenftänbe 
fd^on in Dotter SlrBeit fid^ Befinben. 

SKeine grau toirb morgen l^ier eintreffen, fie l^atte 
fid^ impfen laffen unb lonnte bei^l^alb nid^t mit mir 
reifen. 3d^ toerbe Qfl^re ©rfiße unb freunblid^en @r*j 
lunbigungen l^öl^eren Drti^ Dorjutragen nid^t t^erfel^Ien. 
SiffQ l^at jtoar nod^ nid^t emftlid^ mitarbeiten Idnnen 
für bie Sagaretl^e unb bie Zxnpptn, aber fie mn^tt bod^, 
100 t^ ging, $anb anlegen, menn eS nur aud^ toar, 
nm im 20. 3o^^^«tibert il^ren ®nleln erjal^fen ju 
Unnen, ba§ aud^ fie ben großen ^ieg mit S3en)ugt^ 
fein erlebt l^abe. @ie toürben fid^ ergöfet l^aben, toenn 
Sie gel^ört l^ätten, toie genau baS Heine gräulein att*^ 
m&yiii) t)on ber 2:ot)ograt3]^ie granfreid^g, ben Xtvipptn^ 



176 Son faul f^e^fe. 

btdiocattonen, ben SSaffenftillftanbdftiften unb ä^nlid^en 
Iriegerifd^en 2)tngen Sefd^eib toit|te. Seit Sugttfl 
Ratten iDtr ununterbrod^en (Einquartierung, balb üon 
btefem, balb t)on lenent Sanbmel^rbataillon, aber lein 
ftriegdmann ^at mein $aud üerlaffen, ben Siff^ nic^t 
bnrd^ il^re ntilit&rtoiffenfd^oftlid^e Silbnng bejanbert 
l^ötte. 

fß>tx ed toirb ffo^t QAt ju fd^Iie|en. ®ie feigen, 
baB ed für nttd^ nur eined Slnlaffed bebarf, um in 
bie t)or einem ^f)x begonnene (Sen^o^nl^eit mit Sinnen 
ju ^lanbern iurfldiufaOen. Seben ®ie rec^t n^ol^I nnb 
laffen ®ie gelegentlid^ lieber t)on ftd^ l^dren. (Sin 
Srief mit 3^rer ^anbfd^rift gel^ört in unferem i^aufe 
immer ju ben l^od^n^illfommenften Sefud^en. äRit freunb^ 
fd^aftlid^ftem ©ru^e 

gi^r treu ergebener ©ittemeifter. 



2)er id^ aUejeit untobßd^ 
®))rad^ unb fd^rieb nad^ Sfitermeife, 
au(^ in Sttfanft f(^reib i(^ „obttg*' 
2Bie gefd^rieben Sater ^e^fe. 



SBon ^ottl fie^fc. 177 

$ot er boc^ Der^dttt bai$ fd^Iinttne 
„Vbtlii)" im SBörtetBud^c, 
Unb man tro^t bem fremben ®rimme 
Seichter afö bem SC^nenjlud^e. 

Sennod^, iGir ju Siebe toill id^ 
SSon htm l^eiPgen Sdraud^e n)ei(i^en, 
©d^reibft bü je mit ,,c 1^" „BiDifl" 
Il^u^ mit „abiig" id^ beiSgleid^en. 
3R. 21. ni. 89. ?ß. ©." 



Seinen Keinen SBotb^toortl^, ^® lieber grennb, fd^idfe 
td^ Sir l^eut fd^on jurüd, ia meine 9Hd^te il^n mit 
in bie @tabt nel^men toxU nnb id^ il^n grünblid^ — 
SRand^ed jmeimol — in mid^ aufgenommen l^abe. 
S>en großen bel^alf id^ nod^, ba id^ abtoarten möd^te, 
ob id^ burd^ the great bulk jum SBorb^toortl^ianer 
toerbe, toa^ bie Slu^mal^I freilid^ nid^t jn @tanbe ge^ 
Bracht l^at. (S^ mag nial^r fein, bag he deals with 
more of life atö S3urnl5, ffeats, ©eine. Saß er aber 
üBcr aSoItaire, Sr^ben, ^opt, Seffing, ©dritter (l) ju 
fteQen fei, lann id^ nur t^erftel^en, toenn ba^ Seben in 
unb mit ber 9tatur bai$ l^dd^fte unb n)ert]^t)oQfte Seben 
ift. (Sd ift ia nid^t ju I&ugnen 

)9erna))9. «riefe. 13 



178 8on 9attl ^]t, 

Tbe oatward shows of sky and earth 
Of hill and Valley he has viewed, 
And Impulses of deeper birth 
Have come to him in solitude. 

fO>n tooiu anberd l^aben biefe impulses ge^ 
fül^rt afö }tt einer ßebenStDfirbig ib^IItfd^en ©timtnung 
unb treul^ersig moratiftrenben @(ottf eligleit , bie t^n 
bie fpielenben £&tnmer auf ber SEBeibe Beneiben unb 
fragen lieg: 

As they from turf yet hoar with sleepy dew 

(fe^t fc^ön) 

All tum, and court the shining and the green, 
Where herbs look up and opening flowers are seen, 
Why to Ood's goodness cannot we be true? 

tt. f. to. 

3a toxx finb eben leine Sämnter fonbem SRenfd^en, 
bie ^bi)ttt Steuben lennen, ald bal^ shining and the 
green, unb t)on benen nur S)ie bie ^imntlifd^en ältad^te 
fennen, bie il^r 93rob mit Il^rönen aßen. S5aiJ eben 
ift e8. 3)er Äreig beg ßeben^, in toeld^em biefer ?ßoct 
fid^ bemegt, ift ein l^öd^ft enger. @obaIb er ftd^ 
barüber l^inaud toagt, mirb er, toit fd^on fOl, Slmolb 



^on 9attl {>e^fe. 179 

erlonnt, poffcoral ntd^t nur im Sfortner^ fonbetn ttn 

?ßf arrerfinn , unb jcneg „«tiitt ©cbtd^t in bet etig^ 

fifd^ @prad^e" tiad^ Sotb ^ougl^tond SO'leinung (toer 

ifk bicfcr cblc Sotb? »a« er ift, erließt fd^on oul5 

feiner Slnftd^t, ei$ gebe äBer]^out)t in irgenb einer ®^rad^e 

ein ,,grögte« ®ebid^t") bie große Dbe, ift für niid^ 

t^öQig n^eril^Iol^, ba 3lxä)i^ borin gel^alten toirb t)on 

bent, toa^ ber Xitel t^erf^rid^t. 2)ie thoughts that do 

often lie too deep for tears l^abe id^ fiarl im SSer^^ 

bad^t, üBer^on))t leine @(ebanlen fonbem nur bnnKe 

®effil^Ie jtt fein unb gerobe fold^en lönnte unb foQte 

bie $oefie einen al^nungSDoHen Ku^bmdE leiten. ®tott 

beffen eine endige SSariation beffen, n^ad gefeiten unb 

gel^ört »irb, Sanbfd^often mit Il^ierftoffage, ©duofem, 

aSettlem, S31utigeln, SSüd^em. 98o er fid^ ju titoa^ 

©reifbarem, ^anblunggreid^erem aufrafft, ift er un^ 

gtonblid^ bfirftig unb Bringt eS nid^t über ba§ elegifd^e 

loBIeau. 3« Michael . ein alter SKann, beffen järtlid^ 

geliebter Sol^n in ber SBelt öerborBen loirb ; in Margaret 

eine öerlaffene grau, bie barfiber ftirBt unb öerbirbt, 

baß il^r SRann nid^t jurüdflel^rt, in the Brothers ein 

3Rann, ber in bie ^eimatl^ jurüdRommt unb nur bai^ 

®raB feines S^mberS finbet unb fo fort. UeBeraH 

?ßaffit)ität, ©rbulben eines UnglüdfS in mel^r ober minber 

12* 



180 ^on ^ul f^e^fe. 

d^rtftßd^er Sleftpation, nie ein frifc^er ^oud^ t)on XffaU 
Iraft, 9(ufraffen aul^ bem ScaAtt^ijla^ ber (Sen^ol^n« 
]|eit nnb 9flefignotion. S)Qg biefed 93n(l^ bie 93ibel 
einet n)eitoer6reiteten ^oetifd^en @(enteinbe geioorben 
ift, lann 9lienianb SEBunber nel^men. Sber ob biefe 
©ectirer ein 9fled^t l^aben, il^ren ^eiligen fftr eine ber 
l^öd^ften 2)id^tererfd^einungen jn Italien, fd^eint mir fel^r 
jmeifet^aft. ^ä) Brand^e nid^t jn t^erfid^em, Sieber, 
baB id^ bie @x6^t einei^ £&nftlerd nid^t an feinen 
Stoffen meffe. SJumg toax lein toelterfd^fittember J)enf er, 
lein geftaltenfd^affenber ©ro^meifter. Aber er l^atte 
int kleinen ben großen Xon nnb l^atte feinen eigenen 
Ion, nnb einen fold^en »ifl feftft fein öetonnberer 
äR. Slmolb bei SEBorb^niortl^ nid^t finben. ^ bin 
burd^ il^n in meinem atten ®Iauben beftarft morben, 
bag nid^tg t)erbäd^tiger fei afö bie Sufammenrottung 
einer großen englifd^en ®efellfd^aft um einen auf bas 
©d^itb gel^oBenen ?ßoeten, baß bergleid^en bort über^f 
l^an^t mögüd^ ift, fann id^ nnr befd^amenb finben für 
nnfere bentfd^e SSitbnng^meft, in toeld^er eine l^ingebenbe 
Sefd^aftigung mit ?ßoefie !aum nnter ben granen gc:? 
funben loirb. Unb fo {ann man ben @ngl&nbem 
immerl^in ®Ifid( »finfd^en, baß fie e^ ju einer Words- 

wortb-Shelley-Browning Society gebrod^t l^aben. SBa§ 



Son ?ßaul $ct}fe. 181 

icboc^ btc SWcngc in bicfc füllen SKrd^cn lodft, tft 
toofjii in bcn feftcnften SöDcn bic reine, lüenn aud^ 
bunt))fe 93ebürftigleit nad^ bem eigentfid^ ^oetifd^en, 
fonbem ]|ier boS 9teumobifd^e, bort baS 9let)oIutionäre, 
bort toieber ber fReij beö SRätfet^often. Unb ba cg 
jenfeitd bed Sanafö fo t)iel SRüfjtge giebt, bie aud^ 
bie 3RitteI l^oben, pd^ aui5 irgenb toetd^en ■— friöolen 
ober refpectabeln — Elub^^ntereffen ein ©efd^äft, 
einen Seben^jnied jn ntad^en, fo entftel^t ber @d^ein 
einei^ fel^r intenfiDen ^poetifd^en S^uItuiS, l^inter bem, bei 
Si(^t Befel^en, nid^t t)iel 2!ieferei$ ftedtt, afö bie banale 
heroe-worship unb bie Suft an Draletf<)rüd^en , »ie 
ber oben citirte beg eblen Sorb $. 

S5iei^ MDei^, lieber Sreunb, foll nur erflören, loeg*^ 
l^alb SEBorb^mortl^ ntir nid^t ntel^r fein lann, afö er 
ift. ®a§ er Dielen Änbem »eit niel^r loerben fonnte, 
unb mit t)oIIem {Redete, begreife id^ burd^aud. S)er 
9leis beS @tifö bleibt ja bem 9tid^t«@nglanber (ju 
benen id^ 2)id^ nid^t red^ne) nur t)on ferne genie^ar. 
3d^ n^firbe mid^ nid^t n^unbem, totnn ein S3rite nid^t 
öerftünbe, toa^ un« an SRörile entjüdft. 

Uebrigen^ »ar^g tl^örid^t, nur fo öiel über ein Xl^ema 
)u fagen, bai^ grenjenlol^ ift, ftatt ju niarten bii^ ju 
einem mdnblid^en 9ludtaufd^. 3d^ lonnte ed nur nid^t 



182 Son ^o^tpli SetPitidl^. 

aber miä) getoinnen, bid ju unfenn fo toeit l^moits 
gerfldten SBieberfel^en t^SHig ju fd^iDeigen. 
®rttBe 2)eine liebe Sfrou unb lebetDol^I. 

Sein 

$aul ^e^fe. 
3Rie«bo4 9. IX. 89. «• 



so 



VI. Jofep^ £tiomsh9. 

©len 17. aRal 1880. 

äRein l^od^t^erel^rter Sreunbl 

2)a^ iDar eine gar liebe Ueberrafd^ung, n^elc^e mir 
bnrd^ ba^ (Eintreffen Qf^reiS SriefeiJ bereitet toar — no^ 
xotxt lebl^after aber toax ber Sinbrud, ben mir ber 
Snl^olt beffelben mad^te. 2)a| i^ nid^t im Sntfemteflen 
baran bod^te, einen S3rief mn ^l^nen jn erl^alten, ift 
n^ol^I nnr bad S^^ni^ ^^^ f^^^ notfirlid^en S3ef(^eiben^ 
l^eit, tueil id^^ ganj obgefel^en t)on bem gen)altigen 
Unterfc^iebe bed ®rabei^ unferer 93egobttngen, in biefen 
Xagen nnferer erften 93efanntfd^aft fteti^ ber @mp^ 
fangenbe, niemafö ober ber ®ebenbe n^ar. 

S)iefed Serl^ältnig bftrfte i^ifd^en und iiemlid^ 



Son ^citp^ Smia&h^ 183 

ftetig MeiBen, — ha iäf t^ im pa^önlifyn Scrbl^ 
mit ginnen ^ttö tiorjiel^eit koeri^e ga ^oreit, ftatt ga 

Um jtt erfal^ren, koad ü^ ün nnb lantt, mußten 
@ie eine jiemlid^ lange Steige Don 2)atfteIIns0en fe^en. 
^ bilbe mir ein, bog man mi^ lange feigen nmg, nm 
etoai^ t)on mir ju l^aben — ber Sd^atten finb jn 
t>iele, um bie Sorjfige grell ins Sbtge faKen }n laffen. 
^(S) bin n)ie ein unfd^einbared Sud^, bad ber Sefer 
oft unb mit frennblid^er ©eftnnnng jur ^anb nel^men 
mn% koenn er fein &vlM l^erandftnben toiü. (B^ 
tft immer fd^Iimm, nienn ein @(i^anf|neler fofa^er Vin^ 
bauer t)on @eite beS Qa^äfantt^ bebarf. Kber ia^ 
ift ia aud^ gamid^t nötl^ig, bag @ie beS Slöl^eren er^ 
fal^ren bon meinem fd^ouf^jielerifd^en fiönnen — id^ 
bin nad^ biefer @eite bnrd^anl^ nidgt empftnblid^, nnb 
@ie l^aben fein innere^ 93ebflrfniB, fein S3e]^agen am 
©d^auf^iel. ^d^ bin t^oQftanbig befriebigt bnrd^ bie 
Steigung unb ©d^ft^ung, toääjt ®ie bem nad^ Scfenntnig 
unb aSilbung ftrebenber SRenfd^en in mir fd^enfen 
— unb geftel^e ginnen, bag ic^ mid^ glfidCIid^ füllte 
burd^ Sfl^r Serf^red^en, mir fiber bie Sunftanfd^auung 
@d^illerd Singe^enbed mittl^eilen gu toollen. 3d^ fann 
an Sl^rem (Beifte er^^roben, ob meine Slnfid^ten bie 



184 Sott fltoä^ui ton Siltencron. 

rid^tigen ftnb, unb iDerbe fo Diel 3ltut^ l^terfifier er^ 
folgten. ^ trfiume t)on einer in biefer ^inftc^t fd^dnen 
unb genuBreid^en S^^t in äRfind^en. ^ f^obt ein 
t»oIIed Serft&nbnil fftr ben Sünftler in Sinnen, unb 
boburd^ tDirb mir jebe @tunbe, bie id^ mit Sinnen 
Derieben barf, jel^nfad^ genu|reid^. 

2)arin, mein l^od^Derel^rter Sreunb, l^aben @ie n^o^I 
red^t gefeiten, bog id^ aQe Elemente meiner fönftlerifd^en 
unb abftralt geifHgen 93i(bung )u bereinigen unb in 
DoQeiS Seben umpfe^en beftrebt bin, bamit ein ganjer 
l^armonifd^er SRenf^ jtd^ iu mir geftalte. 

©aben Sie innigen 2)onI für Sl^re greunbfd^aft 
unb bel^otten Sie in S^rem ^erjen 

gieren treu ergebenen 
3. Setoindl^. 



81 



vn. )to(^ns oon £iUenaon. 

©(^Uctfee 19. Süll 1872. 

^od^geel^rtefter ^err, 

SRit lebhafterer greube ^obe ic^ 3^re freunblit^ 
aufogenbe Sntniort ouf meine S3itte um. bie ®oet!^e^ 



IBon SRod^uS bon Siliencron. 185 

hxoffCQpfjit erl^olten. %ttilxä) f^aittt @te ^t6)i, bag 
l^tctBei in bcr ftürjc bic größte ©d^tüicrigfcit liegt, 
eine ©d^mierigfeit, bie ol^ne babei ber 3)ürftigfeit ju 
öerfallen, nur bei öoIKotmnener geiftiger 2)ur(i^bringung 
beS @toffeg JU übeminben ift. (Stn^pfottgen @ie alfo 
meinen l^erjfid^en 2)anl, id^ bin red^t frol^, biefen 
tDid^tigen $nnlt fo geftd^ert ju feigen. 

S^aju l^eute nnr ein paar 93emerlungen. äBegen 
ber S3ettina l^abe id^, in bemfelben ®effi]^I; töeld^el^ 
@ie leitet, perft bei ®rintm angefragt, er l^at aber 
abgelehnt. 3d^ begreife bied fel^r töol^I unb fal^ e^ 
eigentlid^ Doraud, benle and^, bag nid^t fon^ol^I ber 
SRangel an Qtii, auf ben er fid^ beruft, afö bie 
ntand^erlei ©d^n^ierigleiten , bie gerabe beut Släd^ft^ 
ftel^enben ^einlid^ »werben lonnten, il^n jur SCblel^nung 
t^eranlagt l^aben. ^ hin übrigen^ ungemein geft)annt 
auf Qf^rc Seurtl^eilung ber ©riefst unb ©erjtieb^^grage. 

äBai^ nun bie gfi^age nad^ ben ^erfönlid^feiten an^ 
(Soet^ed Seben^bejiel^ungen betrifft, fo bin \6) junad^ft 
barin mit Sinnen ganj einberftanben, bajs bie burd^ 
felbft&nbige Xl^ätigleit belannten gad^mönner barunter 
SDtaler, äRufifer, 9laturforfd^er ic. aud^ fad^männifd^ 
am befien bef^jrod^en »erben. 3n biefer SBeifc ift 
fftr boi», mad in «. unb 93. faOt, toit Satfd^, SeireiS, 



186 Son fHodivA ))on Siliencron. 

Sur^ tt. f. f. geforgt. S)en 93&ttner bagegen l^oBen 
meine fad^m&nmfd^en 9leferenten t)on il^rem ©ianb:^ 
^unlt atid afö ju unbebeutenb bei Seite gefd^oben, 
id^ tDerbe il^m aber bentioc^ ein btrsed SBort gönnen. 
®oI(^er Sente nun mdd^ten ftd^ bod^ nod^ anbete finben, 
unb bamit fie nid^t fiberfel^en toerben, märe t^ immer^ 
l^in tDünfd^eniSmertl^ eine DoQft&nbige Sifte berjenigen 
^erffinßd^Ieiten t)or Sugen ju l^aben, n)eld^e man mit 
Slfldfftd^t anf ©oetl^e menigfteni^ aUerlürieft genannt 
feigen möd^te. 3m Snfd^Inl an ®oebefed 9legifter 
tDäre es tuol^I nid^t fel^r mül^fam, ein foU^eS Serjeid^nig 
anfinfteUen, bei bem ed jtd^ eben nur fragen n)ürbe, 
ob in bem ®oeb. 9legifter etmai^ bergeffen m&re. 

@ine tttoa^ anbere Stellung jur gfrage nehmen 
aber bie 2)id^ter unb Sd^riftfteHer ein, tueld^e in @otä)^ 
^ti^, namentlid^ feinen ^ugenblreid gel^ören, »ie bie 
(Einftebel, SHnger, Stntbü, äRerdf. ^ier mürbe ed ftd^ 
fragen, ob nic^t bod^ @ie ber bemfenfte S^iogra)))^ 
nid^t nur, fonbem aud^ berjlenige mSren, bem ed am 
leic^teften jur $anb löge. 

2)ie Srauen, fomeit fie nid^t jugleid^ Sd^riftfteQe^ 
rinnen feien, meinen @ie aQein ber ®oet]^ebiogra))]^ie 
juttjeifen ju foDen. S)arin bin id^ nid^t Sl^rer «nfid&t: 
id^ b&d^te, man foQte ei^ nid^t t)erfd^m&^en, fftr ben 



Ißon 9lo(]^ud Don SUtencron. 187 

^oit^tartilel burd^ Ileine 9le6enarti!el ettoad Vtanm ju 
geiDinnen. Ueber grieberile j. 18., über ifyct f^&teren 
@(^tdffale tDirb einiget ju fagen fein, ebenfo über 
Sötte Sefhter, äRtnna ^erjUeb pp. äSarunt nid^t 
lieber in ein ^oor eigenen Seilen? S^aju lontmen 
nod^ allerlei ^erfdnlid^Ieiten anberer Slrt, toie bie 
SIettenberg, bie ^tnl^off, ®8c^]^ottfen, bie Samitien 
&aVb unb SBebel u. bgl. über bie man oud^, iDie mir 
f(^eint, einen lurjen S(rtilel geben lönnte. äBo ed ftd^, 
nrie bei ber SIettenberg, um geiftigere 2)inge l^anbett, 
toürbe t^ natürlid^ toieber am Seften t)on Sinnen fommen, 
190 nur me]|r 9(ett|erUd^ed, ba toirb man bergl. ia 
auj^ äSeimar leicht l^aben lönnen. @elbft einjelne 
%amen, bie an ftd^ in ben ftreid ber fad^männifd^en 
83e]^anblung faOen, toürben bod^ getoinnen, toenn @ie 
fid^ il^rer annel^men tooQten, id^ meine fold^e toie bie 
gggemann ober bie 9lettmann«'(£tt))l^rof^ne. 

3)a9 oben angeregte SSerseid^niB toirb uni^ über aOe 
biefe Sfragen am jid^erften jur Starl^eit t)er]^elfen, unb 
id^ toiO mir bie S3itte erlauben, bag @ie im Slnfd^IuB 
an ®oebeIe einmal eine fold^e Sifte auffteüen unb babei 
benn jugleid^ (red^t freigebig I) bemerlen, toeld^e 9lamen 
©ie felbp öerforgen tooHen, fei e8, ba| fie nur im 
^au))tartilel genannt ober abgef onbert bel^a^^i^^It beerben. 



188 SSon 9to(j^uiS \>on Stiiencron. 

Sflr ben 9fleft toerbe t(^ bann anbertoetttg forgen. &^ 
f^at feine fo gro|e Site bamit, benn bag in %. unb 
9. eth)ad überfeinen fein foQte, tffc laum ju fftrc^ten. 
Snfo nur nm baS, moi» in S. unb 2). f&Qt nnb bid 
jn 9teujiQ]|r andgeorbeitet toerben foQ, n^drbe ed fid^ 
iunad^ft l^anbeln. 

gfür ben ©oetl^e felbft l^oben @ie ntinbefteni^ onbert^ 
l^olb Saläre ^dt, hx^ junt S)md lebenfaQd nod^ langer, 
finb eg foH ginnen jebe möglid^e gfrift gegönnt fein. 

Sfflr Sl^re frennblid^e ©enrtl^eilung meiner Arbeiten 
bin id^ 3^nen banibar, ed frent ntid^ immer jn ^ören, 
bag iemanb t)on mir gelernt jn l^aben ffll^It, unb bag 
bamit meine gf&bc^en iniS groge ®ett)ebe eingefd^Iagen 
ftnb. aBo2 ben Sleibl^art »« betrifft, fo braud^e it| laum 
ju fagen, baB $oupt mit SRed^t t^oraudfe^te, id^ l^abe 
meine Derlel^rte Stuftd^t, afö fei fein @^ott eine Satire 
auf feine ritterlid^e Umgebung, bei reiferer Ueberlegung 
aufgegeben. SBenn mir meine atit SCbl^anblung (e^ 
»ar meine 3)oItorbiffertation) juf&Hig einmal in bie 
^änbe lommt, ärgere id^ mid^ immer an ber altKugen 
SBeigl^eit, mit ber id^ jene falfd^e Slufftettung öor:^ 
getragen l^abe. 

SSon ber 9(ui^arbeitung ber ^iftor. SgotliSUeber l^abe 
id^ t)ielerlei Studbeute unb barum aud^ toal^re f$reube 



^on 3Rajc SMUer. 189 

an bec 3[rbett gel^obt. Unb caiä) an ber freunbltd^en 
%x\näf)mt, bie ba§ 93ud^ gefunben l^at, barf id^ meine 
Sreube l^aben. 

SBenn @te mir toieber fd^reiBen, bann fagen Sie 
mir Bitte: Sie finb bod^ ein Sruber meines atten 
grcunbeä g. 39erna^§ in Sonn? SSäir toaren bort 
im SBinter 1847/48 jufammen atö 5ßritjatbocenten. 

äJiit t)or5ügIid^er ^od^ad^tnng 
^x ergeBenfter 

tj. Sifiencron. 



vin. Mat MUtt. 



88 



7. Norham Gardens. Oxford 28. fjebr. 81. 

^od^öerel^rter ©err ©ollege 

®Ieid^ nad^ @mf)fang i^l^red 93riefed l^aBe id^ ^rn. 
Dr. grandEc ben il^n Betreffenben ^w^ßft beffelBen mit^ 
getl^eift 

SReine ©tubien jie^en fid^ mel^r unb mel^r iu^ 
fammen — contrahere vela tt)irb Beim SHter nner^ 
ta§Kd^ — unb fo l^aBe id^ jefet nur feiten bie ©elegen^^ 
^eit, 3^re Sluffäfee, bie id^ frül^er mit großem ©ennfe 
gelefen, aufmerffam ju tjerfotgen. ©ier unb ba fomme 
id^ aBer bod^ auf meine frül^eren SieBüng^ftubien ju^ 



190 Sott 91^0; ai^iUIer. 

t&d, unb fo mar ed bie Hoffnung, Sinnen einen ntam 
gunb ®oet^ef(^er Sriefe ntittl^eilen ju lönnen, bie 
meine «ntoort auf gp^re freunbUd^cn SAltn bi« itifi 
t)eriögert ffat Sie »iffen, bag bie Sriefe t»on ®oet^e 
an Corl^Ie t)erlegt unb verloren finb. 2)ie Sorrefpou:' 
benj ift in Garlyle's Life of Schiller audfftl^rlid^ be^ 
fprod^en. SRein Steunb, SDlr. Sroube, »* ber bie ^Po^jiere 
t)on ^axltjUt orbnet, l^at nun, menn aud^ nid^t bie 
Originale, fo bo(^ iientlid^ correlte Sbfd^riften einiger 
ber ®oet^ef d^en SBriefe gefunben. @ie finb fel^r Bebeutenb, 
unb id^ l^ätte fie Sinnen gern ntitgetl^eilt, bie Sarl^Iefd^en 
@rben l^aben aber ©d^toierigleiten gemacht, unb ntflffen 
h)ir harten, bid bie SSerl^&Itntffe beffer georbnet finb. 

3u beut SBriefn^ed^fel jmifd^en Sd^iDer unb bem ^erjog 
t)on ®d^Iei3h)igf^oIftein^9(uguftenburg l^abe id^ färjlid^ 
einige intereffante Ütad^tröge erl^alten, namentlid^ einen 
SBrief bed ^erjogj^, ber flar jeigt, ba§ Sd^iüer in ben 
bönifd^en ©taatöbicnft treten »ottte. ^offcntüd^ flnbe 
id^ balb einmal Stii, biefe 9lad|trage {u t»er5ffentlid^en 
äßir fd^eint in Deutfd^Ianb j[e^t red^t menig Sntereffe 
für fold^e S)inge. 

3n »al^rer SSerel^rung 

Ql^r ergebender 

S. aRas äRäOer. 



$on Sftiebrid^ 8?a^el. 191 



IX^ /riebridi Äa^eL 



85 



Sd^jjig 15. n. 90. 

Stcbcr, ücrcl^rter grcunbl 

^eute lefe td^ in ber 91. 3* bte 3laä)xxä)t t)on 
3)etnein SuiSfd^eiben quS ba^ertfd^en Stenften. Steine 
Segnung, bag eiS gelingen merbe unb ntflffe, 2)id^ ju 
l^alten, ift ein fd^öner ©ettftbetnig ge»efen. 3n meinen 
®ebanlen an SRänd^en merbe id^ alfo and^ 3)id^ nnb 
Sein ^avi^ ju bent }u red^nen l^aben, bad bort gen^efen 
ift. äßdge 2)ein Seben unb SBirlen auf bent carföml^er 
Soben, ber fanbiger, aber fonniger, fröl^tid^ »eiterblül^enl 
(£rlaube aber bent greunbe }tt flagen, bag Du t)on 
bent Drte fd^eibeft, mit bem 3)n in jeber JRfidferinneif 
rung üerbnnben marft unb bleiben mirft. 2)a§ 2)u 
bem meiten ^eife t)on 93erel^rem unb @d^fllem, bem 
id^ afö alter $err mid| sujöl^Ie, t)erIoren gel^ft, bajs 
bad geiftige Seben ber fübbeutfd^en ©ro^ftabt S)eine 
SSrberungen nid^t mel^r em))f&ngt. 3n Sarförul^e fann 
id^ mir S)id^ nur in einer ftißen Strafe, in einer ab^ 
gefd^Ioffenen iBiDa, in einem rul^igen ©ele^rtenleben, 
in einem engen ftreife üorfteDen. ^ l^atte geglaubt, 
bajl S)u 3)eine ffreife nod^ tjiel toetter jiel^en toottteft 



192 8on flbolf &lßU. 

unb mflffefl. SieOetd^t fielet aud ber ^dl^e S)einer 
SBeltanfd^auung ein ftreiiS toit ber anbete arxi, eBenfo 
mte ber SBeife fagt, bag man im SBeltmeer unb ber 
Ouelle immer nur fein ftrüglein füllen Idnne. 9I1§ 
xif nadi Sei))}ig lam, fd^ien ed mir ate beforbere ber 
®eIe]^rten^9lomabidmui$ bad Steifen ju fold^en Sln^ 
fd^auungen, benn bie berühmte @tabt lam mir fteDen^ 
meife Heiner atö meine SSaterftabt t)or. SJUgeft 2)tt 
unb mdgen bie 3)einen gefunb feinl 9Bir grügen 
Mt ^erjlid^. 

Unüeränbert 3)ein g. Stapel 



::ii 86 



SJiein öortrefftid^er Sreunbl 

^erjlid^ erfreut fjai mxä) ^x geftern eingegangene^ 
©d^reiben mit aQen ertoünfd^ten 9Ritt!^eiIungen 
über Öftren Befriebigenben Slufent^aft in granffurt, 
bem SSrief beS öerel^rung^toürbigen üeben Äober* 
ftein, ben id^ mit S)anl jurud^telle, unb ber ©atiS:^ 
faction, bie ®ie an meinem el^rßd^en öffentlid^en SEBort 
gel^abt. 2)em (SinbrudC, ben i(6 münfd^te, l^at bie ißer^ 
f)}&tung tueniger gefd^abet, atö ber Umftanb, bag er 



9Son «Ibolf e^dH. 193 

Irin fo duf bad Brrite beutfd^e ^uBIibtm oufgeftrid^ened 
DYgmt »ie bie Sugdburget ällgetnrine itmner nod^ ift, 
^at flnben ISnnett, mftl^renb in ben l^onetten ^hrenj^ 
boten Don rinem gemäl^Iteren $ublilum boc^ and^ bie 
falben ftOt)fe, bie ber netten Hnerlennung bed (Suaden 
nnb Xoto&OQ^ren ebenfo nnf&^ig finb mie bie genteinen 
nnb bMnrilligen, miü)ettteten flnb. SBflBte id^ bai» 
Se^tere ni^t rin fflt QUentoI nnb l^fttte id^iS nid^t 
l&ngft unter bad (St^ongeliunt @))inoja9 begriffen, bat 
man über bie X^orl^eiten 'ber SRenfd^en ftd^ nid^t 
ärgern foD, fonbem i^re Stotl^tnenbiglrit erlennen nnb 
bie SSol^r^rit begreifen, fo l^fttte mir fel^r üerbrieglid^ 
fallen mflffen, bag in ben ^renjboten l^tnter meinem 
Srtilel brrin ein tt)o]^Imrinenber ® (nod^ ba}u ®1 
ben rin jmriter äSol^Imeinenber fflr meine SBenigIrit 
Italien fonn) and frinem @äd^ftfd^en Sriefft^I^^orijont 
toieber für „Iröften" im Cloöigo nnb „SBeft" in ben 
Se]^rJQ]^ren))Iäbirt. ®ett)i^, er felbft ^ätten)eber9iöftennod^ 
SBefle gefd^rieben aber and^ tneber rinen 6iIat)igo nod| 
einen SBit^elm. ®erabe barum ift mir in föoberftriniS 
SWef bie aninol^mglofe Snftimmung gu Sl^ren fritifd^en 
8rif))ielen, bie id^ t)on jebem gefunb t)!^iIoIogifd^en 
0oet^elenner ermorte, fel^r angenel^m jn l^ilfe gelommen. 
Sri biefer Hrinen fötrd^e merben @ie gewonnen @^iel be^^ 

^ttnatti. IQiiefe. 13 



194 Sott ^einrit!^ t>on ©teitt. 

l^altett, für bic breite SBelt f|)ecttKrt S)ünfeer rtd^ttgcr. 
3e me^r @te aber, üere^rter ^^eunb, S^re tiid^tige 
Arbeit mit (Energie f ortfül^ren, um f o me^r toirb Sitten 
bad (£or))d ber Unt^erbefferlid^en jur föomdbie toerben. 
äSaj^ tnid^ ttid^t immer mit ^eiterfeit auf meinem ®pU 
no}if(i^en SBelenntnijs fte^en lägt, ift nur baiS plus tion 
$af{tt)ität iu bem meine Snterdjuftänbe mid^ nötl^igen. 
Sfd^ lann mir nid^t üerl^el^Ien, bag id^ in ber 2)iiS))onibiIitdt 
meiner felbft unb in ber HrbeitiSenergie l^inter meinen 
!(ufgaben unb SBänfd^en' {urüdbleibe. 2)a^er lann 
id^ mir mel^r ftenntnig gewinnen t)on 3^nen afö ®ie 
t)on mir fid^ görberung im ®ptixtUtn t)erf))red^en. 
Qä) tt)flnfd^e bedl^alb nid^t minber, @ie Balb einmal 
^ier feigen unb f))red^en }u ISnnen unb toerbe ftetd an 
Sparen Sntereffen unb Seiftungen tl^eilnel^men ald 

S^r treu ergebener Sd^SD. 
SBeimar, 10. SWai 1867. 



87 



XI« jpeinnt^ tum Mmu 

^e, 19. 12 79. 

^od^üerel^rter ©err ?ßrpfefforI 
Sfir S^ren freunblid^en unb aul^fftl^rlid^en SBrief 
unb bie b(irin entl^altene erf^öjjfenbe Slnttoort unferer 



Son ^emrid§ t>on @tetn. 195 

f^age faitmte td^ üteKeid^t ju lange Sonett l^erjltd^ ju 
banfen. SP^re 2)arfteauttg ber Sad^e b&rfte ftd^ toolH 
auif in bent 9leBen))nnIt httoäffxtn, bag „l^ongen'' ber 
83eet]^ot»enf(l|en £om))ofttton entfiamntt, in beten 
ftttefter Sni^gabe ed ftd^ ftnbet. 

^(ngenblidlid^ }ttm Saterl^oufe jurfidtgelel^rt, SBeil^^ 
nad^ten bafelbft ju feiern, gebenle id^ bod^ fd^on mit 
freubiger Hoffnung bed Slufent^atted am ®oIf; too^ 
barf id^ ntid^ barauf frenen, ben in legier 3^it fo 
leibenben äReifter fid^ toieber erfrifd^en }u feigen, nnb, 
in feiner Untgebnng, an meinem Xl^eile ))]^iIofo))]^ifd^er 
@tnbien t)on gnier Slrt ju ))f[egen. 
aitit el^rerbietigem ®mge 

^einrid^ Sr^r. öon Stein. 



$ane, 12. DItoBer 1884. 

©od^öerel^rter $err ?ßrofeffor, 

SKein fttrjer ajlfind&ener Kufentl^aft bleibt mir eine 

fd^one Srinnemng, t)or aQem anä) bnrd^ bie freunbftd^e 

Sufnal^me, bie iä) bei Sinnen gefnnben. (Sin paax 

SBIatter (S£ierf)te l^alten mir einen toertl^üollen Xl^eil 

jenei^ SCnfentl^alted ftetd gegenwärtig , unb tt)äl^renb 

il^r Snl^alt mid^ Belel^rt, rnft mir bie gorm i^rer Änf^? 

jeid^nung angenel^me @tnnben in^d ®ebad^tnig jurüdC. 

13* 



196 93oit ^dntic^ t)on Stein. 

Kuf meinet toeiteten Steife ifl ed mir mtd^ fmtfl 
too^I gelungen, meine CueOennad^fotfd^itngen hxaäf 
freunbli(^e (Sinbtfidte }u beleben. 3n dfi^<^ ^^^^ 
mir Sobmer bnrd^ biogrQ))]^if(l^e unb noDeDiftifd^e St^ 
innerungen, bot aDem ober butd^ bie ^orttfttd im 
ftfinftletl^aufe lebenbig getoorben, ott id^ bann ben 
Spnxtn bed einflttgteic^en äRanned auf bet ^UAU 
bibliotl^el nachging. @enf toiebetum ift ftanidftf^ ge^ 
nug, um ben — auf bet bortigen Sibfiot^el gut t)er^ 
ttetenen — ftaniSfifd^en Seft^etifetn einen gleid^^^ 
attigen ^intetgtunb ju t)etlei]^en; abet befonberd et^ 
fd^eint eine Uebetgangdetfd^einung toie bet Saufamtet 
Stoufa} bott in il^tet tid^tigen Umgebung. 

3n SBetlin tooDte i^ bemnS(^ft batan beulen, 
meinet Stbeit übet Dedcattei» unb Soileau einen 
^laij in einet S^c^tift auiSjumad^en. SSotetffc mm 
abet ^obe id^ mit baiS Don Sinnen mit genannte SSud^ 
übet 2)eiScatted^ (Sinftug {u üetfd^affen. 3d^ l^atte mit 
ben Xitel aud bem @eb&d^tni| notitt, babei mug ein 
3ttt^um mit untetgelaufen fein, benn id^ ^abe bidl^et 
ni(^t nut bie l^iefige, fonbetn aud^ bie ®6ttinget SiUio^ 
tl^el üetgeblid^ batum etfud^t. SbenfaOiS oetgeblic^ 
f)aU id^ einige l^iet in SSettad^t lommenbe B^itfd^ften 
butd^blättett, unb meig mit uun nid^t anbetj^ )u 



^m ^einrid) bon Stein. 197 

l^elfett, afö inbetn xä) gl^re (Büie in Vin^pmi^ nel^nte 
unb um nrieberl^olte Sngabe bed Ziteld bed fragltd^en 
aSud^ed bitte. 

äßOd^ten @ie mein anliegen nid^t unbefd^eiben 
finben. 3&r S^re SBeil^Ufe glaube xä) nur burd^ 
mdglidbft förberlid^e Senu^ung unb SBeiterarbeit ent^ 
f^ed^enb banfen ju fönnen, nnb um Slbftattung biefed 
Sottled merbe id^ mid^ getoiffenl^aft bemül^en. 
(S^rfurd^ti^üoII grügenb 

Dr. ^nrid^ b. Stein. 



^od^gee^rter ^err, 

@ie merben in biefen Xogen t)on ber Sottafd^en 
Sud^l^onblung mein 93ud^ „Sntftel^ung ber Heftl^etif' 
pgefanbt erhalten l^aben. 3^ bitte @ie, t^ afö ein 
geid^en meiner Sl^rerbietung unb iugleid^ bed 3)anled 
ffir ^n mieberl^olte gütige !(ufnQl^me freunblid^ ent^ 
gegen ju nel^men. 

3)a (Sie (Kegenft&nbe bearbeitet l^aben unb be^^ 
arbeiten, tt)eld^e ftd^ ganj na^e mit bem t)on mir be^ 
l^anbelten berühren, muB ed t)on befonberem Sßert^e 
fax miäf fein, für ben ))rinii^ieDen $au))tgebanlen 
3^rc SeifKmmuug p ftnben. 5Die SttttuidKnug bom 
ctofflfd^en (Beifte — burd^ ben SloturaK^muiS — jum 



198 )Bon ^ehtri4 t)on @tein. 

^bealen l^tn, btefe möd^ie td^ nad^getotefen unb burd^ 
biefen 9laä)toüi einen Seitrag }ur Srforfd^ung ber 
Seelengefd^id^ie ber SRen fd^^eit geliefert l^aben. äB&l^renb 
x^f in ben ^al^ren ber SSorarbeit, ben ©toff ol^ne 
lebe SSormegnal^nte lennen }U lernen t»erfud^te, jeigte 
er mir aDm&l^Iid^ unb t)on felbjt biefe breifa^e 
®Iiebemng, fte jur 2)arfteIInng gebrad^t ju l^oben 
mürbe ber Srtrag, ]^ad (Srgebnij) ber ftofflid^en dstall- 
KrBcit fein. 

SSJürben Sie, öcrel^rter ^err, mir ettoa^ boruber 
jtt fagen l^oben, ob Sie biefeS Siü erreid^t finbcn, 
fo mürben @ie mid^ baburd^ ju 2)anl t)erf[id^ten. 
^od^ad^tungiSDoD unb ergebenft 

Dr. ^einrid^ ö. Stein 
^riüatbojent. 
JBerKn 22 Dctober 1886 
N. W. »orot^eenftroge 12 n. 



»crlln 11. Sßoüembcr 1886. 

©od^geel^rter ©err $rofeffor, 

3d^ banfe S^nen ^crgfid^ für bie gütigen SBorte, 

meldte Sie t)on SBaben an^ an mid^ gerid^tet l^aben. 

Sie fragen nad^ meinem ferneren Srfotge an ber 

Uniöerfität, über toeld^en id^ öor einigen SBoi^en in 



SBon ^cinricj^ üon ©tetn. 199 

freubigerer Stimmung (erid^tet ffahtn toüxbt afö eben fe^t. 
yHä^i nvtx l^ai mir ber @ommer miebet ben gleid^ ftarlen 
Sefud^ meiiter aftl^etifd^en 93orIefungett gebrad^t, fonbem 
et ^at mir anäf im (Sinjelnen erfreulid^e Srfal^rungen 
fiber bag gortlüirfen bc8 üon mir SDKtgctl^ctlten unb 
gefteigerte X^eilnal^me an meinen ^au))tgebanlen ge^ 
brad^t. @o freute ed mid^, bag mel^rere 3ul^drer meine 
SSorlefung aber ©oetl^e unb @d^iller }um jn^eiten 9RaI 
l^drten unb mit geff)anntefter !(ufmerlfamfeit t)erfoIgten. 
Sin mir ganj befonberd totfjH befannter gul^örer 
gemann im Huguft ben ))]^itofo))]^ifd^en $reii3 ber 3a^ 
cult&t. Son einem erl^ielt id^ au§ ber gerne f^mjjatl^ifd^e 
ßunbgebungen über fein geiftiges SBeiterleben. — (Sine 
fo gute Generation t)on Su^Srem mug id^ mir mxn 
toieber aufd 9leue erringen, unb ba em^finbe id^ t^ 
afö Srfd^toerung, bag Sleftl^etif im Sel^rf)Ian ber Uni^ 
t)erfttät nid^t bie Stellung l^at, bie il^r afö einem 
mid^tigen Silbung^mittel be^ ®emüt]^e§ unb bed SSer^ 
ftanbeiS jufommen n^ürbe. @^ ift, toit bie @ad^en 
ftel^en, faft ein Qn^aU, toenn ein ©tubent ju einem 
RoHeg über ernft^aft bur^gefül^rte ftunfts?ß]^iIofo})]&ie 
ben SBeg finbet. „S)en Sufatt bänbige jum ®Iüdl" 
l^eigt ej$ ba, unb ganj getoig l^at mir ber afabemif^e 
Seruf, mel^r nod^ burd^ bie t)or]§in angebeuteten (Sr^ 



200 8oit ^iiTid^ Don @))M. 

fo^rungeit, att burd^ ben betnonftrati))en (Erfolg ein jelnrr 
Sortefttitgett , fd^on je^t l^ier unb ba eine @)>enbc 
mirflid^en (Blftdd geffienbet. SDtit meinen ferneren 
@tnbien über bie großen $]^&noniene bed ®emät^ 
befd^&ftigi, bin ii) nnn fttr ben Sngenblict bod^ ani) 
geft)annt, ob mein 83ud^ jener ernftl^often ßlnftlerifd^en 
Veft^etil nfi^en unb Stennbe gen^innen n}irb. 
(S^rfurd^tök^oQ gra§enb 

Dr. i&einrid^ öon Stein. 



88 



»erlin 17. ai^ai 1883. 

ffield^ eine erfreuli^e 9tad^rid^t, Heber grreunb, bie 
id^ l^eute k)on Sinnen em))fange; id^ barf n^ol^I boraud^ 
fe^en, ba| bie toertl^e üermel^rte gamifte ftd^ n}o^I 
beftnbei unb bemnad^ frol^en ®Ifidf)onnfd^ Igl^rer tier::^ 
ehrten grau unb S^nen borbringen. S)aB @ie mid^ 
nun nod^ n^eiter erfreuen unb eieren burd| ba8 Kner^ 
bieten getatterfd^aftlid^er SSern^anbtfd^aft, mad^t mir 
bad (Sreignid bo))))eIt fd^ön. 3^ älter mm n)irb, befto 
einfamer tt)irb man in ber äBelt, benn an Qinbugen 
fel^U eis nie, unb ber @rfa^ burd^ neue vertraute SBe^ 
jiel^ungen n)irb immer fettener. Um fo erquidKid^r 



Son ^einrt^ ))on Xveitfc^fe. fiOl 

ift ed bann, treuem gefftleiben olier Sreunbfd^aft iu 

begegnen, meine Sfrau unb ici^, toit gerne benfen mir 

on bie reid^en ®enftffe jutfid, bie @ie nniS \)ox 20 

Sauren in bem bamafö aeftl^ettfd^ tobten SBonn bereit 

teten, unb immer am JReid^ften unb Seften, menn mir 

gong unter und maren, bereiteten, unb mie freue id^ 

mid^, bag aud^ 3^nen an jene Stunben ein pted 

^(ngebenlen geblieben ifi 

mt beften SBünfd^en fär bie bet)orfte^enbe Seier 
unb in ber Hoffnung, im ©erbfte Sie mieberjufel^n 

unb bie 4>erf0nlid^e SBelanntfd^oft meinet $atl^d^end ju 

mad^en 

bon ^erjen ber gierige 



Xin. t^txnd^ tum Srdtfdike. 



8» 



öerWn, ßiniftr. 10. 14./7. 66. 

©el^r geehrter ^err, 

^pffentlid^ entfinnen @ie @id^ meiner nod^ t)on 
ben iBonner unb ^eibelberger Xagen l^er. 3d^ ^obe 
uiic^' bamate in Ql^ren ©l^afefjjeare^SSorlefungen burd^ 
einen bettagendmertl^en anlange! an (Ernft unb $iet&t 
auj^gegeid^net. Vbtt ber SSerftanb lommt mit ben 



202 8on ^inriA t>on %xtii\dflt. 

Sauren, ^euie iSSjUt id^ ju ben eifrieen Sefem oOted 
beffen, mad Sie Aber äfll^etifd^e Singe fd^reiben, na^ 
tnenili(^ ^l^re !(rbeit fiber ^UU 2)emetriui^ ]§at 
mid^ fel^ angejogen. polten @ie boiS nid^t fitr eine 
captatio beneyolentiae, Sie tDiffeit t)ieneid^i ttod^ tion 
^eibelberg l^er, ba§ id^ frei bin t)on ber ^0fIid^feit, 
bem 9lationanafier meiner löniglid^ f äd^fifd^en ^eimot^, 
bie nunntel^r l^offentlid^ aufgehört l^ai ju ejnfHren. 
S)od^ aOerbingd lomnte id^ ^l^nen l^eute mit einer 
Sitte. 

3d^ l^obe ^oüiforifd^ bie Kebaction ber ^euj|. 
Sal^rb. fibemommen, folonge äBel^ren^fennig t)on 
ben Sauften ber Strol^baiem bebrol^t ift, unb ftnbe in 
SB'd äRitorbeiterlifte bie Stoü}, bag @ie uniS fftr Slnfang 
3uU eine ®oet^e^SBoIfffd^e Sorref|)onbeni mit Sin« 
leitung t)erf|)rod^en l^oben. @ie n^ftrben SReimer unb 
mid^ fomie unfre Sefer ju großem 3)anle t)er|)f(id^ten, 
tottm @ie bieiS 93erf))red^en balb erfüllten. 3n biefen 
milben grojsen Xagen l^oben nur SEBenige Stimmung 
unb aRuge für toiffenfc^oftfid^e arbeiten; bie ^Beiträge 
gelten fe^r \p&xtxä) ein. S)er ßterarifd^^oeftl^etif^e 
Xl^eil ift fd^on feit Sangem bie fd^mod^e @eite ber 
^al^rbfld^er. 3d^ ȟnfd^e fe^r biefen Uebelftanb ju 
lieben; aber @ie toiffen ja, n^eld^ ein troftloiS ein^ 



Son ^einrid^ ton Xreitfd^fe. 203 

fdttige« SoK bic SKciften unfcrcr «cftl^ctilcr unb 
ßiterorl^iftorilcr jtttb. gd^ fcttft, bcr id^, too nid^t 
Seruf, fo bod^ Sletpng für oeftl^etijici^e !(rbeiten l^obe, 
tDerbe augenbltdlid^ gattj unb gar bon ber $oIttiI in 
Snfprud^ genommen. SBoQen @ie und alfo nid^t ju 
^ilfe f ommen ? 2)ie Igal^rbüd^er ftnb nod^ immer iad 
einzige beutfd^e SBIatt, n^eld^ed ftd^, tt)enn aud^ nur 
gan} t)on ferne, ben englifd^en unb franjöftfd^en 9flet)uen 
bergleid^en borf, unb fie t)erbienen fd^on barum Untere? 
fta^ung. SBenn @ie, ouger jener t)erff)rod^enen SlrBeit, 
no(^ S^tt unb Suft für anbere literarifd^e arbeiten 
f&nben (etoa über !(uer6o^^ neueften Koman ober 
über ein Xl^ema aud ber t)on ben S^^l^rbB. fd^mä^Iid^ 
t)emod^ldffigten englifd^en Siteraturgefd^id^te), fo to&re 
bad l^od^ tt)iIIIommen. 

@ie toerben mit mir bem @d^idtfal banlen, bad 
und biefe reid^en Xage erleben Keg; ed Bleibt tro| 
aUebem eine greube, biefem glorreid^en Staate an^ 
iugel^dren. 

SDlit aufrid^tiger ^od^ad^tung 

^. t). Ireitfd^fe. 



|ittiiiet(Uttii|(tt. 



L »tiefe ton m^atl »ttnanü. 



1. ^ermann Ul^be (1846—1879) l^atte fi^ ((^on Ut 
jungen Salären etnen el^renDoden Flamen in ber gfotfc^ung 
gut ©efc^i^te bed beutfc^n ^ü^^ttxi ertoorben. @in f4tt>eteS 
Sungenleiben inad)te ei^ t^m unmögli^, in S)eutf4Ianb )u 
bleiben. ®eit 1876 k>erbrac^te er bid gum legten Ktem^ug 
f^riftfteaerifcb tätig, ben fBinter in SDlontreu;, ben @ontnter 
auf einer fleinen 8eft|nng am JBiermalbftätter 6ee. Son (ier 
au9 untet^ielt U^be, balb eigeniftftnbig, balb mit ^ilfe feiner 
(S^attin, lebl^afte fc^riftli^e {Bedienungen mit geifüg (Blei^ge^ 
rmntcn. gu btefcm Äreife gel^örte feit 1876 audft SKid^ael 
99erna^. Übereinftimmung in tt>i(^tigen gfoc^fragen ni(!^t nnr, 
f onbem bef onberd in ))oliti{(4er ©eftnnung unb in länftlerifd^en 
3)ingen führten jund^ft p einem lebhaften liBriefmeti^fel, unb 
nad^bem ^ema^d pm ^totd ber ))er{5nU(^en S3efanntfc^ft 
in bie ©d^mei^ gereift tvar, p einer feltenen treuen Srreunb» 
fc^Qft, bie na^ bem Xobe U^bed für ^ma^d bie S3erantaffung 
mürbe, bed bal^ingef^iebenen gfreunbeS mit erl^ebenber ^reue 
in einem umfangreichen 92a^ruf p gebenlen. 

2. grau t)on Xl^ierf^ (t 1879), bie m\tot bed $^ilologen 



9(ninetlungen. 205 

Sr. X^tfrf<^. 8emQ^d l^at toiel in ilgrem {^aufe Dertel^tt unb 
bfbauette ftetS, bo^ t)on il^r, bie auS ettier alten Ttün^mx 
Sfamilie ftammtc, feine Vttmoixtn toor^onben feien. 

3. Sgl. S3ema^, 6(l^riften ^ur IMtit unb Sitteraturge^ 
fd^iij^te. Serlin 1899. Sb. lY. @. 383. 

4. Sgl. feiger, ©alonton ^iT5eI unb Wd^atl Sema^ 
©oetl^e^Sal^rbuc^ 1900. (5. 194 ff. 

5. Sgl. Sema^«, 6(^riften, a. a. O. Sb. IV. 6. 359. 

6. 9offQt)elImeifter gfrang SBüQner »urbe 1877 t)on 
a^üncj^en na4 2)reSben berufen. Sgl. ®. 17. 

7. $Me 9(nfpra4e J^aifer 9BiI^eImS I. an feinen dnfel, 
ben ie|{gen ^atfer, bei beffen (l^inttitt in bie 9(rmee 9. ^ 
bruat 1877. 

8. Über bie bebeutfame unb eifrige 2:ätigleit, »eld^e Ser:: 
natß für bie SSerfe SSagnerd enttuidelte, »erben bie im @ommer 
1907 in ben @fibbeutf4en ^onatdl^eften erf(^einenben Sriefe 
t)on Sema^d an Setoi unb fBoI^ogen berieten. 3)er l^ier er» 
lofi^nte 9(rtifel ift „%aii Sfeftfpiel in Sa^reut^ unb feine SRe^ 
jenfenten". SWtter für litter. Unter^Itung 1877. 28.-80. 
3uli. tiefer ^uf(a$ trug auf ®runb gemeinfamer Slbmatftung 
ben 9[tttomamen Vi^bt», tofi^renb er tatfäij^ltc^ bon Serna^d 
t)erfa(t mar. 

9. Sürgermeifter bon Sa^reutl^ {Ritter k)on ajlunder, 
bei Sater bon Sema^d' ©c^üIer unb 9la4foIger ^rofeffor 
gfran) SRunder. 

10. Sgl. ben 9(ttffa| bon Sema^ „2)ie @4ule für ^ufif 
unb S)raina in Sa^reutl^'' im ®ammler 92. 132. 3. 9?oD. 1877. 

11. 9luf I£3unf4 9offa))eIImeifter SeDiS ftubierte Serna^« 
mit ben ^rfteHerinnen ber SRI^eintöc^ler unb 9?omen ben 
]ptadfi\ditn %ül il^rer SRoQen. 

12. ^ie 9(ttentate auf ben 5^aifer bon ^öbel unb 9^0« 
biling am 11. SRai unb 2. guni 1878. 

13. Sgl ed^riften a. o. 0. Sb. IV. @. 880, 



206 ^[nmerlungen. 

14. ©onrab grleblcr (1841-1895). «gl. @. 80. 81. 
16. 2)ie ¥^otogtQ))^ie 2)anted na^ bent S3ilbe bon ©iotto, 
eine S3ei§na(^tögabe bed U^bef^en (S^paared. 

16. deines ber 12 mittnt^ctmpiaxt t)on Ul^beS ^^S 
®tQbtt(eQter tn Hamburg.'' Stuttgart 1879. 3)ie @ä$e auf 
6. 404 entftammen beut tn 9[nm. 8 ermäl^nten ^uffa^ über 
baS gfeftfpiel tn SSa^reutl^. 

17. )BgI. ben 9luffa| ^acauIa^S über Sorb SBacon bom 
Saläre 1837. S)ie @teQe lautet Doaftänbig : With the dead 
there is no rivalrj. Plato is never snllen. Cervantes is 
never petnlant, Dante never stays too long. No diffe- 
rence of political opinion can alienate Cicero. 

18. «m 27. aRal 1879 war U^be feinem Selben erlegen. 

19. %BiI^elm ^emfen, fett bem 9[ufent^It Don fßttnat)^ 
In Sonn mit tl§m befreunbet. @r »ar ©clretftr be« tunft* 
Deteind In töln, fpäter ^ribatbtbliotl^efar bed SeSnigS t)on 
fBürttemberg. (&x ftarb 1885. 

20. Oberconrtftorialrat SRuboI^lg ^l^IerS in Srrantfurt, 
ein ^ttfd)ü(er Serna^S' am Hamburger So^onneum. 

21. Über SBral^mS f^reibt 93ema^ ein anbered ^al an 
(£ri4@(4mibt: „tSon IBralgmd lenne t(^ genau feine frül^eren 
j£3erle, tn benen bie f(]^öt)ferif4e Qgmt)ftnbung gleid^bered^tigt 
neben ber funflretd^en (Srftnbung ftel^t, bort erl^ebt ftc^ au4 
oft genug ber Q^eniuS p feffeKofem ^uffd^wung. gn feine 
neuen arbeiten ftd^ einzuleben, wirb mtr leiber p wenig 
lodPenbe Gelegenheit geboten, ^aum in irgenb einer anberen 
größeren ©tabt mag Sral^md f o biele (Gegner unb SJ^tpc^ter 
^l§Ien wie l^ier, unb — wa^ anberdwo gewig nur feiten ein? 
trifft — gerabe biejenigen verwerfen tl^n, bie au4 gegen Wagner 
wut^gerüftet laut ober im ©ttHen !äml)^n. SWir war ©tal^m«' 
^erfönli^feit immer ein auSgiebiger @!ommentar ^u feinen 
SS^erfen; wie unb oh er ftd^ wöl^renb feined Wiener ^ufent« 
^altd unter ben ca^uanifci^en ^injlüffen be^ bortigen ^f^n^ 



9(nmer(ungen. 207 

umgetoanbelt, Demtag ic^ freili^ nt^t ^u etmeffen. Sm 
©omuiex 60 lebte er mit Igoa^im in S3onn, bamald toar ber 
(^itiuS im tvunberbar mächtigen ^ufblü^en, man glaubte 
loal^mel^inen p fönnen, mie Don Xag ju Xag bie £raft {tc^ 
immer lü^ner entfaltete. @ein geiftiged gntereffe toar f^on 
um jene geit feinedmegS auf feine ^nft befd^rftntt. SJ^it 
rul^g einbringenbem S3Iidf fd)aute er auf 3Rtn\d^m unb 2)inge. 
3d) l^abe fein Urtl^eil autft in. @a4en bed realen Sebend 
immer ald fel^r ))robe^aItig erfunben. (Sine fc^dne aJliga^tung 
beffen, toa^ gemeiniglich atö genial gilt, ^etc^nete il^n fd)Ott in 
frül^en S^^ren auS. ICber toie ma^r^aft genial ermied er 
ft4, toenn er eigene ober frembe i^m eigen getoorbene SBerle 
))or uns erfte^en lieg, ober mit f^arf beutenbem SSort ilgr 
SBefen bezeichnete. SRein tiefered SBerftänbnig ber ©dfubert:» 
fd^en S^rit Derbanfe i(^ feinen lebendDoüen IBele^rungen. 
92o4 immer erinnere i(^ mic^ fonniger 9{ac4mittag9ftunben, 
in benen er mir bad i9rifd):^bramatif(6e 2thtn ber „iungen 
3lomie** begeiftert erfd^Iog. Übrigens gehöre iä^ hVi benen, 
bie ftd^ mit üertrauenSooIIer )8erel^rung gu il§m betannten, 
als bie a){affe beS ^ublitumS il^m nur abtoeifenben ^ol^n 
geigte unb nur eine Heine erlefene @d^ar an i^n glauben 
moc^te.^ 

22. „3))16i8enie an ber taurifc^en JHlfte'' k)on 9(nfelm 
Sfeuerbac^ in SRom. 3m ai^orgenblatt 1862, 26. 92ot)ember. 

23. Über bie ^bftc^t t)on SBerna^S, ein umf affenbeS ^erl 
über ^omer gu fc^reiben, ügl. ben S3tief an Sreitfc^fe @. 120. 

24. Römers Ob^ffee Don gol^. ^. SBog. Slbbrud ber 
erfien 9[uSgabe Don 1781 mit einer Einleitung Don SRi^ael 
SBemaQS. (Stuttgart 1881. 

26. Salob »ac^tolb (1848-1897), «ßrofeffor ber 
beutfd^en fiitteraturgefd^i^te an ben Unik)erfitäten Öafel unb 
Sürid^. SSerfaffer ber „©efc^icl^te ber beutfc^en Sitteratur in ber 
@(^weij". ^frauenfelb 18§7. 19^8. (fx ftanb mU ^txncüfi 



308 SCnmctfungen. 

in ftfinbigetn IBrieftoeAfel. 1882 toibmete er 9ema^ feine 
«[»«gäbe be« „®at Hon »erli^ingen in btfifac^r (Beftalt". 

26. IBaed^toIb l^atte 1888 einen »mbec unb 6 SBo^en 
fpAter feine SRutter tMiIoren. 

27. Sric^ 64mibt, Seffing SBb. L »erün 1884. 

28. Otto ®ilbenteifter (1823—1902), Überfeter beS 
9(rioft, @(atef|)eare, Q^ron nnb 3)Qnte, 6enator nnb 
IBürgermeiftec bec ©tobt Bremen, bie et aud^ aI8 f6e>o\i^ 
rnftt^tigter beim IBunbeSrat 1871 bertrat. ^ilbemeifter nnb 
feine gfrau gfelicie Ratten SBema^«, M er ^u IBorträgen in 
Orenten toeilte, auf ha% fteunbf^aftlii^fte aufgenommen. 

29. S^ife Saiftner, bie SBitme Subtoig SaiftnerS 
(1846—1896). Saiftner mar t)roteftantif4er ©eiftlic^er, na^m 
bann feine dntlaffung unb lebte afö $rit)atgele(rter in avtün? 
c^n, Bis er atö literarif^er iBeirat an Die 3. ®. (Sottafc^e 93tta» 
l^anblung in Stuttgart berufen mürbe, dr gab gufammen mit 
^Qfe 1884—1888 ben beutf^^n 9?oDenenf4a( l^erau«. IBgL 
^^fCf Sugenberinnerungen unb 8efenntniffe. @. 321 ff. — 
2)iefer ^ief Don SBema^d l^at fein Siei nidft erreicht, ba gfrau 
Saiftner il§rem hatten freimiHig im 2:obe nad^efolgt mar. 
93ema99 l^atte bie 9(bfi4t, il^n ald 92eh:oIog bruden gu laffen. 

30. 3ofe|)5 ßeminSf^, (1836—1907) f. l ©ofburg« 
fc^aufpieler unb SRegiffeur in SBien. 3n SBien l^atte 93ema^ 
im Sftül^ial^r 1880 IBorträge im ®oetl^e«Serein gehalten unb 
bei biefer @^elegen]^eit SeminSl^ fennen gelernt. 1881 gab biefer 
©aftfpiele in SRün^en, unb feltbem blieb ha^ freunbfdftaftlid^e 
SSer^ältniS in unt^erminberter ^erglid^leit beftel^en. SSema^ 
ft^rcibt über il^n an SR. öon ßilicncron am 17. 3uli 1881 : „^ox 
turpem Italien mir SeminSlQ l^ier. (Sr geigte ft^ auf unfern 
83retem unter ben ungünftigften Umftänben. @eine grünblid^ 
einfädle 9(rt ber ^enf ^enbarftellung fonnte in ben brei 9loDen, bie 
man allein il^m))ergönnt l^atte, unmögliij^ auf biejenigen fiber^ 
jeugenb mirlen, bie nun f(^on gemöl^nt finb, in Ueberlabung 



9(iimetfungcn. 209 

9}atttma]$rl^it unb in geftmi^ter ai^atiier e^te ^unft gu er* 
Mi<!en. (Seine bomel^m fd^Iid^te Stmi\i matb nur k)on toenigen 
getoilrbigt unb begriffen, ^nx an einigen ©teilen (^. S3. im 
fünften 9[ct ber 9lftttber) überwältigte bie innere SBa^rl^eit feinei» 
®t>ieI9 atti^ bie SRaffe. gdft erfreute mid^ bor aUeni bei» tteff^^ 
lii^en aRenfi^en, ber n^fil^renb meinet l£3iener ^lufentl^altS 
nth nft^er getreten koat. <£r i^erbrac^te jebe freie ®tunbe in 
nteinem ^ufe. @r ift unter allen ©c^ufpielern, bie i(j^ fenne, 
ber einzige, ber fein aRenf(!^nt]^unt t)om IBü^nentreiben unbe^: 
rüftrt crl^alten ^at.'' 

31. 9^be auf Steffel bei ber (Sntl^üIIung beS j^arldtul^er 
S)enfmali» am 19. 9?o))emBer 1892, t)er9ffentli4t in S3ettel§eim9 
btogta|)litf(l^n »(ättem »b. I. ^eft 1. 1895. 

32. 9io4ud t>on Siliencron, @ttftt)rot)ft in Bd^U^ 
»ig, ber Herausgeber ber allgemeinen beutfd^en S3iogra))l^ie. 

33. 2)ie9(ufforberung, ben Slrtifel ,,®oet]^e'' für bie a. b. SB. 
SU übernehmen. Sgl. ®. 184. 

34. ^iel^iftorif^enlBolfölieber ber3)cutf(l^en))oml3.— 16. 
3a^r§unbert. ®efamme(t unb erläutert bon 91. t). Siliencron. 
SeH)8ig, 1866ff. 

35. ©elnri^bon Stein (1857—1887), «p^tlolog unb 
9[eft]^etiTer, ^tmibojent an ben Unit)erfttäten ^aUe unb S^er- 
lin, t)or^ $au9le]^rer in SBal^nfrieb. 

36. ©einrid^bonXrcitfcöfe (1834-1896). ißrofcffor 
ber (S)ef4id^te an ber Unit^erFttät Berlin. @r gel^örte ^u ben 
nfil^ren ^reunben t)on SBema^d auS beffen ^eibelberger Stubien« 
geit (1853—66). IBgl. ®. 201. 8ernaQiS t^erel^tte Xreitf^fe 
augerorbentlid^. S3ei feinem Xobe fd)rieb er an (Sri^ @<i§mibt: 
„^r tSm|)ftnbung, bieSreitf4fe9 2:ob mir ermetfte, lann 
\äl no<^ immer nic^t ^err werben. @8 ift bie ^mpftnbung 
einei» einfd^neibenben ©c^mergei», einer ferner p befd^wid^- 
tigenben Trauer, ^an !önnte ber^weifetnb mahnen, ein 
l^erbeS ©efd^id mißgönnte nn^ einen großen ^iftorifer, in 

ettnatfi, Briefe. 14 



210 Slttmcifungcn. 

bcm üUötcltft ein l^crrlid^cr 3Rcfircr beS SRclcfiS unfercr Sittcratur 
entftanben. ^aS und mit i^m entfc^tutnbet, lägt ftc^ noc^ 
faum enneffen. dx allein mar Dermbgenb, and ber ©efd^tc^te 
unferer nationalen ^iebergeburt ein ^unftwerf ^u btiben, 
burci^ beffen SBetra^tung bad je^ige ©efc^Iec^t mie bad fünf- 
tige fl4 ermahnt unb etmutl^tgt fällen mugte. Ud^, unfece 
nationale 3Biebergeburt. 3ft fie benn toirflic^ erfolgt? 5J)er 
|)rot)5ctifc6 bcgeiftctte SJerfünbiger baterlänbifcfter ©inneStocifc 
toixh un^ gerabe in bem 9lugen6U(f entrtffen, ba jene Ortage 
und f^merjlid) bebrängt. 3ebe 6i^ung beS 9{eid^dtagd mug 
uns ju einem peintgenben ©d^amgefü^I fttmmen, unb in 
öa^em rül^ren unb tummeln fidft bic alten ©(ftürer beS IBer= 
berbenS unb fel^nen ft^ offenfunbig na^ ^tn %a^tn alter 
(34ma4 jurüdt/' 

37. ^erna^d, Über ©ef^i^te unb ^rittf bed ©oetl^efc^en 
Xeyte«. »erlln 1866. 

38. $gl. @. 84 unb 9(nm. 23 u. 24. 



n. 9xitft an SRid^ael S^erna^d. 

1. 3gnaa öon 5)öningcr (1799-1890), ber beriil^mtc mu 
!atl^oliI. ^nttoort auf bie ^(n^eige ber ®eburt Don SBerna^d' 
@ol§ne. 

2. Henriette geuerbad^ (1812—1892), SBitttoebe» $rofe|for8 
2feuerbad^ in greiburg unb Stiefmutter beS 9RalerS ^nfelm 
2feuerba(^. Serna^S l^atte alS junger 6tubent in ^cibelberg 
1854 — 1856 t)iel bei i^r Derfel^rt unb fte bei ber Verausgabe 
ber 2. Auflage beS ,,Datifantfd)en ^oa" igred hatten unter- 
ftü^t. SJgl. ißeuc 5Runbf*au 3a§rg. 1906, §eft 7. 

3. ^nfclm geuerbad) (1798-1851). 

4. 3. SB. ©(firmer (1807—1863), Sanbf(^aft8maleT unb 
^rofeffor an ber Äunftfd^ule in S^arlSrul^e. 



?lnmcrfun{\cit. 211 

5. S)lc @tieftod§tcr fjrau fJeuerbatfiS, ©mtlie, f 1873. 

6. 5)ic ®otttn bcS Ilaffifc^en «Philologen fj. SRltf(^t 
(1806—1876). 9^ac^ Beftanbcncm S)oItorejamcn »ar SBcrna^S 
im ©omuier 1856 nac^ ^onn üBergeftebelt. 

7. Defcr, ®efd^t(^te ber ^ocpc 2. ?IufI. 1854. 

8. ©bmunb SJJontgomcr^, S3cmat)S' bcfter 3"9cnbfrcimb, 
bcr mit il^m In gcibclbcrg flubicrtc. @r ging 1871 nadf Xt^ca^ 
unb fd^ricb bon bort bei SBcrna^S^ S^obc: „3c älter man toirb, 
je burt^gcl^enber man ha^ „allgemeine Spalten" geprüft l^at, bcfto 
übcrwältigenber »öc^fl ble ©mpfinbung, bafe fjreunbfc^aft unb 
ßiebe alS baS einzig SBefriebigenbe in bem melft cnttöufd^enben 

SBirrfal be« SebenS öerblelbt g» »ar im ©d^önen, 

Sblen unb ®uten, bag föttnat)^ unb idg in ber erblül^enben 
S^töcnbjeit uns jufammenfanben. Stuf allen unferen SBegen 
fül^lten tt)ir al^nungSDoÜ f^auemb bie ©egenmart ber ibeal:: 
benoitni^enben 9)^a4t. 39ie oft Dom ^eibelberger @d^Io6 
l^at in fd^koeigenber ^nbad^t burd^ 93oIfenprad^t und ber 
©d^cibefonnc lejter ©tra^l ent^üdt! 2Bic oft in S3onn bie 
öollc SRomanti! bc8 alten JRl^einS! gu anberen Seiten jubelten 
wir I^rifdft bemegt in ®oet§ef(^en ßiebem bem fd^öpferifc^en 
3)rang ber iWatur entgegen, ^ber feineStoegS übergaben toir 

uns m^ftif(^ loeic^er ©(i^wärmerei Wxt ben er^um« 

f(&irmten ^cftäern unb ben Tül^ncn 9f?edEcn ber 3'iibelungen 
fämpften loir loilbbegeiftert l^eroifd^e ©d^Iad^tcn . . . @o 
ftimmungSöolI ift mir nadö mel^ alS bterjig Solaren unfcr 
S5etlc^r in Erinnerung geblieben." 

9. SStftfter, jtoci SReifen nadft ©riedöenlanb, 1853/54. 

10. „©iHft bu SBeil^rauc^S ®erud^ erregen, feurige Äol^ten 
muftt unterlegen." ©oetfte, @prüd§e in SReimen. 

11. ®eorg SBeberS (1808—1888) allgemeine gSeltgefd^it^tc. 

12. ^terauS ergibt ftd^, bag bie griec^ifc^en $erfe t)on 
gfrau ^euerbac]^ felbft ftammen. 

13. ^ur^ tyoxf^tx fd^reibt grau geuerbad^ „ba eS bod§ 

14* 



212 ^nmetfungen. 

ein großer fiuptd ift einen @aIon fux ^toti ^exfonen ju 
^ei)en, ift bieS nun eins bet Dielen 0))fer für bie niemanb 
9ie(J^unQ ttftgt unb um bie man feinen ftitmmet feI6ft hen 
9{fi4ften Derf(^toeigen mu6, um nid)t lAd^tlid^ gefunben jit 
totthen. 

14. Sal^n, aRo^Qit, Sei))5ig 1856. 
16. S5uf(ö, Äleyanber tion (1789—1876), babtf(fter Staate 
minifter. 

16. ®. ®. ®ert)intt8 (1805—1871), ?rofeffor ber ©ef^t^tc 
in ^ibelberg. (Sr geigte fi4 ftetS befonberS freunbli^ gegen 
)Bema^, bem er qu4 bie IBefanntf^aft mit ^acob ®rimm 
k)erf4Qffte. 

17. ^ie grrau bed $^Iofopl§en Subtoig ^uerbac^ (1804 
— 1872). 

18. Siobert öon JBunfcn, ^rofeffor ber aijemic (1811— 
1899). 

19. ,,S)ante unb bie gfrauen'', ie^t im S3efi^ ber j^artöru^r 
^^QÜerie. 

20. JBeml^arb (Star! (1824—1878), ^ßrofcffor ber ^nft« 
gefc^ic^te. 

21. ^emfen, f. ®. 72. 

22. Serlagi86u4^änbler ^, SBranbftetter in Seif^jig. 

23. SBgl. ®. ö5. 

24. S5gl. ©. 17 unb «[nmcriung. 

25. SR. ^iflebranb (18^—1884), «P^llolog unb ^rtttfer 
in gloreng, ^vermittelte bie Überfe|ung bon ^txncüfii' ©oetl^e 
für bie nnova rivista intemazionale da Ginsti ect. Nr. 1. 
Firenze 1880. S. 1 ff. »gl. @. 80. 

26. «gl. @. 93. 

27. S)iefe IBerfe bejiel^en fttlft auf eine fd^cr^afte ©ontro» 
toerfe jwif^en SBerna^S unb ^e^fe, tib e» ablig ober abU^ 
feigen muffe, gm ^e^fefd^en tSörterbuc^ fte^t g, bei ®rimm 



^(niiiecfuttgen. S13 

^ 2)er »erfaffer bei» S^örterlto^i» ift bed 3)id)tfrd ®ro6« 
kNiter. 

28. Wordsworth, poems. C^osen au editedby Matthew 
Arnold. London 1882. 

29. S3enta^ fi^reilbt int ^erbft 1889 : „S^eiite $ro))agQnba 
für %orbi&tt)ort]| nintmt einen f^tedenerregenben ^ffaxatttx 
an. ^\m fc^eibt mit aud^ ^e^fe aud ^ei^bac^, i^ möd^te 
i]§m eins meiner @;em))Iate f^idten. Unb S)n koeigt ja, iüi 
bin fonft bur^auS !ein ^rofel^tenmac^et. 34 überlaffe eS 
einem jeben, feinen ^eiligen unb feine beliebte ft4 felbft p 
toft^Ien.'' Unb einige 3cit f))äter: ,,&eQfe fc^rieb einen langen 
S3tief über fBorbSmort^. (£r äußert ftd^ gan|( fo, tvie ic^ er:: 
toartet. 3)a8 ©^reiben ift ein tool^red geugnid für feinen 
®eift unb feine ©eifteSric^tung.'' 

30. »gt. ©. 105. 

31. «gl. @. 110. 

32. Siliencron, Über 9leib]^artd l^öfifc^e 3)orf))oefte in 
^u))t9 Seitf^rift für beutf^eS Hltertl^um. Sa^rg. 1848. 
Seipsig 1848. 

33. aRoj aWünet (1823—1900) Drientalift unb ißrofcffor 
ber bergleic^enben @))rad^loiffenf(4Qften in Ojrforb. 

34. Sfroube, 3. «. (1818—1894), ber ©iftorifcr. 

35. griebri* m^tl (1844—1905), «ßrofcffor ber ®eo« 
Qxap^t in S^ünd^en unb Selpjig. 

36. 9lboI^^ ®4öa (1805-1882), ^r<^äologe, Oberbiblio:: 
tl^elQt in SSeimar. (Sr l^atte auf einen Angriff ^einrid^ ^ün^erS 
in ber ^Beilage ^ur allgemeinen geitung 1866 9h:. 359 unb 
360, ben biefer gegen bie thtn erfc^ienene (S^rift Don SBema^d 
,,8ur ^itil unb O^ef^i^te bed ©oet^ef^en Se^ted'' gerid^tet 
^atte, geanhoortet (®renaboten 1867 @. 106 ff.) 

37. «gl. @. 113 ff. 

3a ®QbeI, ^inrid^ ))on, f. 6. 79. 9ttna)ii l^atte i^n 
gebeten, bei feiner Xo(^ter ^atenfteüe §tt übemel^men. 



214 ^(nmerhtngen. 

d9. f. @. 118. (Sin ameiter SBtief bon ^rettf^fe an 
SBemo^S ourbe leibet nid^t ^nx SSerajfentü^ung freigegeben. 
(Er entl^It bie fel^r bemerfendtoerte ©teile über bie t)on 
S3emat)d befolgte ^eraui^gabe ber ©(J^Iegel^Xiedfd^en Über« 
fe^ung @]iafef|)eared: „^arum begnügt man [idi ni^t bo« 
mit, einige offenere ©c^ni^er and bem @<!^legel unb 93Qubt^ 
ftn iu ftrei^en unb bad anbere^ bad ho6i nid^t über- 
treffen wirb, in 9hil§e gu laffen?** 



^eglper. 



SCefc^^Ittd 60. 

Mitritt, Suitu« 63. 83. 

171. 
ariofto, S. 118. 
«mtni, SBettina ö. 111. 

112. 185. 
«moft, aRattl^ctt) 178. 180. 
9lttet(a(6, äSertl^oIb 203. 
a3ac(^toft; Sacob 85 fg. 
»atf4 a. 112. 185. 
»cctl^oöcn, S. ö. 10. 15. 

56. 66. 151. 195. 
»circte, ®. Kl^r. 112. 185. 
»crna^^, SacoB 189. 
»igmard, gürft 55. 



Siömfon, Siömftjcmc 78. 
Slanb, Termine 8. 
SBobmer, 3. 3. 196. 
»eding, ®b. 87. 
SBojarbo, SR. SR. 117. 
»oilcau, 91. 196. 
SBoiffcrec @iüpxi 111. 
SBo^cn, ®cncral ö. 98. 
Sra^m^; So^annc«, 15. 79. 
SBranbftetter, gr. 166. 
SBrion, griebcrilc 187. 
SBrotoning, 8fl. 180. 
S8üttncr,e:]^r.SB.112.186. 
SBunfcn, granciil 133. 
Sunfcn, SfloBcrt 156. 



216 



ftegifter. 



»utf^orbt, gocob 20. 
fönxnf^, Kobcrt 117. 180. 
»ur^, gr. 112. 186. 
Calbeton 146. 
Sarl^Ie, X^omai» 190. 
Sarriere, äRori^ 17. 
SetDanted 62. 
Sicero 62. 
Srottfa}, $. be 196. 
(Ettvtiud, Srnft 142. 
(Cante 59. 62. 
S)eltud, SHcobud 67. 
©cÄcatte«, ». 196. 
S)ct)rieÄt, Otto 74. 77. 
©öDinger, Sgn^ia ö. 90. 

125. 
S)r5ben, g. 177. 
2)an^er, ^inrid^ 184. 
S)uf4 «. ö. 150. 
Leiermann, $. 55> 
g^Icr^, «. 74. 
gittjiebd, 3. ^. 186. 
Sradn»!^ t>on Stotterbam 

37. 38. 89. 91. 



(Ef^enbac^, SBoIfrotn t). 23. 

29. 30. 107. 
%ttittia^, Snfelm (Sater, 

ber Krd^äologe) 126. 
Sfeuerba^, Slnfelm (Sol^n, 

bcrSÄoIer) 69. 70. 81. 

8a 84. 132. 134. 136. 

137. 144. 152. 154— 

60. 162. 163. 164. 166. 

167. 171. 

Setterbad^, !(. (b. %effe) 

156. 
Seuerbad^, Smiße 129. 

132. 133. 157. 166. 
geuerbad^, Henriette 126 fg. 
Sfeuerbad^ Subloig 152. 
%xthlttf Sonroft 65, 72. 

77. 80. 81. 168 fg. 
gicbfer, aWar^ 70. 
grandfe, Dtto 189. 
grcttjd, ft. 18. 
gri^iAc, 3. «. 190. 
®ribel, (£. 127. 
®ert)tnud, ®. ®. 151. 



d^egifter. 



217 



(»xVk>% 6. 132. 142. 
®ilbemeiftev, Dtto 93. 

171 fg- 
(&öäif)an\tn, Suife \>, 187. 
®aebele, ft. 186. 187. 
(SoeH^e, 3. SB. 4. 12. 13. 

26. 32. 34. 52. 55. 59. 

72. 78. 111. 140. 141. 

155. 184. 185. 186. 

190. 199. 
®ottf(^aII, K. 18. 
®ottfrtebt).@tcaBbur8 23. 
®ratnont^ 9. äßorqittö be 94. 
dritnm, $. 111. 185. 
®rfiner, ®. 112. 
^oitdlid, (Sb. 36. 
^oti^t, SR. 188. 
Hebbel, ?. 202. 
^eine, ^. 127. 177. 
^cmfctt, SB. 72. 165. 
^crjlieb, SRimio 187. 
^c^fe, $aul 8. 14. 15. 59. 

6J. 6a 73. 78. 84. 

104. 176 fg. 



^ilbcbronb, «. 70. 
©tUcbranb, R 80. 169. 
©irjd, @. 9. 80. 

97. 
^ol^cttborff, %t, t>. 50. 
^onict 50. 51. 84. 87. 

96. 120. 140. 
^ougl^ton, Sorb 179. 
^oratiud 19. 
©utten,mric^ 0.37.38.89. 

Sbfctt, ©. 79. 
Sml^of, «molic t>. 187. 
Sogemonn, ffioroKnc 187. 
3a^n, Dtto 149. 150. 
Soac^im, 3. 133. 
StaVb, gantißc 187. 
ftant, 3imn. 52. 
Äa^fcr, (Sf)x. 112. 
ßcatg, 3. 177. 
^Der, ®. 91. 92. 
ftcfteer, Sötte 187. 
ßinbemtatm, Sl. 45. 
fttrm«, ?5fr. 112. 



ai8 



«egifter. 



IHettenberg, ©ufonne t>. 
187. 

SHinger, Vt. 186. 
Stlop^f S. ®. 96. 
Shtotti», S. 83. 
Shtebel, S. t). 186. 
ftnigge, Stau t). (@o))]^ie 
®te^Ie) 15. 

So(erftein, fi. «. 192. 193. 

ftroKi 3. S. 112. 
Saiftner, Subtoig 102. 
Sotftncr, Sttife 102 fg. 
Sa äRara 18. 
Sanier, @b. 60. 
Scnbad^, gr. ö. 36. 36. 63. 
»efjlng, ®. (£. 5. 92. 99. 
166. 174. 177. 

Sct)i, ^ermann 10. 18. 44. 

46. 63. 

»etDtn8l9,3.106fg.l82fg. 
SiKcncrott, 8fl. ö. HO fg. 
184 fg. 

Stfjt, granj 36. 



Sttt^cr, SR. 37—40. 89— 

91. 99. 174. 
aiacaula^, Zl^. 93. 62. 
äRalart, ^. 83. 
SRas n. b. ^Qiitxn 73. 
äRerd, ^. 186. 
SÄe^cr, ^. 111. 

aRid^elangelo aSuonorrott 
69. 

aJKItoii, 3. 96. 
äRdrite, (£. 181. 
äRontgom^r^, @. 134. 
SKofer, ®. ö. 69. 
SRojart, SB. «. 32. 67. 66. 

149. 160. 
maitt, 3Rai 189. 

aRutt(fcr,»firgcrmrifter 22. 
9lQpotton m. 98. 

Slcumann, g^rifHanc 117. 
187. 

SHe&ttl^r, 93. ®. 142. 
Sttieift^c, g. 116. 
Vaufaniad 136. 142. 146. 
$cd^t, g. 69. 



Slegifter. 



219 



$lQto 62. 
^(tttard^ 25. 
^opt, 81. 177. 
«anle, S. t). 72. 79. 
«aftel, gr. 191. 
«eimer, ®. 202. 
fRetn^arb, ®raf ft. 111. 
aHitfc^I, gratt 131. 

Stofen, 3. 69. 
«ouj; 3. 28. 148. 
Shtbinfteitt, 81. 79. 

@ad^§, ^ond 21. 
©atll^ bc, ®cneral 98. 
©aitttc^Seuöe, Kl^. bc 50. 
©droben, Sarolitte t). 3. 
©d^ättffelcn , Sugenie 70. 
72. 

©(^effel, ». ö. 108. 109. 
©dritter, gr. t). 8. 11. 13. 

26. 83. 177. 183. 190. 

199. 

©d^iraicr, 3- SS- 128. 
©d^Ieinife, ®rafin 80. 



@döIcgn)ig*j$otfteitts=8ltt*j 
gttftenburg, ?ßrtttä t). 190. 

©d^Ietterer, ©. äR. 18. 

©t^rnibt, (gri(§ 59. 61. 92. 

©d^ött, 81. 192 fg. 

©d^umann, Klara 74. 

©d^umann, ?R. 15. 

©l^alef^jcarc SB. 6. 13. 32. 
96. 97. 101. 172. 201. 

©d^cHc^, ?ß. ». 180. 

©iteftui^, 8lttgeto^. 151. 

©imrodt, ft. 100. 

©Jjinoaa, ». 193. 

©tarl, ». 158. 

©tauffenberg, gr. 81. grei*= 
l^crr t). 49. 50. 

©tctn,$.t). 113fg. 194 fg. 

©tcmberg, ft. ®raf 117. 

©todf^attfen, 3- 74. 75. 77. 

©trabo 142. 

©^bct, ©. t). 79. 200. 

Saine, ©. 81. 79. 

lann, ®eneral ö. b. 36. 

Iaf[o, Torquato 117. 118. 



MO 






Z^iecf^ Stau t>. 3. 
Zl^obe, S)OBteIa aa. 27. 
Xti^tfd^e^ 3. S. 26. 
Zreitfc^fe, $. t). 118fg. 

201 fe. 
ttl^be, $. 3 fg. 82. 
nirid^d, $. 142. 
JBirgil, 60. 51. 
»ifi^er, SB. 138. 
83ogI, ^nr. u. Zl^erefe 45. 
aSottoire 37. 177. 
806, 3. ©. 12. 87. 
XBagtter, Softma 22. 24. 

27. 28. 32. 33. 35. 



SBagner, SKd^orb 18. 22 fg. 

53. 57. 76. 80. 83. 84. 

168. 
ffieber, &, 142. 143. 145. 
SBebel, SamUie 187. 
SBe]^ren))fenmg, SB. 202. 
SEBitciel, ®rQf 36. 
ffiinbfd^eib, 93. 73. 
SBitilcImatitt, 3. 3. 166. 
ffioliogen, Caroline t). 111. 
SBoIjogen, ^attd t). 22. 
iffiorbÄtoortl^, SB. 177.180. 

181. 
Wainttf Sfr. 15. 17 



Snut bon Sippert ft So. (0. 9ft|14e 9ud&br.), Stournburt a/& 



@Miitiittt(| ^wt $ttiff(i|)itott ottf bie 

neue Ittul^lfeile Kui^gaBe 



Don 



Sd^rtften pr Sritif 

4 93önbe, elegant gelüftet, k SR. 8.—, 
elegant geltonben ä Vi 4^6* 

(Sd »ar SBerna^S, htm berül^mten äJ'^itbegrünber 
berbeutf4enSiteraturQefc()i(f)teaUä8iffenf4aft, 
ntd^t betgönnt, bie t)on t^m auf 4 ^nbe beregnete Sammlung 
feinet @<j^tiften felbft ^u t)oIIenben. 9htr ben etftcn IBanb 
lonnte et felbft ]§erauSgeben ; ben ^toeiten l^atte et borbeteitet, 
ald il^n am 25. gebtuat 1897 in ftatldcu^e bet %ob eteilte. 
@ein gfreunb (Stid^ ®4mibt boüenbete bie ^etaudgabe M 
jtoeiten SBanbeS, unb in jtoei weiteten 99ftnben t)etdfentlid)te 
&tota SBitlotoSli ))ieteitt)oII ben literarif^en i^a^Iag 
feined xsel^tetS. @o ift ein gtogeS ©tüd bed SebenS- 
n)etfedt)onSBetnab8, bet toie lein anbetet bie ^eltliteto« 
tut aUet Seiten bel^ettfc^te, auc^ bet Ü^a^melt ald löft li^et, 
unt)etäu6etHd)et @d)a( iibetüefett tootben. Med, toa9 
SBetna^S gemefen ift, offenbatt jtd^ in feinen „®ef ammelten 
©Stiften": ^et gtoge @ele]^tte, bet glängenbe 
©tilift, bet begeiftetnbe Sehtet unb bet fiins 
teigenbe IRebnet. Unb fo mitb et aud^ auf bie 92a(^tt)elt 
lange antegenb unb beftuc^tenb toitfen. 

Vtii bet neuen (5ubffti))tion, bie mit auf 9etna^d@d^tiften 
l^ietmit etbffnen, tSumen mit ein ^inbetnii^ fott, baiS bet 
))etbienten iBetbteitung bet 9[uffft^e in bie meiteften jheife 



im fBeoe ftanb. fBir |ttca bot ^fim% )Pf o 9mik boit VST« 9*— 
mif 8ltf. 8*— liertbgcfe^t ^ie Bftnbe fdntteit anf ctimna 
ober te ein« bi9 MPet«tinuUIt4eii S^^^^^^aaa^ b^ogeii 
»erbeiL ^ie ®ttbffrl|»Üoit fimii iebergeft bcgtittteit. 

©erlitt W. 85- 

». »t^fi »erlag« 



fitlriilt Iber 4 ^fiit^f. 



Crfter «tttb. 

I. Vetiieitungen um einigen jüngft (efannt (jemaAten 
IBiiefmaneoetl^e. 1. i)ie erfle Suf ffll^runfi be« Sto^omet 2. Soni' 
I^aaen« Briefe. Se^ief^ungen tfoetlies ju fBaltec 8cott. II. Ser fr an« 
)5lifd»e unb ber beutf((e Sla^omet. n. 2)eT OiiefiDeAfel 
iWifAen ©(^illei unb 0oetbe. IV. ^ie Urf(^riften ber 
Briefe ®d)iUerft an Sall&erg. 

Stpeiter 9Mb. 

fortr&t Vernapft' in £{(^tbruiL — Sortoort bon <Eri(^ 
6i^mibt. — LSie beutfd)e Siteratur in ber6i^»eia. ILBur 
Srinnerung an4>eriogSeo))otb toonOraunf ((weig. III.Über 
einOoet^efi^e« liRotto. IV. 0oetbe, flRaturin, XBolfe. V. Sin 
unpatriotif^er 8er«®oet^eft. vi. Sfriebrid^ @(^legel unb 
bieXenien. VII.SaroIine. YIlI.3ttrftenntnie3acob0rimmS. 

^titttt Vattb* 

^ortr&t Oernapft' bon Senbac^. — Borrebe. — I. fiu S^ale« 
f^eare: 6batef^eare ein latbolifd^er Siebter. - 9li!oIau8 %tlivA* ^ui^ 
gäbe ber Sf^atefpearefd^en fBerte. ^^alefpeare oI« ftenner beft Ga^nfinnS. 
dum Stubium beS beutf d)en unb englifd^en 6l^a{ef^eare. II. 3 u r 
tlaffifc^en ^eit ber beutfd^en fitteratur: Cmilia (Balottt. — 
i^efflna. — Znuinbirn in ®oet^c8 r5mifd)en Plegien. — ^immcnnAnnd 




Ul^lanb. — 6d}e1fel. 

OicttCY 9aiib« 

I. Bunt beutf((en Srama unb X^eater: gfriebric^ $aafe. — 
Ofrieberile (BroBmann. — Sunt ^ebbelff^en Semetriu«. — Über ^^einrii^ 
svrufes föuOenmeber. - isolteis te^^ter ftomöbiant. — Sc^tUer auf bem 
8»ün<^fnet ^oft^eater. II. flur neuefteu ßiteratur (bebanbeln 
unter onberen ®eibel, Singg. SRöritfe, ibtfvon b. (Btibemeifler, ^mmer* 
mann, (Brimmeld^aufen, dotob (S^rtmm, 9luerba(^, Brveijtag). III. Bur 
Seigre oon ben Sitaten unb 9ioten (be^anbelt u. a. ®erbinu«, 
Xaine, ßume, (Sottffti dpl^emeriben, (Sibbon). IV. UngebrucfteS: 
Bur SRetl^obe ber ßiteraturgcf(^i(^te. — Über ©. b. ßumbolbt. Äßl^eHfd>e 
Serfuifie. - ^^ermann unb l)orot1;ea. — i^otiffU IBnefmectfel mit £um- 
bolbt«. •» a3nefwe((fet Sd^inerS unb Sotta«. Y. (Sinaelneft: @Mnte« 
löeube — Xaffo — ffiallenjletn — ^ermann«fd)Iad>t — »er SKeere« unb 
ber i^iebe ©eilen — 5^ante, ©H^alcfpeare, TOilton. 



9(it9jitg aus ^t^pttifftm^tn. 

HVgfllteitte SeUttvg« „Vlit freubigem Sani l&egragen tvir 
bte Sfortfe^ung ber @atntnlung bon Oernat^ft Schriften" . . . 

mäiHt f. litter« ttutetJ^attiiiig . . . 9Ran uHtb bielleii^t mit 
9. barübCT redeten Idnnen, ob ber fBeg feinet Unterfue^ungen nid^t ^n 
unb »ieber aU^n nnt{l&nbli(^ borgelegt iji, anf jeben gfaU tt)irb man ben 
ReicJ^tum bei ®ebanten, bie umfaffenbe ftenntnift unb bie 
groBattige SJel^errf (j^ung ber mobernen Literaturen aner« 
Tennen muffen. 

Silterarifd^eA Cd^d . . . SBer flc^ je ber gfül^rung bon fd. anbertraut 
ftai, ber erinnert fi(^, wie fi((er er burd^ dal^rbunberte unb 
:3fa]^rtaufenbe geleitet morben ift unb gibt fli^ biefem berubigenben 
0enuB gern aufs neue l^in; ^ier aber, in ben beiben ))oftbumen iO&nben. 
»irb er mit Crftaunen gewahr, baB jene gefeftigte ©i^erl^eit, bie 16, am* 
seic^nete, ni((t erft baS SIefuItat ber reiferen ^abre ift . . . 

9tammxttt ^ü{^mmbtt\mt ... sie beifpiellofe gfaile 
bes Q^iffens auf aUen Gebieten beutfcj^er unb frember, alter unb neuer 
jBiteratur, ber forgf&Itig gew&l^Ite, breit aufttönenbe Kebe' 
f luBr bie bingebenbe Serel^ng an bas Oroge, wo immer eS fid^ finbet 
geben biefer Sammlung i^en boQen, man möchte fafi fagen, unb er« 
glei(bli((en fBert . . . 

9voMffitttet Sdtitilg . . . Sabei fd^eint er nid^ts borauSflufe^en. 
Ser gebilbete £efer,feTbfi wenn er nifbtgfadbmann ift folgt, fobalb 
er über^au^t Iiterargef(bi(btlt(be8 3ntereffe bat, biefen lid^tb ollen 
Darlegungen, bie il^n gleidbfam f^ielenb über ©(bn^ierigfeiten bin^^eg 
bon (S^ebiet }u ®ebiet gleiten laffen, mit wobligem Oergnflgen. 
eefonber» föftlid^ aberifkbieSeltflre fürbentiterarif dben 
SfeinfdbmedCer . . . 

•emtasia . . . SSir tdnnen aus bem reid^en 3nbalt, in bem <Be« 
banlentiefe mitSd^önbcit berfSform ge^aartiji, nur Sin^elneS 
berbor^eben. 

^amhnxntv tdtreflfoiileitt. ®enug, ber Oanb bietet eine SfäUe 
feinfler Sinsetbemertungen; aber ein ni(bt minber l^ober fBert wobntibm 
als gefcbloffener (Einbeit inne. (Sinbeitlicbiftsun&cbftfcbon ber 
@tilbeS SBerfeS: eine gleicbnt&Bige SBeibe lagert über ber Sar- 
fteüung unb l^ebt bon bomberein bie ®egenft&nbe in eine ^tb^fttt ©pb&te. 
9lttS einem ®tt§ ift aber antut bie innere ftompofition ber bier 
umfangreidbenfBlbbanblungen; fo oft ber majefi&tiffbe 6trom biefer $rofa 
auf €eiten^fabe eingebt, immer führen fie mit meifterl^after 0e»anbbeit 
9u bem ^au^tarm iurftd , . . 



9vCttfe» SK^fMU^d^ • • • Vtt4 Mcftt bitrtc 0fli% btvbicitt bad 
ttti(iR8<f<i&v&Rtte Sob, bat ben ftfl^en su teti koatb. 

ftiMfl^e Seit«ll8 . . . Vii(j^ in bicfen ntineven 6<j^tifteii bettNtnbeni 

mir 0.1 umfaffenbe tfele^rfamteit unb feinen Spürfinn, 
feine ftunft, bat Oefen eine! Sid^tettoetll su betanfi^au« 
li^cn» feinen ))ftyd&oIOflif<^en Ziefbli< unb bic lebl^Aftc 
fleiflrei((e Vrt feiner Satftellnna. 

UltC«. 9itlef»t«tibitt . . . 3ebenfaai »irb bie nitnme^r bott« 
enbete Vuftgabe ber »Sfj^riften" ba^u beitragen, ba§fein9tamebet 
9laiitotlt in banterfftlltem (9eb&(^tnift bleibt 

Muie Beige ... La sdenoe la plns solide Jointe k ragröment 
dn Btyle caraoMriseBt tont oe qai est sorti de la plume de B. 
Ses SohriftoB soBt hb des onyrages capltanx de 1« 
oritique littöraire de notre temps. 

ftatiimaltrttllllg ... alle Sorsflge beft feinfinnigen tfelel^en 
unb berbienfIboBen gfocfd^etft: umfaffenbe ^elel^Tfantett, ftrenge 
met^obifd^e 9ot\äiun^, gl&nscnbe Sarflellunafttnnfi . . . 

KeüIdYf er ^tMtHHUmg . . 3n feiner S (( r e i b » e i f e Wit^tlt 
\idi bie ganje analptif(j^e ftraft beft bome^men ^enlerS, bie TriflaS^IIe 
Ittar^eit feine« gereiften Urteilft . . . fie tlingt wie gefd^riebene 
SRufil. . . 

I^entfi^e lletMtc . . • Vtan ntuB flaunen Aber ben reichen 
(9ei fl, ber in ber gansen Weltliteratur )u ^aufe »ar wie Tein ^weiter . . . 

VdfUf^e ScitMlIg . . . überall fldftt man auf feine 9e« 
obad^tungen unb frud^tbare Anregungen, bie ffir bic ghrennbe 
ber Literatur unb be9 Zl^eater« unbecloren fein nftffen. 

Seitf^rift f ftt ba« •inmaHnf tdcfen* „«Oes in biefen «uffOlen 
Gebotene ift fo anregenb, begeifternbunbentsfldenbnnbf^liegt 
fid) fo boU unb gan) in feinem inneren Berte ben in ben früheren 0ftnben 
ber5ffentU((ten SCbl^anblungen an, ba§ wir, wie frfll^r, au(j^ biefen 9anb 
gan) befonberS ben Se^rerbibliot^eten jur 9lnf((affung 
empfehlen." 

Seitf^tift f« bergt SittergtnrgefdH^te. „«iiffenf c^aftlii« 
im ^öd^ften unb reinften Sinne erweift fi(( fo ber (K^aralter ber 
gef amten SarfieUung Aber au(j^ aU ! fl n ft l e r i f d) bilbenber Vutor f fll^lt 
fld^ Qemabft feinem Stoffe gegenüber. Sein Vortrag foE fd^on bttr«^ 
feine ftilifüff^e gform anjie^n. dt ift barum bot allem mufter^aft 
llar unb ffir {eben gebilbeten, nid^t bloB ben fad^mftnnifil^ 
unterrichteten £efer berflAnblie^." 




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3 2044 019 993 u. 




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